Kassen schlagen Fristverlängerung bis Juni 2019 für Anbindung der Arztpraxen an Telematik­infrastruktur vor

Der GKV-Spitzenverband hat heute Verständnis für die Forderungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) gezeigt, eine Fristverlängerung für die Anbindung der Arztpraxen an die Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) zu verlangen. Die Frist bis Ende des Jahres einzuhalten, sei „bisher faktisch nicht möglich“, sagte Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands bei der heutigen Verwaltungsrats­sitzung in Berlin.

Es habe bisher nur einen Anbieter gegeben und auch der könne mit dem Rollout nicht so schnell vorankommen. Zwar gebe es zwischenzeitlich einen zweiten Konnektor am Markt. Durch die Verzögerungen in der Vergangenheit seien die KBV-Forderungen allerdings „durchaus nachvollziehbar“.

Pfeiffer regte eine Fristverlängerung bis zum 30. Juni 2019 an. „Hier müsste das Ministerium eine entsprechende Verlängerung der Frist in Gang setzen, weil ansonsten ab dem 1. Januar eine Sanktionierung der Ärzte, die nicht an die TI angeschlossen sind, erfolgt“, so Pfeiffer.

Die KBV hat wiederholt darauf hingewiesen, dass eine Anbindung der Praxen an die TI bislang nicht möglich war, weil die notwendigen Kompo­nenten wie Konnektor und Kartenterminal noch nicht zur Verfügung standen. Der Anschluss ist erforderlich, damit Praxen die Daten des Versicherten auf der elektro­nischen Gesundheitskarte (eGK) abgleichen und aktualisieren können.

„Wir haben stets vehement darauf hingewiesen, dass die Frist angesichts der noch immer fehlenden Technik zu kurz ist“, betonte KBV-Vorstandsmitglied Thomas Kriedel mehrfach. Zudem würden die damit verbundenen Honorarkürzungen die Falschen treffen.

Max-Planck-Institut schafft Therapieangebot für Erwachsene mit selbstverletzendem Verhalten

Therapieangebote für Menschen mit selbstverletzendem Verhalten wie dem Ritzen an den Unterarmen richten sich meist an junge Betroffene. Das Max-Planck-Institut für Psychiatrie (MPI) hat nun einen Schwerpunkt in Deutschland speziell für Erwachsene eröffnet.

Selbstverletzendes Verhalten ist laut dem Institut meist ein Symptom einer stressbedingten psychischen Erkrankung. Die Borderline-Persönlichkeitsstörung, aber auch eine Posttraumatische Belastungsstörung, Essstörungen oder eine Depression können bei Patienten das Verlangen auslösen, sich am eigenen Körper zu verletzen. Betroffene schneiden oder ritzen sich, verbrühen sich absichtlich, beißen oder schlagen sich. Es geht ihnen dabei um die Verletzung selbst, sie wollen sich bewusst Schmerz zufügen.

„Sich an den Unterarmen ritzen, das ist am ehesten bekannt von Pubertierenden und Borderline-Patienten. Doch auch andere psychische Erkrankungen gehen mit diesem Verhalten einher, auch bei Erwachsenen und bei Männern gibt es dieses Muster“, hieß es aus dem Institut. Häufig beginne die Störung im Kindes- und Jugendalter. Werde sie nicht behandelt, litten Betroffene oft Jahre oder Jahrzehnte lang.

Das Verhalten lässt sich laut MPI aber in der Regel verringern, meistens mit einer kombinierten Behandlung aus Medikamenten und Psychotherapie. „Wir wenden verschiedene diagnostische, medikamentöse und psychotherapeutische Ansätze an, sie wurden überwiegend in unserer Klinik entwickelt“, erläuterte Martin Keck, Chefarzt und Direktor der Klinik am MPI.

Bevor Patienten stationär am MPI in München aufgenommen werden, sollen sie zwei Wochen lang ein Selbstverletzungstagebuch führen. So ließen sich bereits erste Muster erkennen. „Wichtig ist uns die Psychoedukation. Je besser Patienten verstehen, warum sie sich selbst verletzen und was das mit ihrer Grunderkrankung zu tun hat, desto besser können wir gemeinsam mit ihnen die Therapie gestalten“, erläuterte der zuständige Oberarzt Bastian Wollweber.

Krisendienst für psychische Notlagen wird in Bayern aufgebaut

Für Menschen in psychischen Notlagen wird in den kommenden drei Jahren ein bayernweiter Krisendienst aufgebaut. Kern ist eine zentrale Telefonnummer, bei der sich Betroffene und deren Angehörige rund um die Uhr Hilfe holen können.

Für den Betrieb der Leitstellen stelle der Freistaat acht Millionen Euro zur Verfügung, sagte Ge­sund­heits­mi­nis­terin Melanie Huml (CSU) gestern in München. Außerdem gibt es mobile Krisenteams, die in akuten Notfällen vor Ort helfen. Sie sollen von den Regierungsbezirken finanziert werden.

Pro Regierungsbezirk soll es laut Gesetz in spätestes drei Jahren eine Leitstelle geben, besetzt mit erfahrenen Fachkräften wie Psychologen, Psychotherapeuten oder Sozialpädagogen. Außerdem muss sie über Ärzte oder Fachärzte verfügen, die sich mit Themen wie Psychiatrie oder Nervenheilkunde auskennen. Vorreiter sind die Regierungsbezirke in Mittelfranken und Oberbayern, in denen es bereits einen Krisendienst gibt.

Grundlage ist das Bayerische Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz (BayPsychKHG), dessen Hilfeteil laut Ministerium am 1. August in Kraft tritt. Um das Gesetz war heftig gerungen worden. Mitte Juli hatte der Landtag einer deutlich abgeschwächten Fassung zugestimmt. So wurde unter anderem auf eine Zentraldatei zur Erfassung sämtlicher Patienten verzichtet, die zwangsweise in der Psychiatrie untergebracht werden.

Bundes­verfassungsgericht erhöht Anforderungen für eine Fixierung

Die Fixierung von Patienten in Krankenhäusern und Psychiatrien muss von einem Richter genehmigt werden – zumindest dann, wenn sie länger als eine halbe Stunde andauert. Dies entschied der zweite Senat des Bundesverfassungsgerichts heute in Karlsruhe (Az.: 2 BvR 309/15 u.a.). Die Fixierung eines Patienten sei ein Eingriff in dessen Grundrecht auf Freiheit der Person nach Artikel 104 des Grund­gesetzes, sagte der Vorsitzende des Zweiten Senats, Andreas Voßkuhle. Sie sei nur als letztes Mittel zulässig.

Die Richter gaben damit der Klage zweier Patienten recht, von denen der eine in einer Münchner Klinik acht Stunden lang an Armen, Beinen, Körper und Kopf in einer Sieben-Punkt-Fixierung am Bett gefesselt war. Der zweite Mann war in einer Klinik in Baden-Württemberg auf Anordnung eines Arztes über mehrere Tage hinweg immer wieder an Armen, Beinen und Körper bewegungsunfähig gehalten worden.

Besonders schutzbedürftig

In solch einer Situation sei der Patient besonders schutzbedürftig, heißt es in dem Urteil. Deshalb dürften solche Maßnahmen nur das letzte Mittel sein – und nicht etwa wegen Personalmangel in der Einrichtung angeordnet werden. Das Verfassungsgericht erkannte an, dass solche Fixierungen manchmal auch kurzfristig notwendig seien, wenn die Gefahr bestehe, dass der Patient sich oder andere gefährde. Trotzdem stelle die Fesselung des Körpers, wenn sie eine halbe Stunde überschreite, für den Patienten eine Freiheitsentziehung dar.

Sie muss von einem Richter angeordnet oder zumindest anschließend überprüft werden. Zudem muss für die Zeit der Fixierung eine Eins-Zu-Eins-Betreuung durch qualifiziertes Pflegepersonal sichergestellt sein. Von den beklagten Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg verlangen die Karlsruher Richter den „verfassungs­widrigen Zustand“, der derzeit herrsche, bis Juni 2019 zu beseitigen.

Bis dahin muss von den Ländern zudem ein richterlicher Bereitschaftsdienst ein­gerichtet werden, der mindestens zwischen 6 und 21 Uhr erreichbar ist und über Fixierungen entscheidet. Außerdem sind Krankenhäuser schon ab sofort verpflichtet, fixierte Patienten darauf aufmerksam zu machen, dass sie die Maßnahme bei Gericht nachträglich anfechten können.

Die Regelungen in den 16 Bundesländern sind unterschiedlich. Nur Berlin, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen haben bislang die Einschaltung eines Richters gesetzlich vorgeschrieben. Schon bei der Verhandlung hatte Verfassungsgerichtspräsident Andreas Voßkuhle betont, staatliche Freiheitsentziehung sei die schwerste Form der Freiheitsbeschränkung und nur in besonderen Fällen durch das Grundgesetz gedeckt.

Baden-Württembergs Sozialminister Manne Lucha (Grüne) nannte die festgesetzten Fristen nach dem Urteil „ausgesprochen sportlich“. Nicht beantworten wollte der Minister die Frage, ob es sich um ein teures Urteil für das Land handele. Der Freistaat Bayern, dessen Gesetz über die Voraussetzungen zur Fesselung ans Krankenbett ebenfalls als verfassungswidrig bewertet wurde, war bei der Urteilsverkündung lediglich auf Beamtenebene vertreten. Zufrieden mit der Entscheidung des Zweiten Senats zeigten sich die Rechtsvertreter der beiden Personen, die Verfassungsbeschwerde eingelegt hatten.

Bundes­ärzte­kammer warnt vor Aufweichung ärztlicher Schweigepflicht

Patienten müssen sich darauf verlassen können, dass alles, was sie ihrem Arzt anvertrauen, geheim bleiben muss. Das hat die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) in ihrer Stellungnahme zur Umsetzung einer Richtlinie der Europäischen Union (EU) in Deutschland betont. Die bereits 2016 beschlossene EU-Richtlinie sowie der jetzt vom Bundesjustizministerium vorgelegte Referentenentwurf sollen Geschäftsgeheimnisse von Unternehmen besser schützen.

Zur Regelung des „Whistleblowing“ enthält der Entwurf aber auch einen Rechtferti­gungstatbestand. Danach wäre es erlaubt, Geschäftsgeheimnisse zu offenbaren, wenn dies zur Aufdeckung eines rechtmäßigen aber unethischen Fehlverhaltens erforderlich ist und die offenlegende Person in der Absicht handelt, das allgemeine öffentliche Interesse zu schützen.

Wäre dieser Rechtfertigungstatbestand auch auf die Verletzung von Privatgeheimnissen übertragbar, würde das laut BÄK bedeuten, dass auch das Offenbaren eines einem Arzt anvertrauten Geheimnisses nicht mehr strafbar und damit nicht mehr ausreichend geschützt wäre, wenn damit im vermeintlichen öffentlichen Interesse ein Fehlverhalten aufgedeckt werden soll.

„In diesem Fall würde das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Arzt nachhaltig beeinträchtigt“, warnt die BÄK in ihrer Stellung­nahme. Sie fordert, im Gesetzestext, wenigstens aber in der Gesetzesbegründung, ausdrücklich klarzustellen, dass der Rechtfertigungstatbestand nur für Geschäfts­geheimnisse gelten dürfe und insbesondere Paragraf 203 Strafgesetzbuch davon unberührt bleibt – also jener Paragraf des Strafgesetzbuches, der die Verletzung von Privatgeheimnissen berührt.

Bisher ist die Vertraulichkeit zwischen Arzt und Patient durch Paragraf 203 Absatz eins des Strafgesetzbuches geschützt. Die Verschwiegenheit des Arztes darf nur im Einzelfall zum Schutz eines höherrangigen Rechtsguts durchbrochen werden – und eben nicht bereits bei journalistischem Interesse oder zur Aufdeckung eines rechtmäßigen aber unethischen anderen Fehlverhaltens.

Ärzte wehren sich gegen Kassenzugriff auf Praxisverwaltungs­systeme

Bei der Ausgestaltung einer elektronischen Patientenakte (ePA) gibt es derzeit Überlegungen, dass Krankenkassen einen direkten Zugriff auf die Praxisverwaltungs­systeme von Ärzten und Psychotherapeuten erhalten könnten. Aus gut informierten Kreisen hieß es, das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium könne sich dem Modell der AOKen für die ePA nähern, bei dem dezentral auf Patientendaten zugegriffen werden soll. Die Ärzteschaft zeigte sich heute empört und forderte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) auf, das Vorhaben zu stoppen.

Dem direkten Zugriff in die Praxisverwaltungssysteme von Vertragsärzten und Vertragspsychotherapeuten von außen und dem Auslesen von Behandlungsdaten erteile man eine „klare Absage“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und allen Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen). Man werde „keine Systeme akzeptieren“, die in die Praxissysteme der Ärzte eingriffen. Auch der Zugriff von einem beauftragten Dritten sei nicht hinnehmbar.

KBV und KVen betonten aber auch, dass der strukturierte und sichere Austausch von medizinischen Behandlungsdaten unter den Vertragsärzten und Vertragspsycho­therapeuten und deren Weitergabe an Patienten ein elementares Ziel im digitalen Zeitalter ist, das alle gemeinsam verfolgten. Sie signalisierten die Bereitschaft, standardisierte Behandlungsdaten an eine lebenslange und kontinuierlich verfügbare elektronische Akte je Patient zu übermitteln.

Elementar sei dabei aber, dass die Datenhoheit für die elektronische Patientenakte bei den Patienten liege. Die erforderlichen Datenstandards und damit verbundene Schnittstellen der Praxisverwaltungssysteme müssten für Ärzte und Psychotherapeuten zudem von der KBV definiert werden, heißt es in der Erklärung.

„Die höchst vertrauliche Arzt-Patienten-Kommunikation ist wesentliches Selbst­verständnis unseres Berufes und bedarf eines besonderen Vertrauensschutzes. Wir werden im Sinne unserer Mitglieder nicht zulassen, dass diese besondere Beziehung zu unseren Patienten durch technische Lösungen aufgebrochen wird, die einen direkten Zugriff in die vertrauliche Arztdokumentation beinhalten“, schreibt KBV-Chef Andreas Gassen stellvertretend für alle Vorstände der KVen und der KBV, abschließend.

Abgeschwächtes Psych­isch-Kranken-Hilfe-Gesetz passiert bayerischen Landtag

Der bayerische Landtag hat das inhaltlich abgeschwächte Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz (PsychKHG) beschlossen. Einzig die Grünen stimmten gestern gegen die Novelle des Gesetzes, die der CSU zwischenzeitlich massive Proteste beschert hatte.

Wegen des Widerstands von Opposition und Verbänden hatte die CSU ihre ursprüng­liche Gesetzesreform abgemildert, unter anderem verzichtet die nun beschlossene Fassung auf die Einführung einer Zentraldatei zur Erfassung sämtlicher zwangsweise in der Psychiatrie untergebrachten Patienten. Stattdessen sollen anonymisiert Unter­bringungen, Zwangsbehandlungen und Zwangsfixierungen in einem Meldeverfahren erfasst werden.

Kernstück Krisendienst

In dem Gesetzentwurf war ursprünglich unter anderem eine Unterbringungsdatei vorgesehen, in der die persönlichen Daten der Patienten für fünf Jahre gespeichert und unter bestimmten Umständen auch der Polizei zur Verfügung gestellt werden sollten. Bayerns Ge­sund­heits­mi­nis­terin Melanie Huml und Sozialministerin Kerstin Schreyer zeigten sich beide erfreut. Sie bezeichneten das Gesetz für Menschen mit psychischen Erkrankungen, ihre Angehörigen und für alle, die zu einer guten Versorgung dieser Menschen beitragen als großen Fortschritt.

„Kernelement ist die Schaffung eines bayernweiten Krisendienstes für Menschen in psychischen Notlagen. Es handelt sich dabei um ein niedrigschwelliges psychosoziales Hilfeangebot, das es so bislang in keinem anderen Flächenland in Deutschland gibt“, betonte Huml. Die Krisendienste werden bei den Bezirken angesiedelt. Im Endausbau sollen die Dienste über eine zentrale Telefonnummer rund um die Uhr für Menschen in psychischen Krisen und deren Angehörige erreichbar sein.

Sozialministerin Schreyer erklärte, Menschen mit psychischen Erkrankungen dürften nicht ausgegrenzt und nicht stigmatisiert werden. Im Mittelpunkt stünden deshalb Hilfe und Schutz der betroffenen Menschen. „Das jetzt verabschiedete Gesetz setzt auf frühe Hilfen und die Vermeidung von Unterbringungen und Zwangsmaßnahmen. Es schafft Rechtssicherheit für alle Beteiligten, für die Betroffenen genauso wie für Angehörige und Mitarbeiter“, sagte sie. Niemand müsse „vor diesem Gesetz Angst haben“.

Obwohl die „schlimmsten Härten“ des Gesetzes zurückgenommen worden seien, seien weiterhin Nachbesserungen notwendig, erklärte der Bayerische Landesverband Psychiatrie-Erfahrener (BayPE). Grundsätzlich lehne man jegliche Meldepflicht an die Polizei von Menschen, die in der Unterbringung waren, ab, hieß es. Es reiche aus, dass Ärzte im Einzelfall bei „Gefahr im Verzug“ ihre Schweigepflicht brechen dürften.

Kritik übten sie auch an der Regelung, Kliniken „unmittelbaren Zwang“ gegen Patienten und sogar Dritte zu erlauben. Dies beinhalte etwa, dass Mitarbeitende Patienten auf dem Klinikgelände einfangen und zurückführen dürften. „Eine solche Bevollmächti­gung zu massiven körperlichen Übergriffen ist entschieden abzulehnen, da es die Psychiatrien und ihr Personal bei den Betroffenen vollständig diskreditiert“, schreibt der BayPE. Das Verhältnis der psychiatrisch Tätigen zu den Betroffenen würde durch die Möglichkeit des „unmittelbaren Zwangs“ schweren Schaden nehmen. Klinik­angestellte dürfen nicht zur Hilfspolizei werden.

Der Verband mahnt auch an, dass ausschließlich psychiatrische Kliniken die Befugnis zur Unterbringung nach PsychKHG erhalten sollten. Dies sollte nicht für andere Einrichtungen gelten.

Ärzte und Psychotherapeuten erfüllen Fortbildungspflicht vorbildlich

Vertragsärzte und –psychotherapeuten in Deutschland legen viel Wert auf Qualitätssicherung. Das ist das Ergebnis einer Erhebung zum Qualitätsmanagement(QM) durch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Demnach setzen 90 Prozent der Praxen Maßnahmen zum Qualitätsmanagement um. Mehr als 98 Prozent der Ärzte und Psychotherapeuten bilden sich regelmäßig im vorgeschriebenen Umfang fort.

„Das verdeutlicht einmal mehr eindrucksvoll, dass gesetzlich Versicherte sich auf eine hohe Qualität der Versorgung verlassen können“, sagte KBV-Vorstandsmitglied Thomas Kriedel. So gaben die Teilnehmer der Befragung an, bevorzugt Instrumente zu nutzen, die einer guten Versorgung dienen und die Patientensicherheit fördern. Dazu zählen etwa ein professionelles Fehlermanagement sowie eine systematische Patienten­information und -aufklärung. Auch das Schnittstellenmanagement beim Wechsel der Patienten von der Praxis ins Krankenhaus oder eine Rehaeinrichtung spielt für sie eine wichtige Rolle.

„Mit 98,01 Prozent Erfüllungsquote bei der Fortbildungspflicht konnte das ohnehin stets hohe Niveau im aktuellen Nachweiszeitraum zudem noch einmal getoppt werden“, resümierte Kriedel. Der KBV zufolge waren 2017 bundesweit 14.472 Ärzte und Psychotherapeuten verpflichtet, die Erfüllung ihrer Fortbildungspflicht nachzuweisen. Nur 288 taten dies nicht.

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Patienten­beauftragter will Arbeit von Psychothera­peuten stärken

Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung wünscht sich mehr Kassenzulassungen für Psychotherapeuten. „Wir müssen mehr Angebote schaffen, aber auch stärker präventiv arbeiten“, sagte Ralf Brauksiepe der Neuen Osnabrücker Zeitung. Ebenso wie die ärztliche Versorgung auf dem Land bewältigt werden müsse, brauche es ein entsprechendes Angebot an Psychotherapie, sagte der CDU-Bundestags­abgeordnete. 

Dass Krankenkassen die Kostenerstattung für eine Therapie bei Psychotherapeuten ohne Kassenarztsitz oftmals ablehnten, obwohl Patienten das Recht dazu hätten, wenn sie keinen Termin bei einem Psychotherapeuten mit Kassenarztsitz bekommen, verärgert ihn. „Dafür habe ich kein Verständnis“, erklärte der Patientenbeauftragte.

Schnellere Akutpsychotherapie, weniger Langzeittherapien in Rheinland-Pfalz

Rund ein Jahr nach Inkrafttreten der neuen Psychotherapie-Richtlinie Anfang April 2017 hat die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz ein gemischtes Fazit gezogen. Die Reform habe in Rheinland-Pfalz für eine schnellere Versorgung der Patienten mit Akutpsychotherapien gesorgt, dies allerdings zulasten von Langzeit­therapien. Darauf deuteten die ersten Abrechnungsanalysen der KV hin.

Die neue Richtlinie hat das Therapieangebot um eine psychotherapeutische Sprechstunde, eine Akutbehandlung und Möglichkeiten zur Rezidivprophylaxe erweitert. Außerdem wurden das Antrags- und Gutachterverfahren vereinfacht sowie Gruppentherapien gefördert. Psychotherapeuten müssen seither auch telefonisch erreichbar sein. Die Terminservicestellen der KVen müssen laut der Richtlinie auch Termine zu Psychotherapeuten vermitteln.

Weniger Richtlinienpsychotherapie

Die neuen Behandlungsangebote gehen laut der KV-Auswertung zulasten von Richt­linien­therapien. „Die Zahl probatorischen Sitzungen ist um 53,1 Prozent gesunken, die der Richtlinientherapien um 14,8 Prozent“, hieß es aus der Ärzteorganisation. Die Behandlungskapazitäten der Vertragspsychotherapeuten für probatorische und Richtlinientherapien seien im gleichen Verhältnis gesunken wie die psychothera­peutische Sprechstunde und Akutbehandlung als neue Angebote angeboten wurden. „Durch die Reform wurde so mehr Patienten ein Erstgespräch in Sprechstunden ermöglicht, dies aber auf Kosten von Langzeittherapien“, so das Fazit der KV.

Die Ärzteorganisation kritisiert in diesem Zusammenhang, die Politik überschätze die Betreuungskapazität psychotherapeutischer Praxen. „Während die meisten Haus- und Fachärzte im Quartal zwischen 800 und 1.500 Patienten im Durchschnitt sehen und behandeln, können Psychotherapeuten in Rheinland-Pfalz abhängig vom Umfang des Versorgungsauftrages nur durchschnittlich 41 bis 64 Patienten im Quartal betreuen“, so die KV.

Zahlen willkürlich und zu hoch gegriffen

Die „stillschweigend vorausgesetzte momentane Kalkulationsgröße in der psycho­thera­peutischen Versorgung für die wöchentliche Auslastung einer psycho­therapeutischen Praxis mit durchschnittlich rund 36 Sitzungen reiner Richtlinien­therapie und zusätzlich rund 10 bis 14 Sitzungen vorbereitender, diagnostischer und sonstiger Therapiesitzungen“ sei daher „willkürlich und zu hoch gegriffen“. In Rheinland-Pfalz hätten in den vergangenen Jahren nur rund drei Prozent aller Praxen diese Grenzauslastung erreicht.

Die KV fordert daher im Einklang mit der Bundes­psycho­therapeuten­kammer, mehr Psychotherapeuten zuzulassen. Konkret sprechen die beiden Organisationen von bundesweit „maximal rund 7.000 zusätzlichen vertragspsychotherapeutischen Praxissitze vor allem außerhalb von Großstädten“. In Rheinland-Pfalz liege der Bedarf bei bis zu 580. „Mit dieser Versorgungsdichte würde sich die Wartezeit auf Psycho­therapien erheblich verringern“, hieß es aus der KV.