Ärzte und Psychotherapeuten erfüllen Fortbildungspflicht vorbildlich

Vertragsärzte und –psychotherapeuten in Deutschland legen viel Wert auf Qualitätssicherung. Das ist das Ergebnis einer Erhebung zum Qualitätsmanagement(QM) durch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Demnach setzen 90 Prozent der Praxen Maßnahmen zum Qualitätsmanagement um. Mehr als 98 Prozent der Ärzte und Psychotherapeuten bilden sich regelmäßig im vorgeschriebenen Umfang fort.

„Das verdeutlicht einmal mehr eindrucksvoll, dass gesetzlich Versicherte sich auf eine hohe Qualität der Versorgung verlassen können“, sagte KBV-Vorstandsmitglied Thomas Kriedel. So gaben die Teilnehmer der Befragung an, bevorzugt Instrumente zu nutzen, die einer guten Versorgung dienen und die Patientensicherheit fördern. Dazu zählen etwa ein professionelles Fehlermanagement sowie eine systematische Patienten­information und -aufklärung. Auch das Schnittstellenmanagement beim Wechsel der Patienten von der Praxis ins Krankenhaus oder eine Rehaeinrichtung spielt für sie eine wichtige Rolle.

„Mit 98,01 Prozent Erfüllungsquote bei der Fortbildungspflicht konnte das ohnehin stets hohe Niveau im aktuellen Nachweiszeitraum zudem noch einmal getoppt werden“, resümierte Kriedel. Der KBV zufolge waren 2017 bundesweit 14.472 Ärzte und Psychotherapeuten verpflichtet, die Erfüllung ihrer Fortbildungspflicht nachzuweisen. Nur 288 taten dies nicht.

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Patienten­beauftragter will Arbeit von Psychothera­peuten stärken

Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung wünscht sich mehr Kassenzulassungen für Psychotherapeuten. „Wir müssen mehr Angebote schaffen, aber auch stärker präventiv arbeiten“, sagte Ralf Brauksiepe der Neuen Osnabrücker Zeitung. Ebenso wie die ärztliche Versorgung auf dem Land bewältigt werden müsse, brauche es ein entsprechendes Angebot an Psychotherapie, sagte der CDU-Bundestags­abgeordnete. 

Dass Krankenkassen die Kostenerstattung für eine Therapie bei Psychotherapeuten ohne Kassenarztsitz oftmals ablehnten, obwohl Patienten das Recht dazu hätten, wenn sie keinen Termin bei einem Psychotherapeuten mit Kassenarztsitz bekommen, verärgert ihn. „Dafür habe ich kein Verständnis“, erklärte der Patientenbeauftragte.

Schnellere Akutpsychotherapie, weniger Langzeittherapien in Rheinland-Pfalz

Rund ein Jahr nach Inkrafttreten der neuen Psychotherapie-Richtlinie Anfang April 2017 hat die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz ein gemischtes Fazit gezogen. Die Reform habe in Rheinland-Pfalz für eine schnellere Versorgung der Patienten mit Akutpsychotherapien gesorgt, dies allerdings zulasten von Langzeit­therapien. Darauf deuteten die ersten Abrechnungsanalysen der KV hin.

Die neue Richtlinie hat das Therapieangebot um eine psychotherapeutische Sprechstunde, eine Akutbehandlung und Möglichkeiten zur Rezidivprophylaxe erweitert. Außerdem wurden das Antrags- und Gutachterverfahren vereinfacht sowie Gruppentherapien gefördert. Psychotherapeuten müssen seither auch telefonisch erreichbar sein. Die Terminservicestellen der KVen müssen laut der Richtlinie auch Termine zu Psychotherapeuten vermitteln.

Weniger Richtlinienpsychotherapie

Die neuen Behandlungsangebote gehen laut der KV-Auswertung zulasten von Richt­linien­therapien. „Die Zahl probatorischen Sitzungen ist um 53,1 Prozent gesunken, die der Richtlinientherapien um 14,8 Prozent“, hieß es aus der Ärzteorganisation. Die Behandlungskapazitäten der Vertragspsychotherapeuten für probatorische und Richtlinientherapien seien im gleichen Verhältnis gesunken wie die psychothera­peutische Sprechstunde und Akutbehandlung als neue Angebote angeboten wurden. „Durch die Reform wurde so mehr Patienten ein Erstgespräch in Sprechstunden ermöglicht, dies aber auf Kosten von Langzeittherapien“, so das Fazit der KV.

Die Ärzteorganisation kritisiert in diesem Zusammenhang, die Politik überschätze die Betreuungskapazität psychotherapeutischer Praxen. „Während die meisten Haus- und Fachärzte im Quartal zwischen 800 und 1.500 Patienten im Durchschnitt sehen und behandeln, können Psychotherapeuten in Rheinland-Pfalz abhängig vom Umfang des Versorgungsauftrages nur durchschnittlich 41 bis 64 Patienten im Quartal betreuen“, so die KV.

Zahlen willkürlich und zu hoch gegriffen

Die „stillschweigend vorausgesetzte momentane Kalkulationsgröße in der psycho­thera­peutischen Versorgung für die wöchentliche Auslastung einer psycho­therapeutischen Praxis mit durchschnittlich rund 36 Sitzungen reiner Richtlinien­therapie und zusätzlich rund 10 bis 14 Sitzungen vorbereitender, diagnostischer und sonstiger Therapiesitzungen“ sei daher „willkürlich und zu hoch gegriffen“. In Rheinland-Pfalz hätten in den vergangenen Jahren nur rund drei Prozent aller Praxen diese Grenzauslastung erreicht.

Die KV fordert daher im Einklang mit der Bundes­psycho­therapeuten­kammer, mehr Psychotherapeuten zuzulassen. Konkret sprechen die beiden Organisationen von bundesweit „maximal rund 7.000 zusätzlichen vertragspsychotherapeutischen Praxissitze vor allem außerhalb von Großstädten“. In Rheinland-Pfalz liege der Bedarf bei bis zu 580. „Mit dieser Versorgungsdichte würde sich die Wartezeit auf Psycho­therapien erheblich verringern“, hieß es aus der KV.

Bundesregierung will Lage von Kindern psychisch Kranker verbessern

Die Bundesregierung will Kinder mit psychisch oder alkoholkranken Eltern künftig besser unterstützen. Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe erarbeite derzeit Vorschläge für ein flächendeckendes Hilfssystem, teilte das federführende Familien­ministerium in Berlin mit.

Der Abschlussbericht mit Empfehlungen zur Verbesserung der Situation der drei bis vier Millionen oft stark belasteten Betroffenen werde dem Bundestag voraussichtlich im Frühjahr 2019 zugeleitet. Die Experten-Arbeitsgruppe unter Beteiligung des Bundesgesundheits- und Bundesarbeitsministeriums sowie der Drogenbeauftragten war durch einen Antrag der Fraktionen von CDU/CSU, SPD und Grünen im Juni 2017 auf den Weg gebracht worden.

Hilfsprogramme für die minderjährigen Angehörigen von Drogen- und psychisch Kranken sind derzeit rar. Dabei wachsen allein etwa 2,6 Millionen Mädchen und Jungen in suchtbelasteten Familien auf. Sie haben ein drei- bis vierfach erhöhtes Risiko, später selbst zu erkranken. Depressionen oder gar eine Alkoholsucht der Mutter oder des Vaters sind heute noch ein Tabu – häufig verschweigen die Kinder aus Scham die Probleme zu Hause. Hilfsangebote für die Betroffenen sind häufig über Spenden finanziert.

Verband warnt vor Männermangel in der Psychologie

Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) hat anlässlich des heute bundesweit stattfindenden Boys‘ & Girls‘ Day auf sinkende Zahlen an männlichen Berufsträgern in der Psychologie hingewiesen. Der Verband fordert deshalb ein gesellschaftliches Umdenken.

„Die Psychologie entwickelt sich zu einer der Leitwissenschaften des 21. Jahrhunderts“, sagte BDP-Präsident Michael Krämer. Ihm zufolge waren beispielsweise im Wintersemester 2016/17 mehr als 75.000 Psychologie-Studierende an Universitäten eingeschrieben. Damit zähle Psychologie zu den zehn beliebtesten Studienfächern in Deutschland.

Männer sind unterrepräsentiert

Allerdings sind laut BDP Männer deutlich unterrepräsentiert. Rund 75 Prozent der Studierenden sind weiblich. „Anders als in vielen anderen Fächern sind in der Psychologie Maßnahmen zur Erhöhung des Männeranteils sinnvoll, um eine Ausgewogenheit der Geschlechter im Beruf sicherzustellen“, so Krämer. Männer dürften nicht zu Exoten in dieser Profession werden.

Besonders dramatisch schätzt Krämer die Entwicklung in der Psychotherapie ein. Während immer mehr Männer Hilfe suchten, sinke gleichzeitig die Zahl der männlichen Psychotherapeuten drastisch. Laut Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) sind bereits 71 Prozent der Mitglieder Frauen. Bei den Mitgliedern unter 35 sind es bereits 91 Prozent.

„Unserer Gesellschaft darf es nicht gleichgültig sein, dass einzelne Berufsfelder zu sehr von dem einen oder anderen Geschlecht ausgefüllt werden“, warnte Krämer. Die Psychologie müsse für Männer und Frauen gleichermaßen attraktiv gestalten werden. Der Boys‘ & Girls‘ Day sei „ein guter Anlass, jungen Männern die Attraktivität des Psychologenberufs nahezubringen“, erklärte der Verbandspräsident.

Spahn liest Selbstverwaltung die Leviten

Der neue Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat sich mit klaren Forderungen an die Mitglieder der gemeinsamen Selbstverwaltung gerichtet. „Ich habe schon die Erwartung, dass Sie das Gesetz umsetzen“, sagte Spahn gestern Abend beim Empfang der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) in Berlin. Er nahm dabei Bezug auf die aktuelle Diskussion um die Festlegung von Personaluntergrenzen zwischen DKG und GKV-Spitzenverband. Beide müssen bis zum 30. Juni eine Einigung finden, wie diese Mindestgrenzen in sechs Fachbereichen aussehen sollen.

Laut einem Zwischenbericht mit Datum Ende Januar 2018 sind sich beide Verhandlungspartner aber weiterhin grundsätzlich über den Weg dorthin nicht einig. So äußerte beispielsweise DKG-Präsident Gerald Gaß in seiner Rede auf dem Empfang die Hoffnung, Spahn könne beiden Verhandlungspartnern bei der Fristsetzung noch entgegenkommen. Dies verneinte Spahn: „Entscheiden Sie das lieber selbst, als wenn ich das machen muss.“

Klare Worte von Spahn über die Arbeit in der Selbstverwaltung auch bei anderen Themen. So stellte er bei der Qualitätssicherung und Planung von Kliniken fest: „Wenn man nach drei Jahren in die Gesundheitspolitik zurückkehrt, stellt man fest, man hat in der Diskussion gar nicht so viel verpasst.“ Es sei nun gut, dass man viele Instrumente zur Messung von Qualität habe, „aber es müssen jetzt auch Folgen daraus spürbar werden“, so der Minister weiter.

Beim Thema Digitalisierung, zu dem Spahn bereits gestern Vormittag bei der Branchen­messe conhIT gesprochen hatte, erneuerte er seine Ankündigung, in der neuen Abteilung für Digitalisierung in seinem Ministerium zunächst einmal bis zum Sommer die Lage zu analysieren. „Wir nehmen uns diese Zeit, denn bei der Diskussion von 14 Jahren zur E-Card kommt es jetzt auf diese sieben Wochen nicht mehr an.“ Spahn stellte klar: „Dann werden wir entscheiden.“

Auch weiteren Forderungen der DKG nach mehr Finanzmitteln aus dem Bundesetat für die Häuser entsprach er nicht. Vielmehr forderte er die Krankenhausgesellschaft dazu auf, gemeinsam an die Länder heranzutreten. „Wir haben nun einen gemeinsamen Adressaten für die Diskussion um die finanzielle Ausstattung von Kliniken“, so Spahn. Durch die gute finanzielle Lage sei nun in allen Haushalten – außer Bremen und Nordrhein-Westfalen – Spielräume für angemessene Investitionen möglich.

Generell hat Spahn die Erwartung an die Selbstverwaltung, dass Aufträge des Gesetzgebers schneller abgearbeitet werden. „Wir setzen auf die Kompetenz der Selbstverwaltung und dass sie diese Inhalte liefert“, so Spahn. Lange zusehen wolle er dabei aber nicht. „Sonst werde ich dem Gesetzgeber Vorschläge zu einer Reform vorlegen.“

KBV lobt schnellen und niederschwelligen Zugang zur psychothera­peutischen Versorgung

Ein Jahr nach Inkrafttreten der Strukturreform der ambulanten Psychotherapie zieht die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) eine positive Bilanz. „In kürzester Zeit haben die Psychotherapeuten die Vorgaben der Psychotherapierichtlinie aus dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz umgesetzt und die neuen Leistungen – Sprech­stunden zur Erstberatung sowie die Akutbehandlung in besonders dringenden Fällen – eingeführt. Damit haben wir einmal mehr bewiesen, wie gut die Selbstverwaltung funktioniert“, sagte der KBV-Vorstandsvorsitzende Andreas Gassen heute in Berlin.

Die Strukturreform ist mit der geänderten Psychotherapierichtlinie des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA) am 1. April 2017 in Kraft getreten. Das Therapieangebot wurde durch eine psychotherapeutische Sprechstunde, eine Akutbehandlung und Möglichkeiten zur Rezidivprophylaxe flexibilisiert. Außerdem wurden das Antrags- und Gutachterverfahren vereinfacht sowie Gruppentherapien gefördert. Verpflichtet wurden Psychotherapeuten auch zu einer persönlichen telefonischen Erreichbarkeit. Darüber hinaus wurde beschlossen, dass die Terminservicestellen (TSS) der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) auch Termine zu Psychotherapeuten vermitteln.

Mehr Sprechstundenzeit als verlangt

Nach Angaben der KBV haben Psychotherapeuten allein im zweiten Quartal 2017 rund 346.000 Patienten die psychotherapeutische Sprechstunde ermöglicht, rund 28.900 Patienten in akuten psychische Krisen erhielten eine Akutbehandlung. Im Folgequartal (3/2017) nahmen rund 430.000 Patienten die Sprechstunde in Anspruch, knapp 60.000 wurden in der Akutbehandlung versorgt.

„Das Ziel eines schnellen und niederschwelligen Zugangs zu psychotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten ist nun gegeben. Vor allem Dank des Engagements der niedergelassenen Psychotherapeuten. Diese bieten seit Inkrafttreten der neuen Richtlinie bereits weit mehr Sprechstundenzeit pro Woche an, als die Richtlinie verlangt“, betonte Gassen.

Zustande kommen die Termine dieser neuen Leistungen nach Angaben der KBV überwiegend durch den direkten Kontakt mit der jeweiligen Praxis. Nur rund fünf Prozent der in den ersten zwei Quartalen nach der Reform realisierten Termine seien über die Terminservicestellen vermittelt worden. Diese Zahl hatte gestern auch die Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) bei der Vorstellung ihrer Wartezeitenstudiegenannt.

Wartezeiten auf eine Richtlinienpsychotherapie lang

Ein Ziel der neuen Leistungen der Psychotherapiereform, den Patienten einen schnelleren Zugang zu ermöglichen, sei erreicht worden. „Die Wartezeiten auf eine reguläre Richtlinienpsychotherapie können sich dadurch allerdings nicht verkürzen“, betonte der KBV-Vorstandsvorsitzende.

Auf ein Erstgespräch im Rahmen der Sprechstunde müssen Patienten laut BPtK-Wartezeitenstudie im bundesweiten Durchschnitt 5,7 Wochen warten. Bei Vermittlung über eine Terminservicestelle (TSS) dauert es im Durchschnitt nur drei Wochen. Eine Akutbehandlung bieten Psycho­therapeuten innerhalb von zwei bis drei Wochen an. Bis zum Beginn einer Richtlinienpsychotherapie dauert es aber durchschnittlich immer noch 20 Wochen.

Umsetzung des Bundesschiedsamtsbeschlusses gefordert

Der Verband der Ersatzkassen (vdek) sieht indes die Kassenärztlichen Vereinigungen in der Pflicht, Patienten auch zeitnahe Termine für die Richtlinienpsychotherapie anzubieten. „Die KVen dürfen sich nicht aus der Verantwortung stehlen. Sie sind laut Gesetz verpflichtet, betroffenen Patienten Termine über die Servicestellen innerhalb von vier Wochen anzubieten“, erklärte Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende des vdek heute.

Nach Ansicht des Verbands bezieht sich diese Vorgabe nicht nur auf die Vermittlung in Sprechstunden und Akutbehandlung – die erfüllt wird –, sondern auch auf die Vermittlung von Terminen für probatorische Sitzungen, also faktisch für die Richtlinienpsychotherapie.

Elsner fordert die KVen auf, den umstrittenen Beschluss des Bundesschiedsamtes vom 7. November 2017 umzusetzen, der ihrer Ansicht nach keine aufschiebende Wirkung hat. Das Gericht hatte auf Antrag des GKV-Spitzenverbands und gegen die Stimmen der KBV entschieden, dass die TSS künftig auch Termine für probatorische Sitzungen vermitteln sollen, wenn ein Psychotherapeut zuvor bestätigt hat, dass dies zeitnah erforderlich ist.

Die KBV hat gegen diesen Schiedsspruch inzwischen Klage beim Landessozialgericht Berlin-Brandenburg eingereicht, verbunden mit einem Antrag auf aufschiebende Wirkung der Entscheidung. Nach Angaben der KBV hat sich das Gericht dazu bisher noch nicht geäußert.

Spahn ermahnt G-BA wegen Bedarfsplanung der Psychotherapie

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat sich für eine zügige Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgung ausgesprochen. Er habe den Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA) zu Reformen für eine bedarfsgerechte Versorgung im Sinne der Patienten aufgefordert, sagte Spahn den Zeitungen heute der Funke Mediengruppe. Durch eine Anpassung der Bedarfsplanung soll demnach der Bedarf besser abgebildet und eine flächendeckende, wohnortnahe Versorgung erreicht werden.

Hintergrund der Reaktion des Ministers ist dem Bericht zufolge unter anderem die Untersuchung der Bundes­psychotherapeutenkammer, die zeigt, dass Patienten im Schnitt fünf Monate auf den Beginn einer Therapie warten müssen.

Pychotherapeuten für grundlegende Reform der Bedarfsplanung

Die Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) fordert eine grundlegende Reform der psychotherapeutischen Bedarfsplanung, um die Wartezeiten auf eine Richtlinien-Psychotherapie deutlich zu verkürzen. Diese betragen nach der aktuellen Wartezeiten-Studie 2018, die die BPtK heute in Berlin vorgestellt hat, im bundesweiten Durchschnitt 20 Wochen.

Die Bundesregierung hatte in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünenmitgeteilt, dass nach ihrer Kenntnis der G-BA mit der Vorlage des Gutachtens zur psychotherapeutischen Bedarfsplanung im zweiten Quartal 2018 rechne. Die anschließende Überarbeitung der Bedarfsplanung hänge vom Zeitpunkt der Abnahme des Gutachtens, den Auswertungen und den Umsetzungsmaßnahmen des G-BA ab.

Die Grünen im Bundestag riefen Spahn heute dazu auf dafür zu sorgen, dass die Reform der Bedarfsplanung „nicht um weitere Jahre verschleppt wird“. Wie deren Sprecherin für Gesundheitspolitik, Maria Klein-Schmeink, betonte, sei es „nicht zumutbar, dass psychisch erkrankte Menschen so lange auf eine Therapie warten müssen“. Die Grünen verlangten zusätzliche Kassenzulassungen für Psychotherapeuten. Patienten müssten zudem zu ihrem Recht einer Kostenerstattung für eine Therapie in einer Privatpraxis kommen, wenn sie bei zugelassenen Psychotherapeuten keinen schnellen Therapieplatz erhalten.

Neue Open-Source-Platt­form für die Analyse von Big Data in den Lebens­wissenschaften

Einen neuer Server namens „usegalaxy.eu“ hat die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg in Betrieb genommen. „Galaxy“ ist eine Open-Source-Plattform für die Analyse von Big Data in den Lebenswissenschaften, die Wissenschaftler über einen Internetbrowser benutzen können.

Galaxy wurde an der US-amerikanischen Penn State University initiiert und an der Universität Freiburg im Sonderforschungsbereich „Medizinische Epigenetik“ sowie als Teil des Deutschen Netzwerks für Bioinformatik-Infrastruktur (de.NBI) weiterentwickelt. Der neue Europaserver befindet sich im Rechenzentrum der Universität Freiburg.

Die Möglichkeiten von Big Data verändern viele Forschungsprozesse in den Lebens­wissenschaften grundlegend: An die Stelle überschaubarer Versuchsanordnungen treten oft Analysen, die Hunderttausenden einzelner Experimente entsprechen.

„Um in der weltweiten Spitzenforschung dabei zu sein, braucht es statistische Methoden, eine qualitativ hochwertige Datenanalyse und hohe Rechenkapazitäten“, erläuterte Björn Grüning, der das Freiburger Galaxy-Team leitet. Er gehört zur Arbeitsgruppe von Rolf Backofen am Institut für Informatik.

Kenntnisse im Programmieren sind für die Nutzung von Galaxy laut den Freiburgern nicht erforderlich: Alle Einstellungen lassen sich über eine grafisch aufbereitete Oberfläche vornehmen. Das Freiburger Galaxy-Team organisiert regelmäßig Trainingskurse für Nutzer, Administratoren und Entwickler. Das Material ist kostenlos und online frei zugänglich.

Gesetzlich Krankenversicherte warten im Schnitt 20 Wochen auf Psychotherapie

Gesetzlich Krankenversicherte müssen im Schnitt rund 20 Wochen auf eine Behandlung beim Psychotherapeuten warten. Die Wartezeit ging nach einer Umfrage der Bundes­psychotherapeutenkammer seit 2011 nur leicht von damals 23,4 Wochen auf jetzt 19,9 Wochen zurück, wie der NDR heute berichtete.

Am längsten warten demnach Patienten in Thüringen und im Saarland auf den Beginn der Behandlung – und zwar fast 24 Wochen. Am schnellsten geht es in Berlin (13 Wochen), Hessen (17 Wochen) und Hamburg (18 Wochen).

Wartezeit unzumutbar

„20 Wochen Wartezeit sind unzumutbar“, sagte Dietrich Munz, Präsident der Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK), heute dem NDR. Das bedeute eine zusätzliche Belastung für die Patienten. Als Ursache sieht er eine veraltete Bedarfsplanung, die zuletzt 1999 aktualisiert wurde. Um eine ausreichende Versorgung der Patienten zu gewährleisten, fehlen nach Meinung der Kammer bundesweit 7.000 Kassensitze für Psychotherapeuten.

Der Gesetzgeber hatte einen überarbeiteten Bedarfsplan bis Anfang 2017 gefordert. Der dafür zuständige Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) erstellt derzeit ein Gutachten. Die neue Bedarfsplanung soll 2019 in Kraft treten.

Um lange Wartezeiten zu vermeiden, beantragen viele Patienten bei ihren Krankenkassen die Erstattung einer Behandlung durch Privattherapeuten. Doch offenbar sind die Kassen dabei jetzt restriktiver. Nach einer ebenfalls noch unveröffentlichten Umfrage mehrerer Landespsychotherapeutenkammern wird etwa jeder zweite dieser Anträge auf Kostenerstattung abgelehnt, 2016 war es nur jeder fünfte.

Die vor einem Jahr in Kraft getretene Strukturreform der psychotherapeutischen Versorgung soll Patienten den Zugang zur Behandlung erleichtern. Seitdem können Menschen in psychischen Krisen – auch auf Vermittlung von Terminservicestellen – schneller ein Erstgespräch bei einem Therapeuten führen und in akuten Fällen rascher behandelt werden. Bis allerdings eine ambulante Regeltherapie beginnt, vergehen immer noch mehrere Monate.