Feinabstimmung neuronaler Rhythmen im Schlaf mit steigendem Alter verändert

Bei älteren Menschen gelingt die Konsolidierung von Gedächtnis­inhalten während des Schlafes nicht mehr so gut wie bei jüngeren. Gründe dafür erläutern Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung zusammen mit Forschern der Goethe-Universität Frankfurt und der Universität Fribourg in der Fachzeitschrift Scientific Reports (2019; doi: 10.1038/s41598-018-36557-z).

Der Schlaf ist bekanntlich für die langfristige Speicherung und Vernetzung neuerworbe­nen Wissens und somit für das Lernen unerlässlich. Eine zentrale Hirnstruktur dafür ist der Hippocampus. Er ist wesentlich an der schnellen aber kurzfristigen Speicherung neuer­worbenen Wissens und alltäglicher Erlebnisse beteiligt. Der Schlaf ermöglicht es, dass der Hippokampus Gedächtnisinhalte in die langsamer lernende Großhirnrinde überträgt und dort allmählich fest einschreibt. Dafür ist es den Forschern zufolge nötig, dass die Nervenzellaktivitäten in den beteiligten Gehirnarealen präzise aufeinander abgestimmt sind. 

„Durch die Beobachtung der Gehirnaktivität von Probanden im Schlaf konnten wir zeigen, dass sich Personen, die mehr vergessen, in einem wesentlichen Punkt von anderen Personen unterscheiden: Die Aktivität der Nervenzellen im Hippocampus und in der Großhirnrinde ist bei den vergesslicheren Personen weniger präzise gekoppelt“, erläuterte Beate Muehlroth, Erstautorin der Studie und Doktorandin im Forschungsbereich Entwicklungspsychologie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung.

Das Forscherteam hat die Lern- und Merkfähigkeit von 34 jüngeren Probanden im Alter zwischen 19 und 28 Jahren und 41 älteren Probanden im Alter zwischen 63 und 74 Jahren in einem speziell zu diesem Zweck entwickelten Gedächtnistest verglichen. Die Nacht zwischen dem Lernen und dem Gedächtnistest am nächsten Tag verbrachten die Teilnehmer zu Hause. Dort wurde die Nervenzellaktivität im Schlaf mit einem tragbaren Schlaf-EEG-System erfasst. Zusätzlich wurden die Größe und Struktur gedächtnis- und schlafrelevanter Gehirnareale mittels Magnetresonanztomografie (MRT) im Labor gemessen.

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In den Ergebnissen zeigte sich, dass ältere Probanden im Durchschnitt mehr vergaßen als jüngere Teilnehmer. Zusätzlich zeigte sich, dass Probanden mit geringerer Merkfähigkeit nachts während der Tiefschlafphasen eine weniger präzise Kopplung zwischen Schlaf­spindeln und langsamen Wellen aufwiesen, sodass die Konsolidierung der neu erlernten Inhalte weniger erfolgreich war.

„Wir haben festgestellt, dass die Kopplung der beiden Nervenzellrhythmen mit dem Alter tendenziell abnimmt und die Vergesslichkeit gleichzeitig zunimmt. Dies bedeutet zugleich: Diejenigen unter den älteren Probanden, die bei den Gedächtnistests gut abschnitten, zeigten auch ein Kopplungsmuster, das dem der jüngeren Probanden ähnelt“, erläuterte Markus Werkle-Bergner, Seniorautor und Projektleiter am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. 

Therapy conversation with the psychologist

Online-Therapie hilft gegen Schlaflosigkeit

Eine kognitive Verhaltenstherapie, die über das Internet durchgeführt werden kann, könnte nicht nur dabei helfen, Schlafprobleme zu verringern, sondern auch, bestimmte psychiatrische Symptome zu lindern. In The Lancet Psychiatry berichten Forscher um Erstautor Daniel Freeman von der University of Oxford über die Methode (2017; doi: 10.1016/S2215-0366(17)30328-0).

Schlafprobleme sind ein weit verbreitetes Problem. Verbesserung der Schlafhygiene, Entspannungstechniken und pharmakologische Ansätze können helfen, diese zu beheben. Als eine äußerst wirksame Therapiemethode gilt auch die kognitive Verhaltenstherapie. Diese Form der Psychotherapie ist stark praktisch orientiert. Sie kann zumindest im Falle von Schlafstörungen auch über bestimmte Internetportale durchgeführt werden. Die Wirksamkeit dieser Online-Angebote wird momentan noch im Rahmen von Studien evaluiert.

Sechs Sitzungen

In dieser Studie randomisierten die Wissenschaftler 3.755 Studierende mit Schlaf­proble­men in zwei unterschiedliche Gruppen. Die Interventionsgruppe machte über insgesamt zehn Wochen eine kognitive Verhaltenstherapie über das Internet, während die Kontrollgruppe keine therapeutische Intervention erhielt. Die interaktive Online-Therapie bestand aus sechs Sitzungen, die mindestens 20 Minuten dauerten und wöchentlich freigeschaltet wurden. Alle Teilnehmer wurden während der zehn Wochen regelmäßig zu ihrem Schlafverhalten und anderen psychiatrischen Symptomen wie Depressionen, Manie oder Paranoia befragt. 22 Wochen nach der ersten Intervention erfolgte eine Kontrollbefragung. 18 Prozent aller Studenten hatten mindestens einmal psychiatrische Hilfe in Anspruch genommen.

In der Auswertung der Ergebnisse zeigte sich, dass die Intervention die Schlaflosigkeit der Teilnehmer verminderte. Darüber hinaus verbesserte sich eine Reihe von psychiatrischen Symptomen wie Paranoia, Depression und sogar Halluzinationen. In einer Analyse stellten die Forscher fest, dass rund 60 Prozent der Verringerung paranoider Symptome dem verbesserten Schlaf zuzurechnen sei.

Studie: Online-Therapie hilft gegen Schlaflosigkeit

Charlottesville – Eine neunwöchige Online-Beratung, die auf den Prinzipien der kognitiven Verhaltenstherapie basiert, hat in einer randomisierten klinischen Studie in JAMA Psychiatry (2016; doi:10.1001/jamapsychiatry.2016.3249) die Schlafeigenschaften von Patienten mit chronischer Insomnie signifikant verbessert. Eine Wirkung war auch ein Jahr nach dem Ende der Online-Beratung noch nachweisbar.

Ein Drittel bis die Hälfte aller Erwachsenen leidet unter Schlafstörungen, die bei 12 bis 20 Prozent die diagnostischen Kriterien einer Insomnie erfüllen. Die Behandlung erfolgt in der Regel medikamentös, da für eine kognitive Verhaltenstherapie, die anders als die Medikamente eine langfristige Wirkung erzielt, aufwendig ist und in der Regel nicht genügend Therapeuten zur Verfügung stehen.

Um die effektive Therapie möglichst vielen Patienten zur Verfügung zu stellen, haben Psychiater der University of Virginia School of Medicine in Charlottesville eine Online-Therapie entwickelt, die die gleichen Ziele verfolgt wie eine kognitive Verhaltenstherapie. Dabei lernen die Patienten bestimmte Techniken wie Schlafrestriktion und Stimulus­kontrolle, die nachweislich die Schlafqualität erhöhen. Die Schlafrestriktion legt regelmäßige Schlafzeiten fest, die die Patienten einhalten müssen. Bei der Stimulus­kontrolle sollen die Betroffenen schlafverhindernde Aktivitäten (etwa Handynutzung im Schlafzimmer) meiden und schlaffördernde Aktivitäten erlernen.

Dabei reicht es in der Regel nicht aus, die Patienten grundsätzlich auf die Fehler aufmerksam zu machen und eine bessere Schlafhygiene einzufordern. Die Effektivität der kognitiven Verhaltenstherapie beruht auf der individuellen Beratung, die mit der Erstellung eines Schlaftagebuchs beginnt und nach einer Analyse die einzelnen Probleme „abarbeitet“. Dies erfordert in der Regel den persönlichen Kontakt mit einem Therapeuten.

Das Programm SHUTi (für „Sleep Healthy Using the Internet“) versucht, den Thera­peuten durch ein Internetmodul zu ersetzen. Vor Beginn der Beratung beantwortet der Patient über zehn Tage Fragen zu seinem Schlafverhalten. Seine Angaben bilden die Grundlage für eine Beratung über einen Zeitraum von neun Wochen, die dem Patienten langfristig zu einem besseren Schlaf verhelfen soll.

Das Team um Lee Ritterband von der University of Virginia School of Medicine in Charlottesville hat SHUTi jetzt in einer randomisierten Studie mit einer einfachen Patienten-Schulung verglichen. Dort erhielten die Patienten im Prinzip dieselben Strategien für einen besseren Schlaf vermittelt. Es fehlt aber der persönliche Bezug und die individuelle Beratung.

An der Studie nahmen 303 Patienten im mittleren Alter von 43 Jahren teil, die seit mindestens sechs Monaten über Einschlaf- oder Durchschlafstörungen an mindestens drei Tagen in der Woche litten, deren nächtliche Schlafdauer weniger als 6,5 Stunden betrug und die sich in ihrer Tagesaktivität durch die Schlafstörung beeinträchtigt fühlten. Primäre Endpunkte waren die Einschlaflatenz, die Dauer der nächtlichen Wachphasen und ein Insomnia Severity Index (ISI).

Wie Ritterband berichtet, waren beide Therapien erfolgreich. Auch die Patienten­schulung erzielte einen gewissen Effekt. Am Ende der Intervention hatten hier 11,3 Prozent eine Remission erreicht, definiert als weniger als 8 Punkte im ISI-Score. Nach einem Jahr stieg der Anteil auf 27,3 Prozent. Die Online-Beratung war effektiver. Am Ende der Intervention waren 40,6 Prozent in Remission, nach einem Jahr war der Anteil auf 56,6 Prozent gestiegen.

Diese zusätzliche Wirkung lässt sich das Team gut bezahlen. Für einen 16-wöchigen Zugriff auf die Internetseite werden 135 US-Dollar verlangt, wer ein Jahr Hilfe in Anspruch nimmt, zahlt 156 US-Dollar. Ein guter Patientenratgeber aus dem Buchladen dürfte wesentlich günstiger sein. Er bietet aber keine individuelle Beratung. Dass die Entwickler des Programms die Studie leiteten, stellt natürlich einen Interessenkonflikt dar. Lee Ritterband versichert aber, dass die Daten von unabhängiger Seite ausgewertet wurden.

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Abstract der Studie
Pressemitteilung von JAMA
Registrierung der Studie
SHUTi-Website
Insomnia Severity Index
Randomisierte Studie zu Sleepio

SHUTi ist nicht die einzige kostenpflichtige Schlafberatung im Internet. Eine weitere Online-Therapie, deren Effektivität in einer randomisierten Studie untersucht wurde, ist Sleepio. Das von einer Firma in London entwickelte Programm kostet umgerechnet 300 US-Dollar für eine einjährige Teilnahme. Ob die beiden Programme in der Realität halten, was die Studienergebnisse versprechen, ist nicht sicher.

In der Studie erhielten die Teilnehmer Geld, wenn sie das Programm beendeten. In der Realität müssen sie dafür zahlen. Der Anreiz, sich tatsächlich ernsthaft mit seinen Problemen auseinanderzusetzen, könnte geringer sein. Die Erfahrung zeigt, dass nicht alle Besitzer einer Jahreskarte für einen Sportverein oder ein Fitnessstudio auch regelmäßig trainieren. Wenn sie Geld für den Besuch bekämen, wäre die Adhärenz vermutlich besser.