Heuft bleibt Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie

Berlin – Gereon Heuft, Direktor der Klinik für Psycho­somatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums Münster, bleibt bis 2023 Vorsitzender des Wissenschaft­lichen Beirats Psychotherapie (WBP). Der Beirat wählte Heuft jetzt in der konstituierenden Sitzung. Heuft hatte zum 1. Juli 2016 erstmals den Vorsitz übernommen.

Zum Stell­ver­treter wurde Bernhard Strauß, Diplom-Psychologe und Psycho­logischer Psychothera­peut des Instituts für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie des Universitätsklini­kums Jena, bestimmt.

Der WBP, dessen fünfte Amtsperiode von 2019 bis 2023 gehen wird, wird gemeinsam von der Bundespsycho­therapeutenkammer und der Bundes­ärzte­kammer gebildet. Aufgabe des Gremiums ist zum einen die gutachterliche Beratung von Behörden bei der wissen­schaftlichen Anerkennung von einzelnen psychothera­peutischen Verfahren und daraus resultierend bei der staatlichen Anerkennung von Ausbildungsstätten.

Zum anderen befasst sich der WBP mit Anfragen psychotherapeutischer Fachverbände hinsichtlich der wissenschaftlichen Anerkennung von Psychotherapieverfahren und -methoden. Darüber hinaus greift der WBP aus eigener Initiative Fragen der Psychothe­rapieforschung auf.

Die Geschäftsführung des WBP wechselt in jeder Amtsperiode und liegt in dieser fünften Amtsperiode bei der Bundes­ärzte­kammer. 

Koalition verschiebt Neuregelung der Psychotherapie

Die große Koalition hat Pläne zur Neuregelung der Psychotherapie vorerst gestoppt. Gesundheitspolitiker von SPD und Union einigten sich mit Bundesgesund­heitsminister Jens Spahn (CDU) darauf, das Thema zu einem späteren Zeitpunkt anzugehen, wie eine Sprecherin der SPD-Fraktion heute bestätigte. Zuvor hatten die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland darüber berichtet.

Eigentlich hatte Spahn die Psychotherapie im Rahmen seines geplanten Termin­gesetzes neu regeln wollen. Demnach sollten Versicherte künftig erst mit bestimmten Ärzten oder Psychotherapeuten reden, bevor sie eine Therapie beginnen können. So wollte Spahn die Wartezeiten in der Psychotherapie senken. Aktuell erhalten Patienten im Schnitt erst nach 20 Wochen einen Therapieplatz.

Die SPD, Therapeutenverbände, Ärzte und Patientenvertreter kritisierten Spahns Pläne heftig. Das vorgeschlagene Verfahren sei Patienten nicht zumutbar. „Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht“, hatte Bundes­ärzte­kammerpräsident Frank Ulrich Montgomery das Stufenmodell kommentiert. Der Gesetzgeber beschränke mit dem Vorhaben nicht nur die Wahlfreiheit der Patienten. Eine solche Regelung speziell für Menschen mit psychischen Erkrankungen diskriminiere zudem die betroffenen Patientengruppen. Rund 160.000 Menschen unterschrieben eine Petition gegen die Neuregelung.

Nun will die Koalition die Psychotherapie mit einem eigenständigen Gesetz reformieren, wie die SPD-Fraktion mitteilte. Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Maria Klein-Schmeink, begrüßte die Verschiebung. „Jetzt muss es darum gehen, endlich für Patientinnen und Patienten mit komplexem Unter­stützungs­bedarf vor Ort koordinierte und individuell passende Behandlungs- und Unterstützungs­angebote zu ermöglichen“, erklärte sie. 

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SpiFa fordert Aufspaltung des KV-Systems

Der Spitzenverband der Fachärzte prescht mit einem ungewöhnlichen Vorschlag zur Psychotherapeutenausbildung vor. Bei den Psychotherapeuten herrschte am Donnerstag vor allem Kopfschütteln.

Die Verbändeanhörung zur Reform der Psychotherapeutenausbildung am kommenden Montag hat bereits im Vorfeld Wellen geschlagen.

Der Vorsitzende des Spitzenverbands Fachärzte Deutschlands (SpiFa) , Dr. Dirk Heinrich, hat Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Donnerstag aufgefordert, alle Konsequenzen aus der geplanten Reform zu ziehen. Wenn mit dem Gesetz ein „neuer approbierter psychologischer Heilberuf und die Basis für ein neues psychologisches Versorgungssystem neben und in Teilen konkurrierend mit dem ärztlich-medizinischen Versorgungssystem“ geschaffen werden solle, solle der Gesetzgeber dies konsequent tun. Dann müssten in allen Bundesländern auch „Kassenpsychologische Vereinigungen“ sowie auf Bundesebene eine „Kassenpsychologische Bundesvereinigung“ errichtet werden, so Heinrich weiter.

„Es wird überhaupt kein neuer Heilberuf geschaffen“, sagte dazu Benedikt Waldherr, Vorsitzender des Berufsverbands der Vertragspsychotherapeuten (bvvp) am Donnerstag der „Ärzte Zeitung“. Eine Integration der Berufe habe vor 20 Jahren mit dem Psychotherapeutengesetz stattgefunden. Eigene Vereinigungen für die Psychotherapeuten zu fordern, sei nicht seriös.

Haltlose Behauptung

Die Behauptung, es entstehe ein neuer akademischer Heilberuf, sei haltlos, sagte auch Peter Andreas Staub, dritter Vorstand bei der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz. Die Polemik des SpiFa sei insofern nicht zu verstehen.

Das sieht man in der Bundespsychotherapeutenkammer ebenso. Ärzte und Psychotherapeuten seien aufeinander angewiesen und müssten ohnehin zusammenarbeiten, auch im ambulanten Bereich. Dass hier ein Spaltpilz gestreut werde, sei nicht nachzuvollziehen.

Einen Keil zwischen ärztliche und psychologische Psychotherapeuten treiben zu wollen, sei nicht hilfreich, sagte Barbara Lubisch, Vorsitzende der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung (DPtV) am Donnerstag der „Ärzte Zeitung“. Die Kooperation der Berufsgruppen habe sich positiv entwickelt.

Der am 3. Januar vorgelegte Entwurf aus dem Gesundheitsministerium stößt gleichwohl auf Kritik in der Ärzteschaft. Befürchtet wird unter anderem , dass auf der Ebene der Psychotherapeuten eine Art „Arzt light“ entstehen könnte.

So hat die Bundesärztekammer (BÄK) vorgebracht, dass die Psychologischen Psychotherapeuten das Versorgungsangebot zwar sinnvoll ergänzten, die ganzheitliche Diagnose und Therapie aber nicht ersetzen könnten. Sauer auf stößt den Vertragsärzten, dass die Haus- und Fachärzte über die Morbiditätsbedingte Gesamtvergütung (MGV) künftig die Weiterbildung der Psychotherapeuten möglicherweise mitfinanzieren sollen. Hierüber herrscht allerdings noch keine letzte Klarheit. Die Kammern und Verbände der Psychotherapeuten haben in diesem Zusammenhang darauf verwiesen, dass umgekehrt die Psychotherapeuten die Weiterbildung des ärztlichen Nachwuchses schon seit jeher mittrügen.

Die KBV wollte die Äußerungen des SpiFa am Donnerstag nicht kommentieren.

SpiFa will Druck aus Kessel nehmen

Der SpiFa fordert zudem, „Zeitdruck aus dem Verfahren“ zu nehmen. Die Ärzteschaft solle Gelegenheit erhalten, sich vom 28. bis 31. Mai auf dem 122. Deutschen Ärztetag 2019 in Münster mit „den sehr weit gehenden Veränderungen des Versorgungssystems zu beschäftigen“, hieß es in einer Pressemitteilung.

Ein Moratorium sei „kein prickelnder Gedanke“, sagte Waldherr. Nach zwölfjährigem Ringen um eine gesetzliche Regelung sei ein weiterer Aufschub nicht mehr nötig. Im Grundsatz halten die Verbände und Kammern den Gesetzentwurf für gelungen. Man hoffe auf einen baldigen Regierungsentwurf. Barbara Lubisch forderte den SpiFa auf, zu Dialog und und Kooperation zurückzukehren.Auch die Pläne, die Berufsgruppe perspektivisch mit der Erlaubnis, Psychophamaka zu verordnen, stoßen auf Widerstand.

Dass die Psychologischen Psychotherapeuten über Modellstudiengänge auch an das Verordnung von Psychopharmaka herangeführt werden sollen, gilt bei Ärzteverbänden und der Bundesärztekammer als Gefährdung der Patientensicherheit. Den Modellstudiengang Psychopharmakologie lehnen allerdings auch die derzeit aktiven Psychologischen Psychotherapeuten ab. „Das ist in dem dafür vorgesehenen Umfang des Studiums nicht leistbar, sagte Benedikt Waldherr, Vorsitzender des Bundesverbands der Vertragspsychotherapeuten (bvvp).

Psychotherapeuten: Das soll sich ändern

  • Fünf Jahre Studium: Psychologische Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sollen ein 10-semestriges Studium mit anschließender Approbation absolvieren.
  • Weiterbildung: Sie soll künftig vergleichbar den Medizinern erfolgen und bezahlt werden.
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Lauterbach will bessere Bezahlung für Psychotherapeuten

In der Debatte um Wartezeiten in der Psychotherapie fordert der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach eine höhere Bezahlung der Therapeuten. „Psychotherapeuten müssen für dringliche sowie besonders schwierige Fälle besser honoriert werden“, sagte Lauterbach dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Donnerstagausgaben). Um die Wartezeiten zu reduzieren, müsse es zudem eine engere Vernetzung der Therapeuten untereinander und eine Kooperation mit Ärzten und Kliniken geben.

Lauterbach forderte zudem, die Zahl der zugelassenen Therapeuten zu erhöhen. „Wir haben in bestimmten Gegenden tatsächlich zu wenige Therapeuten. Darauf müssen wir reagieren“, sagte er. Die Aussage von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), wonach die Wartezeiten dort am längsten sind, wo es die meisten Therapeuten gebe, wies er zurück. „Man darf das nicht auf dieses platte Muster reduzieren“, sagte Lauterbach. Es könne zum Beispiel sein, dass die Menschen nicht dort zum Therapeuten gingen, wo sie wohnten, sondern wo sie arbeiteten. „Es lohnt also, genau hinzuschauen“, sagte er. Den Plan von Minister Spahn, zur besseren Steuerung die Patienten in extra Voruntersuchungen zu entscheiden, welche Hilfs- und Therapieangebote geeignet sind, lehnte Lauterbach erneut strikt ab. „Neue bürokratische Hürden würden vielmehr nur eines bewirken: Patienten abschrecken. Aber wahrscheinlich ist das auch genau der Sinn, der hinter dem Vorhaben steckt“, kritisierte er. „Wir wollen keine weiteren Hürden für seelisch hoch belastete Patienten schaffen, für die es ohnehin ein schwerer Schritt ist, sich behandeln zu lassen.“

Gesundheit: Lauterbach will bessere Bezahlung für Psychotherapeuten | wallstreet-online.de – Vollständiger Artikel unter:
https://www.wallstreet-online.de/nachricht/11206545-gesundheit-lauterbach-bessere-bezahlung-psychotherapeuten

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„Depression ist ein Massenthema“

Jeder zweite Psychotherapie-Patient bekommt keine Behandlung. Nora Blum hat ein Online-Portal zur Selbsthilfe aufgebaut.

Frau Blum, wie geht’ s Deutschland, psychisch gesehen?

Nora Blum: Verbesserungswürdig. Es gibt in Deutschland noch immer sehr viele Menschen, die unter psychischen Erkrankungen leiden. Um die zehn Millionen Menschen haben Angststörungen und Depressionen. Diese Zahl ist seit Langem in etwa konstant, nur die Offenheit ist größer geworden. Die Anzahl derer, die Hilfe in Anspruch nehmen wollen, steigt. Viele davon bekommen diese Hilfe aber nicht.

Sie kommen aus einer Familie von Psychologen, richtig?

Meine Mutter ist Psychotherapeutin, mein Onkel Psychoanalytiker. Mein Bruder ist mittlerweile Life-Coach. Bei uns zu Hause am Esstisch war Psychologie ständig Thema. Meine Mutter hat uns schon früh Techniken beigebracht, wie wir es selbst schaffen, uns besser zu fühlen. Zum Beispiel, wenn ich nicht schlafen konnte.

Was haben Sie dann gemacht?

Viele Menschen geraten in eine Gedankenspirale. Das kennt jeder: Was muss ich morgen alles machen, hab ich dies und jenes bedacht? Es ist ein einfacher Trick, aber er hilft: vor dem Schlafengehen seine Gedanken externalisieren. Alles aufschreiben, dann ist das Wirrwarr nicht im Kopf, und auch hinzufügen, was man tun will, damit alles funktioniert. Ich war immer schon proaktiv, um zu schauen, wie ich Dinge ändern kann. Ich habe zum Beispiel eine Liste meiner Ressourcen angelegt, die half mir, wenn ich traurig war. Ich bin davon überzeugt, dass das eine gute Präventivarbeit gegen psychische Erkrankungen ist.

Was kam noch am Esstisch zur Sprache?

Gefühle wurden immer ausdiskutiert. Ich habe das als Privileg empfunden. Ich wurde zwar bedauert, schließlich ist meine Mutter auch Paar- und Sexualtherapeutin. Aber wenn meine Freundinnen bei uns anriefen, wollten sie oftmals nur mit ihr sprechen. Sie meldeten sich wegen ihres Liebeskummers, und dann schrieb meine Mutter mit ihnen Listen.

Ihr Berufswunsch war also früh klar?

Ich konnte gar nicht verstehen, wie jemand etwas anderes als Psychologie machen wollen könnte. Für mich gab es immer schon nichts Spannenderes als herauszufinden, warum wir uns so verhalten, wie wir uns verhalten. Ich habe die Entscheidung nie bereut, das Fach zu studieren. Ich fand alles spannend.

Dafür brachten Sie ein gutes Abitur mit?

Ich war schon immer eine Streberin. Ich habe einfach gerne gelernt. Ich habe die Abiturnote 1,0 gemacht und wurde deshalb für ein Stipendium vorgeschlagen. Ich habe dann im englischen York meinen Bachelor gemacht und bin für den Master nach Cambridge gegangen. Dort hatten viele Psychologen, die ich bewunderte, studiert. Ich habe mich auf Sozialpsychologie und Hirnforschung fokussiert. Um das Stipendium zu behalten, musste ich stets zu den besten zehn Prozent gehören.

Was kam danach?

Ich wollte nicht direkt in die Klinische Psychologie. Und eigentlich wollte ich erst einmal etwas anderes, Aufregendes machen. So bin ich beim Startup-Inkubator Rocket Internet gelandet, in der Abteilung, die die unterschiedlichen Unternehmen aufbaut.

Ganz ohne betriebswirtschaftliche Kenntnisse?

Ich musste in kurzer Zeit sehr viel lernen. Das hat mir als Gründerin später sehr geholfen. Mein erstes Projekt war gleich Foodora. Die wuchsen rasend schnell, jede Woche verdoppelte sich die Mitarbeiterzahl. Meine Mutter meinte schon zu mir: Es ist ja in Ordnung, wenn du viel arbeitest, aber muss es unbedingt ein Essens-Lieferservice sein? Und auch ich dachte mir, dass ich eigentlich gerne wieder etwas mit Psychologie machen wollte.

Sie bekamen die Idee für Ihr Online-Soforthilfe-Portal gegen psychische Belastungen.

An Selfapy arbeitete ich zu der Zeit schon intensiv am Wochenende. Das Versorgungsdefizit in Deutschland ist riesengroß. Jeder zweite Patient bekommt keine Behandlung. Die Wartezeit beträgt im Schnitt fünf Monate. In der Psychia­trie, in der ich ein Praktikum gemacht hatte, wurden Menschen nur aufgenommen, wenn sie knapp vorm Suizid standen.

Nun geht es ja nicht allen Therapiebedürftigen so schlimm.

Jeder zweite Mensch erkrankt mindestens einmal im Leben an einer depressiven Episode. Das ist ein Massenthema. Meine Mitgründerin Katrin Bermbach arbeitete in der Charité Berlin. Ihre Hauptaufgabe war es, Therapieplätze abzusagen! Obendrein ist die Hemmschwelle groß. Im Studium habe ich erlebt, wie viele abgebrochen haben, weil der psychische Druck zu groß wurde. Wir haben uns gedacht: Es muss eine nie­drigschwellige Beratung geben, die sofort hilft, ein Online-Programm mit psychologischer Begleitung. An der Charité fing Katrin dann an, erste Kurse zu ­schreiben.

Ihr Online-Portal fing also ganz analog an?

Wir haben Bücher gewälzt und forschungsbasierten Content geschrieben, den wir mit den Charité-Professoren abgeglichen haben. Dann haben wir den Fragebogen kostenlos auf einer E-Learning-Plattform angeboten. Schon damals haben wir den Patienten angeboten, zusätzlich einmal die Woche ein Telefongespräch mit PsychologInnen führen zu können. Das waren damals nur wir beide. Das wurde sehr gut angenommen. Schließlich haben wir den Sprung ins kalte Wasser gewagt und ich habe bei Rocket Internet gekündigt. Die Tage waren lang, aber es hat unglaublich viel Spaß gemacht.

Ist das nicht eine Krankheit unserer Zeit, dass keiner mehr weiß, wo die Arbeit aufhört und wo die Freizeit anfängt?

Der Job soll heutzutage Selbstverwirklichung sein. Das ist schon so. Da muss man ein gutes Mittelmaß finden. Ich nehme mir mittlerweile auch mal Tage, an denen ich keine Mails beantworte. Aber Selfapy ist meine große Liebe, das Unternehmen habe ich immer im Kopf. Das ist gut, wenn es gut läuft, aber wenn es Probleme gibt, fällt es mir schwer, mich davon zu lösen.

Nun sind Sie Geschäftsführerin, mit 27 Jahren.

Der Titel bedeutet eigentlich nur, dass ich für alles zuständig bin. Heute fokussiere ich mich auf die Zusammenarbeit mit den Investoren und Krankenkassen. Wir müssen denen 113 gesetzliche Verträge vorlegen, dazu kommen 30 private. Ich tingele dafür durch das ganze Land. Es gibt ja so viele Kassen! Bisher übernimmt nur ein Teil davon die Kosten unserer Programme.

Im Schnitt kosten Ihre begleiteten Programme 100 Euro im Monat. Was ist, wenn Bedürftige das nicht zahlen können?

Wer es sich wirklich nicht leisten kann, der bekommt Rabatt. Wir wollen keine Abstriche machen, was die Wirksamkeit der Programme angeht. Wir sind kein Social-Profit-Unternehmen, aber unser Hauptziel ist auch nicht die Profitmaximierung. Investoren sind meist nicht begeistert davon, dass wir die kostenintensive telefonische Betreuung anbieten. Aber wir wollten nie ein reines Tech-Produkt machen. Menschlicher Kontakt ist wichtig.

Sie werben mittlerweile nicht mehr mit dem Begriff „Online-Therapie“.

Das ist kein geschützter Begriff, aber wir wollen nicht missverstanden werden. Wir bieten keine Psychotherapie an, das können nur approbierte Therapeuten face-to-face leisten. Für uns arbeiten Psychologen in Ausbildung, die parallel in Kliniken arbeiten. Für die ist das ein guter, flexibler Nebenjob.

Können denn unfertige Therapeuten mit schwerkranken Patienten umgehen?

Wir fragen immer mögliche Suizid-Absichten ab. Wer apathisch wirkt oder bestimmte Schlüsselwörter äußert, wird gleich an Kliniken weitergeleitet. Die Gespräche sollen keine Psychotherapie ersetzen, das ist per Telefon gar nicht zu leisten. Wir geben so eine Rückmeldung zum Online-Programm und motivieren, weiterzumachen. Es ist ein Selbsthilfeprogramm, das nur durch aktive Mitarbeit des Nutzers funktioniert und nachhaltig ist, weil man sich die Strategien selbst aneignet.

Was macht man so in Ihren Programmen?

Man lernt Strategien, die einem helfen, sich besser zu fühlen, zum Teil ganz banale Dinge, die aber viele nicht hinbekommen. Sich mit seinen Stärken befassen! Wer in einer Krise ist, vergisst die positiven Dinge um sich herum.

Sie haben auch ein Programm gegen Burn-Out. Ist das nicht bloß ein Modewort für „Depression“?

Das beobachten wir auch. Viele Nutzer buchen unser Burn-Out-Programm, und dann schieben wir sie im Verlauf in das Depressions-Programm. Burn-Out ist keine diagnostizierte Krankheit, aber es ist eine Sub-Form einer Erschöpfungsdepression.

Sie bieten auch Unternehmen psychologische Unterstützung an.

Es sind schon einige auf uns zugekommen, denn psychische Erkrankungen sind mittlerweile der zweithäufigste Grund für Arbeitsunfähigkeit. Das Angebot von Betriebspsychologen wird oft nicht wahrgenommen. Unser Programm ist niederschwellig und anonym. Und die Firma zahlt.

Hätten Sie ein Problem, wenn es auf einmal genug reguläre Therapieplätze für alle gäbe?

Es wird immer einen Bedarf für Online-Therapie geben. Wir behandeln auch Menschen, die normalerweise keine Therapie machen würden. Die schätzen die Flexibilität und brauchen gar keine richtige Gesprächstherapie. Unsere Übungen kann man per App auf dem Weg zur Arbeit machen.

Was haben Sie noch vor mit Selfapy?

Wir wollen das Thema Sucht angehen, aber auch Zwangsstörungen. Schizophrenie würden wir gerne behandeln, auch wenn es schwierig ist. Posttraumatische Belastungsstörungen würden sich dagegen gut online behandeln lassen.

Haben Sie selbst Zwänge und Süchte?

Eigentlich nicht. Ich fühle mich durch meinen Hintergrund sehr gut gewappnet. Ein kleiner Zwang vielleicht: Ich telefoniere noch immer jeden Tag mit meiner Mutter. Da bin ich ganz Mamakind.

Sie wohnen und arbeiten mittlerweile in Berlin. Da sind Sie ja in guter Start-Up-Gesellschaft.

Ich wohne seit vier Jahren in einer Siebener-WG. Alle meine MitbewohnerInnen sind selbständig. Das Berliner Umfeld hat mich schon geprägt: Mach dein Ding, und wenn du fällst, dann fällst du eben – und machst was anderes.

Haben Sie auch das Nachtleben der Hauptstadt für sich entdeckt?

Die Techno-Szene ist nicht so meine. Ich höre vor allem deutschen Schnulzpop, also Philipp Poisel und Co. Meine Freunde meinen, davon würden sie depressiv werden. Aber ich finde das schön.

Psychotherapeuten wehren sich gegen vorgeschaltete Instanz vor Behandlung

Ein Passus aus dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) war gestern Thema einer öffentlichen Anhörung im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages. Die Petition der Psychotherapeutin Ariadne Sartorius vom Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten (bvvp) richtete sich gegen die Vorgabe einer „gestuften und gesteuerten Versorgung im Rahmen einer psychotherapeutischen Behandlung“ (Paragraf 92 Absatz 6a, Sozialgesetzbuch V) im TSVG, die der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) noch weiter ausgestalten soll. Die Petition unterstützten 217.000 Mitzeichner.

Nach Auffassung der Petentin und der unterstützenden Psychotherapeutenverbände gibt der Passus eine zusätzliche Prüfung vor, ob eine psychotherapeutische Behandlung notwendig ist oder nicht. „Eine vorgeschaltete Instanz würde Zugang zur Versorgung nur erschweren“, argumentierte Sartorius während der Anhörung.

Psychisch Kranken werde damit aufgebürdet, „hoch schambesetzte seelische Belastungen gegenüber Behandlern darzustellen, die sie danach in der Regel nicht wiedersehen werden und die sie nicht selbst nach Vertrauensgesichtspunkten gewählt haben“. Das stelle eine Diskriminierung von psychisch kranken Menschen dar.

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) betonte in der Anhörung, dass ihm an einer besseren Versorgung gelegen sei. „Wir brauchen eine bessere Vernetzung der Leistungserbringer und eine Reduzierung der Wartezeiten in der Psychotherapie. Wir können gerne über eine andere Begrifflichkeit reden. Aber wir müssen die Probleme angehen.“ Ihm gehe es „nicht per se um eine zusätzliche Instanz“, betonte er.

Aber „Lotsen, Bezugsärzte- oder-psychotherapeuten“ sollten eventuell auch „neben der psychotherapeutischen Sprechstunde“ mithelfen, Patienten bedarfsgerecht zu versorgen. Genaueres müsse der G-BA in der Ausgestaltung der Richtlinien regeln.

Petentin Sartorius erläuterte, dass es bereits mit der im April 2017 eingeführten psychotherapeutischen Sprechstunde Steuerungsmöglichkeiten gebe. Patienten würden mithilfe der Sprechstunde nach Dringlichkeit und Schwere ihrer Erkrankung versorgt, oder auch in Beratung und Selbsthilfe weitergeleitet, wenn keine krankheitswertige Erkrankung vorliege.

Gleichzeitig wurden neben der Sprechstunde die Akutbehandlung für Patienten in psychischen Krisen, die Redizivprophylaxe sowie bessere Bedingungen für die Gruppenpsychotherapie eingeführt.  „Erfolge dieser Strukturreform zeichnen sich bereits ab“, sagte die Psychotherapeutin. Eine zusätzliche Prüfung des Behandlungsbedarfs, wie im TSVG vorgesehen, sei deshalb kontraproduktiv.

Sie betonte, dass eine bessere Vernetzung und Koordination in der Versorgung von Patienten mit komplexen psychischen Störungen notwendig sei. Der NPPV-(neurologisch-psychiatrisch-psychotherapeutische Versorgungs-)Vertrag in der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein sei ein gutes Beispiel dafür, wie so etwas gelingen könne. Ein Bezugsarzt- oder -psychotherapeut betätigt sich dabei durchgängig als „Kümmerer“ und lotst die Patienten durch die Versorgung.

Jens Spahn verwies darüber hinaus auch auf den PNP-(Psychotherapie, Neurologie und Psychiatrie-)Facharztvertrag in Baden-Württemberg, bei dem der Hausarzt die Koordination übernimmt. „Es ist nicht richtig, wenn alle Patienten sofort zum Psychotherapeuten geschickt werden“, sagte er. Man brauche eine steuernde Instanz, die Ärzte als auch Psychotherapeuten übernehmen könnten. 

Psychotherapeutin Sartorius wehrte sich gegen den Vorwurf, „die falschen Patienten“ zu behandeln: „90 Prozent unserer Patienten sind mittelschwer bis schwer psychisch krank, das wurde bereits in diversen Studien festgestellt.“ Wenn der Psychotherapeut in der Sprechstunde keinen Behandlungsbedarf feststelle, verweise er natürlich auch beispielsweise in die Selbsthilfe oder an Beratungsstellen weiter.

Zusätzliches Nadelöhr vor der eigentlichen Behandlung

Zu bedenken gab Sartorius darüber hinaus, dass mit der Einführung einer zusätzlichen Instanz Behandlungskapazitäten gebunden werden. „Es entsteht nicht nur ein zweites Nadelöhr vor der eigentlichen Behandlung. Diagnose und Behandlungsindikation müssen von dem dann behandelnden ärztlichen oder Psychologischen Psycho­therapeuten obligat nochmal durchgeführt werden.“ Dies stelle zudem die Kompetenz der Behandler infrage.

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Spahn erklärte abschließend, dass mehr Psychothera­peuten im System das Problem der langen Wartezeiten nicht lösen würden. Denn: „Wo besonders viel Psychotherapie angeboten wird, ist auch besonders viel Nachfrage.“ Ihm sei an einer besseren Steuerung durch die psychiatrisch-psychotherapeutische Versorgung gelegen, damit Menschen mit Behandlungsbedarf besser versorgt würden.

Auch die Bundes­ärzte­kammer und die Bundes­psycho­therapeuten­kammer haben sich gegen die Vorgabe einer „gestuften und gesteuerten Versorgung“ in der Psychotherapie ausgesprochen. 

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Weiterhin Kritik an Stufenmodell in der Psychotherapie

Kurz vor der öffentlichen Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestags zum Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) gibt es erneut Kritik an der geplanten „gestuften und gesteuerten Versorgung“ in der Psychotherapie. Das Modell aus dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) sieht vor, dass ausgewählte Ärzte und psychologische Psychotherapeuten in Voruntersuchungen festlegen, welches Hilfe- oder Therapieangebot Betroffene wahrnehmen dürfen.

„Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht“, sagte der Präsident der Bundes­ärztekammer (BÄK) Frank Ulrich Montgomery. Der Gesetzgeber beschränke mit dem Vorhaben nicht nur die Wahlfreiheit der Patienten. Eine solche Regelung speziell für Menschen mit psychischen Erkrankungen diskriminiere zudem die betroffenen Patientengruppen.

 Sprechende Medizin ausbauen

Montgomery sprach sich für die Streichung des entsprechenden Passus im TSVG aus. „Die meisten psychischen Erkrankungen sind gut behandelbar – aber sie müssen eben auch behandelt werden. Andernfalls drohen Chronifizierungen und schwere Verläufe. Deshalb sollten Politik und Kostenträger den Ausbau der sprechenden Medizin durch Haus- und Fachärzte nicht nur fordern, sondern auch fördern“, so Montgomery.

Er bemängelte auch, dass das TSVG neue Zugangsbarrieren für Patienten schaffe, statt Engpässe in der Versorgung zu beseitigen. „Viel sinnvoller wäre es, bei den Behandlungs­strukturen anzusetzen, sie zu stärken und die psychiatrisch-psycho­therapeutische Versorgung noch enger in den somatischen Behandlungskontext einzubinden“, sagte der BÄK-Präsident.

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) verteidigte heute in einer öffentlichen Anhörung des Petitionsausschusses des Bundestags sein Vorhaben. Dabei hielt er an einer verbesserten gestuften Versorgungssteuerung fest. Wie diese allerdings genau aussehen soll, sagte Spahn nicht. Die genauen Regelungen solle die Selbstverwaltung entweder im Gemeinsamen Bundes­aus­schuss oder über Manteltarifverträge regeln. „Wir geben den Rahmen vor. Das Ziel ist klar“, sagte Spahn. Er wolle eine bessere Steuerung für diejenigen, die einen akuten und dringenden Behandlungsbedarf haben.

Zugleich betonte der Minister, dass alleine mehr Sitze für Psychotherapeuten das Problem der zu langen Wartezeiten auf eine Behandlung nicht beheben würden. Nur das Angebot zu erhöhen, ohne die Steuerung zu verbessern, werde „nicht zu einer besseren Versorgungssituation führen“, sagte Spahn. Vorwürfe, er wolle über eine zusätzliche Hürde im System Geld sparen, wies er zurück. „Sparen steht hier nicht im Vordergrund“, sagte er.

Die Neuregelung nützt niemandem

Hintergrund der Debatte im Petitionsausschuss war die Eingabe der Psychotherapeutin Ariadne Sartorius für eine Streichung der im TSVG geplanten gestuften Versorgung in der Psychotherapie, die mehr als 200.000 Unterstützer gefunden hatte. Sartorius sagte im Petitionsausschuss, ihre falle niemand ein, dem die geplante Neuregelung nutzen würde.

Sie befürchtet, dass durch eine weitere Bezugsperson für Erkrankte die Hürden für den Zugang zur Psychotherapie noch größer werden als bisher. Darüber hinaus würden Patienten aus der Versorgung fallen, weil die zusätzliche Einstufung Ressourcen von Psychologen binden würden. Aus ihrer Sicht sind vor allem mehr Psychotherapeuten und eine bessere Vernetzung notwendig, um den Behandlungsbedarf zu decken. 

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Terminservice- und Versorgungsgesetz: Änderungen bei gestuftem Zugang zur Psychotherapie wahrscheinlich

Das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) von Bundesgesundheits­minister Jens Spahn (CDU) dürfte noch in zahlreichen Punkten im Laufe des Gesetzgebungs­verfahrens verändert werden. Ein Punkt darunter wird die umstrittene geplante zusätzliche „gestufte und gesteuerte Versorgung vor einer psychothera­peutischen Behandlung“ sein, wie heute die erste Lesung im Bundestag aufgezeigt hat. Das Gesetz soll voraussichtlich im Frühjahr 2019 in Kraft treten. Der Bundesrat muss nicht zustimmen.

Gegen die mögliche Neuregelung in der Psychotherapie wird seit Wochen protestiert. Zuletzt hatten Psychotherapeuten dem Petitionsausschuss des Bundestags heute Morgen mehr als 197.000 Unterschriften gegen eine vorgeschaltete Prüfung des Behandlungsbedarfes psychisch kranker Menschen übergeben. 28 psychothera­peutische Berufsverbände unterstützen den Protest.

„Das ist eine Diskriminierung psychisch kranker Menschen und ein erster Schritt zur Abschaffung der freien Arztwahl“, sagte die Petentin Adriadne Sartorius, Mitglied im Vorstand des Bundesverbands der Vertragspsychotherapeuten, heute vor der Debatte im Bundestag bei einer Pressekonferenz in Berlin. „Das werden wir nicht hinnehmen.“

„Dieser Passus im TSVG setzt auf Rationalisierung und Priorisierung“, sagte auch Gebhard Hentschel, stellvertretender Bundesvorsitzender der Deutschen Psychothera­peutenvereinigung. Die im April 2017 eingeführte psychotherapeutische Sprechstunde ermögliche bereits eine diagnostische Abklärung und Indikationsstellung“, erläuterte er. Eine weitere Instanz sei deshalb völlig unnötig.

Weg mit der Regelung

Viele Abgeordnete sowohl von der SPD als auch der Oppositionsfraktionen sprachen sich in der Debatte im Parlament dafür aus, die Regelung zu streichen. Heute Morgen sei eine der erfolgreichsten Petitionen aller Zeiten beim Bundestag eingereicht worden, sagte Kirsten Kappert-Gonther (Grüne). Spahn habe es mit seinem Ansinnen geschafft, fast 200.000 Menschen „gegen sich aufzubringen“. „Kranken Menschen dürfen keine zusätzlichen Steine in den Weg gelegt werden“, sagte sie. Den Passus des zusätzlichen Zugangs zur Psychotherapie bezeichnete sie als „emotionale Zumutung“. Der Passus gehöre gestrichen.

Kristine Aschenberg-Dugnus (FDP) betonte, die gestufte Versorgung verfehle das Ziel der besseren Versorgung „komplett“. „Das ist doch eine zusätzliche Hürde von den Erkrankten. Was muten wir den Patienten damit zu?“, fragte sie. Psychisch Kranken falle es ohnehin schwer, sich Hilfe zu holen. Dann müssten sie sich auch noch an jemanden wenden, den sie sich nicht ausgesucht hätten, nicht kennen und nie wiedersehen würden. Patienten müssten sich gerade in so einem sensiblen Bereich wie der Psychotherapie ihren Therapeuten selbst aussuchen, betonte sie.

Große Reform in der Psychotherapie notwendig

„Das, was jetzt im Gesetzestext ist, ist nicht geeignet, Vertrauen zu schaffen“, sagte Karl Lauterbach (SPD) mit Blick auf die Regelung der gestuften Versorgung. Aus seiner Sicht müsse eine große Reform vorbereitet werden. Diese müsse sich mit der Frage von zu wenigen Zulassungen und der Frage der Honorierung beschäftigen. „Es ist so, dass sich die Vergütung zu wenig nach der Schwere der Erkrankung richtet“, sagte Lauterbach. Eine solche Reform brauche mehr Zeit und müsse mit Verbänden und Betroffenen diskutiert werden. „Wir werden zu einer gemeinsamen Lösung kommen und sie sind zu wichtig für einen Schnellschuss“, so der SPD-Gesundheitspolitiker, der viele andere Regelungen wie den Ausbau der Terminservicestellen im TSVG begrüßte. Das führe auch zu einer schnelleren Terminvermittlung für Psychotherapiepatienten.

Dirk Heidenblut, SPD-Berichterstatter für Psychiatrie und Psychotherapie, kündigte unterdessen per Mitteilung einen strukturierten Dialog mit allen beteiligten Fachverbänden an, um ein umfassendes, sektorenübergreifendes Konzept für die Versorgung psychisch Kranker zu entwickeln. Eine Expertengruppe der Friedrich-Ebert-Stiftung werde dazu Anfang des nächsten Jahres ein Positionspapier vorlegen, sagte er.

Spahn selbst verwahrte sich beim Thema gegen Unterstellungen, ihm sei die Versorgung psychisch kranker Menschen gleichgültig. „Aus persönlichem Erleben in der eigenen Familie weiß ich, was das für die Familie bedeutet“, sagte er heute bei der Debatte im Bundestag. Er wisse auch, was es bedeute, einen Termin nicht schnell zu bekommen. Er habe das Ziel, Patienten besser zu versorgen. Wenn das Ergebnis der Debatte sei, dass die vorgeschlagene Regelung „verbesserungsfähig“ sei, sei er „der erste, der für eine Verbesserung zu haben ist“, zeigte sich Spahn erneut kompromissbereit.

Spürbare Alltagsverbesserungen

Spahn (CDU) betonte heute auch, das TSVG solle „konkrete und im Alltag spürbare Verbesserungen“ für Patienten bringen. Dafür brauche es gute Rahmen­bedingungen für die tägliche Arbeit und eine angemessene Vergütung von Ärzten, Apothekern und Pflegekräften. So werde es in Zukunft für die Annahme neuer Patienten und eine schnellere Terminvergabe zusätzlich Geld geben, sagte Spahn weiter. Ebenso solle es eine zusätzliche Vergütung geben, wenn ein Hausarzt bei der Vermittlung eines Facharzttermins helfe. Letztlich solle die Terminservicestelle 116117 auf „24 Stunden täglich, sieben Tage die Woche, online und als App“ ausgebaut werden.

Der Gesetzentwurf, der nun in den Fraktionen und Ausschüssen weiter beraten wird, sieht unter anderem auch vor, dass Vertragsärzte mindestens 25 statt 20 Stunden für gesetzlich Krankenversicherte anbieten müssen. Bestimmte Facharztgruppen wie Augenärzte, Frauenärzte oder HNO-Ärzte, die zur Grundversorgung gezählt werden, müssen mindestens fünf Stunden pro Woche als offene Sprechstunden anbieten, ohne vorherige Terminvereinbarung. Die Ärzte sollen die zusätzlichen Aufwendungen vergütet bekommen. Für die erfolgreiche Vermittlung eines dringenden Facharzt­termins durch einen Hausarzt ist ein Zuschlag von mindestens fünf Euro vorgesehen.

zum Thema

Zuschläge sollen auch gezahlt werden für die Betreuung von Patienten, die von der Terminservicestelle vermittelt werden, für neue Patienten in der Praxis, für Leistungen, die in den offenen Sprechstundenzeiten erbracht werden und für Leistungen nach einer Terminvermittlung durch einen Hausarzt. Landärzte sollen ebenfalls einen Zuschlag erhalten. Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) werden außerdem dazu verpflichtet, in unterversorgten Gebieten entweder Praxen zu eröffnen oder mobile und telemedizinische Alternativen anzubieten.

Leistungen für bestimmte Patientengruppen

Mit der Novelle soll auch die digitale Versorgung verbessert werden. So müssen die Krankenkassen ihren Versicherten spätestens ab 2021 eine elektronische Patientenakte (ePA) zur Verfügung stellen, die auch über das Smartphone oder Tablet genutzt werden kann. Der Gesetzentwurf beinhaltet schließlich einige neue Leistungsansprüche für bestimmte Patientengruppen.

Versicherte mit einem erhöhten HIV-Infektionsrisiko erhalten mit der Reform einen Anspruch auf die Präexpositionsprophylaxe (PrEP). Der Anspruch auf eine künstliche Befruchtung wird erweitert um die Kryokonservierung von Ei- und Samenzellen. So soll in Fällen einer keimzellschädigenden Behandlung wie etwa einer Krebstherapie die Möglichkeit der Fortpflanzung erhalten bleiben.

In der Pflege werden ambulante Betreuungsdienste für die Haushaltshilfe eingeführt. Für den Impfschutz sollen künftig die verfügbaren Impfstoffe aller Hersteller genutzt werden können, möglichst ohne vertraglichen Ausschluss einzelner Hersteller. Innovative Behandlungsmethoden sollen künftig leichter erprobt werden können. Die Festzuschüsse für Zahnersatz sollen ab 2021 von 50 auf 60 Prozent angehoben werden. Schließlich soll auch die Transparenz bei der Veröffentlichung der Vorstands­gehälter bei Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen verbessert werden.

Streit um Sinnhaftigkeit von Zuschlägen

Bei Ärzten und Verbänden, aber auch den Abgeordneten im Parlament stoßen viele der Regelungen auf Kritik. Der AfD-Abgeordnete Robby Schlund warf Spahn vor, er gehe davon aus, dass alle Ärzte faul seien. Dabei arbeiteten diese bereits 50 Stunden pro Woche. Er forderte die Abschaffung der Budgetierung.

Mit der Sprechstunden­regelung frustriere man die Ärzte, hieß es von der FDP-Abgeordneten Kristin Aschenberg-Dugnus, die sich ebenfalls für ein Ende der Budgetierung aussprach. Der Linken-Politiker Achim Kessler hingegen zeigte wenig Verständnis dafür, den Ärzten Geld für die Behandlung von zusätzliche Patienten zu bezahlen. Das sei deren originäre Aufgabe. Er forderte eine Bürgerversicherung, um die Ungleichbehandlungen im System abzuschaffen.

Kirsten Kappert-Gonther (Grüne) monierte, das Gesetz sei in Bezug auf Zuschläge für Ärzte kontraproduktiv. Es profitierten diejenigen, die bisher weniger Sprechstunden hätten. Auch würden Kinder- und Hausärzte leer ausgehen. Bei den schnellen Terminvergaben über die Terminservicestellen fragte sie Spahn: „Wie stellen Sie sicher, dass diese Regelung nicht zulasten der chronisch Kranken geht? Gerade die brauchen eine bessere Versorgung.“

Unterstützung erhielt Spahn aus den eigenen Reihen. „Dort, wo wir Mehrleistung adressieren, wird Mehrleistung bezahlt“, sagte Karin Maag, gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag. Sie wende sich aber zugleich mit einem Appell an die Ärzte. „Ich bitte um Verständnis, dass es unsere Aufgabe ist, Zugangshürden abzuschaffen“, sagte sie.

Aus Sicht der Ärzte sei eine gestufte Inanspruchnahme sicherlich richtig. Aber genauso richtig sei es aus Sicht der Krankenkassen und Beitragszahler, den Grundsatz der Beitragsstabilität zu erhalten. „Wir müssen den Spagat gestalten. FDP und AfD fordern die Entbudgetierung. Offensichtlich halten Sie Beitragssatzstabilität für überflüssig“, sagte sie.

Kritik von Ärzten und Krankenhäusern

Kritische Töne am TSVG kommen heute erneut – wie schon seit der Entwurf auf dem Tisch liegt – aus der Ärzteschaft und von den Krankenhäusern. Leider sei beim TSVG schon die Grundannahme falsch, dass vermeintliche Versorgungsengpässe von unzureichenden Sprechstundenzeiten herrührten, sagte der Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) Frank Ulrich Montgomery. Ärzte arbeiteten bereits am Limit und oftmals auch darüber hinaus.

„Wer spürbare Verbesserungen für die Patienten will, muss genau hier ansetzen und für Entlastung sorgen“, mahnte er. Notwendig seien mehr Medizinstudienplätze, attraktive Arbeitsbedingungen und nicht zuletzt wirksame Maßnahmen gegen Kommerzia­lisierung und Konzernbildung im deutschen Gesundheitswesen. Darauf sollte der Gesetzgeber abzielen, statt die Arbeit von Ärzten und Selbstverwaltung mit Reglementierung und Kontrollbürokratie weiter zu belasten.

Mit Blick auf die geplanten offenen Sprechstunden und die Ausweitung der Mindestsprechstundenzeiten warnte Montgomery: „Viele gute Ansätze in dem Gesetzentwurf werden teilweise durch massive Eingriffe in die Praxisabläufe und in die Arbeit der Selbstverwaltung konterkariert. Statt junge Ärztinnen und Ärzte mit starren staatlichen Vorgaben für ihre Berufsausübung zu vergraulen, brauchen wir flexible Lösungen, die sich sowohl an den Bedürfnissen der Patienten, als auch an denen der jungen Ärztegeneration orientieren.“ Solche praxisnahen Regelungen könnten nur von der Selbstverwaltung kommen. Dafür müsse ihr die Politik aber auch die notwendige Gestaltungsfreiheit geben.

Positiv hob Montgomery hervor, dass mit dem TSVG zusätzliche Leistungen auch zusätzlich vergütet werden sollen. „Damit nähern wir uns der Entbudgetierung zumindest etwas an.“ Richtig sei auch, dass der Gesetzgeber erste Weichenstellungen für ein sektorenübergreifendes Konzept der Notfall- und Akutversorgung vornimmt. Darauf könne und müsse man aufbauen. Zumindest punktuell gehe die Koalition auch das Problem der zunehmenden Konzernbildung im Gesundheitswesen an. Dort seien Verbesserungen notwendig. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hatte sich zuletzt auf ihrer Ver­tre­ter­ver­samm­lung ausführlich mit dem TSVG und seinen Mängeln befasst.

Der Deutsche Hausärzteverband betonte, der Gesetzentwurf gehe an der hausärztlichen Versorgungsrealität vorbei. Ein Zwang zum Angebot weiterer Sprechstunden löse keine Probleme. Schon heute böten die meisten Hausärzte deutlich mehr als 25 Sprechstunden in der Woche an. „Dass sie hierfür nun – im Gegensatz zu Fachärzten, die extrabudgetär und mit zusätzlichen Honoraren vergütet werden – keinerlei Vergütung erhalten sollen, ist schlicht und einfach ein falsches Signal“, sagte der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt.

Der Bundesvorsitzende des NAV-Virchow-Bundes Dirk Heinrich übte unter anderem Kritik an den offenen Sprechstunden, die laut Gesetzentwurf verpflichtend eingeführt werden sollen. „Ich finde offene Sprechstunden gut – solange sie freiwillig angeboten werden. Die Gängelung durch die Politik widerspricht jedoch allem, was ich mit einem freien Beruf und freier Praxisführung verbinde“, so der NAV-Chef. Unter diesem Gesichtspunkt sei auch die Streichung des Überweisungsvorbehaltes für die offene Sprechstunde zwingend, denn nach den derzeitigen Plänen erhielten grundversor­gende Fachärzte nur dann einen Zuschlag von 15 Prozent auf die Grundpauschale, wenn Patienten mit Hausarztüberweisung in die offene Sprechstunde kommen.

Warnungen von Kinderärzten

Nach Ansicht des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) wird die Regelung, die Bedarfsplanungfür Kinderärzte in einigen Regionen aufzuheben, die Versorgung eher verschlechtern. Die zeitweilige Aussetzung der Niederlassungs­begrenzung werde einen Run auf attraktive Standorte auslösen, aber keine einzige dringend benötigte Kinder- und Jugendarztpraxis in unterversorgten ländlichen oder sozial schwierigen städtischen Regionen schaffen“, sagte BVKJ-Präsident Thomas Fischbach.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) warnte davor, Medizinische Versorgungs­zentren zu gefährden. Die geplante Regelung, dass Ärzte, die aus einem MVZ ausscheiden, nur noch nachbesetzt werden können, wenn nach der Bedarfsplanung freie Arztsitze vorhanden sind, bedeute für MVZ in Krankenhaus­trägerschaft fast das Aus, sagte DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum.

Die Neubesetzungen müssten jedes Mal durch eine Bedarfsprüfung bestätigt werden. Das bedeute einen großen bürokratischen Aufwand und gefährde die Planungs­sicherheit. Eine Verschärfung der Vorgaben, wie sie Bundesrat und Ärztevertreter begrüßen, die der Kommerzialisierung der Versorgung entgegenwirken wollen, sieht Baum als problematisch an. 

Spahn kompromissbereit bei umstrittener Neuregelung für Psychotherapien

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat sich nach heftiger Kritik an seinen Plänen zur Neuregelung bei psychotherapeutischen Behandlungen kom­promissbereit gezeigt. „Ich schließe nicht aus, dass wir andere Regelungen finden“, sagte der Minister heute im ARD-Morgenmagazin.

Spahns Entwurf für das Terminservice- und Versorgungsgestez (TSVG) sieht eine „gestufte Steuerung“ von Hilfesuchenden vor. Ausgesuchte Ärzte und Therapeuten sollen in Voruntersuchungen entscheiden, welchem Hilfs- oder Therapieangebot die Betroffenen zugeführt werden sollen. Vertreter der Psychotherapeuten sehen darin eine zu große Hürde, die Patienten abschrecken könnte, eine Behandlung aufzunehmen.

Zugleich verteidigte Spahn heute in der ARD grundsätzlich seine Pläne. Es sei wichtig, dass Menschen mit Erkrankungen wie Schizophrenie oder Depression schnell eine Behandlung erhielten. Oft müssten die Betroffenen bislang aber darauf zu lange warten. Allerdings seien die Wartezeiten dort mit am längsten, wo es auch die meisten Therapeuten gebe.

Deshalb müsse die Terminvergabe besser koordiniert und gesteuert werden. Es reiche nicht aus, lediglich mehr Psychotherapeuten für die gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung zuzulassen, sagte Spahn weiter. Er äußerte die Hoffnung, im Januar eine Lösung zu finden.

Das vom Bundeskabinett Ende September gebilligte TVSG soll die Wartezeiten auf einen Arzttermin verkürzen. Vorgesehen ist die Erhöhung der wöchentlichen Mindestsprechstundenzahl von derzeit 20 auf 25. Zudem sollen bestimmte Arztgruppen fünf Stunden anbieten, für die Versicherte keine Termine benötigen. 

Psychotherapeutische Sprechstunde steuert die Versorgung

Mit der psychotherapeutischen Sprechstunde wurde eine Möglichkeit geschaffen, die Versorgung von Menschen mit psychischen Beschwerden zu steuern. Dieses Fazit zieht die Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) aufgrund einer Auswertung von rund 240.000 Abrechnungsdaten von Patientinnen und Patienten, die im zweiten Quartal 2017 erstmals in einer Sprechstunde waren.

„Die im April 2017 eingeführte psychotherapeutische Sprechstunde erfüllt ihren Zweck. Sie bietet flächendeckend eine diagnostische Abklärung und eine Beratung der Ratsuchenden, was notwendig ist – je nach Dringlichkeit und Schwere ihrer Beschwerden“, erklärte der Präsident der BPtK, Dietrich Munz, heute vor der Presse in Berlin.

Schnelle Hilfe bei psychischen Krisen durch Akutbehandlung

Eine psychotherapeutische Behandlung beginnen nach den Auswertungsdaten rund 58 Prozent der Ratsuchenden. 16,5 Prozent derjenigen befindet sich in einer so starken psychischen Krise, dass eine Akutbehandlung kurzfristig notwendig ist. 74 Prozent beginnen im Anschluss an die Sprechstunde eine Kurzzeittherapie; bei 9,5 Prozent ist eine Langzeittherapie indiziert.

„Die größte Verbesserung konnte für diejenigen erreicht werden, die besonders dringend Hilfe benötigen, etwa bei eskalierender Borderline-Symptomatik oder Suizidgefahr. Sie erhalten jetzt mit der neu eingeführten Akutbehandlung sehr kurzfristig professionelle Hilfe“, erläuterte Munz.

Monatelanges Warten auf einen Therapieplatz

Allerdings erhält jeder dritte Patient, der eine Richtlinien-Psychotherapie benötigt, diese nach Angaben der BPtK erst zwei bis drei Quartale später. „Das sind zu viele Patienten, die viel zu lange auf eine Behandlung warten müssen“, kritisierte Munz.

Die Sprechstunde habe zwar dazu geführt, dass psychisch Kranke schneller erfahren, dass sie krank sind. Auf einen freien Therapieplatz müssten sie trotzdem weiterhin monatelang warten. Die BPtK fordert deshalb „die sofortige Möglichkeit“ für 1.500 Psychotherapeuten, sich außerhalb von Großstädten niederzulassen.

42 Prozent haben keine Indikation für Psychotherapie

Bei rund 42 Prozent der Ratsuchenden ergibt die diagnostische Abklärung in der Sprechstunde, dass keine Richtlinienpsychotherapie notwendig ist, weil keine krankheitswertige Störung besteht. Psychotherapeuten empfehlen dann Angebote zur Prävention und Selbsthilfe oder verweisen an eine Beratungsstelle. Je nach Art und Schwere der Erkrankung werden auch eine Krankenhausbehandlung, medizinische Rehabilitation, eine fachärztliche Behandlung oder eine Soziotherapie veranlasst.

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„Die psychotherapeutische Sprechstunde wurde bereits direkt nach ihrer Einführung zum 1. April 2017 flächendeckend angeboten – die geforderten Mindestzeiten von zwei Stunden pro Woche wurden sogar deutlich übertroffen“, betonte der BPtK-Präsident. Erkennbar sei inzwischen auch, dass Patientengruppen, die aufgrund der langen Wartezeiten auf einen Psychotherapieplatz gar nicht erst versuchten, einen Termin zu bekommen, die Sprechstunden verstärkt aufsuchten. Dazu zählten arbeitsunfähige Menschen mit chronischen psychischen Erkrankungen und sozial Benachteiligte.

Psychotherapeuten lehnen zusätzliche Hürden vor Behandlung ab

„Angesichts der differenzierten Versorgung durch die psychotherapeutische Sprechstunde waren wir sehr überrascht, dass Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) eine zusätzliche‚ gestufte und gesteuerte Versorgung einführen will“, sagte Munz weiter.

Dieser Passus, der erst im Kabinettsentwurf für ein Terminservice- und Versorgungs­gesetz (TSVG) aufgenommen wurde, sei mit der BPtK nicht abgestimmt worden. Eine zusätzliche Hürde vor einer psychotherapeutischen Behandlung lehnt die Kammer grundweg ab. Sie sei überflüssig und diskriminierend. „Psychisch kranke Menschen haben das gleiche Recht der freien Wahl eines Behandlers wie körperlich Kranke“, betonte Munz.

Psychotherapeutenverbände haben einig eine Petition gegen den umstrittenen Passus im TSVG an den Deutschen Bundestag eingereicht. Sie wenden sich „gegen die Schaffung von neuen Hürden im Zugang zur Psychotherapie“ und fordern ein Einlenken der Politik. Die Petition hatte nach kurzer Zeit das erforderliche Quorum von 50.000 erreicht, um die Petition öffentlich beraten zu können und hat inzwischen 136.350 Mitzeichner (Stand 11. Dezember). Bis zum 13. Dezember, dem Tag an dem das TSVG in erster Lesung im Bundestag beraten wird, können weitere Voten abgegeben werden. 

Therapy conversation with the psychologist