Spahn kompromissbereit bei umstrittener Neuregelung für Psychotherapien

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat sich nach heftiger Kritik an seinen Plänen zur Neuregelung bei psychotherapeutischen Behandlungen kom­promissbereit gezeigt. „Ich schließe nicht aus, dass wir andere Regelungen finden“, sagte der Minister heute im ARD-Morgenmagazin.

Spahns Entwurf für das Terminservice- und Versorgungsgestez (TSVG) sieht eine „gestufte Steuerung“ von Hilfesuchenden vor. Ausgesuchte Ärzte und Therapeuten sollen in Voruntersuchungen entscheiden, welchem Hilfs- oder Therapieangebot die Betroffenen zugeführt werden sollen. Vertreter der Psychotherapeuten sehen darin eine zu große Hürde, die Patienten abschrecken könnte, eine Behandlung aufzunehmen.

Zugleich verteidigte Spahn heute in der ARD grundsätzlich seine Pläne. Es sei wichtig, dass Menschen mit Erkrankungen wie Schizophrenie oder Depression schnell eine Behandlung erhielten. Oft müssten die Betroffenen bislang aber darauf zu lange warten. Allerdings seien die Wartezeiten dort mit am längsten, wo es auch die meisten Therapeuten gebe.

Deshalb müsse die Terminvergabe besser koordiniert und gesteuert werden. Es reiche nicht aus, lediglich mehr Psychotherapeuten für die gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung zuzulassen, sagte Spahn weiter. Er äußerte die Hoffnung, im Januar eine Lösung zu finden.

Das vom Bundeskabinett Ende September gebilligte TVSG soll die Wartezeiten auf einen Arzttermin verkürzen. Vorgesehen ist die Erhöhung der wöchentlichen Mindestsprechstundenzahl von derzeit 20 auf 25. Zudem sollen bestimmte Arztgruppen fünf Stunden anbieten, für die Versicherte keine Termine benötigen. 

Psychotherapeutische Sprechstunde steuert die Versorgung

Mit der psychotherapeutischen Sprechstunde wurde eine Möglichkeit geschaffen, die Versorgung von Menschen mit psychischen Beschwerden zu steuern. Dieses Fazit zieht die Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) aufgrund einer Auswertung von rund 240.000 Abrechnungsdaten von Patientinnen und Patienten, die im zweiten Quartal 2017 erstmals in einer Sprechstunde waren.

„Die im April 2017 eingeführte psychotherapeutische Sprechstunde erfüllt ihren Zweck. Sie bietet flächendeckend eine diagnostische Abklärung und eine Beratung der Ratsuchenden, was notwendig ist – je nach Dringlichkeit und Schwere ihrer Beschwerden“, erklärte der Präsident der BPtK, Dietrich Munz, heute vor der Presse in Berlin.

Schnelle Hilfe bei psychischen Krisen durch Akutbehandlung

Eine psychotherapeutische Behandlung beginnen nach den Auswertungsdaten rund 58 Prozent der Ratsuchenden. 16,5 Prozent derjenigen befindet sich in einer so starken psychischen Krise, dass eine Akutbehandlung kurzfristig notwendig ist. 74 Prozent beginnen im Anschluss an die Sprechstunde eine Kurzzeittherapie; bei 9,5 Prozent ist eine Langzeittherapie indiziert.

„Die größte Verbesserung konnte für diejenigen erreicht werden, die besonders dringend Hilfe benötigen, etwa bei eskalierender Borderline-Symptomatik oder Suizidgefahr. Sie erhalten jetzt mit der neu eingeführten Akutbehandlung sehr kurzfristig professionelle Hilfe“, erläuterte Munz.

Monatelanges Warten auf einen Therapieplatz

Allerdings erhält jeder dritte Patient, der eine Richtlinien-Psychotherapie benötigt, diese nach Angaben der BPtK erst zwei bis drei Quartale später. „Das sind zu viele Patienten, die viel zu lange auf eine Behandlung warten müssen“, kritisierte Munz.

Die Sprechstunde habe zwar dazu geführt, dass psychisch Kranke schneller erfahren, dass sie krank sind. Auf einen freien Therapieplatz müssten sie trotzdem weiterhin monatelang warten. Die BPtK fordert deshalb „die sofortige Möglichkeit“ für 1.500 Psychotherapeuten, sich außerhalb von Großstädten niederzulassen.

42 Prozent haben keine Indikation für Psychotherapie

Bei rund 42 Prozent der Ratsuchenden ergibt die diagnostische Abklärung in der Sprechstunde, dass keine Richtlinienpsychotherapie notwendig ist, weil keine krankheitswertige Störung besteht. Psychotherapeuten empfehlen dann Angebote zur Prävention und Selbsthilfe oder verweisen an eine Beratungsstelle. Je nach Art und Schwere der Erkrankung werden auch eine Krankenhausbehandlung, medizinische Rehabilitation, eine fachärztliche Behandlung oder eine Soziotherapie veranlasst.

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„Die psychotherapeutische Sprechstunde wurde bereits direkt nach ihrer Einführung zum 1. April 2017 flächendeckend angeboten – die geforderten Mindestzeiten von zwei Stunden pro Woche wurden sogar deutlich übertroffen“, betonte der BPtK-Präsident. Erkennbar sei inzwischen auch, dass Patientengruppen, die aufgrund der langen Wartezeiten auf einen Psychotherapieplatz gar nicht erst versuchten, einen Termin zu bekommen, die Sprechstunden verstärkt aufsuchten. Dazu zählten arbeitsunfähige Menschen mit chronischen psychischen Erkrankungen und sozial Benachteiligte.

Psychotherapeuten lehnen zusätzliche Hürden vor Behandlung ab

„Angesichts der differenzierten Versorgung durch die psychotherapeutische Sprechstunde waren wir sehr überrascht, dass Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) eine zusätzliche‚ gestufte und gesteuerte Versorgung einführen will“, sagte Munz weiter.

Dieser Passus, der erst im Kabinettsentwurf für ein Terminservice- und Versorgungs­gesetz (TSVG) aufgenommen wurde, sei mit der BPtK nicht abgestimmt worden. Eine zusätzliche Hürde vor einer psychotherapeutischen Behandlung lehnt die Kammer grundweg ab. Sie sei überflüssig und diskriminierend. „Psychisch kranke Menschen haben das gleiche Recht der freien Wahl eines Behandlers wie körperlich Kranke“, betonte Munz.

Psychotherapeutenverbände haben einig eine Petition gegen den umstrittenen Passus im TSVG an den Deutschen Bundestag eingereicht. Sie wenden sich „gegen die Schaffung von neuen Hürden im Zugang zur Psychotherapie“ und fordern ein Einlenken der Politik. Die Petition hatte nach kurzer Zeit das erforderliche Quorum von 50.000 erreicht, um die Petition öffentlich beraten zu können und hat inzwischen 136.350 Mitzeichner (Stand 11. Dezember). Bis zum 13. Dezember, dem Tag an dem das TSVG in erster Lesung im Bundestag beraten wird, können weitere Voten abgegeben werden. 

Therapy conversation with the psychologist

Milliardenkosten durch psychische Erkrankungen

Die ökonomischen Kosten psychischer Erkrankungen belaufen sich für alle 28  Staaten der Europäischen Union (EU) derzeit auf rund 600 Milliarden Euro pro Jahr. Das zeigt ein gemeinsamer Bericht der „Organisation for Economic Cooperation and Development“, (OECD) und der Europäischen Kommission.

Ein großer Teil dieser Kosten ist auf niedrigere Beschäftigungsquoten und eine geringere Produktivität von Menschen mit Problemen der psychischen Gesundheit zurückzuführen (1,6 Prozent des EU-BIP oder 260 Milliarden Euro), auf höhere Ausgaben für Sozialversicherungsprogramme (1,2 Prozent des EU-BIP oder 170 Milliarden Euro). Der Rest sind direkte Ausgaben für die Gesundheitsversorgung (1,3 Prozent des EU-BIP oder 190 Milliarden Euro). Deutschland muss laut dem Bericht rund 4,8 Prozent seines Bruttoinlandproduktes (BIP) dafür aufwenden.

Wie der Report weiter zeigt, leiden Deutsche im Vergleich etwas häufiger an psychischen Erkrankungen als andere Europäer. Mit einem Anteil von 18 Prozent Betroffenen lag Deutschland im Jahr 2016 über dem EU-Durchschnitt von 17,3 Prozent. Den größten Anteil davon machten Angststörungen aus, dicht gefolgt von Depressionen sowie Alkohol- und Drogenkonsumstörungen.

Insgesamt litten EU-weit fast 84 Millionen Menschen an psychischen Erkrankungen. Am häufigsten kommen diese der Untersuchung zufolge in Finnland und den Niederlanden vor, am seltensten in Rumänien, Bulgarien und Polen. Die Verfasser weisen jedoch darauf hin, dass international sehr unterschiedlich mit psychischen Problemen umgegangen werde. Dort, wo solche Krankheiten eher als Tabuthema gelten, könne die Dunkelziffer höher sein.

„Die schweren Belastungen durch psychische Erkrankungen für den Einzelnen und die Gesellschaft sind nicht unvermeidlich“, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría. Es könne „viel mehr getan werden, um die psychische Gesundheit zu fördern und besser zu verwalten“.

Laut dem für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zuständigen EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis sind vor allem besser koordinierte Maßnahmen zur Förderung einer besseren psychischen Gesundheit in Schulen und am Arbeitsplatz nötig, aber auch bei schwächeren Gruppen wie Arbeitslosen und älteren Menschen.

Psychothera­peuten beschließen regelhafte Fernbehandlung mit Face-to-face-Diag­nostik

Der 33. Deutsche Psychotherapeutentag (DPT) hat entschieden, dass künftig eine Fernbehandlung ergänzend im Rahmen einer Psychotherapie grundsätzlich unter Beachtung besonderer Sorgfaltspflichten eingesetzt werden kann. Eine ausschließliche Fernbehandlung von unbekannten Patienten lehnten die Delegierten aber ab.

„Diagnostik, Indikationsstellung und Aufklärung der Patienten erfordern aber weiterhin den persönlichen Kontakt“, heißt es nun im neu beschlossenen Paragrafen 5 Absatz 5 der Musterberufsordnung (MBO) für Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. Damit folgten die Delegierten einem Antrag des Vorstands der Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK).

Die bisherige Regelung sah vor, dass eine Behandlung über Kommunikationsmedien nur in begründeten Ausnahmefällen durchgeführt werden darf. Die Mitwirkung an Forschungsprojekten, in denen Psychotherapie ausschließlich über das Internet durchgeführt wird, bedarf auch mit der geänderten MBO der Genehmigung durch die Landespsychotherapeutenkammern.

Große Entfernungen können überbrückt werden

Zuvor erläuterte Peter Lehndorfer, Mitglied im Vorstand der BPtK, die Chancen und Risiken der Psychotherapie über Videobehandlung: „Große Entfernungen zwischen Patienten und Psychotherapeut können so überbrückt werden. Menschen mit schweren körperlichen Erkrankungen werden erreicht, die keine Praxis aufsuchen können. Bei einem Umzug des Patienten kann eine Fernbehandlung den Therapeutenwechsel verhindern helfen.“

Die Evidenz rechtfertige inzwischen den Einsatz von Fernbehandlungen – „aber längst nicht für alle“. Auf der anderen Seite könne Onlinepsychotherapie nicht die Probleme der Bedarfsplanung lösen und bedeute auch keine Zeitersparnis für Psychotherapeuten.

Antrag zur ausschließlichen Fernbehandlung abgelehnt

Zur Abstimmung stand auch ein Antrag der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer (OPK), der eine ausschließliche Behandlung über Kommunikationsmedien „im Einzelfall“ erlauben wollte, wenn dies psychotherapeutisch vertretbar sei. Dem ablehnenden Votum der Delegierten war eine breite Debatte vorausgegangen.

„Wir wollen Psychotherapeuten zumuten, selbst zu entscheiden, ob sie den Patienten vor einer Fernbehandlung persönlich sehen wollen/müssen oder nicht“, sagte Andrea Mrazek, Präsidentin der OPK.

„Wir sollten uns der Möglichkeit der ausschließlichen Fernbehandlung nicht verschließen“, erklärte Cornelia Beeking, Delegierte aus Nordrhein-Westfalen (NRW). „Der Schaden für die Patienten ist größer, wenn wir sie gar nicht erreichen, dadurch, dass sie in die Praxis kommen müssen“, ergänzte die Berliner Delegierte Eva-Maria Schweitzer-Köhn.

„Zur Diagnostik gehört immer auch das persönliche Gespräch. Der klinische Eindruck ist wichtig, der sich auch im Geruch und im Händedruck zeigt“, sagte hingegen Petra Adler-Corman, NRW, beispielsweise für die Vertreter der Face-to-face-Diagnostik.

„Die Krankenkassen sind sehr erpicht auf die OnlinePsychotherapie ohne uns – wir können uns auch selbst abschaffen“, erklärte Rudi Bittner, Delegierter aus Bayern. „Wir müssen unsere Macht nutzen“, warb BPtK-Vizepräsident Nikolaus Melcop für den Antrag des Vorstands für die regelhafte Fernbehandlung, der schließlich mit großer Mehrheit angenommen wurde.

Psychotherapeutentag bemängelt weitere Zugangssteuerung zur Psychotherapie

Der 33. Deutsche Psychotherapeutentag (DPT) fordert den Gesetzgeber eindringlich auf, von der Regelung im Kabinettsentwurf für ein Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) Abstand zu nehmen, mit der eine vorgeschaltete Stelle, in der Indikation und Dringlichkeit der Behandlung psychisch kranker Menschen geprüft würde, eingeführt werden soll.

In einer Resolution forderten die Delegierten vorgestern in Berlin die „ersatzlose Streichung“ dieser in Paragraf 92 Absatz 6a Sozialgesetzbuch (SGB) V vorgesehenen Regelung, in der von einer „gestuften und gesteuerten Versorgung für die psychothera­peutische Behandlung“ die Rede ist, die der Gemeinsame Bundes­aus­schuss ausgestalten soll.

„Die beabsichtigte Regelung zielt tatsächlich auf Rationierung, Priorisierung und Selektion psychotherapeutischer Behandlungen“, heißt es in der Resolution. Sie könne weder einen zeitnahen Behandlungszugang gewährleisten, noch die Qualität und Wirtschaftlichkeit der Leistungen verbessern.

Darüber hinaus diskriminiere die Regelung in Paragraf 92 psychisch kranke Menschen, indem sie neue Hürden für psychisch kranke Menschen vor einer psychotherapeu­tischen Behandlung aufbaue. Deren Teilhabe an der Entscheidung über die Behandlungs­form wäre unzulässig beschränkt.

„Die Patienten müssten sich gleich mehreren Ärzten und Psychotherapeuten öffnen und unnötig lange Versorgungswege beschreiten“, kritisieren die Delegierten des 33. DPT. Das konterkariere auch das Bemühen um einen niedrigschwelligen Behand­lungszugang.

Versorgungssteuerung „längst Realität“

„Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn fordert etwas, was es längst gibt. Mit der Strukturreform der ambulanten Psychotherapie zum 1. April 2017 ist die Versorgungs­steuerung doch längst Realität: Die psychotherapeutische Sprechstunde und die Koordination der Versorgung funktionieren gut“, erklärte Dietrich Munz, Präsident der Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) beim DPT.

Die Evaluation der mit der Strukturreform geänderten Psychotherapierichtlinie solle erst einmal abgewartet werden. „Meiner Ansicht nach ist dieser Passus im TSVG eine politische Strategie von Herrn Spahn, um von Problemen in der Versorgung abzulenken“, sagte der BPtK-Präsident.

BPtK fordert 5.000 zusätzliche Psychotherapeutensitze

Grund für die Versorgungsprobleme, also die langen Wartezeiten auf einen Psycho­therapie­platz vor allem in ländlichen Gebieten, ist nach Ansicht der BPtK keine unzureichende Steuerung der Patienten, sondern ein Mangel an Psychotherapieplätzen. Nach der Wartezeitenstudie betragen die Wartezeiten auf einen Therapieplatz im Bundesdurchschnitt rund fünf Monate.

Die BPtK fordert deshalb sofort 5.000 zusätzliche Vertragspsychotherapeutensitze in ländlichen Regionen, um ein Niveau wie in den Städten zu erreichen. „Diese Soforthilfe für psychisch Kranke sollte vor der Reform der Bedarfsplanung greifen“, erklärte Munz. Notwendig sei darüber hinaus eine partielle Aufhebung der Zulassungs­beschrän­kungen in Großstädten sowie die generelle Reform der Bedarfsplanung.

Reform der Bedarfsplanung zeitnah umsetzen

In einer weiteren Resolution fordert der 33. Deutsche Psychotherapeutentag deshalb den Gemeinsamen Bundes­aus­schuss auf, die Reform der Bedarfsplanung „zeitnah umzusetzen“. Die aktuellen Wartezeiten seien vielerorts nicht mehr hinnehmbar.

Obwohl sich der Erstzugang zum Psychotherapeuten durch die Etablierung von Sprechstunden deutlich verbessert habe, fehle es nach der Erstabklärung in vielen Regionen an ausreichenden Kapazitäten für eine anschließende Psychotherapie, heißt es in dieser Resolution.

Die Bundes­psycho­therapeuten­kammer ist nicht allein mit ihrer Forderung, die geplante Regelung in Paragraf 92 Absatz 6a SGB V im Kabinettsentwurf für ein TSVG zu streichen. Vorgestern hatte sich auch die Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Niedersachsen auf ihrer Herbsttagung in Hannover „auf das Schärfste“ gegen diese Regelung ausgesprochen.

„Eine vorgeschaltete Stelle, in der Indikation und Dringlichkeit der Behandlung psychisch kranker Menschen geprüft wird, würde eine neue Hürde vor einer ambulanten Psychotherapie einführen und so den Zugang nicht erleichtern, sondern erschweren“, heißt es in einer Resolution der KVN.

Am vergangenen Freitag hatten zudem drei Psychotherapeutenverbände eine neue Petition im Bundestag gestartet, mit der sie der Forderung, die umstrittene Regelung im Gesetzgebungsverfahren zu streichen, Nachdruck verleihen.

Zuvor hatten sich bereits die Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Kassenärztlichen Bundes­vereinigung, einige KVen, die Landespsychotherapeutenkammern sowie die Allianz fachärztlicher Berufsverbände gegen die Zugangsplanungen durch den Gesetzgeber ausgesprochen.

Psychotherapeuten starten Petition gegen Terminservicegesetz

Der Kabinettsentwurf des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) sieht vor, dass besonders qualifizierte Ärzte und psychologische Psychotherapeuten künftig in Voruntersuchungen festlegen, zu welchem Hilfe- oder Therapieangebot Betroffene gehen dürfen. Das hat bereits zu heftiger Kritik von Psychotherapeuten und Ärzten geführt. Ihrer Forderung, die Regelung im Gesetzgebungsverfahren zu streichen, verhelfen drei Psychotherapeutenverbände nun mit einer neuen Petition an den Bundestag Nachdruck.

Aus Sicht des Bundesverbands der Vertragspsychotherapeuten (bvvp), der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV) und der Vereinigung Analytischer Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten (VAKJP) werden psychisch kranke Menschen mit der geplanten „gestuften Steuerung“ diskriminiert.

Eine derartige, vorgeschaltete Selektion hebe den freien Zugang der Patienten zum ärztlichen, psychologischen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten auf und verlängere unnötig das Leiden der Betroffenen, hieß es. Die freie Auswahl des Behand­lers nach eigenem Vertrauen werde Patienten damit genommen oder zumindest massiv eingeschränkt. Kritik üben sie auch daran, dass Psychotherapeuten nach der neuen Regelung nicht mehr entscheiden dürften, ob und wie der betroffene Patient behandelt wird.

„Die beabsichtigte Neuregelung kann nur als der unangemessene Versuch einer Rationierung von Behandlungsleistungen aufgefasst werden, der die Nöte psychisch erkrankter Menschen nicht nachvollzieht“, resümieren die Verbände.

Weiterentwicklung der Versorgung psychisch Kranker hin zu personenzentrierten Ansätzen

Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) will zusammen mit der Aktion Psychisch Kranke (APK) die Hilfen für psychisch kranke Menschen weiterentwickeln. Eine Auftaktveranstaltung in diesem auf zwei Jahre angelegten Prozess, der als „Verbändedialog” konzipiert ist, fand am Dienstag in Berlin statt. „Die zunehmende Akzeptanz psychischer Erkrankungen und die verbesserte Diagnostik haben zu einer Verdichtung des Behandlungsgeschehens geführt mit langen Wartezeiten und nicht optimaler Koordination in der Folge – wir brauchen eine bessere Verzahnung der Versorgung und noch mehr Bemühen in Richtung sektorenübergreifender Ansätze”, sagte Heiko Rottmann-Großner vom BMG. Ziel sei ein personenzentrierter Ansatz. „Wir wollen herausfinden, welche Maßnahmen wirken und wo es noch Handlungsbedarf gibt.”

„Am Ende dieser Legislaturperiode wird die Psychiatrie-Enquete 40 Jahre alt – wir haben viel erreicht, aber noch nicht genug”, betonte Jörg M. Fegert, stellvertretender Vorsitzender der APK. Das Konzept der personenzentrierten Hilfen, bei denen vom Patienten aus gedacht wird und nicht von der Einrichtung  oder vom Leistungs­erbringer aus, sei bereits mit der Enquete 1971 entwickelt worden. Damals ging es auch darum, die Betroffenen im Sinne von Partizipation in die Behandlung mit einzubeziehen. Die Selbsthilfe organisiere sich seit 1985 und habe vielfältige Erfolge vorzuweisen.

Flächendeckende Etablierung sektorenübergreifender Hilfen

„Die flächendeckende Etablierung sektorenübergreifender Hilfen – auch eine Forderung der Psychiatrie-Enquete – ist aber immer noch nicht gelungen”, erklärte Fegert. Verbesserungsbedarf gebe es auch hinsichtlich der Stärkung der Patienten­rechte. Ebenso optimierungsbedürftig seien die Übergänge in der Versorgung psychisch kranker Jugendlicher bis ins junge Erwachsenenalter (Transition). Gestärkt werden müsse auch die gerontopsychiatrische Versorgung.

„Die Wartezeiten auf Therapieplätze sind mit fünf Monaten im Durchschnitt viel zu lang”, kritisierte Wolfgang Greiner, Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutach­tung der Entwicklung im Gesundheitswesen (SVR). Die meisten Gebiete in Deutschland würden in der Bedarfsplanung als überversorgt ausgewiesen. Grund dafür sei der Anstieg von Psych-Fachärzten und Psychotherapeuten zwischen 2002 und 2017 und insbesondere der Anstieg von ärztlichen und Psychologischen Psychotherapeuten seit 2013.

Auslastung der Kassenarztsitze überprüfen

„Der Sachverständigenrat empfiehlt daher unter anderem, die Bedarfsplanung genauer anzuschauen und insbesondere die Auslastung der Kassenarztsitze zu überprüfen”, sagte Greiner. Weiter habe das jüngste Gutachten des SVR empfohlen, intensive ambulante Angebote zu schaffen, die die Lücke zwischen psychiatrisch/psycho­therapeutischer Behandlung und teilstationären Angeboten abdecken. Die Koordinationsverantwortung in der Versorgung psychisch Kranker sollte klar verortet werden. Darüber hinaus sollten die Chancen digitaler Angebote verstärkt genutzt werden, forderte der SVR-Vertreter.

Sektorenübergreifende Versorgung psychisch Kranker: Gefragt ist der Gesetzgeber

Der Sachverständigenrat kritisiert, dass sich die Sektorengrenzen bei der Versorgung psychisch Kranker besonders negativ bemerkbar machen. Es mangelt an Koordination und Kooperation. Die langen Wartezeiten im ambulanten Bereich treiben die Betroffenen in die Kliniken. Die Koordination der Versorgung psychisch kranker Menschen ist nicht einfach, zumal das System sehr komplex und fragmentiert ist.

Fokus auf die ambulante psychiatrische Versorgung

„Die Weiterentwicklung der Psychotherapie hat in den letzten Jahren viel Energie gebunden – das System der ambulanten psychiatrischen Versorgung braucht jetzt wieder mehr Aufmerksamkeit”, forderte Frank Bergmann, Vertreter der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) bei der Veranstaltung. Psychotherapeutisches Handeln sei von der psychiatrischen Tätigkeit nicht abzukoppeln. „Aber wir haben versäumt, die Strukturen anzupassen, Psychiater werden behandelt wie alle anderen Fachärzte auch, trotz anderer Bedingungen.“ Das müsse sich ändern, forderte der Psychiater und Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KV-NO).

Den Ausbau einer koordinierten sektorenübergreifenden Behandlung für psychisch Kranke hält auch Bergmann für essenziell. „Wir üben mit dem NPPV-Modellprojekt in Nordrhein gerade, wie man mit einem Bezugsarzt oder –psychotherapeuten die Versorgung koordiniert.” Auch der Anschluss an die gemeindepsychiatrische Versorgung und an die Kliniken sei in dem Modell geregelt. Das NPPV-(Neurologisch-psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung-)Projekt erprobt eine gestufte, koordinierte Versorgung im Gebiet der KV-NO. Das Projekt wird seit Oktober 2017 vom Innovationsfonds gefördert und läuft über vier Jahre.

„Wir brauchen keine zentrale Stelle, die alle Patienten durch das System schleust“

Die Ergebnisse des Modellprojekts ebenso wie eine Evaluation der im April 2017 initiierten Strukturreform der ambulanten Psychotherapie sollten nach Ansicht des KBV-Vertreters erst einmal abgewartet werden, bevor neue Gesetzesänderungen beschlossen werden. „Eine zentrale Stelle, die alle Patienten durch das psychiatrische/psychotherapeutische Versorgungssystem schleust, brauchen wir nicht – die psychotherapeutischen Sprechstunden und die Akutbehandlung funktionieren gut“, sagte Bergmann mit Bezug auf einen Passus im Kabinettsentwurf für ein Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG).

Im TSVG wird gefordert, dass die psychotherapeutische Behandlung „im Rahmen einer gestuften und gesteuerten Versorgung“ erfolgen solle. Die Kritik an diesem Passus (Paragraf 92 Absatz 6a Sozialgesetzbuch V) von Seiten vieler Berufsverbände und der Bundes­psycho­therapeuten­kammer reißt nicht ab.

Kritik vom GKV-Spitzenverband

Der Vertreter des GKV-Spitzenverbands Thomas Uhlemann äußerte sich überwiegend kritisch insbesondere über die ambulante psychotherapeutische Versorgung. „Die Psychotherapeutensitze in Deutschland sind ungleich verteilt, die Wartezeiten für die Patienten zu lang, es gibt keine Qualitätssicherung und keine Transparenz.“ Zudem müssten Patienten mit schweren psychotischen Störungen oder Essstörungen deutlich länger auf einen Therapieplatz warten, als Patienten mit „leichten“ Beschwerden. „Die Psychotherapeuten können sich die Patienten aussuchen, sie verteilen die Plätze nach Indikation“, glaubt Uhlemann. Dagegen wandte sich explizit KBV-Vertreter Bergmann: „Diese Dichotomie aufrechtzuerhalten, bringt gar nichts.“

Psychotherapie: GKV-Leistungen für Menschen mit Intelligenzminderung erweitert

Menschen mit einer geistigen Behinderung, die sich in psychotherapeutischer Behandlung befinden, können künftig für eine ambulante Psychotherapie zusätz­liche Zeiteinheiten zulasten der GKV erhalten.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat die Psychotherapie-Richtlinie geändert. Künftig können Menschen mit Intelligenzminderungen bis zu zehn psychotherapeutische Sprechstunden-Einheiten je Krankheitsfall in Anspruch nehmen. Die psychotherapeutische Sprechstunde dient der Abklärung, ob ein Verdacht auf eine krankheitswertige Störung vorliegt und weitere fachspezifische Hilfen notwendig sind. Sie kann bisher als Einzelbehandlung bei Erwachsenen in Einheiten von mindestens 25 Minuten höchstens sechsmal je Krankheitsfall (insg. bis zu 150 Minuten) erbracht werden; bei Kindern und Jugendlichen als Einzelbehandlung in Einheiten von mindestens 25 Minuten maximal zehnmal je Krankheitsfall (insg. bis zu 250 Minuten).

Bei der psychotherapeutischen Behandlung und Diagnostik von Menschen mit einer geistigen Behinderung kann es auch im Erwachsenenalter nötig sein, relevante Bezugspersonen aus dem sozialen Umfeld einzubeziehen. Die Richtlinienänderung ermöglicht das, informiert der G-BA. Für das Einbeziehen dieser Bezugspersonen stünden nun weitere Therapieeinheiten bei der psychotherapeutischen Sprechstunde, der Probatorik und der Rezidivprophylaxe zur Verfügung. Klarstellend beinhaltet der Beschluss des G-BA die Definition der Patientengruppe, für die die verbesserten Behandlungsmöglichkeiten gelten sollen: Menschen, bei denen eine Diagnose entsprechend des Abschnitts „Intelligenzstörung“ (F70-F79) des ICD-10 vorliegt. Dies seien insbesondere leichte bis schwerste Intelligenzminderungen.

Ersatzkassen fordern Zertifizierung von Onlineangeboten für psychische Störungen

Mehr Transparenz bei onlinebasierten Smartphone-Applikationen (Apps) und Programmen für psychische Störungen fordern die Ersatzkassen. „Unter den über 100.000 Gesundheits-Apps die geeignete Anwendung herauszufiltern, ist ein schwieriges Unterfangen, der Patientennutzen zudem oft nicht belegt“, sagte die Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Ersatzkassen (vdek), Ulrike Elsner.

Die Ersatzkassen haben daher in einem Eckpunktepapier dargelegt, was aus ihrer Sicht notwendig ist, um das Potenzial der neuen technischen Möglichkeiten zu nutzen.  „Zahlreiche Studien zeigen, dass onlinebasierte Interventionen für ein breites Spektrum psychischer Störungen mit unterschiedlichen Schweregraden wirksam sein können und somit das Potenzial haben, die Versorgung von psychisch Kranken maßgeblich zu verbessern“, betonen die Autoren des Eckpunktepapiers zunächst.

Zertifizierung schaffen

Die Ersatzkassen halten es aber für nötig, eine Zertifizierungsmöglichkeit beispielsweise als „eGesundheitsmittel“ zu schaffen. Der primäre Fokus dieser „eGesundheitsmittel“ liege dabei nicht auf Angeboten, die die klassische psychotherapeutische Behandlung lediglich mit digitalen Anwendungen ergänzten, sondern vor allem auf neuen Behandlungsformen mit eigenständigem Behandlungsansatz, heißt es in dem Eckpunktepapier.

Für die Zertifizierung sollte geklärt werden, ob die App zur Indikation überhaupt passt. Weitere Fragen sind, ob sie den Schweregrad der Krankheit berücksichtigt,  und ein Prozedere für Notfälle vorsieht. Außerdem sollte die Zertifizierung erfassen, ob es Studien zur Wirksamkeit des Onlineangebotes gibt und ob der Datenschutz gesichert ist. Welches zertifizierte eGesundheitsmittel die Krankenkassen erstatten wollen, sollten sie selbst entscheiden können, betonen die Ersatzkassen.

Krankenkassen lehnen verstärkt Kostenerstattung von Psychotherapien in Privatpraxen ab

Die Kostenerstattung von Psychotherapien bei approbierten Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, die in Privatpraxen arbeiten wird von Krankenkassen verstärkt abgelehnt. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Versorgungsstudie von zehn Landespsycho­therapeuten­kammern, die gestern bei einer Pressekonferenz der Psychotherapeutenkammer Berlin vorgestellt wurde.

Die Bewilligungsquote von Anträgen auf Kostenerstattung sank danach innerhalb eines Jahres von 81 Prozent (2016) auf 47 Prozent (1. Quartal 2018) ab. Im Falle der Bewilligung sank der Umfang der genehmigten Therapiesitzungen durchschnittlich um 25 Prozent. „Durch die restriktive Handhabung der Kostenerstattung für außervertrag­liche Psychotherapien verknappen die Kassen die ohnehin unzureichenden Behandlungsmöglichkeiten für gesetzlich Krankenversicherte“, kritisierte Michael Krenz, Präsident der Berliner Kammer.

Die Studie basiert auf einer Online-Mitgliederbefragung im 1. Quartal 2018 mit einem Rücklauf von 2.417 Teilnehmern. Hochgerechnet arbeiten nach Angaben der Studien­autoren gegenwärtig zwischen 5.500 und 6.000 meist junge Psychotherapeuten im Rahmen der Kostenerstattung.

Viele davon warten auf eine Zulassung zur vertragsärztlichen Versorgung. Genaue Daten zur Anzahl der Psychotherapien im Rahmen der Kostenerstattung gibt es nicht mehr: nach Angaben des GKV-Spitzenverbands, weil „das Konto in der amtlichen Statistik zur Kostenerstattung bei Psychotherapie ab 2013 eingestellt wurde“.

Psychotherapeuten berichten von falschen Ablehnungsgründen

„Viele Ablehnungen wurden von den Krankenkassen falsch begründet“, kritisieren die Studienautoren Katrin Jeschke, Psychotherapeutenkammer Berlin, und Rüdiger Nübling, Landepsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg. So berichten unter anderem 56 Prozent der Befragten, den Patienten sei von den Krankenkassen mitgeteilt worden, Kostenerstattung sei nicht mehr erlaubt. 82 Prozent berichten von Ablehnungen, die mit der Einführung der Vermittlung der Terminservicestellen (TSS) seit April 2017 in die psychotherapeutische Sprechstunde und Akutbehandlung begründet wurden.

„Fakt ist, dass der gesetzliche Anspruch auf Kostenerstattung unverändert geblieben ist, wenn der Versicherte keinen Psychotherapieplatz bei einem Vertragspsychotherapeuten findet“, sagte Jeschke. Paragraf § 13 Absatz 3, Sozialgesetzbuch V (SGB V) besagt: „Konnte die Krankenkasse eine unaufschiebbare Leistung nicht rechtzeitig erbringen (….) und sind dadurch Versicherten für die selbstbeschaffte Leistung Kosten entstanden, sind diese von der Krankenkasse in der entstandenen Höhe zu erstatten, soweit die Leistung notwendig war.“

Terminservicestellen ändern Sachlage nicht

„Die Einführung der Vermittlung der Terminservicestellen in Sprechstunde und Akutbehandlung hat an den Versorgungsproblemen nichts geändert“, erläuterte Nübling. Er verwies auf die Wartezeitenstudie der Bundes­psycho­therapeuten­kammer von 2018, nach der Versicherte im Durchschnitt fünf Monate auf den Beginn einer Psychotherapie warten müssen.

Bei Antragsablehnung nannten die Krankenkassen laut der Studie den Versicherten Behandlungsalternativen. Klinikambulanzen (27 Prozent) standen dabei an erster Stelle, gefolgt von stationären Maßnahmen wie Psychosomatischer Reha, stationärer Psychiatrie (24 Prozent) oder dem Rat, sich an einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie zu wenden. „Die ersten beiden Alternativvorschläge sind deutlich teurer als eine ambulante Psychotherapie und konterkarieren zudem die Vorgabe ambulant vor stationär“, kritisierte Nübling.

Bedarfsplanung am regionalen Versorgungsbedarf ausrichten

„Der Gesetzgeber muss gewährleisten, dass gemäß § 13 Absatz 3 SGB V die Kostenerstattung für Psychotherapie in Privatpraxen weiterhin bewilligt wird“, erklärte der Berliner Kammerpräsident Krenz. „Wir fordern eine an den regionalen Versorgungsbedarfen ausgerichtete Bedarfsplanung, die sich am konkreten Behandlungsbedarf  der Patienten orientiert“, betonte Heike Peper, Präsidentin der Psychotherapeutenkammer Hamburg bei der Pressekonferenz. Chronifizierungen psychischer Störungen müssten vermieden werden.

„Es ist ein Unding, dass obwohl monatelange Wartezeiten auf Psychotherapie bestehen, der Weg der Kostenerstattung von Krankenkassen weitgehend abgelehnt wird“, kritisierte Maria Klein-Schmeink, gesundheitspolitische Sprecherin von Bündnis 90 /Die Grünen. Die Bundesregierung müsse sicherstellen, dass Versicherte zu ihrem Recht kommen und „nicht aus Gründen der Kostenersparnis“ von ihren Krankkassen abgewiesen werden, forderte sie.

„Lange Wartezeiten auf einen Termin beim Psychotherapeuten sind für Patienten ärgerlich und unter Umständen problematisch. Kern des Wartezeitenproblems ist, dass viele Psychotherapeuten nur Teilzeit für die GKV arbeiten, aber eine ganze Kassenzulassung besetzen“, sagte Ann Marini, stellvertretende Pressesprecherin des GKV-Spitzenverbandes auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblatts.

Es sei die Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigungen, die ambulante Versorgung sicherzustellen. Wo ihnen dies nicht gut gelinge, seien die TSS eine Hilfe für Patienten. „Die Versicherten haben nun einen verbrieften Anspruch darauf, innerhalb von vier Wochen nach Erstkontakt einen Termin für die psychotherapeutische Sprechstunde, die Akutbehandlung und auch die probatorische Sitzung zu erhalten“, erklärte Marini.