Patientenbrief statt Arztbrief kann Patientensicherheit erhöhen

Patienten, die nach der Entlassung aus dem Krankenhaus einen Patienten­brief erhielten, fühlen sich besser unterstützt und verstehen ihre Erkrankung und Be­handlung besser. Das zeigen die Ergebnisse der Pilotstudie „Mehr Gesundheitskom­petenz durch Patientenbriefe“, die heute im Rahmen der Veranstaltung „Mit. Sicher­heit. Gemeinsam.“ des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) in der Hörsaalruine der Charité Berlinvorgestellt wurden.

Insbesondere in Bezug auf die Einnahme von Medikamenten gaben die Patienten signifikant häufiger an, sehr verständliche Erläuterungen über die Art der Medikamen­ten­einnahme erhalten zu haben. Dies könne sich positiv auf die Therapietreue und die Gesundheitskompetenz insgesamt auswirken, sagte Ansgar Jonitz, Geschäftsführer des gemeinnützigen Unternehmens „Was hab’ ich?“.

Das Startup hatte die für Laien verständlichen Entlassdokumente entwickelt und deren Einsatz zwischen November 2015 und April 2018 getestet. Patienten der Abteilung Innere Medizin der Paracelsus-Klinik in Bad Ems erhielten im Rahmen der Studie zu­sätzlich zum Arztbrief einen Patientenbrief, der leicht verständliche Informationen zum Krankheitsbild, zu den durchgeführten Untersuchungen, Behandlungen und den Me­di­kationsplan enthielt.

Neben einem besseren Verständnis für die eigene Erkrankung zeigen die Ergebnisse auch, dass Patienten mit Patientenbrief sich im Krankenhaus rücksichtsvoller behan­delt fühlten und die Klinik nach Entlassung häufiger weiterempfahlen. Auch wurden die Patientenbriefe von fast allen Patienten und in vielen Fällen von Angehörigen gelesen.

Thomas Gebhardt, Parlamentarischer Staatssekretär des BMG, betonte, dass eine patientengerechte Kommunikation entscheidend sei, um die Gesundheitskompetenz und damit auch die Patientensicherheit zu erhöhen. Patientensicherheit sei Aufgabe aller, so Gebhardt. Sie könne nur durch die gemeinsame Anstrengung von Ärztinnen und Ärzten sowie Patienten gelingen. 

Perspektivisch soll das Projekt flächendeckend eingesetzt werden und allen Patienten zur Verfügung stehen. Auch die Option eines mehrsprachigen Patientenbriefes sowie eine digitale Version und die Ausweitung auf weitere Zielgruppen sind angedacht. In einem Folgeprojekt, das in den kommenden Tagen startet, wird zudem die automati­sche Erstellung von Patientenbriefen getestet.

„Was hab’ ich?“ bietet seit 2011 einen Patientenservice zur „Übersetzung“ von Arzt­briefen an. Patienten können ihre Befunde anonym auf dem Portal hochladen und er­halten kostenfrei eine leicht verständliche Version des Arztschreibens. Die Formulie­rung übernehmen Medizinstudierende höherer Semester sowie Ärzte. Seit dem Start der Webseite wurden 40.000 Befunde übersetzt.

KV Bayern moniert unzulässige Anrufe bei Patienten

Psychotherapeuten in Bayern verwahren sich gegen die Einmischung von Krankenkassen in laufende Behandlungen. Dies sei ein gravierender Eingriff in die Therapiefreiheit.

In Bayern gibt es gehäufte Beschwerden, dass Krankenkassen unaufgefordert bei Patienten anrufen, die sich in psychotherapeutischer Behandlung befinden. Ihnen werde von den Kassen die Teilnahme an einer Online-Psychotherapie empfohlen.

Darauf hat Claudia Ritter-Rupp, zweite stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KV Bayerns (KVB), kürzlich bei der Vertreterversammlung in München hingewiesen. Nach ihren Worten handelt es sich dabei um ein „wirklich ernstes Thema“, das auch über die Grenzen Bayerns hinausreiche.

Aus juristischer Sicht seien diese Einmischungen nicht zu rechtfertigen, so Ritter-Rupp. So würden die Beratungs- und Informationspflichten der Kassen nicht zum unaufgeforderten selektiven Anruf bei Patienten befugen.

Zudem handele es sich hierbei um einen Verstoß gegen datenschutzrechtliche Bestimmungen. Demnach sei die selektive Verwendung von Diagnosen zum Anbieten bestimmter Programme der Krankenkassen unzulässig.

„Gravierender Eingriff in die Therapiefreiheit“

Im Übrigen liege in diesen Fällen in der Regel nicht die schriftliche Information und Einwilligung der Patienten zur Datenverwendung vor. Schließlich finde hier eine unverschlüsselte Übermittlung von Sozialdaten durch Krankenkassen beziehungsweise deren Managementgesellschaften statt.

Die KVB-Vorstandsfrau wertet diese Praxis als gravierenden Eingriff in die Therapiefreiheit. Sie beeinträchtige die vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung und habe negative Auswirkungen auf den Behandlungsverlauf.

Um diese Einmischungen zu beenden, habe sich die KVB mit den Kassen auseinandergesetzt. Mit der DAK und deren verbundenem Versorgungsangebot Veovita Gesundheit habe man persönliche Gespräche geführt, die DAK wurde zudem schriftlich zur Unterlassung aufgefordert, was diese auch bestätigt habe.

Unabhängig vom Vorgehen der Krankenkassen sind Ritter-Rupp die zahlreichen Online-Psychotherapieangebote ein Dorn im Auge. Ihrer Ansicht nach gehe es dabei um kommerzielle Orientierung statt um Qualität. Es gebe keine einheitlichen Standards sowie erhebliche Sicherheitslecks und Qualitätsmängel bei entsprechenden Apps.

Im Übrigen finde nur eine Beratung und keine Therapie statt. Nicht selten werde nicht einmal eine ordentliche Diagnostik durchgeführt. Zudem würden die Portalbetreiber auch keine Haftung übernehmen. Ritter-Rupp fordert, dass für diese Angebote ethische und juristische Regeln aufgestellt werden.

Therapy conversation with the psychologist

Spahn stößt Verbot von „Therapien“ gegen Homosexualität an

Bis heute versuchen Ärzte, Therapeuten und Prediger, Homosexuelle von ihrer Sexualität abzubringen. Jens Spahn will noch dieses Jahr einen Gesetzesvorschlag vorlegen, der das untersagt.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht gute Chancen, Konversionstherapien zur „Umpolung“ Homosexueller schnell zu verbieten. „Konversionstherapien machen krank und sind nicht gesund“, sagte Spahn in Berlin. Er strebe jetzt zügige Gespräche mit dem Bundesjustizministerium an.

Ziel sei, noch dieses Jahr ein Gesetzentwurf für ein Verbot auf den Weg zu bringen. Spahn hatte im Frühjahr eine 46-köpfige Expertenkommission zum Thema eingesetzt. Diese kommt gemeinsam mit zwei wissenschaftlichen Gutachten zum Schluss, dass ein Verbot aus medizinischer Sicht geboten und aus rechtlicher Sicht möglich sei.

„Die Kommission und die Gutachter haben gute Lösungsansätze aufgezeigt, wie wir ein Verbot dieser Therapien regeln können“, kommentierte Spahn den Zwischenstand. „Auf dieser Grundlage werden wir auf das Justizministerium zugehen, um zügig zu entscheiden, wie und was wir in Deutschland umsetzen.“

Negative Folgen bis hin zum Suizid

In einem der beiden Gutachten schreibt Sexualwissenschaftler Peer Briken vom UKE Hamburg, dass es weder soziologisch, noch psychologisch oder medizinisch Hinweise darauf gebe, dass Homosexualität eine Störung oder gar Krankheit sei. Aus diesem Grund gebe es auch keinen Anlass, sie zu therapieren.

Zusätzlich existieren nicht einmal Belege dafür, dass sich die sexuelle Orientierung durch die vermeintlichen Therapien überhaupt dauerhaft verändern lässt. Deutlich besser belegt sind die möglichen negativen Folgen der „Therapien“, sie reichen von Depressionen über Suizidalität bis hin zu sexuellen Problemen.

Auch andere Wissenschaftler gehen davon aus, dass Konversionstherapien Leben zerstören können. „Statt den Patienten in seiner homosexuellen Identität zu stärken, zerstören sie sein Selbstbild“, sagte Lieselotte Mahler, Oberärztin an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité.

Deutschland: Tausende Fälle pro Jahr

In Deutschland müsse von Tausenden Fällen pro Jahr ausgegangen werden, in denen versucht werde, homosexuelle Menschen durch fragwürdige Methoden umzuerziehen, erklärte Jörg Litwinschuh-Barthel von der Magnus-Hirschfeld-Stiftung, die die Kommission fachlich begleitet. Die Versuche reichten vom familiären Umfeld, Coaches und Therapeuten über Gebete bis hin zu Exorzismus.

Bei einer Betroffenen etwa wurde die Veränderung ihrer Homosexualität im Verlauf einer Psychotherapie nach einem Jahr plötzlich zum Therapieziel. Die „Therapeutin“ versuchte laut einer Mitteilung des Bundesgesundheitsministeriums unter anderem mit Lichttherapie und indoktrinierenden Gesprächen, die sexuelle Orientierung der Frau zu beeinflussen. Als sie zusätzlich noch eine Elektroschockbehandlung vorschlug, endete die „Therapie“.

Vor Kurzem hatten sich auch die Bundesländer für ein Verbot der Konversionstherapien ausgesprochen. Der Bundesrat hatte Mitte Mai in einer Entschließung die Bundesregierung aufgefordert, die rechtlichen Voraussetzungen dafür zu prüfen.

By Sander van der Wel from Netherlands (Depressed) [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons
By Sander van der Wel from Netherlands (Depressed) [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

Zwanghaftes Sexualverhalten und Videospielsucht als neue Krankheiten

Zwanghaftes Sexualverhalten und Video- oder Online-Spielsucht werden künftig als Diagnosen in der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-11) aufgeführt. Diese verabschieden die Mitglieder der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) auf ihrer Jahresversammlung in Genf (20. bis 28. Mai). Der erstmals seit 30 Jahren neu gefasste Katalog listet rund 55.000 Krankheiten, Symptome und Verletzungsursachen auf. Neue Diagnosen sollen ab 2022 nach dem neuen WHO-Katalog erfasst werden.

Ärzte registrieren ihre Diagnosen künftig mit den neuen Codes. Für krankhaftes Video- oder Online-Spielen ist es „6C51“, für zwanghaftes Sexualverhalten „6C72“. Damit können präzisere Statistiken erstellt und Gesundheitstrends besser dokumentiert werden, wie Robert Jakob, Gruppenleiter Klassifikationen (ICD) bei der WHO, im Vorfeld sagte.

Ärzte könnten künftig zudem bei der Diagnose Lungenentzündung präzisieren, dass bei einem Patient antibiotikaresistente Keime entdeckt wurden. „So lässt sich fest­stellen, wo die Entwicklung neuer Antibiotika besonders dringend ist“, sagte Jakob. Nach Angaben des deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation werden nach dem für Deutschland leicht modifizierten Katalog auch Behandlungen abgerechnet und Statistiken zu Todesursachen geführt.

Neu ist auch, dass Ärzte bei einer Blutung im Gehirn präzisieren können, dass der Patient versehentlich ein Medikament überdosiert hatte. „Wenn sich herausstellt, dass bestimmte Mittel oft falsch eingenommen werden, kann man untersuchen, wie man dem vorbeugen kann“, sagt Jakob.

Zusatzhandbuch für die Diagnose neuer Süchte

Dass zwanghaftes Sexualverhalten und Video- oder Online-Spielsucht neu in den Katalog aufgenommen wird, ist umstritten, weil die Diagnosen schwierig sind. Was genau darunter zu verstehen ist, wird in einem Zusatzhandbuch erklärt. Unter zwang­haftem Sexualverhalten könne unter anderem übermäßiger Pornokonsum oder Tele­fonsex zählen, sagte Jakob.

Die Diagnose ist nach Definition von Fachleuten dann angebracht, wenn Betroffene intensive, wiederkehrende Sexualimpulse über längere Zeiträume nicht kontrollieren können und dies ihr Familien- oder Arbeitsleben oder das Sozialverhalten beeinflusst.

Gegen die Aufnahme von Video- und Onlinespielsucht hatte vor allem die Gaming-Industrie protestiert. Sie fürchtet, dass Menschen, die viel spielen, plötzlich als the­rapiebedürftig eingestuft werden.

Die Problematik beginnt für die WHO, wenn ein Mensch über mehr als zwölf Monate alle anderen Aspekte des Lebens dem Spielen unterordnet, oder wenn er seine Freunde verliert oder seine Körperhygiene vernachlässigt. Fachlich sei die Diagnose klar definiert, sagt Jakob.

„Es gibt keinen Grund, solches pathologisches Spielen aus dem Katalog zu nehmen. Andererseits darf auch niemand, der einfach viel auf dem Computer oder Handy spielt, als krank bezeichnet werden.“ 

Ärzte sollen Apps verschreiben können

Ärztinnen und Ärzte sollen künftig ihren Patienten Apps verschreiben können. Zusätzlich müssen sie mit einem höherem Honorarabzug rechnen, wenn sie sich nicht in den kommenden Monaten an die Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) anschließen. Diese zwei Vor­haben sind Teil des Digitalisierungsgesetzes, das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) heute vorgelegt hat.

Mit dem geplanten „Gesetz für eine bessere Versorgung durch Digitalisierung und Innovation“ (DVG) soll die digitale Versorgung verbessert werden, heißt es aus dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG). Im Gesetz enthalten sind höhere Strafzahlun­gen für Vertragsärzte, die sich nicht bis März 2020 an die TI angeschlossen haben. Der Entwurf sieht vor, dass dann 2,5 Prozent des Honorars abgezogen werden. Diese Überlegung äußerte Spahn bereits in einem Interview mit dem Deutschen Ärzteblatt.

Auch andere Gesundheitseinrichtungen und -berufe sollen sich künftig an die TI an­schließen: Für die etwa 2.000 Krankenhäuser in Deutschland wird dies bis zum März 2021 verpflichtend, für Pflegeheime soll die Anbindung zunächst optional sein und in Modellprojekten getestet werden. Dies gilt auch für weitere Gesundheitsfachberufe wie Hebammen und Physiotherapeuten.

Die Finanzierungsvereinbarungen für die Investitions- und Betriebskosten sollen ähn­lich der Vereinbarungen zwischen GKV-Spitzenverband und Kassenärztlicher Bundes­vereinigung (KBV) gestaltet werden. Der GKV-Spitzenverband soll die konkreten Pau­schalen mit den jeweiligen Berufsgruppen verhandeln.

Die kommenden Anwendungen, die mit der TI möglich sein sollen, spezifiziert das Gesetz nun: So soll die gematik – bei der genau am heutigen Mittwoch die Besitzver­hältnisse geändert wurden und nun das BMG 51 Prozent der Anteile hält – bis zum 31. März 2021 die technischen Voraussetzungen schaffen, dass der digitale Impfaus­weis, den Mutterpass, das Untersuchungsheft für Kinder sowie das Zahn-Bonus-Heft Bestandteil der elektronischen Patientenakte werden. Für Ärzte soll das Anlegen, Ver­walten und Speichern der Daten auf der elektronischen Patientenakte (ePa) vergütet werden.

Aus für das Faxgerät

Das Fax als Kommunikationsmittel zwischen Ärzten, aber auch mit Patienten, soll da­gegen nur noch sehr gering finanziert werden. Im Gesetz wird der Bewertungsaus­schuss beauftragt „die Vergütung für die Versendung eines Telefaxes im EBM in zwei Schritten deutlich zu reduzieren, um einen Anreiz für den Einsatz elektronischer Arzt­briefe zu setzen“, so der Gesetzesentwurf. Eine von der KBV bereits beschlossene Richtlinie zum elektronischen Arztbrief soll im Zuge dessen umgesetzt werden.

Mit dem Gesetzentwurf will Spahn nun sicherstellen, dass Apps, die als Medizinpro­dukte deklariert werden, von Ärzten verschrieben und damit von den Krankenkassen erstattet werden. Dazu sollen nach Vorstellungen des BMG Apps gehören, die Patien­ten bei Diabetes, Bluthochdruck in der Schwangerschaft oder bei psychischen Erkran­kun­gen unterstützen.

Dabei bekommt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die Aufgabe zugeteilt, ein „amtliches Verzeichnis erstattungsfähiger digitaler Gesundheits­anwendungen zu führen und auf Antrag der Hersteller über die Aufnahme zu entschei­den“, heißt es in der Gesetzesbegründung. Ähnlich wie bei der Erstattung von neuarti­gen Arzneimitteln sollen Krankenkassen im ersten Jahr die vom App-Hersteller vorge­gebenen Preis erstatten, danach werden Preisverhandlungen aufgenommen. Sofern der „Nachweis positiver Versorgungseffekte“ noch nicht möglich ist, können diese Apps auch befristet in den Leistungskatalog der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) aufgenommen werden.

Förderung der Videosprechstunde und von S3-Leitlinien

Auch die Videosprechstunde will das BMG weiter fördern: Ein Jahr nach dem Be­schluss des 121. Deutschen Ärztetages zur ausschließlichen Fernbehandlung in Erfurt heißt es im künftigen Gesetz, dass Ärztinnen und Ärzte auch auf ihrer Internetseite informieren dürfen, dass sie Videosprechstunden anbieten. Dem steht bislang das Heilmittelwerbegesetz entgegen. Auch der Austausch zwischen Ärzten per Telekonsil soll gefördert und in den ersten zwei Jahren auch für Krankenhäuser extrabudgetär vergütet werden.

Damit auch Krankenkassen Einfluss auf den Markt der digitalen Angebote bekommen, sollen sie künftig in Start-ups und kleinere Unternehmen investieren dürfen. Damit ver­spricht sich das BMG, dass „möglichst versorgungsnahe und bedarfsrechte Entwick­lungen von Innovationen gewährleistet werden.“ Die Förderhöchstgrenze liegt bei zwei Prozent der Finanzreserven der jeweiligen Krankenkasse.

Teil des Gesetzes ist auch die Fortführung des Innovationsfonds bis zum Jahr 2024. Wie bereits im Koalitionsvertrag vorgesehen, sollen hier weitere 200 Millionen Euro in die Erforschung neuer Versorgungsformen und in die Versorgungsforschung fließen. Neu ist, dass mit fünf Millionen Euro künftig auch die Erarbeitung von S3-Leitlinien gefördert werden kann.

Lob und Warnungen

Die Vorlage des Gesetzesentwurf stieß bei Krankenkassen auf Zustimmung. So er­klärte die Techniker Krankenkasse (TK), dass mit dem Gesetz die „entscheidenden „Weichen“ gestellt werden, dass „die elektronische Patientenakte in Zukunft ein zentrales Tool für das Gesundheitsmanagement der Patienten“ sein wird. TK-Chef Jens Baas erklärte weiter: „Das Gesetz ist ein Schritt nach vorn, dass zukünftig auch alle anderen Leistungserbringer wie Krankenhäuser, Apotheken, Therapeuten, Pflegeeinrichtungen oder Hebammen neben den Ärzten an die Tele­ma­tik­infra­struk­tur angeschlossen werden.“

Auch die DAK sieht das Gesetz positiv: „Der Entwurf setzt hier richtige Akzente, da er gesetzlichen Krankenkassen mehr Möglichkeiten für die Neu- und Weiterentwicklung von digitalen Versorgungsangeboten für ihre Versicherten einräumt“, erklärte der DAK-Vorstandsvorsitzende Andreas Storm.

Die KBV äußerte sich in einer ersten Stellungnahme zwar „grundsätzlich offen und positiv“. Der KBV-Vorstandsvorsitzende Andreas Gassen warnte aber: „Die Digitali­sier­ung muss die Arbeit der Praxen erleichtern und darf weder für zusätzliche Ver­unsicherung noch für ein Mehr an Arbeitsaufwand sorgen.“ Auch forderte er klare Regeln für die Verschreibung von Apps. „Der einzelne Arzt darf sich nicht mit einer Flut verschiedener App-Produkte beschäftigen und genau wissen müssen, welche Krankenkasse welche Anwendung erstattet.“

Das Gesetz soll noch vor der Sommerpause in das Bundeskabinett eingebracht werden. Ab Herbst kann es dann wahrscheinlich im Bundestag beraten werden. Die Oppositions­politikerin Maria Klein-Schmeink (Grüne) sieht das Gesetz nicht so über­schwänglich: „Jens Spahn gleicht bei der Digitalisierung einem schlechten Koch.“ Sie bemängelt in einer Pressemitteilung, dass es weiterhin an einer Strategie für die Digitalisierung im Gesundheitswesen fehle.

Für den CDU-Digitalexperten Tino Sorge ist das Gesetz eine „Erfrischungskur“. Seiner Meinung nach könne das BMG aber „noch einen Gang hochschalten“ und weitere fort­schrittliche Regelungen im Gesetz aufführen. „Sonst werden wir in wenigen Jahren auf andere Länder schauen, die uns in der datengestützten Medizin abgehängt haben.“

Viele Praxen gehen zu nachlässig mit Passwörtern um

Zwischen der optimistischen Selbsteinschätzung von Praxen und Krankenhäu­sern hinsichtlich ihrer IT-Sicherheit und der Realität besteht häufig eine große Kluft. Das lässt sich den Ergebnissen einer mehrstufigen Untersuchung zur IT-Sicherheit im Gesund­heitssektor im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) entnehmen, die der Verband heute in Berlin präsentierte. Schwachpunkte sind demnach vor allem elementare Sicherheitsversäumnisse wie die Verwendung schwacher Passwörter oder veralteter Software.

Nach einer bereits im Sommer 2018 durchgeführten Forsa-Umfrage im Auftrag des GDV waren 81 Prozent der teilnehmenden Ärzte der Meinung, ihre Computersysteme seien umfassend geschützt. Rund 44 Prozent der Praxen bewertete das Risiko, Opfer von Cyber­kriminalität zu werden, zwar als hoch, aber nur 17 Prozent der Ärzte sahen dieses Risiko auch für ihre Praxis.

„Das Bewusstsein ist da, dass Cyberangriffe jeden treffen können“, meinte Gert Baumeis­ter, Vorsitzender der Projektgruppe Cybersicherung im GDV. Die Einschätzung des eigenen Risikos sei in der Selbstwahrnehmung jedoch geringer ausgeprägt als in anderen Bran­chen. So halten etwa 56 Prozent der befragten Ärzte ihre Praxis für zu klein, um in den Fokus von Cyberkriminellen zu geraten – laut Baumeister ein Irrtum, da viele Angriffe ungezielt unternommen würden.

Zusätzlich zur Forsa-Umfrage hat der Verband einen mehrmonatigen IT-Sicherheitstest von November 2018 bis März 2019 mit dem Analysetool Cysmo beauftragt, in den die Mailserver von circa 1.200 willkürlich ausgewählte Praxen unterschiedlicher Größe und Fach­richtungen sowie 250 Kliniken und Apotheken einbezogen wurden. Mit dem automa­tisierten Tool lassen sich öffentlich einsehbare Informationen aus Sicht eines Angreifers erfassen und potenzielle Angriffspunkte ausmachen.

Das Testergebnis: Von den untersuchten Arztpraxen waren nur fünf (0,4 Prozent) bei den verwendeten Verschlüsselungsverfahren auf dem technischen Stand, den das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfiehlt. Die übrigen Praxen ließen eine Verschlüsselung des E-Mail-Verkehrs auch mit veralteten oder unsicheren Standards zu, sodass diese Mails potenziell auch von unbefugten Dritten gelesen werden könnten.  Zudem setzten nur fünf Prozent der Kliniken sichere Verschlüsselungstechnologie ein.

Größtes Risiko: Passwörter

Im dritten Schritt der Untersuchung hat der GDV die IT-Sicherheit von 25 niedergelasse­nen Ärzten von einem White-Hat-Hacker und IT-Sicherheitsexperten analysieren lassen. Michael Wiesner, Mitglied im Chaos Computer Club, testete dabei die technische und organisa­torische IT-Sicherheit von 25 freiwilligen Teilnehmern sowohl vor Ort in der Praxis als auch von außen mit Phishing-Mails und einem Penetrationstest.

Dabei zeigten sich erhebliche Defizite bei der organisatorischen Sicherheit. „Von außen sind die Praxen in der Regel gut abgesichert, doch bei Passörtern schludern fast alle Ärzte“, erklärte Wiesner.

Empfohlene Schutzmaßnahmen:

  • Sicherheitsupdates automatisch einspielen und Systeme aktuell halten
  • Mindestens einmal wöchentlich Sicherungskopien machen
  • Administratoren-Rechte nur an Administratoren vergeben
  • Über das Internet erreichbare oder mobile Systeme zusätzlich schützen
  • Manipulationen und unberechtigten Zugriff auf Sicherungskopien verhindern
  • Systeme mit Schutz vor Schadsoftware ausstatten und diesen automatisch aktualisieren lassen
  • Sicherungskopien physisch vom gesicherten System trennen
  • Mindestanforderungen für Passwörter verlangen und technisch erzwingen
  • Eigene Zugangskennung und individuelles Passwort für jeden Nutzer
  • Wiederherstellen der Daten aus der Sicherungskopie regelmäßig testen

So verwendeten neun von zehn Ärzten leicht zu erratende Passwörter. Am beliebtesten ist ihm zufolge das Passwort „praxis“, gefolgt vom Namen des jeweiligen behandelnden Arztes. Einige Praxen verzichteten sogar komplett auf einen Passwortschutz. Zudem konnte der Experte für Cybersicherheit in jeder zehnten Arztpraxis und bei 60 Prozent der Kliniken ohne besonderen Aufwand E-Mail- und Passwortkombinationen im Darknet recherchieren, wie er in einer Livedemonstration vorführte.

Auch für Phishing-Attacken zeigten sich viele Praxen äußerst anfällig: In jeder zweiten Praxis öffneten Mitarbeiter eine potenziell schadhafte E-Mail, 20 Prozent klickten auch auf einen Link oder öffneten einen Mailanhang. Dabei dient häufig das Erzeugen von Neugier oder Angst als Auslöser, um Nutzer zum Öffnen schadhafter Mails zu bewegen. So hatte Wiesner etwa eine fingierte Mail versandt, in der auf eine schlechte Bewertung der Praxis im Internet hingewiesen wurde, verbunden mit der Aufforderung, das Profil in dem Arzt-Bewertungsportal einzusehen.

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Datensicherung häufig unverschlüsselt

Laut Wiesner erstellten zwar alle Praxen mindestens wöchentlich eine Datensicherung, aber nur neun von 25 haben ihre Datensicherung auch verschlüsselt, und nur vier teste­ten gelegentlich, ob sich die Daten durch eine Rücksicherung auch wiederherstellen lassen. In neun von 25 Praxen fehlten aktuelle Sicherheitsupdates der IT-Systeme. Vor allem veraltete Betriebssysteme waren häufig anzutreffen.

Lediglich eine der untersuchten Praxen verfügte über ein schriftliches Notfallkonzept für den Fall eines IT-Ausfalls. Die anderen Praxen verwiesen für diesen Fall auf ihren IT-Dienstleister – aber nur zehn Praxen hatten auch einen entsprechenden Vertrag mit ihrem Dienstleister abgeschlossen. Das ist insofern bemerkenswert, als acht von zehn Arztpraxen laut Forsa-Umfrage nach eigenen Angaben ihre Arbeit bei einem Ausfall der Praxis-IT einstellen oder stark einschränken müssten.

„Die Qualität der Sicherheit steht und fällt mit der Qualität der IT-Dienstleister“, konsta­tierte der IT-Sicherheitsexperte. „IT-Sicherheit kostet Geld, wenn man sichere technische Lösungen haben will.“ Organisatorische Lösungen, wie etwa ein regelmäßiger Passwort-Wechsel, seien da erheblich leichter durchzusetzen.

Heuft bleibt Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie

Berlin – Gereon Heuft, Direktor der Klinik für Psycho­somatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums Münster, bleibt bis 2023 Vorsitzender des Wissenschaft­lichen Beirats Psychotherapie (WBP). Der Beirat wählte Heuft jetzt in der konstituierenden Sitzung. Heuft hatte zum 1. Juli 2016 erstmals den Vorsitz übernommen.

Zum Stell­ver­treter wurde Bernhard Strauß, Diplom-Psychologe und Psycho­logischer Psychothera­peut des Instituts für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie des Universitätsklini­kums Jena, bestimmt.

Der WBP, dessen fünfte Amtsperiode von 2019 bis 2023 gehen wird, wird gemeinsam von der Bundespsycho­therapeutenkammer und der Bundes­ärzte­kammer gebildet. Aufgabe des Gremiums ist zum einen die gutachterliche Beratung von Behörden bei der wissen­schaftlichen Anerkennung von einzelnen psychothera­peutischen Verfahren und daraus resultierend bei der staatlichen Anerkennung von Ausbildungsstätten.

Zum anderen befasst sich der WBP mit Anfragen psychotherapeutischer Fachverbände hinsichtlich der wissenschaftlichen Anerkennung von Psychotherapieverfahren und -methoden. Darüber hinaus greift der WBP aus eigener Initiative Fragen der Psychothe­rapieforschung auf.

Die Geschäftsführung des WBP wechselt in jeder Amtsperiode und liegt in dieser fünften Amtsperiode bei der Bundes­ärzte­kammer. 

Koalition verschiebt Neuregelung der Psychotherapie

Die große Koalition hat Pläne zur Neuregelung der Psychotherapie vorerst gestoppt. Gesundheitspolitiker von SPD und Union einigten sich mit Bundesgesund­heitsminister Jens Spahn (CDU) darauf, das Thema zu einem späteren Zeitpunkt anzugehen, wie eine Sprecherin der SPD-Fraktion heute bestätigte. Zuvor hatten die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland darüber berichtet.

Eigentlich hatte Spahn die Psychotherapie im Rahmen seines geplanten Termin­gesetzes neu regeln wollen. Demnach sollten Versicherte künftig erst mit bestimmten Ärzten oder Psychotherapeuten reden, bevor sie eine Therapie beginnen können. So wollte Spahn die Wartezeiten in der Psychotherapie senken. Aktuell erhalten Patienten im Schnitt erst nach 20 Wochen einen Therapieplatz.

Die SPD, Therapeutenverbände, Ärzte und Patientenvertreter kritisierten Spahns Pläne heftig. Das vorgeschlagene Verfahren sei Patienten nicht zumutbar. „Gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht“, hatte Bundes­ärzte­kammerpräsident Frank Ulrich Montgomery das Stufenmodell kommentiert. Der Gesetzgeber beschränke mit dem Vorhaben nicht nur die Wahlfreiheit der Patienten. Eine solche Regelung speziell für Menschen mit psychischen Erkrankungen diskriminiere zudem die betroffenen Patientengruppen. Rund 160.000 Menschen unterschrieben eine Petition gegen die Neuregelung.

Nun will die Koalition die Psychotherapie mit einem eigenständigen Gesetz reformieren, wie die SPD-Fraktion mitteilte. Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Maria Klein-Schmeink, begrüßte die Verschiebung. „Jetzt muss es darum gehen, endlich für Patientinnen und Patienten mit komplexem Unter­stützungs­bedarf vor Ort koordinierte und individuell passende Behandlungs- und Unterstützungs­angebote zu ermöglichen“, erklärte sie. 

Therapy conversation with the psychologist

SpiFa fordert Aufspaltung des KV-Systems

Der Spitzenverband der Fachärzte prescht mit einem ungewöhnlichen Vorschlag zur Psychotherapeutenausbildung vor. Bei den Psychotherapeuten herrschte am Donnerstag vor allem Kopfschütteln.

Die Verbändeanhörung zur Reform der Psychotherapeutenausbildung am kommenden Montag hat bereits im Vorfeld Wellen geschlagen.

Der Vorsitzende des Spitzenverbands Fachärzte Deutschlands (SpiFa) , Dr. Dirk Heinrich, hat Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Donnerstag aufgefordert, alle Konsequenzen aus der geplanten Reform zu ziehen. Wenn mit dem Gesetz ein „neuer approbierter psychologischer Heilberuf und die Basis für ein neues psychologisches Versorgungssystem neben und in Teilen konkurrierend mit dem ärztlich-medizinischen Versorgungssystem“ geschaffen werden solle, solle der Gesetzgeber dies konsequent tun. Dann müssten in allen Bundesländern auch „Kassenpsychologische Vereinigungen“ sowie auf Bundesebene eine „Kassenpsychologische Bundesvereinigung“ errichtet werden, so Heinrich weiter.

„Es wird überhaupt kein neuer Heilberuf geschaffen“, sagte dazu Benedikt Waldherr, Vorsitzender des Berufsverbands der Vertragspsychotherapeuten (bvvp) am Donnerstag der „Ärzte Zeitung“. Eine Integration der Berufe habe vor 20 Jahren mit dem Psychotherapeutengesetz stattgefunden. Eigene Vereinigungen für die Psychotherapeuten zu fordern, sei nicht seriös.

Haltlose Behauptung

Die Behauptung, es entstehe ein neuer akademischer Heilberuf, sei haltlos, sagte auch Peter Andreas Staub, dritter Vorstand bei der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz. Die Polemik des SpiFa sei insofern nicht zu verstehen.

Das sieht man in der Bundespsychotherapeutenkammer ebenso. Ärzte und Psychotherapeuten seien aufeinander angewiesen und müssten ohnehin zusammenarbeiten, auch im ambulanten Bereich. Dass hier ein Spaltpilz gestreut werde, sei nicht nachzuvollziehen.

Einen Keil zwischen ärztliche und psychologische Psychotherapeuten treiben zu wollen, sei nicht hilfreich, sagte Barbara Lubisch, Vorsitzende der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung (DPtV) am Donnerstag der „Ärzte Zeitung“. Die Kooperation der Berufsgruppen habe sich positiv entwickelt.

Der am 3. Januar vorgelegte Entwurf aus dem Gesundheitsministerium stößt gleichwohl auf Kritik in der Ärzteschaft. Befürchtet wird unter anderem , dass auf der Ebene der Psychotherapeuten eine Art „Arzt light“ entstehen könnte.

So hat die Bundesärztekammer (BÄK) vorgebracht, dass die Psychologischen Psychotherapeuten das Versorgungsangebot zwar sinnvoll ergänzten, die ganzheitliche Diagnose und Therapie aber nicht ersetzen könnten. Sauer auf stößt den Vertragsärzten, dass die Haus- und Fachärzte über die Morbiditätsbedingte Gesamtvergütung (MGV) künftig die Weiterbildung der Psychotherapeuten möglicherweise mitfinanzieren sollen. Hierüber herrscht allerdings noch keine letzte Klarheit. Die Kammern und Verbände der Psychotherapeuten haben in diesem Zusammenhang darauf verwiesen, dass umgekehrt die Psychotherapeuten die Weiterbildung des ärztlichen Nachwuchses schon seit jeher mittrügen.

Die KBV wollte die Äußerungen des SpiFa am Donnerstag nicht kommentieren.

SpiFa will Druck aus Kessel nehmen

Der SpiFa fordert zudem, „Zeitdruck aus dem Verfahren“ zu nehmen. Die Ärzteschaft solle Gelegenheit erhalten, sich vom 28. bis 31. Mai auf dem 122. Deutschen Ärztetag 2019 in Münster mit „den sehr weit gehenden Veränderungen des Versorgungssystems zu beschäftigen“, hieß es in einer Pressemitteilung.

Ein Moratorium sei „kein prickelnder Gedanke“, sagte Waldherr. Nach zwölfjährigem Ringen um eine gesetzliche Regelung sei ein weiterer Aufschub nicht mehr nötig. Im Grundsatz halten die Verbände und Kammern den Gesetzentwurf für gelungen. Man hoffe auf einen baldigen Regierungsentwurf. Barbara Lubisch forderte den SpiFa auf, zu Dialog und und Kooperation zurückzukehren.Auch die Pläne, die Berufsgruppe perspektivisch mit der Erlaubnis, Psychophamaka zu verordnen, stoßen auf Widerstand.

Dass die Psychologischen Psychotherapeuten über Modellstudiengänge auch an das Verordnung von Psychopharmaka herangeführt werden sollen, gilt bei Ärzteverbänden und der Bundesärztekammer als Gefährdung der Patientensicherheit. Den Modellstudiengang Psychopharmakologie lehnen allerdings auch die derzeit aktiven Psychologischen Psychotherapeuten ab. „Das ist in dem dafür vorgesehenen Umfang des Studiums nicht leistbar, sagte Benedikt Waldherr, Vorsitzender des Bundesverbands der Vertragspsychotherapeuten (bvvp).

Psychotherapeuten: Das soll sich ändern

  • Fünf Jahre Studium: Psychologische Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sollen ein 10-semestriges Studium mit anschließender Approbation absolvieren.
  • Weiterbildung: Sie soll künftig vergleichbar den Medizinern erfolgen und bezahlt werden.
Therapy conversation with the psychologist

Lauterbach will bessere Bezahlung für Psychotherapeuten

In der Debatte um Wartezeiten in der Psychotherapie fordert der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach eine höhere Bezahlung der Therapeuten. „Psychotherapeuten müssen für dringliche sowie besonders schwierige Fälle besser honoriert werden“, sagte Lauterbach dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Donnerstagausgaben). Um die Wartezeiten zu reduzieren, müsse es zudem eine engere Vernetzung der Therapeuten untereinander und eine Kooperation mit Ärzten und Kliniken geben.

Lauterbach forderte zudem, die Zahl der zugelassenen Therapeuten zu erhöhen. „Wir haben in bestimmten Gegenden tatsächlich zu wenige Therapeuten. Darauf müssen wir reagieren“, sagte er. Die Aussage von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), wonach die Wartezeiten dort am längsten sind, wo es die meisten Therapeuten gebe, wies er zurück. „Man darf das nicht auf dieses platte Muster reduzieren“, sagte Lauterbach. Es könne zum Beispiel sein, dass die Menschen nicht dort zum Therapeuten gingen, wo sie wohnten, sondern wo sie arbeiteten. „Es lohnt also, genau hinzuschauen“, sagte er. Den Plan von Minister Spahn, zur besseren Steuerung die Patienten in extra Voruntersuchungen zu entscheiden, welche Hilfs- und Therapieangebote geeignet sind, lehnte Lauterbach erneut strikt ab. „Neue bürokratische Hürden würden vielmehr nur eines bewirken: Patienten abschrecken. Aber wahrscheinlich ist das auch genau der Sinn, der hinter dem Vorhaben steckt“, kritisierte er. „Wir wollen keine weiteren Hürden für seelisch hoch belastete Patienten schaffen, für die es ohnehin ein schwerer Schritt ist, sich behandeln zu lassen.“

Gesundheit: Lauterbach will bessere Bezahlung für Psychotherapeuten | wallstreet-online.de – Vollständiger Artikel unter:
https://www.wallstreet-online.de/nachricht/11206545-gesundheit-lauterbach-bessere-bezahlung-psychotherapeuten

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