Teenager: Gemeinsame Familienmahlzeiten vermeiden Übergewicht und Essstörungen

Angesichts einer steigenden Zahl von übergewichtigen und fettleibigen Jugendlichen ist guter Rat teuer. In den USA ist bereits jeder dritte Teenager zu dick. Viele Eltern machen sich Sorgen und betrachten deshalb die Gewichtsentwicklung ihrer Kinder zunehmend kritisch. Ständige Diskussionen über das Gewicht, eventuell sogar Hänseleien über die pummeligen Teenager sind jedoch in der Regel kontraproduktiv, schreiben Neville Golden von der Stanford University School of Medicine und Mitarbeiter in einem Report für die American Academy of Pediatrics.

Auch die Aufforderung zur Diät sei falsch. Diäten im Jugendalter sind für den Experten der falsche Weg. Sie seien nicht nur unwirksam, in Studien erweisen sie sich immer wieder als Risikofaktor für eine Adipositas oder, was noch bedrohlicher ist, für eine Anorexie.

Golden rät zu gemeinsamen Familienmahlzeiten. Teenager sollten nach Möglichkeit nicht alleine essen, da dies schnell zu einer ungesunden Ernährungsweise mit hochkalorischen Nahrungsmitteln führt. Wenn die Eltern das Essen zubereiten, sei die Chance höher, dass die Jugendlichen sich gesund ernähren. Beim Essen sollte niemals über Gewichtsprobleme geredet werden. Diäten sollten ebenfalls Tabu sein. Wenn die Eltern intervenieren möchten, dann sollten sie ihre Kinder eher zu mehr Bewegung motivieren. Das Motiv sollte jedoch die körperliche Fitness sein, niemals aber die Gewichtskontrolle.

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Pressemitteilung der American Academy of Pediatrics
Pressemitteilung von Stanford Medicine

Kinder sollten sich beim gemeinsamen Essen satt essen dürfen. Viele Eltern unterschätzen den Bedarf von Teenagern. Mit den 2.000 Kilokalorien, die für Erwachsene empfohlen werden, kommen Jugendliche in der Regel nicht aus. Mädchen benötigen im Teenageralter etwa 2.200 Kilokalorien, Jungen sogar 2.800 Kilokalorien am Tag. Wenn sie aktiv Sport treiben, kann der Bedarf sogar deutlich höher sein. Auch gilt aber: Wer anfängt, Kalorien zu zählen, hat in der Regel bereits verloren.

Magersucht: Externe Faktoren sowie Gene schuld

Wissenschaftler erforschen genaue Auslöser der Krankheit bei Mäusen

Von dick zu dünn: Gene und Umwelt beeinflussen (Foto: pixelio.de, Hofschlaeger)

New York (pte002/15.04.2016/06:00) – Das Columbia University Medical Center http://cumc.columbia.edu hat in einem neuen Mausmodell nachgewiesen, wie eine Kombination von genetischen und umweltbedingten Risikofaktoren Magersucht auslöst. Anorexia nervosa ist laut dem Team um Lori Zeltser die dritthäufigste chronische Erkrankung bei jungen Menschen in den USA. Die Sterblichkeit liegt bei acht bis 15 Prozent, die höchste bei allen psychiatrischen Erkrankungen.

Stress und Gene im Blick

Forscher nehmen an, dass sich das Risiko einer Erkrankung durch eine Kombination von genetischen, biologischen, psychologischen und soziokulturellen Faktoren erhöht. Eine Hürde bei der Entwicklung neuer Therapien war jedoch das Fehlen von Tiermodellen, die das Entstehen der Krankheit nachvollziehbar machen. Laut Zeltser haben bisherige Tiermodelle Faktoren wie sozialen Stress und genetische Komponenten von Angstgefühlen und Magersucht nicht berücksichtigt, die aber wahrscheinlich zum Entstehen einer Erkrankung beitragen.

Daher setzten die Experten heranwachsende Mäuse zumindest einer Kopie des Gens BDNF aus. Dieses wurde bereits mit Magersucht und Angst bei Mäusen und Menschen in Verbindung gebracht. In einem nächsten Schritt wurden die Tiere einer kalorienarmen Ernährung unterzogen, die laut dem Team beim Menschen einer Magersucht vorausgeht. Die Kalorienzufuhr wurde dabei um 20 bis 30 Prozent verringert. Laut Zelster ist einer der Einflussfaktoren beim Menschen der Gruppenzwang, vor allem der Wunsch, dünn zu sein.

Die Wissenschaftlerin geht davon aus, dass sich dieser Faktor bei Mäusen nicht herstellen lässt. Daher wurde er aus der Gleichung genommen. Die Forscher konzentrierten sich stattdessen auf sozialen Stress. Dieser kann schon dadurch hervorgerufen werden, dass die Tiere allein und nicht in Gruppen untergebracht werden. Wurden die Mäuse mit der BNDF-Genvariante sozialem Stress durch Isolation und einer eingeschränkten Ernährung unterzogen, mieden sie Futter eher als die Tiere der Kontrollgruppe.

Komplexes Zusammenspiel

Wurden diese Faktoren auf erwachsene Mäuse angewendet, kam es zu keiner derartigen Veränderung. Wurden die heranwachsenden Tiere mit der Genmutation nur einem Faktor ausgesetzt, veränderte sich ihr Fressverhalten kaum. Laut Zester ist damit klar, dass ein genetisches Risiko allein nicht ausreicht, um ein Verhalten wie bei einer Magersucht auszulösen. Es überträgt sich jedoch vor allem in der Jugend auf die Anfälligkeit für sozialen Stress und Diäten. „Alle diese Variablen müssen zusammenspielen, damit es zu grundlegenden Auswirkungen auf das Essverhalten kommt“, so Zelster.

Da die Studie mit Mäusen und nicht mit Menschen durchgeführt wurde, räumen die Forscher ein, dass es immer Fragen geben wird, inwieweit ein Tiermodell eine so komplexe Erkrankung wie Magersucht abbilden kann. Viele entscheidende Komponenten gäben jedoch jene Faktoren wieder, die zum Entstehen einer Essstörung beitragen. Derzeit würde das neue Mausmodell nur zur Erforschung von Signalwegen im Gehirn genutzt, die zu einem magersüchtigen Verhalten beitragen können. Sie hoffen, bald neue Therapien gegen Magersucht zu finden. Die Ergebnisse wurden in „Translational Psychiatry“ veröffentlicht.

Adipositas weltweit auf dem Vormarsch

Paris – Immer mehr Menschen weltweit haben Übergewicht. AdipositasLaut einer am Freitag veröffentlichten Studie sind heute mehr als 640 Millionen Erwachsene adipös, das sind 13 Prozent der erwachsenen Weltbevölkerung. Sollte sich an der gegenwärtigen Lebens- und Ernährungsweise nichts ändern, könnten es im Jahr 2025 mehr als 1,1 Milliarden (20 Prozent) sein.

Vor 40 Jahren habe es zwei Mal so viele Untergewichtige wie Adipöse gegeben, heute gebe es dagegen mehr Fettleibige als Untergewichtige, sagte Majid Ezzati vom Londoner Imperial College, der die im Lancet (2016; 387: 1377–96 ) erschienene Studie koordinierte. Für die nach seinen Angaben umfassendste Untersuchung zu dem Problem hatten die Forscher die Daten von etwa 19 Millionen Menschen im Alter ab 18 Jahren aus 186 Ländern ausgewertet.

Nach den Berechnungen der Forscher leiden heute 641 Millionen Menschen – 375 Millionen Frauen und 266 Millionen Männer – unter extremem Übergewicht. 1975 waren es 105 Millionen Menschen. Grund für die explosionsartige Steigerung sind neben den veränderten Ernährungsgewohnheiten auch genetische Veranlagungen.

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Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge gilt ein Mensch, dessen Body-Mass-Index den Wert von 25 übersteigt, als übergewichtig. Liegt dieser Index bei über 30, gilt ein Mensch als adipös. Bei einem Wert von mehr als 35 ist die Rede von schwerer Fettleibigkeit. Der Index berechnet sich aus dem Gewicht in Kilogramm, geteilt durch die Größe in Metern im Quadrat.

In 40 Jahren wird der durchschnittliche Body-Mass-Index der WHO zufolge bei Männern von 21,7 auf 24,2 und bei Frauen von 22,1 auf 24,4 gestiegen sein. Das entspricht einer durchschnittlichen Zunahme von 1,5 Kilogramm alle zehn Jahre.

Ernährungswissenschaftler führen Übergewicht und Fettleibigkeit in den Industriestaaten vor allem auf zu viel, zu süßes und zu fettes Essen, verbunden mit zu wenig Bewegung, zurück. Übergewicht gilt als Risikofaktor unter anderem für Herz-Kreislauf-Krankheiten, Diabetes und bestimmte Arten von Krebs.

Die Studie warnt, in vielen Regionen mit mittlerem Einkommen – Pazifik, Nahost, Nordafrika, einige südamerikanische und karibische Staaten – sei Fettleibigkeit mittlerweile ein „ernstes Problem für die Volksgesundheit“. Ezzati sagte, ohne „rasche“ internationale Maßnahmen zum Kampf gegen die Fettleibigkeit drohten „gesundheitliche Folgen unbekannten Ausmaßes“. © afp/aerzteblatt.de

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Erfolge und Risiken der Adipositas-Chirurgie bei Jugendlichen

Cincinnati – Bariatrische Operationen werden in den USA zunehmend auch bei Teen­agern durchgeführt. Eine prospektive Beobachtungsstudie im New England Journal of Medicine (2016; 374:113-123) attestiert den Eingriffen eine hohe Erfolgsrate. Es wurden jedoch relativ häufig Nachoperationen notwendig und jeder zweite Patient entwickelte später einen Eisenmangel.

Ein Drittel aller Kinder und Jugendlichen in den USA ist Bariatrieübergewichtig oder adipös. Jeder achte ist mit einem Body-Mass-Index oberhalb der 97. Perzentile sogar morbid adipös. Eine Lebensstilmodifikation erzielt bei Jugendlichen selten einen Erfolg, Medikamente zur Reduktion des Körpergewichts sind mit Ausnahme von Orlistat nicht zugelassen und ihre Wirkung würde bei den meisten das Körpergewicht nur um wenige Kilogramm reduzieren. Immer mehr Jugendliche unterziehen sich deshalb einer bariatrischen Operation.

Die Teen-Longitudinal Assessment of Bariatric Surgery study (Teen-LABS) begleitet eine Gruppe von Heranwachsenden im Alter von 13 bis 19 Jahren, bei denen zwischen März 2007 und Februar 2012 eine bariatrische Operation durchgeführt wurde. Bei 67 Patienten war diese eine Sleeve-Gastrektomie, die den Magen auf einen schmalen Schlauch verkleinert. Bei 161 wurde eine Roux-en-Y-Operation durchgeführt. Sie besteht neben einer Magenverkleinerung auch aus einer Verkürzung der Resorp­tionsstrecke im oberen Dünndarm.

Wie Thomas Inge vom Cincinnati Children’s Hospital Medical Center und Mitarbeiter jetzt berichten, hat die Operation bei den meisten Patienten ihr Ziel erreicht: Im Mittel drei Jahre nach der Operation hatten dieAdipositas KJ Kinder nicht weniger als 41 kg abgenommen (von 149 auf 108 kg), wobei die Gewichtsabnahme nach dem Roux-en-Y-Bypass (minus 42 kg) erwartungsgemäß deutlicher ausfiel als nach der weniger eingreifenden Sleeve-Gastrektomie (minus 38 kg).

Auch aus medizinischer Sicht waren die Operationen ein Erfolg: bei 84 von 128 Patienten besserten sich die Lipidwerte, bei 56 von 76 Patienten normalisierte sich der Blutdruck, bei 19 von 22 Patienten erholte sich die Nierenfunktion, bei 19 von 20 Patienten wurde ein Typ 2-Diabetes und bei 13 von 17 Patienten ein Prädiabetes kuriert.

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Die bariatrische Operation war jedoch nicht ohne Risiken: 13 Prozent der Patienten mussten in der Folge teilweise mehrfach nachoperiert werden, weil es zu Strikturen oder anderen Komplikationen gekommen war. Es kam sogar zu einem Todesfall, der aber nicht unbedingt mit der Operation in Verbindung gebracht werden kann kann: Ein Kind mit Typ 1-Diabetes starb 3,3 Jahre nach der Operation an den Folgen einer Hypoglykämie.

Alle Patienten sind seit der Operation in medizinischer Betreuung. Alle erhalten laut Inge Supplemente mit Multivitaminen und Spurenelementen. Dennoch kam es bei 57 Prozent der Teilnehmer zu einem Abfall des Ferritins, bei 43 Prozent zu einem Vitamin D-Mangel, bei 16 Prozent zu einem Vitamin A-Mangel und bei 8 Prozent zu einen Vitamin B12-Mangel. Die Nachbeobachtungszeit von 3 Jahren ist angesichts des jungen Alters der Patienten noch relativ kurz, um die langfristigen Folgen der Operation beurteilen zu können.