Diagnose Games-Sucht offensichtlich nicht sinnvoll

Psychologen warnen eindringlich vor Anerkennung als Krankheitsbild

Fort Worth (pte/24.07.2017/06:15) Zu viel Videospielen ist eine Sucht. Das scheint für manche so klar, dass es mittlerweile einen Vorschlag für die Aufnahme des „Internet-Spielzwangs“ in die Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD) gibt. Diese Hast, Vielspielen zu pathologisieren, sei bedenklich, warnen Psychologen in einer aktuellen Studie. Denn es sei viel zu unklar, was genau das angebliche Krankheitsbild eigentlich ausmacht. Aus ihrer Sicht ist zudem so manche Studie, die Games-Sucht als verbreitetes Problem darstellt, vor allem eines: schlechte wissenschaftliche Arbeit.

Pseudo-Wissenschaft

Würde der sogenannte Internet-Spielzwang in die ICD aufgenommen, könnten Games-Kritiker fröhliche Urstände feiern. Denn dann würde es womöglich gar erschreckend leicht, Gamer einfach als krank abzustempeln. „Im Feld der ‚Videospiel-Sucht‘ gibt es eine Inzidenzrate von 0,8 bis 50 Prozent, je nachdem, welche Studie man sich ansieht“, betont Erstautor Anthony M. Bean http://beanpsychologicalservices.com gegenüber dem Games-Nachrichtenportal „Polygon“. Schon diese riesige Diskrepanz zeigt für sein Team eher, dass da unsaubere Wissenschaft betrieben wird, als dass es Belege für ein neues Krankheitsbild liefert.

Aus Sicht von Bean und Kollegen haben manche Psychologen mit einer undurchsichtigen, breiten Definition der angeblichen Sucht das ganze Hobby Games diskreditiert. Ein Problem sei, dass irgendwelche Psychologen einfach davon ausgegangen sind, dass sie das Konzept der Sucht, wie es beispielsweise von Drogen bekannt ist, einfach so auf Games umlegen können. Doch das sei nicht angebracht. „Das könnte man genauso gut für Football machen“, meint Bean. Immerhin geben Sportler für ihre Berufung ja auch alles. Wer wiederum gerne liest, verschlingt Bücher bisweilen regelrecht und denkt auch an sie, wenn er sie beiseitelegen muss. „Warum ist das keine Sucht?“

Stigmatisierung als Problem

Die Studie im Journal „Professional Psychology: Research and Practice“ http://apa.org/pubs/journals/pro verurteilt Pläne für die Aufnahme des Internet-Spielzwangs in die ICD daher als voreilig. Bean verweist beispielsweise darauf, dass manche Menschen womöglich Games nutzen, um mit Depressionen umzugehen oder Stress abzubauen. Zudem hinterfragt er, ob eine Stigmatisierung von Games nicht eigentlich mehr Schaden anrichtet als nutzt.

„Leute sagen zu ihren Partnern oder Kindern: ‚Oh mein Gott! Du bist süchtig nach Games. Du kannst die Finger nicht davon lassen! Was wirst du dagegen tun? Ich will nichts mit dir zu tun haben, wenn du diese Spiele zockst'“, meint Bean. Dabei sei nachgewiesen, dass solchen Meinungen ausgesetzt zu werden, bei Betroffenen letztlich Depressionen verursachen kann. „Das kann wirklich ihre komplette Psyche beeinträchtigen, ihr komplettes Selbstwertgefühl.“

Methamphe­tamin-Entzug: Neue S3-Leitlinie rät von Substitution mit psychoaktiven Substanzen ab

Die erste S3-Leitlinie zu Metamphetamin-bezogenen Störungen ist kürzlich erschienen. Im Mittelpunkt steht die Evidenz zur medikamentösen und psychotherapeutischen Therapie, die sich jedoch größtenteils als äußerst schwach herausstellte. Psychotherapie und Sportprogramme zeigen dennoch im Vergleich zu Medikamenten bessere Effekte bei Crystal Meth-abhängigen Personen. Eine Zusammenfassung der Leitlinie ist im Deutschen Ärzteblatt (DÄ) erschienen (Dtsch Arztebl Int 2017; 114(26): 455-61).

Methamphetamin-Konsumenten suchen vor allem in den an Tschechien angrenzenden Bundesländern (Sachsen, Bayern und Thüringen) häufiger Ärzte und Suchthilfen auf. Bisherige Leitlinien halfen bei der Entscheidung für eine Therapie nur unzureichend weiter. Denn sie bezogen sich nicht spezifisch auf die Substanz Methamphetamin und waren zudem veraltet. Die Bundes­ärzte­kammer hat daher finanziert durch das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium ein Expertenpanel beauftragt, eine S3-Leitlinie zu entwickeln. 

Basierend auf einer Literaturrecherche, die auch 58 Studien zu medikamentösen Interventionen einschloss, haben die Experten um Euphrosyne Gouzoulis-Mayfrank vom Landschaftsverband Rheinland-Klinik in Köln Empfehlungen zu Medikamenten, Substitution, Psychotherapie und Sportprogrammen zusammengefasst. Gut belegt ist beispielsweise die Wirksamkeit kognitiver Verhaltenstherapie oder des Kontingenz­managements.

Nachweislich positiv wirkt sich auch Sport auf Methamphetamin-Abstinenzsymptome, wie Suchtdruck, Angst und Depressivität, aus. Medikamente wie etwa Tranquilizer werden nur eingeschränkt empfohlen. Die Datengrundlage sei zu schwach, damit könne man wenn überhaupt nur geringe Effekte nachweisen, heißt es in der Publikation. Vergleichbar schlecht ist Evidenz zu Substitutionsversuchen mit Psychostimulanzien. Der Einsatz von retardiertem D-Amphetamin oder retardiertem Methylphenidat wird daher in der S3-Leitlinie nur im Rahmen von klinischen Studien empfohlen.

Weltdrogenbericht: 250 Millionen Menschen greifen zu illegalen Drogen

Rund um den Globus greifen 250 Millionen Menschen zu illegalen Rausch­giften. Das geht aus dem Weltdrogenbericht hervor, den die Vereinten Nationen (UN) heute in Wien vorgestellt haben. 29,5 Millionen von ihnen haben den Angaben zufolge schwere Krankheiten wie Hepatitis C und Tuberkulose oder seien mit HIV infiziert, teilte das UN-Büro zur Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) mit. Nur jeder sechste Kranke werde angemessen behandelt.

Mindestens 190.000 Menschen sterben den Angaben zufolge jedes Jahr vorzeitig wegen ihrer Drogensucht. Experten schätzen den Schwarzmarktwert der allein in Europa verkauften Drogen auf 20 bis 30 Milliarden Euro.

Dabei nimmt der illegale Handel mit Opium und Kokain den UN-Angaben zufolge deutlich zu. So hat nach längerem Rückgang die Anbaufläche für die Koka-Pflanze in Südamerika in den vergangenen Jahren um 30 Prozent zugelegt. Dies sei vor allem auf die Entwicklung in Kolumbien zurückzuführen.

Zugleich sei wegen einer besseren Ernte die Opium-Produktion binnen Jahresfrist um 30 Prozent auf 6.380 Tonnen geklettert. Gerade in Nordamerika steige offenbar die Zahl der Heroinsüchtigen. Das Darknet, ein abgeschirmter Bereich des Internets, spiele eine immer bedeutendere Rolle im Drogenhandel, hieß es in dem Bericht.

Schon moderater Alkoholkonsum schädigt das Gehirn

Oxford – Bei Männern und Frauen, die über Jahrzehnte hinweg fünf bis sieben Flaschen 0,5-l-Bier und somit etwa 110 bis 170 g reinen Alkohol pro Woche konsu­mieren, ist das Risiko einer Schrumpfung des Hippocampus doppelt bis dreimal so hoch wie bei Nichttrinkern. Darüber hinaus schnitten die moderaten Alkoholtrinker bei einigen Sprachtests schlechter ab als Abstinenzler. Zu diesem Schluss kommt eine Studie von Forschern der University of Oxford, die im British Medical Journal publiziert wurde (2017; doi: 10.1136/bmj.j2353).

Wie viel Alkohol ist enthalten?

10 g bis 12 g Alkohol entsprechen circa …

  • … 0,25 l Bier (5 Vol-%)
  • … 0,1 l Wein/Sekt (11 Vol-%)
  • … 0,2 l Longdrink mit 4 cl Wodka
    (38 Vol-%)
  • … 0,04 l Spirituose/Shot (38 Vol-%)

Moderater Alkoholkonsum

  • 110 bis 170 g Ethanol = fünf bis sieben 0,1-l-Gläser Wein/Sekt beziehuzngsweise 0,5 l Bier pro Woche

Die negativen Effekte von hohem Alkoholkonsum sind hinlänglich untersucht. Doch zu den potenziellen Schäden eines moderaten Genusses – also fünf bis sieben 0,1-l-Gläser Wein oder 0,5 l Bier pro Woche – gibt es nur wenig aussagefähige Untersuchungen.

Im Rahmen der Whitehall-II-Gesund­heitsstudie wurden 550 Männer und Frauen im Alter von durchschnittlich 43 Jahren zwischen 1985 und 2015 unter­sucht. Keiner der Probanden war zu Beginn der Studie Alkoholiker. Je mehr Alkohol die Teilnehmer pro Woche tranken, desto größer war auch der Schwund an Gehirnmasse im Hippo­campus, der für das Gedächtnis und die räumliche Orientierung zuständig ist. Wer umgerechnet zehn 0,5-l-Flaschen Bier (5 Vol-%) pro Woche (240 Gramm reiner Alkohol) zu sich nahm, hatte das größte Risiko einer sichtbaren Hippocampus-Atrophie im Magnetresonanztomografen (Odds Ratio: 5,8; Konfidenzintervall (CI): 1,8–18,6; p ≤ 0,001). Bei einem moderaten Alkoholkonsum lag die Wahrscheinlichkeit für einen Schwund im Hippocampus immer noch  bei einer Odds Ratio von 3,4 (1,4–8,1; p = 0,007). Wer hingegen maximal 56 g Ethanol in Form von etwa fünf 0,1-l-Glä­sern Wein/Sekt pro Woche trank, hatte keinen Vorteil gegenüber Nicht-Trinkern.

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Alkohol ruft möglicherweise Gehirnschäden schon bei Mengen hervor, die bisher als moderat gelten, warnen die Autoren um Anya Topiwala vom Warneford Hospital in Oxford. Sie fordern daher eine Überprüfung der nationalen Richtlinien zum Alkohol­genuss.

Was versteht man weltweit unter moderatem Alkoholgenuss?

Wie genau sich ein akzeptabler Alkoholkonsum pro Woche definieren lässt, variiert weltweit. In Großbritannien wurden die Richtlinien bereits im vergangenen Jahr überarbeitet: Die Regierung empfiehlt seitdem, nicht mehr als 16 g Alkohol pro Tag zu konsumieren – also 112 g pro Woche. In den USA liegt die Schwellendosis weit höher, bei 28 g pro Tag. Die Fachgesellschaften für Ernährung in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben sich auf Referenzwerte geeinigt, die für gesunde, nicht schwangere Frauen einen Konsum von 10 g Alkohol pro Tag als akzeptable Menge an Alkohol angeben, bei Männern sind es 20 g. Das wären ein halber Liter Bier pro Tag. Etwas mehr darf es nach Einschätzung der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) sein. Hier ist von einer „risikoarmen Schwellendosis“ von 12 g Alkohol pro Tag für eine Frau und 24 g für einen Mann die Rede. Frauen wird in fast allen Ländern geraten, deutlich weniger zu konsumieren.

Die stille Sucht der Frauen

Wien/Berlin – Weibliche Sucht wird schneller tabuisiert, häufiger stigmatisiert und findet meist im Verborgenen statt. Darüber hinaus nehmen Frauen therapeutische Angebote deutlich weniger wahr als Männer. Während ein Drittel der globalen Drogen­konsu­menten Frauen und Mädchen sind, ist nur einer von fünf Behandlungsempfängern weiblich.

Dies ist nicht nur für die Frauen problematisch, auch die Auswirkungen auf die Familien, insbe­sondere die Kinder sind immens. Dies geht aus dem heute veröffentlich­ten Bericht des Internationalen Suchtstoffkontrollrats „International Narcotics Control Board“ (INCB) hervor. Dieser analysiert die globale Drogenkontrollsituation und gibt Ländern, welche die drei internationalen Drogenkonventionen ratifiziert haben, Hand­lungs­empfehlungen zur Bewältigung drogenbedingter Herausforderungen.

Zielgruppengerechte Hilfsangebote auszubauen

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler sagte: „Drogenpolitik muss die speziellen Bedürfnisse von Frauen erkennen und berücksichti­gen. Barrieren, die Frauen davon abhalten, sich in Behandlung zu begeben, etwa die Ausgrenzung durch die eigenen Familien, müssen überwunden werden. Viel zu häufig verhindert die gesellschaftliche Tabuisierung von Drogenkonsum und Sucht selbst lebensrettende Maßnahmen. Das muss sich ändern! Es gilt, die Frauenrechte weltweit zu stärken und zielgruppengerechte Hilfsangebote auszubauen. In Deutschland ist hierbei in den letzten Jahren viel geschehen, auch wenn wir noch längst nicht am Ziel sind. International sehe ich enormen Handlungsbedarf.“

Frauensucht wird oft als die stille Sucht beschrieben. Was auch dazu führt, dass Frauen von ihrer Umwelt später mit der Suchtdiagnose konfrontiert werden und weitaus später Beratungsstellen suchen. Gerade die frühe Auseinandersetzung mit dem Drogenkon­sum ist aber wichtig, um einer Abhängigkeitsentwicklung entgegenzuwirken. Oft liegen Ursachen für eine spätere Abhängigkeit schon in der Kindheit.

Zugang zu Prävention, Behandlung und Wiedereingliederung

Der Präsident des Internationalen Suchtstoffkontrollrates (INCB) Werner Sipp sagte: „Wir fordern alle Regierungen weltweit auf, den spezifischen Belangen und Bedürfnissen von drogenabhängigen Frauen besser Rechnung zu tragen. Vor allem der Zugang zu Prävention, Behandlung und Wiedereingliederung muss verbessert und das mit der Abhängigkeit verbundene Stigma abgebaut werden.“

Zur weiblichen Sucht gehören aber nicht nur das Suchtverhalten selbst, sondern auch besondere Gesundheitsgefahren für die ungeborenen oder neugeborenen Kinder. Hin­zu kommt, dass Kinder suchtkranker Eltern einem besonders hohen Risiko ausgesetzt sind, später ebenfalls abhängig zu werden. Der Anteil der Drogenabhängigen, die Kinder haben, wird auf etwa ein Drittel geschätzt. Der diesjährige Jahresschwerpunkt der Drogenbeauftragten Marlene Mortler befasst sich mit eben diesen Kindern, mit Kindern aus suchtbelasteten Familien. Ein zentrales Anliegen ist es, das bestehende Hilfesystem zu stärken und den Betroffenen eine bestmögliche Orientierung zu geben.

Methadon­substitution: Abhängige steigen zunehmend auf Alkohol um

Zürich – Die Methadonprogramme im Schweizer Kanton Zürich haben sich auch lang­fristig als erfolgreich erwiesen. Der Anteil der Abhängigen, die zusätzlich Heroin oder Kokain konsumieren, ist laut einer Studie in Lancet Psychiatry (2017; doi: 10.1016/S2215-0366(17)30080-9) zurückgegangen. Viele Abhängige haben aber den Alkohol als Ersatz entdeckt.

Gegen die in den 1990er-Jahren eingeführten Methadonprogramme wurden vor allen zwei Einwände erhoben. Zum einen wurde befürchtet, dass der allzu bequeme Ausweg in ein Methadonprogramm junge Menschen zum Heroinkonsum verleiten würde. Zum anderen wurde bezweifelt, dass die Methadonsubstitution die Abhängigen vom Heroin­konsum abhalten würde. Beide Entwicklungen sind nicht eingetroffen, wie Marcus Herdener von der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich jetzt im Rückblick auf den Zeitraum von 1998 bis 2014 zeigt.

Die Zahl der Substitutionsbehandlungen sei seit ihrer Einführung in den 1990er-Jahren konstant geblieben, berichtet Herdener. Derzeit würden im Kanton Zürich rund 3.000 Heroinabhängige Opioide wie Methadon, Buprenorphin oder Morphin im Rahmen einer Therapie erhalten. Der illegale Beikonsum sei sogar gesunken. Der Anteil der Patienten, die häufig, mindestens fünf Tage die Woche, Heroin konsumierten, habe sich um mehr als die Hälfte von 14,4 auf sechs Prozent verringert. Der Anteil häufiger Kokainkonsu­menten sei von 8,5 auf 4,9 Prozent gesunken. Für viele Teilnehmer des Methadonpro­gramms habe sich zudem die soziale Situation verbessert.

Immer mehr Patienten haben jedoch eine andere Ersatzdroge entdeckt. Der Alkohol­konsum hat laut Herdener deutlich zugenommen. Fast jeder vierte Patient (22,5 Pro­zent) zeige einen erhöhten Alkoholkonsum und gefährde dadurch die Leber. Das Organ ist bei vielen Teilnehmern vorgeschädigt, da sie sich bei ihrem früheren intravenösen Drogenkonsum mit Hepatitis B und/oder Hepatitis C infiziert haben.

Andere Studien haben gezeigt, dass immer mehr opioidabhängige Personen an Leber­erkrankungen sterben. Herdener sieht hier derzeit einen grossen therapeutischen Hand­lungsbedarf.

Baden-Württemberg steigt bei Onlineberatung für Süchtige ein

Stuttgart – Baden-Württemberg steigt in ein Beratungsportal für Cannabissüchtige ein. Wie das Sozialministerium heute mitteilte, beteiligt sich das Land an der Onlineberatung „Quit the Shit“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. „Gerade für junge Men­schen, die mit dem Kiffen aufhören wollen, ist eine Beratung per Smartphone eine echte Alternative zu den bereits bestehenden Beratungsstellen im Land“, sagte Sozialminister Manfred Lucha.

Das Land beteiligt sich einem Ministeriumssprecher zufolge etwa an den Personalkos­ten. So soll unter anderem eine halbe Stelle für eine Fachkraft finanziert werden. In diesem Jahr stehen demnach insgesamt maximal 37.500 Euro zur Verfügung, 2018 und 2019 sind es 45.000 Euro.

Über einen Link können sich Ausstiegswillige aus Baden-Württemberg bei der Plattform anmelden. Kern von „Quit the Shit“ ist demnach ein mehrwöchiges Beratungsprogramm, bei dem Interessierte individuell und online durch professionelle Berater dabei unter­stützt werden, ihren Cannabiskonsum in den Griff zu bekommen.

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unterstützt Alkoholfasten mit Onlineaktion

Berlin/Köln – Mit einer Online-Fastenaktion will die Bundeszentrale für gesund­heit­liche Aufklärung (BZgA) Menschen unterstützen, die bis Ostern ihren Alkoholkonsum redu­zie­ren oder ganz auf Alkohol verzichten wollen. „Wichtig für die Gesundheit ist es auf jeden Fall, vom ,sorgenlosen’ Gewohnheitskonsum weg und hin zum bewussten Genuss zu kommen“, kommentierte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), die Onlineaktion.

Der Alkoholkonsum in Deutschland sei erfreulicherweise gesunken. Wäh­rend es im Jahr 2000 noch 10,5 Liter Reinalkohol je Einwohner waren, wurden 2014 9,6 Liter konsu­miert. Mit dem Auftakt der Fastenaktion am Aschermittwoch starten den Anga­ben zu­folge auch drei „Kenn dein Limit“-Blogger ihre alkoholfreie Phase. Sie berichten wöchent­lich im Blog der Aktion über ihre Erfahrungen in der Fastenzeit ohne Alkohol.

Entzündungsreaktion im Hirn begünstigt Opioidtoleranz

Atlanta – Eine Entzündungsreaktion des Nervensystems könnte der Grund sein, dass Patienten nach längerer Opioidtherapie eine Toleranz für die Schmerzmittel entwickeln. Möglicherweise könnte man diese Toleranzbildung pharmakologisch blocken, berichten Forscher um Anne Murphy vom Neuroscience Institute of Georgia State im Journal of Neuroscience (2016; doi: 10.1038/npp.2016.131).

Bei einer Opioidtoleranz sprechen Patienten im Verlaufe einer Schmerztherapie nicht mehr so gut auf opiode Schmerzmittel an. Eine Dosiserhöhung geht mit verstärkten Nebenwirkungen und langfristig auch mit einer höheren Gefahr für Abhängigkeiten einher. Grund für die Toleranz ist unter anderem die Desensibilisierung und Herunterregulation von Opioid-Rezeptoren. Die biochemische Kaskade, die zu dieser Desensibilisierung führt, ist laut den Autoren jedoch in großen Teilen unklar.

Aus Vorstudien wussten die Wissenschaftler, dass sogenannte Toll-like-4-Rezeptoren durch Opioide aktiviert werden. Diese Rezeptoren sind Teil der unspezifischen Abwehr und erkennen die Oberfläche von Pathogenen. Wenn Toll-like-4-Rezeptoren aktiviert werden, kommt es auch zu einer Ausschüttung von TNF-alpha. Die Arbeitsgruppe vermutete, dass die zunehmende Opioidtoleranz mit dieser TNF-alpha-Ausschüttung zusammenhängen könnte. Sie bauten auf dieser Hypothese ihre Versuche auf.

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Abstract zur Studie im Journal of Neuroscience
Anne Murphy
Warum Morphium den Schmerz verstärken kann
Opiate verlängern neuropathische Schmerzen bei Ratten

Sie infizierten Ratten mit Lenti-Viren, die RNA-Moleküle in sich trugen, die für lösliches TNF-alpha codieren. Durch diese Infektion konnten die Forscher, ihrer Hypothese entsprechend, eine künstliche Opioidtoleranz bei den Ratten aufbauen. Zeitgleich entstand eine Neuroinflammation bei den Ratten. Die Forscher injizierten den Ratten ein spezielles Peptid, welches auch die Blut-Hirn-Schranke überwinden konnte. Dieses Peptid neutralisiert lösliches TNF-alpha. Nach der Injektion stellten die Forscher fest, dass sich die künstlich erschaffene Opioidtoleranz vollständig zurückbildete. Die entzündliche Reaktion normalisierte sich ebenfalls.

Die Forscher vermuten, dass Opioide die empfindliche Homöostase des Gehirns stören. Diese Störung der Homöostase werde vom Immunsystem als pathogener Zustand fehlinterpretiert, mutmaßen sie. Mit ihren Versuchen konnten sie außerdem zeigen, dass die Toleranz durch eine Bekämpfung dieser Entzündungsreaktion verbessert werden könnte.

Schizophrenie: Cannabis-Konsumenten erleiden häufiger Rezidive

London – Schizophrenie-Patienten, die nach der ersten Episode ihrer Psychose ihren Cannabis-Konsum fortsetzten, erlitten in einer prospektiven Beobachtungsstudie inLancet Psychiatry (2016; doi: 10.1016/S2215-0366(16)30188-2) deutlich häufiger ein Rezidiv als Patienten, die abstinent wurden. Besonders riskant könnte die Cannabis-Variante „Skunk“ sein, deren Gehalt an Tetrahydrocannabinol (THC) besonders hoch ist.

Zu den aktiven Wirkungen der Cannabis-Drogen können psychotische Symptome und kognitive Störungen gehören. Nach dem Rausch normalisiert sich die Hirnfunktion, doch viele Psychiater vermuten, dass ein häufiger Cannabis-Konsum die Entwicklung einer dauerhaften Psychose begünstigt. Auffällig ist ein hoher Cannabis-Konsum von Patienten, die mit der ersten Episode einer Schizophrenie hospitalisiert wurden.

Ein kausaler Zusammenhang ist freilich nicht erwiesen, und nach der sogenannten Selbstmedikationshypothese könnte der Cannabis-Konsum ein (letztlich fehlge­schlagener) Versuch der Patienten sein, ihre Symptome durch Cannabis zu lindern. Nach dieser Hypothese sollten Patienten, die nach der Entlassung aus der Klinik weiterhin Cannabis konsumieren, ein vermindertes Risiko auf ein Rezidiv der Psychose haben.

Das Gegenteil war allerdings der Fall in einer Gruppe von 256 Patienten, die Psychiater aus dem Süden Londons nach der ersten Episode ihrer Psychose betreuten. Die Patienten wurden in der Klinik intensiv nach ihrem Cannabis-Konsum befragt. Ein zweites Interview fand bei einer erneuten Hospitalisierung statt. Wie Tabea Schoeler vom King’s College und Mitarbeiter berichten, trat die zweite Episode der Patienten früher ein, wenn sie ihren Cannabis-Konsum nach der Entlassung aus der Klinik fortgesetzt hatten. Besonders riskant scheint hier der Konsum von „Skunk“ zu sein. Es handelt sich um eine Variante der Cannabis-Droge, die aus Pflanzen mit einem besonders hohen THC-Gehalt hergestellt wird.

Patienten, die täglich „Skunk“ konsumierten, hatten in einer multivariaten Analyse ein 3,28-fach erhöhtes Risiko auf ein Rezidiv. Bei ihnen war es in einem Zeitraum von etwa zwei Jahren 1,77-fach häufiger zu mehreren Rezidiven gekommen und sie benötigten 3,16-fach häufiger eine intensive psychiatrische Therapie. Diese Risiken bestanden, wenn auch etwas abgeschwächt, auch bei Patienten, die regelmäßig ihre Medikamente eingenommen hatten.

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PDF der Studie in Lancet Psychiatry

Die Ergebnisse schließen nicht völlig aus, dass Patienten, bei denen die Medikamente nicht die erhoffte Wirkung erzielten, eher geneigt waren, den Drogenkonsum fortzu­setzen. Rachel Rabin von der Universität Toronto erscheint es jedoch wahrscheinlicher, dass der Drogenkonsum den Rückfall begünstigt hat. Für diesen kausalen Zusammen­hang spricht nach Ansicht der Editorialistin, dass Patienten, die THC-ärmere Varianten wie Haschisch konsumierten, ein geringes Rückfall-Risiko hatten. Haschisch hat einen niedrigeren THC-Gehalt. Die Konzentration von Cannabidiol (CBD) ist dagegen höher. CBD werden antipsychotische Eigenschaften nachgesagt.

Allerdings erkrankten in der Studie auch Haschisch konsumierende Patienten häufiger an einem Rückfall als solche, die keine Drogen einnahmen. Die Odds Ratio war jedoch geringer als bei „Skunk“-Konsumenten und nicht signifikant. Eine wissenschaftlicheEvidenz für eine ärztliche Empfehlung zum illegalen Haschisch-Konsum kann aus den Studienergebnissen sicher nicht abgeleitet werden. Rabin argumentiert aber, dass Haschisch das geringere Übel sein kann, wenn ein fortgesetzter Cannabis-Konsum zu erwarten ist.