Wie kann ein Unternehmen das Tabuthema Psyche aufbrechen?

Psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz sind noch immer ein Tabuthema. Wie kann ein Unternehmen dieses Tabu aufbrechen?

Die Psyche ist etwas sehr Privates. Darüber spricht man nicht. Oder erst, wenn sie belastet ist oder sich Schlafprobleme, Angststörungen, ein Burnout oder Depressionen bemerkbar machen. Und selten finden solche Gespräche am Arbeitsplatz statt. Zu groß ist die Angst vor negativen Konsequenzen.

Das Tabu erschwert den Umgang mit dem Thema Psyche

Die soziale Umwelt – und dazu gehört das Arbeitsumfeld – beeinflusst das psychische Wohlbefinden. Die Psyche ist also auch Teil des öffentlichen Lebens. Doch am Arbeitsplatz wird das Thema zum Tabu. Das schützt die Privatsphäre. Es verhindert aber auch, dass ein Unternehmen den Umgang mit den Themen Psyche bzw. psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz fördern kann.

Wissen zum Thema Psyche ist gering

Vordergründig ist es einfacher geworden, über psychisches Befinden zu sprechen. Medien berichten über Burnout und Depressionen. Regelmäßig werden Zahlen zu psychischen Erkrankungen veröffentlicht. Das Wissen rund um das Thema Psyche ist bei den meisten allerdings gering. Doch ohne Wissen sind z. B. keine gezielten Präventionsmaßnahmen im Unternehmen möglich.

Für psychische Belastung gibt es keine objektive Maßeinheit

Jeder nimmt psychische Belastungen individuell wahr und kann sehr unterschiedlich darauf reagieren. Ist aber die Psyche zu sehr belastet, kann es zu vielfältigen und unterschiedlich stark ausgeprägten psychischen Erkrankungen kommen. So können z. B. Angststörungen, Suchtprobleme, Panikattacken oder Depressionen oder auch verschiedene Krankheitsbilder gleichzeitig auftreten. Die Diagnose kann schwierig sein und die passenden Therapien stecken z. T. noch in der (Weiter-)Entwicklung.

Führungskräfte sind keine Psychologen

Am Arbeitsplatz geht es allerdings nicht um die Diagnose von psychischen Erkrankungen. Es geht nicht darum, in die Seele des Kollegen oder Mitarbeiters zu schauen. Und es geht auch nicht darum, über Erkrankungen zu spekulieren oder Verhalten zu deuten. Im Unternehmen geht es um die psychische Gesundheit und darum, diese zu erhalten und zu fördern.

Die psychische Gesundheit fördern und die Psyche stärken

Wenn es um psychische Gesundheit und entsprechende Präventionsmaßnahmen geht, muss der Fokus weg von Kennzahlen über Fehlzeiten. Denn diese spiegeln ein Bild von Krankheit wider. Wichtiger ist der Austausch mit den Beschäftigten über mögliche Belastungen und was dazu beitragen kann, dass diese gemindert oder vermieden werden können. Denn es geht darum, die psychische Gesundheit zu fördern und die Psyche zu stärken.

Es geht nicht um die Psyche des Einzelnen

Viele Beschäftigte kennen Stress am Arbeitsplatz und den Punkt der Erschöpfung, wenn nichts mehr geht. Trotzdem wird die Gestaltung der Arbeitsbedingungen in vielen Unternehmen noch nicht als ausschlaggebender Faktor für die psychische Gesundheit erkannt. Und so verpassen die Verantwortlichen die Chance, psychische Belastungen am Arbeitsplatz durch eine Gefährdungsbeurteilung zu ermitteln. Und bei dieser geht es eben nicht um die Psyche des Einzelnen, sondern um die Faktoren, die zu Belastungen führen können, wie z. B. wenn ständig zu viele Aufgaben in zu wenig Zeit bewältigt werden müssen.

Impulse für einen proaktiven Umgang mit dem Thema Psyche

Ob Mitarbeiter offen mit dem Thema Psyche umgehen, ist eine Frage des Vertrauens. Stimmt die Unternehmenskultur ist die Grundlage für vertrauensvolle Gespräche gegeben. Weltweit gibt es Initiativen, um psychische Themen aus der Tabuzone zu holen. Sie können Impulse für das betriebliche Gesundheitsmanagement sein:

  • Die neuseeländische Regierung hat die Haushaltsplanung für 2019 unter den Gesichtspunkt des Wohlbefindens gestellt. Die Ministerien sind somit verpflichtet, das Wohlergehen der Gesellschaft u. a. im Bereich psychischer Gesundheit zu fördern.
  • 2018 hat das Vereinigte Königreich einen Ministerposten für Einsamkeit eingerichtet. Ärzte können gemeinschaftliche Aktivitäten verschreiben.
  • 2013 bis 2018 gab es in der Schweiz die Kampagne Deine Psyche! Kein Tabu!. Dabei ging es darum, Gesprächsanlässe zu schaffen, um die Gesellschaft u. a. am Arbeitsplatz für das Thema zu öffnen.
  • In Kanada gibt es seit 2013 die Aktion „Heute bin ich nicht ich selbst.“ Mithilfe einer Toolbox können Mitarbeiter am Arbeitsplatz für das Thema psychische Erkrankungen sensibilisiert werden. Dadurch soll das Thema Psyche aus der Tabuzone geholt werden.

Offen über psychische Belastungen sprechen fällt am Arbeitsplatz immer noch schwer

Nach wie vor gibt es weitaus mehr Vorbehalte am Arbeitsplatz über Depressionen zu berichten als über Rückenschmerzen. Zu groß ist die Unsicherheit, welche Reaktionen dadurch ausgelöst werden, also ob es Unterstützung gibt oder ob eher mit Nachteilen zu rechnen ist.

Jeder kann das Tabu aufbrechen

Um verfestigte Strukturen aufzubrechen und dafür zu sorgen, dass es nicht länger ein Tabu ist, über das Thema Psyche zu sprechen, sind alle im Unternehmen gefragt.

  • Führungskräfte haben mit ihrer Vorbildfunktion einen besonderen Stellenwert. Außerdem sind sie für das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter verantwortlich. Und sie sehen Verhaltens- oder Leistungsveränderungen meist sehr schnell.
  • Betriebs- und Personalräte können das Thema forcieren und u. a. Verantwortlichkeiten ansprechen oder belastende Arbeitsbedingungen aufdecken.
  • Fachkräfte für Arbeitsschutz und Betriebsärzte können das Thema Psyche in den Fokus rücken, wenn sie selbst gut darüber informiert sind.

Einen Mitarbeiter ansprechen geht auch beim Tabuthema Psyche

Wer eine Veränderung bei einen Kollegen oder Mitarbeiter wahrnimmt, sollte nicht lange zögern, sondern das Gespräch suchen. Dabei ist es wichtig, zwischen Person und möglicher Krankheit zu trennen. Es geht darum, Veränderungen wahrzunehmen und ausschließlich darüber zu sprechen. Also z. B. „Mir fällt auf, dass Sie häufiger zu spät kommen und Aufträge nicht mehr pünktlich abliefern.“ Auf gar keinen Fall sollte man „therapeutisch“ auftreten. Der Betroffene entscheidet, ob und in welchem Umfang er über psychische Belastungen oder Erkrankungen reden möchte.

Viele Deutsche sehen keine gleichwertige Anerkennung psychischer Erkrankungen

Viele Deutsche haben den Eindruck, dass das Gesundheitssystem psychischen Erkrankungen nicht denselben Stellenwert einräumt wie körperlichen Erkrankungen. Das ergab eine heute vom Ipsos-Institut veröffentlichte Befragung. Während 84 Prozent die geistige Gesundheit für genauso wichtig halten wie die körper­liche, sehen nur 39 Prozent denselben Stellenwert der psychischen Erkrankungen im Ge­sundheitssystem.

Der Erhebung zufolge sehen 56 Prozent der Deutschen psychische Erkrankungen als Krank­heiten wie jede andere. 61 Prozent denken demnach, dass die Gesellschaft noch viel toleranter gegenüber psychisch Kranken werden müsse. 58 Prozent sehen es als Zeichen von Stärke, bei psychischen Erkrankungen Hilfe bei Experten zu suchen.

Die Auswertung ist Teil einer weltweiten Onlinebefragung. Diese ergab den Angaben zu­folge, dass sich die Deutschen deutlich weniger Gedanken über ihre psychische Gesund­heit machen als Einwohner anderer Länder.

Mit 45 Prozent gab weniger als die Hälfte der Befragten an, häufig über das eigene geisti­ge Wohlbefinden nachzudenken. Nur in vier der 29 untersuchten Länder seien es noch weniger Menschen – Schlusslicht sei Russland mit einem Anteil von 25 Prozent.

Das Institut befragte im August und September weltweit 20.030 Menschen online. In Deutsch­land umfasste die Stichprobe den Angaben zufolge 1.000 Menschen. Die Daten seien gewich­tet worden, damit sie den Strukturdaten der erwachsenen Bevölkerung ent­sprechen. 

Keine Belege für Nutzen von EMDR-Training bei Angststörungen

Das Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) wird bislang haupt­sächlich in der Traumatherapie eingesetzt. Belastbare Belege dafür, dass es auch Patien­ten mit Angststörungen hilft, gibt es aber nicht.

Zu diesem Ergebnis kommt eine inter­disziplinäre Arbeitsgruppe der Universität Witten/­Herdecke und der Fernuniversität Ha­gen im Auftrag des Instituts für Qualität und Wirt­schaft­lichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

Beim EMDR sollen traumatische Ereignisse mit Hilfe der Aktivierung beider Gehirnhälften aufgearbeitet werden, zum Beispiel durch das Verfolgen eines hin- und herbewegten Fin­gers mit den Augen.

Die Wissenschaftler fanden 22 für die Fragestellung relevante Studien. Wegen „ausge­präg­ter methodischer Mängel dieser Studien“ konnten sie daraus aber keinen Anhalts­punkt für einen Nutzen der EMDR-Behandlung bei Angststörungen im Vergleich zu etablierten Therapieverfahren oder auch im Vergleich zu keiner Behandlung ableiten.

Dies gilt für die patientenrelevanten Endpunkte Angst, Depression, angstspezifische Effekte wie Vermeidungsverhalten oder körperliche Symptome, gesundheitsbezogene Lebens­qualität und psychosoziale Aspekte.

Methodisch schlecht waren die Studien laut den Wissenschaftlern unter anderem wegen ungeeigneten Vergleichsgruppen, zu kurzer Nachbeobachtung nach der Intervention oder mangelhaften Aussagen zur Randomisie­rung. Geeignete Studien zur gesundheitsöko­no­mischen Bewertung des Verfahrens bei Angststörungen fehlen laut den Wissenschaftlern ebenfalls.

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Die Analyse erfolgte im Rahmen des Themencheck Medizin. Die Fragestellungen für die daraus entstehenden Health-Technology Assessments (HTA) gehen auf Vorschläge von Bürgern zurück.

Das IQWiG ruft nun Fachkreise und alle Interessierten auf, bis zum 4. November Stellung­nahmen zu dem vorläufigen HTA-Bericht zu dem EMDR-Training bei Angststörungen ab­zugeben. Diese werden ausgewertet und gegebenenfalls in einer mündlichen Anhörung mit den Stellungnehmenden diskutiert.

Danach wird eine Endfassung des HTA-Berichtes erstellt. Außerdem schreiben die Auto­ren eine allgemein verständliche Version (HTA kompakt), und das IQWiG ergänzt das Pa­ket um einen Herausgeberkommentar.

Forscher untersuchen Schach als ergänzendes Therapieangebot

Wissenschaftler um Sabine Vollstädt-Klein vom Zentralinstitut für Seeli­sche Gesundheit (ZI) in Mannheim untersuchen, ob sich Schach als ergänzendes Therapieangebot bei suchtkranken Patienten positiv auf die Behandlung auswirkt und zu messbaren Veränderungen im Gehirn führt.

„Das schachbasierte kognitive Training ist gerade für suchtabhängige Patienten inter­essant, da vermutlich genau die Gehirnbereiche gestärkt werden, die bei Abhängig­keits­erkrankungen stark beeinträchtigt sind“, erläutert die Wissenschaftlerin.

Das schachbasierte kognitive Training unterscheidet sich von einer klassischen Schachpartie: Es findet im Rahmen einer Gruppentherapie statt. Die Therapeuten arbeiten mit einem Demobrett, auf dem Schachpositionen zu sehen sind. Im Laufe einer Sitzung wird jeder Patient gebeten, eine Aufgabe am Demo-Brett zu lösen.

„Dazu müssen die Teilnehmenden keine guten Schachspieler sein. Sie lernen aber im Laufe des Trainings mehr über das Spiel und mögliche Spielzüge“, hieß es aus Mann­heim. Die Therapie soll bei Suchtkranken Gehirnregionen stärken, die für Entschei­dungsfindung und Kontrolle wichtig sind. Die Forscher hoffen, dass sich durch das Training die Rückfallquote bei Suchtpatienten vermindern lässt.

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Schachbasiertes kognitives Training hat laut Vollstädt-Klein zudem den Vorteil, dass es oft als weniger langweilig empfunden wird als andere kognitive Trainings. Zudem könnten Patienten nach einer Therapie das Spiel in ihrer Freizeit weiter betreiben, was soziale Kontakte fördern könne. 

Vollstädt-Klein ist aktive Schach-Turnierspielerin und Gründungsmitglied der Inter­nati­o­nal Society for Applied Chess (ISAC), welche die Anwendung von Schach zum Bei­spiel in der Psychotherapie, der Rehabilitation von Patienten und bei der Arbeit mit Flüchtlingen oder autistischen Kindern unterstützt. 

Modellprojekt zur Versorgung von Depressions- und Angstpatienten angelaufen

Ein neues Angebot für Patienten mit Depressionen und Angst­störungen wird in Hessen erprobt. Das „eHealth gestützte Case-Management für psy­chisch Erkrankte in der hausärztlichen Primärversorgung“ (Prema) soll den Hausarzt als vertrauten und verlässlichen Begleiter von Patienten mit psychischen Erkrankun­gen darin stärken, die Krankheit frühzeitig und sicherer zu erkennen und die Betroffe­nen individuell zu betreuen.

Das neue Angebot wird vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschus­ses (G-BA) gefördert. Es gilt zunächst nur für Hessen und und kann dort von rund 2.000 Patienten genutzt werden. Kooperationspartner sind die Techniker Kranken­kasse (TK), die Goethe-Universität Frankfurt, die Universitätsklinika München und Hamburg, die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen sowie der Technikpartner TelePsy.

Prema setzt auf ein Dreierbündnis von Hausarzt, Medizinischer Fachangestellten (MFA) und Patient. Online-gestützte Fragebögen unterstützen bei der Diagnose aber auch bei der Frage, ob eine umgehende Überweisung an einen Fachspezialisten er­forderlich ist.

Bleiben die Patienten in der hausärztlichen Behandlung, werden sie im Programm zwölf Monate lang nicht nur vom Hausarzt selbst, sondern auch von der MFA aktiv begleitet. Sie kontaktiert den Patienten regelmäßig zu seinem Befinden und fragt seine Symptome mit Hilfe eines standardisierten Fragebogens ab. Die Ergebnisse leitet sie an den Hausarzt weiter, der auf diese Weise die Therapiefortschritte des Patienten in kurzen Intervallen verfolgen kann.

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„Die digitalen Elemente sind ein wichtiger Bestandteil des Behandlungsprogramms“, erläuterte Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung in Hessen. Die Patienten könnten von zu Hause aus und in ihrem eigenen Tempo daran arbeiten, ihre Belas­tungen in den Griff zu bekommen. Sie setzten sich aktiv mit ihrem Krankheitsbild aus­einander, würden dabei aber nicht allein gelassen. „Das verbessert ihr Selbstmanage­ment und ermöglicht eine optimale Behandlung, die ihre individuellen Bedürfnisse berücksichtigt“, sagte Voß.

Die KV Hessen hat bereits Ende Mai 2019 mit der Rekrutierung der Hausarztpraxen begonnen. „Wir haben bereits eine vielversprechende Anzahl von Hausärzten, die am Modellprojekt teilnehmen wollen“, erklärte Eckhard Starke, stellvertretender Vor­stands­vorsitzende der KV Hessen. Wichtig sei auch, dass im Falle eines Falles Psy­chotherapeuten bereit stehen, um die Hausärzte zu unterstützen oder Therapien zu übernehmen. 

By Sander van der Wel from Netherlands (Depressed) [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

Stiftung Warentest prüft Onlineprogramme bei psychischen Erkrankungen

Einige Onlineprogramme gegen Depressionen können Betroffenen helfen. Dieses Urteil trifft die Stiftung Warentest, die für ihre Zeitschrift Test acht Angebote prüfte und vier davon als empfehlenswert einstufte. Sie überzeugten demnach beim Konzept, auch Studien hätten die Wirksamkeit der Programme belegt.

Drei weitere Onlineangebote sind demnach „eingeschränkt em­pfehlenswert“. Für ein Programm einer großen Krankenkasse gab es keine Bewer­tung, weil die Tester nach eigenen Angaben keinen Zugang für die Untersuchung bekamen. Die Testergebnisse wurden in der aktuellen Juli-Ausgabe der Zeitschrift Test und on­line unter www.test.de/online-psychotherapie veröffentlicht.

Onlineprogramme gegen Depressionen bieten oft mehrere Module an, die Anwender ein- bis zweimal pro Woche bearbeiten. Viele Programme stützen sich stark auf die kognitive Verhaltenstherapie. Die Bearbeitung geschieht größtenteils schriftlich, aber auch über interaktive Elemente wie Videos. Nutzer werden häufig direkt angespro­chen, bekommen Hintergrundinformationen und Fragen.

Nach Angaben der Stiftung Warentest prüften zwei psycho­therapeutische Gutachter die Angebote unter anderem in Anlehnung an Qualitäts­kriterien der Deutschen Gesell­schaft für Psycho­logie, der Deutschen Gesell­schaft für Psychiatrie und Psycho­thera­pie, Psycho­somatik und Nervenheil­kunde, des Berufs­verbandes Deutscher Psycho­loginnen und Psycho­logen und der Bundes­psychotherapeutenkammer.

Wichtig sei bei der Prüfung auch gewesen, ob die Programme auf wissenschaftlich anerkannten Verfahren beruhen, ob Inhalte und Einsatz­gebiete (wie Symptome und Schweregrad) trans­parent benannt werden und wie die Entwickler qualifiziert sind.

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Die Gutachter berück­sichtigten nach Angaben der Stiftung auch Aspekte der Patien­tensicherheit, etwa ob Anbieter zu den Grenzen und Risiken der Programme informie­ren. Zu diesem Prüf­punkt zähle auch, ob es Mecha­nismen wie regel­mäßig auszufüll­en­de Fragebögen gibt, um psychische Krisen früh­zeitig zu erkennen – und ob dann klare Hinweise erfolgen, wie Betroffene schnell persönliche Hilfe finden. Auch weitere Aspekte wie Finanzierung, Nutzer­einbindung und -freundlich­keit seien in das Urteil eingeflossen.

Die Stiftung Warentest weist explizit darauf hin, dass die meisten Angebote nicht für schwere Depressionen gedacht sind. Auch für die genaue Diagnose seien Ärzte und Psychotherapeuten vor Ort wichtig.

Die Bundesvorsitzende der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung Barbara Lu­bisch findet grundsätzlich gut, dass die Stiftung Warentest Online-Programme bei psychischen Erkrankungen nach transparenten Kriterien bewertet. Denn in diesem Bereich gebe es „viel Selbstgestricktes, was absolut nicht empfehlenswert ist“.

Indikation müssen Ärzte und Psychotherapeuten stellen

Sehr wichtig sei allerdings, dass Ärzte und Psychotherapeuten eine Indikation für sol­che Onlineprogramme stellten. Wenn Krankenkassen ohne eine solche Indikation für die Programme zahlten, oder sie gar offensiv anböten, sei dies nicht in Ordnung.

„Da maßen sich Krankenkassen an, über die Behandlung von beispielsweise Patien­ten mit Depressionen zu entscheiden – das geht nicht“, erklärt die Psychotherapeutin. Sie wehre sich auch dagegen, dass Onlineprogramme als Psychotherapie bezeich­net würden, denn Therapie sei die Behandlung von krankheitswertigen Störungen.

Grundsätzlich kann sich die DPtV-Vorsitzende die Verwendung von Onlineinterventio­nen begleitend zur Psychotherapie vorstellen, beispielsweise über eine Verordnung als Hilfsmittel. Auch sollten Ärzte und Psychotherapeuten ihren Patienten Onlinein­ter­ventionen als niederschwellige Maßnahme empfehlen können, „wenn sie sie vorher gesehen haben“, so Lubisch. 

Psychotherapieansatz wirkt langfristig gegen Binge Eating

Eine spezielle Psychotherapie kann Menschen helfen, die unter Essanfällen leiden und in der Folge häufig übergewichtig oder adipös sind. Das berichten Ärzte und Wissenschaftler vom Universitätsklinikum Tübingen in der Zeitschrift Psychotherapy and Psychosomatics (doi: 10.1159/000499696). Menschen mit der „Binge Eating“ genannten Essstörungen haben eine deutlich verminderte Kontrolle über ihr Essverhalten. Die Wissenschaftler um Kathrin Schag von der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums randomisierten 41 von ihnen für die Verum- und 39 für die Kontrollgruppe.

Bei der Studiengruppe wurden in einer speziellen Psychotherapie in acht 90-minütigen Sitzungen zum einen die Selbstkontrollfähigkeiten gestärkt, zum anderen übten die Studienteilnehmer in sogenannten Expositionssitzungen, sich besonders schmackhafte Nahrungsmittel vorzusetzen, gleichzeitig aber dem Drang zu widerstehen, diese Nahrungsmittel zu essen.

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Dabei durften die Teilnehmer die Nahrungsmittel und Gerichte mitbringen, die bei ihnen am ehesten ein unkontrolliertes Essverhalten auslösen. Unter psychologischer Anleitung konfrontierten sich die Teilnehmer mit dem Verlangen zu essen und lernten, dieses zu beherrschen. „Diese Erfahrung, das Essverhalten steuern zu können und zu erleben, wie sich das Verlangen während der Gruppensitzung verminderte, führte zu einem Erfolgserlebnis und der Erkenntnis ‚Ich kann das‘“, berichten die Studienautoren.
Die Kontrollgruppe nahm nicht an dem speziellen Gruppenprogramm teil, sondern erhielt eine standardmäßige Therapie.

Bei der Auswertung zeigte sich, dass zunächst beide Gruppen ihre Essanfälle und weitere Essstörungssymptome reduzieren konnten, diese Effekte aber bei der Behandlungsgruppe länger als drei Monate anhielten und sich weiter verstärkten, während die Kontrollgruppe wieder auf das Ausgangsniveau zurückging. Die Forscher vermuten, dass die vorläufigen Verbesserungen in der Kontrollgruppe unter anderem auf ein wöchentliches Ausfüllen von Selbstbeobachtungsprotokollen zurückgeht.

Dieses klassische verhaltenstherapeutische Instrument führe zu einer erhöhten Selbst­achtsamkeit, die nach der Behandlungszeit allerdings schnell wieder nachlasse, hieß es.
„Die Ergebnisse der Studie geben Hoffnung, in der Behandlung von Essstörungen und Adipositas einen wichtigen Therapiebaustein gefunden zu haben“, so die Autoren. 

Zuspruch für Spahns Verbotspläne von „Konversions­therapien“

Für seinen Vorstoß, sogenannte Konversionstherapien zur „Umpolung“ von Homosexuellen zu verbieten, bekommt Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) breite Unterstützung. „Es ist gut, dass die Vorbereitung eines Verbots der menschen­verachtenden Umpolungstherapien nun endlich Fahrt aufnimmt“, sagte der für Lesben- und Schwulenpolitik zuständige FDP-Bundestagsabgeordnete Jens Brandenburg gestern. 

Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) lobte das Vorhaben als überfälligen Schritt. In der Augsburger Allgemeinen sagte LSVD-Sprecher Markus Ulrich: „Wir fordern eine umfassende Ächtung dieser Angebote – insbesondere junge Lesben, Schwule, bisexuelle und transgeschlechtliche Menschen brauchen diesen Schutz“.

Man hoffe, dass der Ge­sund­heits­mi­nis­ter jetzt Wort halte und die Koalition schnell ei­nen Gesetzentwurf vorlege, sagte Ulle Schauws von der Grünen-Bundestagsfrak­tion. „Es ist ein Skandal, dass im Jahr 2019 Pseudotherapien, die darauf abzielen, die ho­mo­sexuelle Orientierung zu ändern, nach wie vor in Deutschland stattfinden“.

Die SPD-Abgeordnete Hilde Mattheis rechnet im Bundestag mit einer breiten Zu­stim­mung für die Verbotspläne. „Die meisten Abgeordneten sind sich im Ziel einig: Wir wollen, dass kein Mensch mehr hierzulande unter Konversionsmaßnahmen zu leiden hat“, erklärte sie gestern.

Auch im Bundesrat droht kein Widerstand, denn die Länderkammer selbst hatte schon im Mai die Bundesregierung aufgefordert, ein Verbot solcher Therapien zu prüfen. Spahn kündigte nun an, eine solche Regelung noch in diesem Jahr auf den Weg brin­gen zu wollen. Darüber werde er jetzt Gespräche mit dem Bundesjustiz­ministerium aufnehmen.

Es geht seinen Angaben nach dabei um strafrechtliche Aspekte, um berufsrechtliche Aspekte für Therapeuten oder Ärzte, die solche Behandlungen anbieten und um so­zialrechtliche Aspekte, damit verhindert wird, dass die Behandlungen über die Kran­kenkassen abgerechnet werden.

Zahlen liegen nicht vor, aber die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld geht von Tausen­den Fällen pro Jahr in Deutschland aus, in denen versucht wird, Homosexuelle mit frag­würdigen Therapien zu „heilen“. Das reiche vom familiären Umfeld, Coaches und Therapeuten über Gebete bis hin zu Exorzismus, sagte der geschäftsführende Vor­stand Jörg Litwinschuh-Barthel.

Die Stiftung hatte im Auftrag von Spahn zwei Gutachten und die Arbeit eines Exper­ten­gremiums zum Thema fachlich begleitet. Die Gutachter kommen in ihren gestern vorgelegten Stellungnahmen zu dem Schluss, dass ein Verbot solcher „Umpolungs­versuche“ sowohl medizinisch geboten als auch rechtlich möglich sei.

Wie lange sollte eine Psychotherapie dauern?

Ist länger immer besser? Forscher haben untersucht, ab wie vielen Therapiestunden Patienten kaum noch Fortschritte erzielen.

Wie lange sollte eine Psychotherapie dauern? Eine für jeden Patienten gültige Antwort kann es offenkundig nicht geben. Psychologen um Louisa Robinson von der University of Sheffield untersuchten nun aber die Frage, nach welcher Dauer im Durchschnitt der Punkt erreicht ist, an dem eine längere Behandlung keinen nennenswerten zusätzlichen Nutzen mehr bringt.

Für ihre Übersichtsarbeit werteten die Forscher 26 bereits erschienene Studien neu aus. Diese hatten jeweils die Dosis-Wirkungs-Beziehung für verschiedene Arten von Psychotherapie untersucht, darunter psychodynamische Therapie, kognitive Verhaltenstherapie und integrative Verfahren. Die Behandlungen fanden in Einrichtungen wie Ambulanzen, Tageskliniken und Hausarztpraxen statt.

Über alle Einzelstudien hinweg zeichnete sich ab, dass die optimale Dauer einer Psychotherapie zwischen 4 und 24 Sitzungen lag. Nach dieser Zeit war bei mindestens der Hälfte der Patienten eine deutliche Verbesserung der Symptome eingetreten. Darüber hinausgehende Therapiesitzungen führten dagegen kaum noch zu relevanten Fortschritten.

Die Spanne ergebe sich daraus, dass Menschen unterschiedlich gut auf Psychotherapie ansprechen, schreiben die Forscher: Manchen Betroffenen gehe es schon nach vier Sitzungen spürbar besser. Patienten mit so genannter »allmählicher Reaktion« bräuchten dagegen eher mehr Stunden. Es gebe aber insgesamt nur »geringe Evidenz« dafür, dass Langzeittherapien von über 30 Sitzungen sinnvoll seien, so Robinson und ihre Kollegen. Das gelte jedoch ausdrücklich nicht für besonders schwere oder chronisch bestehende seelische Probleme wie beispielsweise Persönlichkeitsstörungen.

Therapy conversation with the psychologist

Ärzte sollen Apps verschreiben können

Ärztinnen und Ärzte sollen künftig ihren Patienten Apps verschreiben können. Zusätzlich müssen sie mit einem höherem Honorarabzug rechnen, wenn sie sich nicht in den kommenden Monaten an die Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) anschließen. Diese zwei Vor­haben sind Teil des Digitalisierungsgesetzes, das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) heute vorgelegt hat.

Mit dem geplanten „Gesetz für eine bessere Versorgung durch Digitalisierung und Innovation“ (DVG) soll die digitale Versorgung verbessert werden, heißt es aus dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG). Im Gesetz enthalten sind höhere Strafzahlun­gen für Vertragsärzte, die sich nicht bis März 2020 an die TI angeschlossen haben. Der Entwurf sieht vor, dass dann 2,5 Prozent des Honorars abgezogen werden. Diese Überlegung äußerte Spahn bereits in einem Interview mit dem Deutschen Ärzteblatt.

Auch andere Gesundheitseinrichtungen und -berufe sollen sich künftig an die TI an­schließen: Für die etwa 2.000 Krankenhäuser in Deutschland wird dies bis zum März 2021 verpflichtend, für Pflegeheime soll die Anbindung zunächst optional sein und in Modellprojekten getestet werden. Dies gilt auch für weitere Gesundheitsfachberufe wie Hebammen und Physiotherapeuten.

Die Finanzierungsvereinbarungen für die Investitions- und Betriebskosten sollen ähn­lich der Vereinbarungen zwischen GKV-Spitzenverband und Kassenärztlicher Bundes­vereinigung (KBV) gestaltet werden. Der GKV-Spitzenverband soll die konkreten Pau­schalen mit den jeweiligen Berufsgruppen verhandeln.

Die kommenden Anwendungen, die mit der TI möglich sein sollen, spezifiziert das Gesetz nun: So soll die gematik – bei der genau am heutigen Mittwoch die Besitzver­hältnisse geändert wurden und nun das BMG 51 Prozent der Anteile hält – bis zum 31. März 2021 die technischen Voraussetzungen schaffen, dass der digitale Impfaus­weis, den Mutterpass, das Untersuchungsheft für Kinder sowie das Zahn-Bonus-Heft Bestandteil der elektronischen Patientenakte werden. Für Ärzte soll das Anlegen, Ver­walten und Speichern der Daten auf der elektronischen Patientenakte (ePa) vergütet werden.

Aus für das Faxgerät

Das Fax als Kommunikationsmittel zwischen Ärzten, aber auch mit Patienten, soll da­gegen nur noch sehr gering finanziert werden. Im Gesetz wird der Bewertungsaus­schuss beauftragt „die Vergütung für die Versendung eines Telefaxes im EBM in zwei Schritten deutlich zu reduzieren, um einen Anreiz für den Einsatz elektronischer Arzt­briefe zu setzen“, so der Gesetzesentwurf. Eine von der KBV bereits beschlossene Richtlinie zum elektronischen Arztbrief soll im Zuge dessen umgesetzt werden.

Mit dem Gesetzentwurf will Spahn nun sicherstellen, dass Apps, die als Medizinpro­dukte deklariert werden, von Ärzten verschrieben und damit von den Krankenkassen erstattet werden. Dazu sollen nach Vorstellungen des BMG Apps gehören, die Patien­ten bei Diabetes, Bluthochdruck in der Schwangerschaft oder bei psychischen Erkran­kun­gen unterstützen.

Dabei bekommt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die Aufgabe zugeteilt, ein „amtliches Verzeichnis erstattungsfähiger digitaler Gesundheits­anwendungen zu führen und auf Antrag der Hersteller über die Aufnahme zu entschei­den“, heißt es in der Gesetzesbegründung. Ähnlich wie bei der Erstattung von neuarti­gen Arzneimitteln sollen Krankenkassen im ersten Jahr die vom App-Hersteller vorge­gebenen Preis erstatten, danach werden Preisverhandlungen aufgenommen. Sofern der „Nachweis positiver Versorgungseffekte“ noch nicht möglich ist, können diese Apps auch befristet in den Leistungskatalog der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) aufgenommen werden.

Förderung der Videosprechstunde und von S3-Leitlinien

Auch die Videosprechstunde will das BMG weiter fördern: Ein Jahr nach dem Be­schluss des 121. Deutschen Ärztetages zur ausschließlichen Fernbehandlung in Erfurt heißt es im künftigen Gesetz, dass Ärztinnen und Ärzte auch auf ihrer Internetseite informieren dürfen, dass sie Videosprechstunden anbieten. Dem steht bislang das Heilmittelwerbegesetz entgegen. Auch der Austausch zwischen Ärzten per Telekonsil soll gefördert und in den ersten zwei Jahren auch für Krankenhäuser extrabudgetär vergütet werden.

Damit auch Krankenkassen Einfluss auf den Markt der digitalen Angebote bekommen, sollen sie künftig in Start-ups und kleinere Unternehmen investieren dürfen. Damit ver­spricht sich das BMG, dass „möglichst versorgungsnahe und bedarfsrechte Entwick­lungen von Innovationen gewährleistet werden.“ Die Förderhöchstgrenze liegt bei zwei Prozent der Finanzreserven der jeweiligen Krankenkasse.

Teil des Gesetzes ist auch die Fortführung des Innovationsfonds bis zum Jahr 2024. Wie bereits im Koalitionsvertrag vorgesehen, sollen hier weitere 200 Millionen Euro in die Erforschung neuer Versorgungsformen und in die Versorgungsforschung fließen. Neu ist, dass mit fünf Millionen Euro künftig auch die Erarbeitung von S3-Leitlinien gefördert werden kann.

Lob und Warnungen

Die Vorlage des Gesetzesentwurf stieß bei Krankenkassen auf Zustimmung. So er­klärte die Techniker Krankenkasse (TK), dass mit dem Gesetz die „entscheidenden „Weichen“ gestellt werden, dass „die elektronische Patientenakte in Zukunft ein zentrales Tool für das Gesundheitsmanagement der Patienten“ sein wird. TK-Chef Jens Baas erklärte weiter: „Das Gesetz ist ein Schritt nach vorn, dass zukünftig auch alle anderen Leistungserbringer wie Krankenhäuser, Apotheken, Therapeuten, Pflegeeinrichtungen oder Hebammen neben den Ärzten an die Tele­ma­tik­infra­struk­tur angeschlossen werden.“

Auch die DAK sieht das Gesetz positiv: „Der Entwurf setzt hier richtige Akzente, da er gesetzlichen Krankenkassen mehr Möglichkeiten für die Neu- und Weiterentwicklung von digitalen Versorgungsangeboten für ihre Versicherten einräumt“, erklärte der DAK-Vorstandsvorsitzende Andreas Storm.

Die KBV äußerte sich in einer ersten Stellungnahme zwar „grundsätzlich offen und positiv“. Der KBV-Vorstandsvorsitzende Andreas Gassen warnte aber: „Die Digitali­sier­ung muss die Arbeit der Praxen erleichtern und darf weder für zusätzliche Ver­unsicherung noch für ein Mehr an Arbeitsaufwand sorgen.“ Auch forderte er klare Regeln für die Verschreibung von Apps. „Der einzelne Arzt darf sich nicht mit einer Flut verschiedener App-Produkte beschäftigen und genau wissen müssen, welche Krankenkasse welche Anwendung erstattet.“

Das Gesetz soll noch vor der Sommerpause in das Bundeskabinett eingebracht werden. Ab Herbst kann es dann wahrscheinlich im Bundestag beraten werden. Die Oppositions­politikerin Maria Klein-Schmeink (Grüne) sieht das Gesetz nicht so über­schwänglich: „Jens Spahn gleicht bei der Digitalisierung einem schlechten Koch.“ Sie bemängelt in einer Pressemitteilung, dass es weiterhin an einer Strategie für die Digitalisierung im Gesundheitswesen fehle.

Für den CDU-Digitalexperten Tino Sorge ist das Gesetz eine „Erfrischungskur“. Seiner Meinung nach könne das BMG aber „noch einen Gang hochschalten“ und weitere fort­schrittliche Regelungen im Gesetz aufführen. „Sonst werden wir in wenigen Jahren auf andere Länder schauen, die uns in der datengestützten Medizin abgehängt haben.“