Drogenbeauftragte für mehr Prävention gegen Alkohol- und Tabakkonsum

Berlin – Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), hat eine stärkere auch gesamtgesellschaftliche Prävention vor allem gegen den übermäßigen Konsum von Alkohol und Tabak angemahnt. Alkohol werde in Deutschland noch deutlich zu viel und „viel zu gedankenlos“ getrunken, sagte sie heute bei der Vorstellung des neuen Drogen- und Suchtberichts in Berlin.

Übermäßiger Alkoholkonsum habe Folgen für die gesamte Gesellschaft, nicht nur aufgrund der volkswirtschaftlichen Kosten in Höhe von knapp 40 Milliarden Euro. „Die Diagnose ‚Psychische Störungen und Verhaltensstörungen durch Alkohol‘ ist bei Männern inzwischen der häufigste Grund für eine Aufnahme im Krankenhaus“, stellte Mortler heraus.

120.000 Tabaktote im Jahr sind zu viel

Auch bei der Reduzierung der Raucherquote dürfe man nicht „auf halber Strecke stehen bleiben“, betonte die Drogenbeauftragte. „Rund 120.000 Tabaktote im Jahr sind immer noch deutlich zu viel“, wenngleich der Anteil der Raucher bei Erwachsenen in den letzten 15 Jahren um rund 30 Prozent gesunken sei und der Anteil rauchender Jugendlicher sich in dieser Zeit um zwei Drittel verringert habe.

Mortler will sich deshalb weiter und verstärkt für ein Verbot der Tabakwerbung auf Plakaten und im Kino einsetzen. Ein entsprechender Gesetzentwurf zum Verbot von Tabakaußenwerbung war 2016 unter anderem am Widerstand der Unionsfraktionsführung unter dem Vorsitz von Volker Kauder gescheitert, der diesen vor kurzem abgeben musste. „Diesen Gesetzentwurf wollen wir nun wieder herausholen“, sagte sie.

Aufwärtstrend beim Konsum von E-Zigaretten

Bei den neuen Rauchprodukten wie E-Zigaretten und IQOS gebe es einen „klaren Aufwärtstrend“ beim Konsum sowohl bei Jugendlichen als auch bei Erwachsenen. „Von diesen Produkten geht ein gesundheitliches Risiko aus, auch wenn sie zum Teil weniger Schadstoffe als herkömmliche Tabakprodukte haben“, sagte Mortler. Man könne deshalb keine Entwarnung geben, auch nicht zu ihrem Einsatz zur Tabakentwöhnung.

Hinsichtlich der illegalen Drogen ist nach Angaben der Drogenbeauftragten seit längerem ein leichter Rückgang der Drogentoten festzustellen. Deren Zahl sank im vergangen Jahr auf 1272. Hauptursache für einen Drogentod sind nach wie vor Überdosierungen von Opioiden wie Heroin und Morphin. „In Bayern habe ich einen Modellversuch zur Abgabe von Naloxon (Opioid-Antagonist) durch geschulte Laien bei Überdosierung initiert“, berichte Mortler. Auf die Ergebnisse in eineinhalb Jahren sei sie gespannt.

Cannabiskonsum häufigster Grund für Suchtbehandlung

Besorgt zeigte sich die Drogenbeauftragte über den Anstieg des Cannabiskonsums bei Jugendlichen und Erwachsenen, vor allem auch weil der THC-Gehalt der Pflanze in den letzten 20 Jahren deutlich gestiegen sei.

„Die gesundheitlichen Folgen des Konsums sind immens und deshalb auch der häufigste Grund für eine Suchtbehandlung“, sagte Mortler. Hinsichtlich der Prävention verwies sie auf eine neue Broschüre der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzGA) zum Umgang mit Cannabis in der Schule.

Die landesweite Legalisierung von Marihuana in Kanada kritisierte Marlene Mortler ausdrücklich: „Das ist eine Kapitulation und ein Schritt in die falsche Richtung“, sagte sie.

Drogenbeauftragte warnt vor Verharmlosung von Cannabis

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), warnt vor einer Verharmlosung von Cannabis. „Wegen keiner anderen illegalen Droge müssen heute so viele Menschen behandelt werden wie wegen Cannabis“, sagte sie der Welt. Das Cannabis auf dem Markt sei nicht harmlos und solle nicht als Lifestyleprodukt bagatellisiert werden. Sie sehe daher keinen Grund, die illegale Droge zu legalisieren, so Mortler. Der Konsum von Cannabis sei riskant. Fast zehn Prozent der Konsumenten würden laut Studien süchtig werden. Zudem steige das Risiko für Psychosen und Angststörungen.

Von Maßnahmen wie in der Schweiz, wo den Angaben zufolge Hanfblüten zum Selbstdrehen von Zigaretten im Discounter angeboten werden, grenzt Mortler sich ab. „Die in der Schweiz angebotenen Produkte enthalten angeblich unter einem Prozent der berauschenden Substanz THC, so dass sie dort nicht unter die Drogengesetzgebung fallen.“ In Deutschland liege die Grenze deutlich niedriger.

Außenwerbung erneut in der Kritik

Weiter will die Drogenbeauftragte den Angaben zufolge gegen Medikamentensucht angehen. Sie appellierte an Ärzte, verantwortungsvoll mit der Verschreibung von Psychopharmaka umzugehen. Auch nicht verschreibungspflichtige Schlaf- oder Schmerzmittel sollten zurückhaltend eingesetzt werden. „Solche Tabletten dürfen nicht wie Zuckerstückchen geschluckt werden.“ Zudem brauche es eine stabile Finanzierung der Suchthilfe in Städten und Gemeinden.

Mortler sprach sich ferner gegen Außenwerbung für Zigaretten insbesondere auf Schulwegen und an öffentlichen Verkehrsmitteln aus. Vor allem junge Menschen seien empfänglich für die Botschaft, dass Rauchen cool sei. „Ich werde es nicht hinnehmen, dass junge Menschen weiter auf diese Weise zum Rauchen verführt werden“, sagte sie.

Das Bewusstsein für gesundheitliche Gefahren durch das Rauchen habe zugenommen, fügte Mortler hinzu. „Da sind wir deutlich weiter als beim Alkohol.“ Bier, Wein und Schnaps gehörten für viele noch immer zum Feiern dazu „wie die Butter zum Brot“. Es könne nicht sein, so die Drogenbeauftragte, „dass es als normal gilt, andere nach Kräften zum Trinken aufzufordern, derjenige, der zum Alkoholiker geworden ist, am Ende aber stigmatisiert wird“.

Kritik an Mortler kam heute von den Grünen. „Die Cannabispolitik der Drogenbeauf­tragten Mortler steht in einer Tradition mit der Alkoholprohibition der USA in den 1920er Jahren. An jeder Straßenecke in Berlin ist Cannabis erhältlich, nur eben unter den Bedingungen des Schwarzmarkts. Das gefährdet die Gesundheit“, sagte Kirsten Kappert-Gonther, Sprecherin für Drogenpolitik. Auf dem Schwarzmarkt gebe es keinen Gesundheits- und Jugendschutz. Dort frage niemand nach dem Ausweis. Das Cannabis sei zudem oft mit gefährlichen Streckmitteln versetzt. Kappert-Gonther betonte, es sei Zeit für eine Kehrtwende hin zu einer vernunftgeleiteten Drogenpolitik.

Sie fordetr Mortler auf, ihren Worten zum Verbot der Tabakaußenwerbung Taten folgen zu lassen. Deutschland sei das letzte Land in der EU, in dem alle Präventions­bemühungen noch durch großflächige Werbeplakate für Zigaretten konterkariert werden. „Nach den Ankündigungen von Frau Mortler erwarten wir, dass sie dem Gesetz der Grünen Bundestagsfraktion zum Verbot der Tabakaußenwerbung zustimmen wird“, sagte Kappert-Gonther.