Neues Computersystem erkennt Persönlichkeit eines Menschen anhand seiner Augenbewegungen

Menschen erkennen Gesten und deuten Blicke blitzschnell und nahezu automatisch. Computer und Roboter schaffen dies nicht. Daher forschen Wissenschaftler weltweit daran, wie man die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Computer sozialer, effizienter und flexibler gestalten kann. Informatiker aus Saarbrücken und Stuttgart haben nun zusammen mit Psychologen aus Australien einen wichtigen Meilenstein erreicht. Das von ihnen entwickelte Softwaresystem verarbeitet die Augenbewegungen einer Person, um zu berechnen, ob diese verletzlich, gesellig, verträglich, gewissenhaft oder neugierig ist.

„Mit unseren Augen erfassen wir nicht nur die Umgebung, sie sind auch das Fenster zu unserer Seele. Denn sie verraten, wer wir sind, wie wir uns fühlen und was wir machen“, erklärt Andreas Bulling, der in Saarbrücken am Max-Planck-Institut für Informatik und am Exzellenzcluster der Universität des Saarlandes die Forschungsgruppe „Perceptual User Interfaces“ leitet. Mit Wissenschaftlern in Stuttgart und Australien hat Bulling ein eigenes Softwaresystem so trainiert, dass es Augenbewegungen auswerten und darüber auf die Charakterzüge einer Person schließen kann. Das Forscherteam verwendete dafür spezielle Rechenverfahren des Maschinellen Lernens.

Um die Daten für das Training und die Evaluierung zu erhalten, wirkten an der Flinders University in Australien 50 Studenten, darunter 42 Frauen und acht Männer, im Durchschnittsalter von 22 Jahren mit. Nach ihrer Ankunft im Labor statteten die Forscher die Studenten mit einem sogenannten „Eye Tracker“ aus. Dieser filmte die Augenbewegungen der Probanden, während sie rund zehn Minuten über den Campus schlenderten und sich einen Kaffee oder andere Artikel im Campus-Laden kauften. Danach baten die Wissenschaftler die Studenten, die Brillen abzulegen und spezielle Fragebögen auszufüllen, um so auf herkömmliche Art und Weise die Persönlichkeit und den Grad der Neugierde zu bestimmen.

„Um die aufgenommenen Augendaten unabhängig von der jeweiligen Dauer der Aufnahme zu analysieren, haben wir mit einem verschiebbaren Zeitfenster gearbeitet, da so keine Charakteristika abgeschwächt werden“, erklärt Bulling. Aus jedem der sich ergebenden Zeitfenster gewannen die Forscher 207 Merkmale. Zu diesen gehörten Statistiken über Blickfixierungen ebenso wie die Blinzel-Rate. Basierend darauf und auf den Informationen aus den Fragebögen fassten die Forscher pro Persönlichkeitszug rund 100 Entscheidungsbäume zu einem Klassifikator zusammen und trainierten diesen. Das Ergebnis: Im anschließenden Test mit bisher noch nicht verwendetem Datenmaterial konnten sie nachweisen, dass das Softwaresystem sicher Charakterzüge wie emotionale Labilität, Geselligkeit, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit erkennt.

„Das so gewonnene Wissen über nonverbales Verhalten können wir auch auf Roboter übertragen, so dass diese sich wie Menschen benehmen. Solche Systeme würden dann auf eine viel natürlichere Weise mit Menschen kommunizieren und wären dadurch effizienter und flexibler einsetzbar“, erklärt Bulling den Nutzen der Forschungsergebnisse. Gemeinsam mit Sabrina Hoppe von der Universität Stuttgart, Tobias Loetscher von der University of South Australia im australischen Adelaide und Stephanie Morey von der Flinders University, ebenfalls in Adelaide, hat Andreas Bulling die Ergebnisse in dem Aufsatz „Eye Movements During Everyday Behavior Predict Personality Traits“ diskutiert, den die Forscher im Journal „Frontiers in Human Neuroscience“ veröffentlicht haben. Das Projekt wurde finanziert aus Mitteln des australischen Forschungsrates, des Exzellenzclusters „Multimodal Computing and Interaction“ an der Universität des Saarlandes und durch ein Promotionsstipendium der Stiftung des deutschen Volkes.

Fragen beantwortet:

Redaktion:
Gordon Bolduan
Kompetenzzentrum Informatik Saarland
Saarland Informatics Campus E1.7
Tel .: +49 681 302 70741
E-Mail: bolduan@mmci.uni-saarland.de

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Andreas Bulling
Perceptual User Interfaces Group
Exzellenzcluster „Multimodal Computing and Interaction“
Saarland Informatics Campus E1 4
Tel.: +49 681 932 52128
E-Mail: bulling@mpi-inf.mpg.de

Originalpublikation:
Aufsatz „Eye Movements During Everyday Behavior Predict Personality Traits“:
https://doi.org/10.3389/fnhum.2018.00105
Daten und Quellcode:
https://github.molgen.mpg.de/sabrina-hoppe/everyday-eye-movements-predict-person…
Die neue Software, die auf dem Saar-Uni-Campus entstanden ist, wertet Augenbewegungen aus, um auf die Charakterzüge einer Person zu schließen.
Die neue Software, die auf dem Saar-Uni-Campus entstanden ist, wertet Augenbewegungen aus, um auf die Charakterzüge einer Person zu schließen.

In der Fremdsprache lügt sich’s besser

Eine Lüge zu erkennen, ist nicht leicht. Noch schwerer fällt das, wenn der potenzielle Lügner nicht in seiner Muttersprache spricht. Warum das so ist, haben Psychologen der Universität Würzburg untersucht.

In einer Fremdsprache zu lügen, fällt den meisten Menschen nicht schwerer als in ihrer Muttersprache. Bei wahrheitsgemäßen Aussagen sieht das hingegen anders aus: Diese gehen vielen Menschen in einer ungewohnten Sprache deutlich schwerer über die Lippen als in ihrer Muttersprache. Dieser seltsam klingende Befund ist das Ergebnis einer Studie zweier Psychologen der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU): Dr. Kristina Suchotzki, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Psychologie I, und Matthias Gamer, Professor für Experimentelle Klinische Psychologie. In der neuesten Ausgabe der Fachzeitschrift Journal of Experimental Psychology stellen die Beiden ihre Arbeit jetzt vor.

Die Ergebnisse ihrer Arbeit könnten für viele Prozesse von Bedeutung sein, in denen es darum geht, die Glaubwürdigkeit bestimmter Personen zu beurteilen – beispielsweise in Asylverfahren. Dann nämlich wirken Aussagen in einer Fremdsprache schneller unglaubwürdig, auch wenn sie der Wahrheit entsprechen. Und noch ein Phänomen lässt sich mit dieser neuen Entdeckung erklären: die Tatsache, dass Menschen, die in einer anderen als ihrer Muttersprache kommunizieren, generell, aber möglicherweise auch fälschlicherweise als weniger glaubwürdig eingeschätzt werden.

Wenig Forschung zum Lügen in einer Fremdsprache

„In unserer globalisierten Welt findet immer mehr Kommunikation in einer Sprache statt, die nicht die Muttersprache einiger oder aller Gesprächsteilnehmer ist“, schildert Kristina Suchotzki den Hintergrund ihrer Untersuchung. Dabei gebe es durchaus Situationen, in denen es sich lohnen kann zu lügen. Beispielsweise bei Geschäftsverhandlungen, wenn es darum geht, das Gegenüber von den Vorteilen eines Produktes zu überzeugen. Oder in einer Vernehmung, in dem der Mordverdächtige versucht, die Polizei von seiner Unschuld zu überzeugen.

Die bisherige Forschung auf diesem Gebiet habe sich vor allem auf die Vertrauenswürdigkeit von Menschen konzentriert, die in ihrer Muttersprache oder einer Fremdsprache sprechen. Die Ergebnisse aus diesen Untersuchungen zeigen, dass Beobachter Aussagen von Muttersprachlern eher als wahrheitsgemäß beurteilen verglichen mit Aussagen von Nicht-Muttersprachlern. „Nur wenige Experimente haben jedoch untersucht, ob Menschen tatsächlich in einer Fremdsprache weniger gut lügen“, so die Psychologin.

Zwei widersprüchliche Theorien

Ob Lügen in einer Fremdsprache leichter oder schwerer fallen: Dazu gibt es in der Psychologie zwei Theorien, die sich widersprechen. So legt die Cognitive Load Theory – auf Deutsch „Theorie der kognitiven Belastung“ – den Schluss nahe, dass sich Lügner in einer Fremdsprache schwerer tun. „Lügen ist im Vergleich zum Wahrheitssagen schon für sich gesehen eine kognitiv anspruchsvolle Aufgabe“, erklärt Kristina Suchotzki. Komme die Fremdsprache hinzu, mache die zunehmende kognitive Belastung das Lügen noch schwieriger.

Lügen fällt in einer Fremdsprache leichter: Das müsste gelten, wenn die Emotional Distance Hypothesis zutrifft. Diese Theorie geht von der Beobachtung aus, dass Lügen mit mehr Emotionen verbunden ist als ein Bei-der-Wahrheit-Bleiben. Wer lügt, steht unter Stress und ist angespannt. Den Kontrast dazu bilden Befunde aus der Linguistik, Psychologie und Psychophysiologie, die zeigen, dass das Sprechen in einer zweiten Sprache im Vergleich zum Sprechen in einer Muttersprache weniger emotional erregend ist. „Ausgehend von der emotionalen Distanzhypothese würde man daher erwarten, dass Lügen in einer Fremdsprache geringere emotionale Erregung auslöst“, sagt Suchotzki. Diese verminderte emotionale Erregung würde demnach das Lügen erleichtern.

Experimente und Ergebnisse

Um die Frage zu klären, welche der Theorien zutrifft, haben die Würzburger Psychologen in einer Reihe von Experimenten jeweils bis zu 50 Versuchspersonen spezielle Aufgaben erledigen lassen. Sie sollten eine Vielzahl von Fragen beantworten – mal wahrheitsgemäß, mal gelogen, mal in ihrer Muttersprache, mal in einer Fremdsprache. Ein Teil dieser Fragen waren neutral formuliert, wie etwa „Berlin liegt/liegt nicht in Deutschland“; andere hatten eindeutig emotionalen Charakter, beispielsweise „Haben Sie jemals illegale Drogen konsumiert?“ oder „Würden Sie als Nacktmodell arbeiten?“. Währenddessen haben die Wissenschaftler die Geschwindigkeit gemessen, in der die Versuchspersonen Antworten gaben, und deren Hautleitfähigkeit und Herzrate.

Stichpunktartig zusammengefasst sehen die Ergebnisse wie folgt aus:

Die Beantwortung emotionaler Fragen dauert im Vergleich zu neutralen Fragen in der Regel länger.

Antworten in der Fremdsprache benötigten ebenfalls mehr Zeit als Antworten in der Muttersprache.

Prinzipiell dauert es länger, eine Lüge auszusprechen als die Wahrheit.

In einer Fremdsprache fallen die zeitlichen Unterschiede zwischen gelogenen und wahrheitsgemäßen Antworten allerdings geringer aus in der Muttersprache.

Der geringere Unterschied resultiert allerdings nicht aus einer schnellen Antwort, die gelogen ist. Vielmehr kommt in der Fremdsprache auch die Wahrheit langsamer über die Lippen als in der Muttersprache.

Egal, ob neutrale oder emotionale Frage: In einer Fremdsprache sind die zeitlichen Unterschiede zwischen Wahrheit und Lüge prinzipiell geringer.

In diesen Ergebnissen spiegeln sich nach Ansicht der Psychologen „entgegengesetzt wirkende Effekte von emotionaler Distanz und kognitiver Belastung“ wider. „Ausgehend von der kognitiven Belastungstheorie hätte man einen erhöhten Aufwand für das Wahrheiten-Sagen und Lügen in einer Fremdsprache erwartet, wobei der erhöhte Aufwand für das Lügen ausgeprägter gewesen wäre“, sagt Kristina Suchotzki. Tatsächlich legen es die Daten nahe, dass der erhöhte kognitive Aufwand für die Verlängerung der Wahrheitsreaktion in der Fremdsprache verantwortlich ist.

Wieso diese Verlängerung beim Lügen nicht oder nur geringfügig zu sehen ist, lässt sich mit Hilfe der Emotional Distance Hypothesis erklären: Die stärkere emotionale Distanz in der Fremdsprache kompensiert demnach quasi die erhöhte kognitive Belastung beim Lügen.

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Kristina Suchotzki, Lehrstuhl für Psychologie I
T: +49 931 31-82861, kristina.suchotzki@uni-wuerzburg.de

Originalpublikation:
The Language of Lies: Behavioral and Autonomic Costs of Lying in a Native Compared to a Foreign Language. Kristina Suchotzki and Matthias Gamer, Journal of Experimental Psychology: General.
Weitere Informationen finden Sie unter
Zur Originalpublikation

Dr. Kristina Suchotzki, seit März 2015 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Psychologie I der Universität Würzburg.
Dr. Kristina Suchotzki, seit März 2015 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Psychologie I der Universität Würzburg.

Gestresste Kinder werden schneller erwachsen

Stress in der frühen Kindheit führt zu einer schnelleren Reifung bestimmter Hirnregionen während der Adoleszenz. Im späteren Leben führt Stress hingegen zu einer langsameren Reifung des heranwachsenden Gehirns. Dies ist das Ergebnis einer Langzeitstudie in Scientific Reports von Forschern der Radboud-Universität, die 37 Patienten über fast 20 Jahren beobachtet haben (2018; doi: 10.1038/s41598-018-27439-5).

1998 wurde die Gruppe, die damals 129 Einjährige und ihre Eltern umfasste, erstmals getestet (Nijmegen Longitudinale Studie). In den letzten 20 Jahren haben Forscher unter anderem Interaktionen beispielsweise beim Spielen mit Eltern, Freunden und Klassenkameraden untersucht. Die Kinder wurden auch MRI-Scans unterzogen, um zu untersuchen, wie Stress in verschiedenen Lebensstadien das jugendliche Gehirn beeinflusst und sich auf die zerebrale Reifung auswirkt. Während der Pubertät findet im Gehirn ein natürlicher Prozess statt, in dem Verbindungen zwischen Gehirnzellen verfeinert werden, um effizienterer Netzwerke zu schaffen.

Die Forscher untersuchten negative Lebensereignisse und negative Einflüsse aus dem sozialen Umfeld in 2 Lebensphasen ihrer Probanden: frühe Kindheit (0–5 Jahre) und Adoleszenz (14–17 Jahre). Stress aufgrund von negativen Erfahrungen in der Kindheit, wie Krankheit oder Scheidung, scheint demnach mit einer schnelleren Reifung des präfrontalen Kortex und der Amygdala in der Adoleszenz in Zusammenhang zu stehen.

In der Adoleszenz wirkt Stress anders als im Kindesalter

Hingegen war Stress aufgrund eines negativen sozialen Umfelds während der Adoleszenz, wie etwa ein geringes Ansehen in der Schule, mit einer langsameren Reifung des Hippocampus und einem anderen Teil des präfrontalen Kortex verbunden. Einen kauslen Zusammenhang können die Forscher mit ihrer Studie nicht mit Sicherheit nachweisen. Tierversuche würden dies aber nahelegen, sagt die Doktorandin und Erstautorin Anna Tyborowska.

„Dass Stress in der frühen Kindheit den Reifungsprozess während der Adoleszenz beschleunigt, stimmt mit den Theorien der Evolutionsbiologie überein“, sagt Tyborowska. Aus einer evolutionären Perspektive sei es nützlich, in einer stressigen Umgebung schneller zu reifen. Gleichzeitig verhindere es, dass sich das Gehirn flexibel an die aktuelle Umgebung anpasst. Mit anderen Worten, das Gehirn wird zu früh reif. Überrascht waren die Forscher jedoch, dass sozialer Stress im späteren Leben zu einer langsameren Reifung während der Adoleszenz führt. Interessant findet Tyborowska dabei den Aspekt, dass eine stärkere Wirkung von Stress auf das Gehirn auch das Risiko der Entwicklung von antisozialen Persönlichkeitsmerkmalen erhöht.

Tyborowska führt jetzt die 11. Runde der Messungen durch, wobei die Probanden mittlerweile in ihren Zwanzigern sind.

Hunger allein reicht nicht aus, um sich „hangry“ zu fühlen

Wer hungrig ist, neigt dazu, Dinge schlechter zu bewerten als gesättigte Menschen. Im englischen Sprachraum nutzt man hierfür das Wort „hangry“. Ein leerer Magen allein hat die Stimmung jedoch nicht unter Kontrolle. In einer Studie bewerteten hungrige Menschen ein zweideutiges Bild nur dann negativ, wenn ihnen schon zuvor ein eindeutig negatives Bild gezeigt wurde. Die Ergebnisse haben die Forscher der University of North Carolina in Emotion publiziert (2018; doi: 10.1037/emo0000422).

Die Forscher führten zunächst 2 Onlineexperimente mit mehr als 400 Personen aus den USA durch. Den Teilnehmern wurde ein Bild gezeigt, das positive, neutrale oder negative Gefühle hervorrufen sollte. Anschließend konfrontierten die Forscher sie mit einem mehrdeutigen Bild, einem chinesischen Piktogramm, das sie auf einer 7-stufigen Skala von angenehm bis unangenehm bewerten sollten. Die Teilnehmer berichteten auch, wie hungrig sie sich fühlten.

Kontext und Selbstbewusstsein entscheiden

Hungrige Teilnehmer, die zunächst ein eindeutig negatives Bild betrachtet hatten, bewerteten im Anschluss das zweideutige Piktogramm eher negativ im Vergleich zu gesättigten Teilnehmern. Wer hingegen ein neutrales oder positives Bild zu Beginn betrachtet hatte, bewertete das chinesische Piktogramm ähnlich wie gesättigte Teilnehmer. Die Forscher leiten daraus die Theorie ab, dass erst das negative Bild den entsprechenden Kontext herstellt, sodass das Hungergefühl in einer vorwiegend negativen Interpretation resultiert.

In einem zusätzlichen Laborexperiment mit mehr als 200 Studierenden mussten diese entweder fasten oder vorher essen. Einige Teilnehmer baten die Forscher, eine Schreibübung zu absolvieren, die den Fokus auf ihre Emotionen richtete. Anschließend erwartete alle Teilnehmer ein unangenehmes Szenario. Nach einer langwierigen Übung stürzte der Computer kurz vor Abschluss ab. Einer der Forscher kam in den Raum und beschuldigte den Studierenden für den Computercrash.

Die Teilnehmer wurden dann gebeten, Fragebögen über ihre Emotionen und ihre Wahrnehmung der Qualität des Experiments auszufüllen. Hungrige Personen berichteten dabei über größere unangenehme Emotionen. Sie waren häufiger gestresst und hasserfüllt, wenn sie sich zuvor nicht explizit auf ihre eigenen Emotionen konzentriert hatten. Den Forscher, der das Experiment durchführte, beurteilten sie ebenfalls eher schlecht. Anders fiel das Urteil der Teilnehmer aus, die sich zuvor in der Schreibaufgabe mit ihren Emotionen auseinandergesetzt hatten. Trotz Hungergefühl, berichteten sie nicht über negative Gefühle.

„Der Zweck unserer Forschung ist es, die psychologischen Mechanismen von hunger­induzierten emotionalen Zuständen besser zu verstehen – in diesem Fall, wie jemand zu einem ‚Hangry’ wird“, erklärt Hauptautorin Jennifer MacCormack, MA, eine Doktorandin in der Abteilung für Psychologie und Neurowissenschaften an der University of North Carolina in Chapel Hill. Wenn jemand hungrig ist, gibt es laut MacCormack 2 Schlüsselpunkte, die bestimmen, ob dieser Hunger zu negativen Emotionen beiträgt oder nicht: Kontext und Selbstbewusstsein.

Das Wort „hangry“ wurde inzwischen auch in das Oxford Wörterbuch aufgenommen. Die Definition beschreibt eine schlechte Laune oder Gereiztheit aufgrund von Hunger: „Bad-tempered or irritable as a result of hunger”.

Gewalttätige Computerspiele machen Erwachsene nicht aggressiv

Das Spielen von Gewaltspielen am Computer hat in einer Studie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) das Aggressionsverhalten von Erwachsenen nicht nachhaltig oder langfristig beeinflusst. „Erforscht werden muss noch, ob diese Ergebnisse auch auf das Verhalten von computerspielenden Kindern oder Jugendlichen übertragen werden können“, schreiben die Forscher im Fachmagazin Molecular Psychiatry (2018; doi: 10.1038/s41380-018-0031-7).

Die in den Debatten über Gewaltspiele bisher genutzten Argumente stützten sich im Wesentlichen auf Studien, in denen die Teilnehmenden nur zwischen Minuten und Stunden ein Gewaltspiel gespielt haben. „Außerdem wurde das Verhalten der Spieler in den bisherigen Studien lediglich unmittelbar nach dem Spielen untersucht“, berichten die Wissenschaftler um Simone Kühn aus der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des UKE.

An der Studie der UKE-Wissenschaftler haben 90 Erwachsene teilgenommen, die in ihrem Alltag nicht regelmäßig Videospiele spielen und für die Studie in 3 Gruppen aufgeteilt worden sind. Eine Gruppe spielte in einem Zeitraum von 2 Monaten das gewaltverherrlichende Spiel Grand Theft Auto, in dem die Spieler für ihr aggressives Verhalten belohnt werden. Die Teilnehmenden der anderen Gruppe spielten im gleichen Zeitraum das Videospiel Sims, in dem die Spieler virtuelle Figuren kreieren, deren Aussehen sowie Personalität sie individuell anpassen und die sie dann in ihren sozialen Netzwerken begleiten können. Eine 3. Gruppe spielte keine Videospiele.

Die Spieler nutzten die Spiele über 2 Monate jeweils rund 33 Stunden. Sie wurden vor und unmittelbar nach diesen 2 Monaten untersucht und außerdem ein weiteres Mal 2 Monate nach dem letzten Videospiel. Die Wissenschaftler verwendeten für die Tests Fragebögen, aber auch Verhaltenstests für Agressionen. Auch Tests, um das Sozial­verhalten einzuschätzen – insbesondere die Empathie – kamen zum Einsatz.

„Der in der Öffentlichkeit oft angeführte negative Einfluss von Gewalt-Videospielen auf das Verhalten der Spieler lässt sich wissenschaftlich nicht nachweisen. In unserer Studie konnten wir keine signifikanten oder relevanten Verhaltensänderungen der erwachsenen Probanden feststellen“, erläuterte Kühn. Wichtig sei nun, die möglichen Effekte der Spiele auf Kinder und Jugendliche zu untersuchen.

Fernpendler häufiger psychisch krank

Mit der Entfernung zwischen Wohn- und Arbeitsort steigt bei Pendlern die Wahrscheinlichkeit für eine psychische Erkrankung. Das ist das Ergebnis einer Fehl­zeitenanalyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Demanch liegen die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen bei Arbeitnehmern, die mindestens 500 Kilometer zum Arbeitsplatz pendeln, um 15 Prozent höher als bei denjenigen, die maximal zehn Kilometer Wegstrecke zurücklegen müssen.

Laut WIdO-Analyse hatten sich 2017 elf Prozent der AOK-Versicherten, die maximal zehn Kilometer Wegstrecke zum Arbeitsplatz zurücklegen, aufgrund psychischer Erkrankungen krankgemeldet. Bei einer Wegstrecke von mindestens 50 Kilometern waren es bereits 12 und bei mehr als 500 Kilometern zur Arbeit waren es 12,6 Fälle.

„Wird die Distanz zum Arbeitsort durch einen Wohnortwechsel verkürzt, kann die relative Wahrscheinlichkeit von Fehltagen aufgrund einer psychischen Erkrankung um bis zu 84 Prozent reduziert werden“, sagte Helmut Schröder, stellvertretender WIdO-Geschäftsführer. Dies konnte mit Hilfe einer Analyse der Arbeitsunfähigkeiten der AOK-Versicherten in den vergangenen fünf Jahren ermittelt werden.

Insgesamt ist die durchschnittliche Fehlzeit aufgrund psychischer Erkrankungen laut WIdO von 2,9 auf 3,4 Fehltage pro AOK-Mitglied gestiegen. Besonders häufig komme die Diagnose „Reaktionen auf schwere Belastung und Anpassungsstörungen“ vor. Darunter fielen Diagnosen wie depressive Verstimmungen, Ängste, Sorgen und das Gefühl, mit dem Alltag nicht zurechtzukommen. Der Analyse hat das WIdO nach eigenen Angaben die Daten von 13,2 Millionen AOK-versicherten Arbeitnehmern zugrunde gelegt.

Flow-Studie zeigt: Wenn die Zeit verfliegt, dann erleben wir mehr Flow und werden produktiver

„Ich bin im Flow“ – eine Aussage, die ausdrückt, dass man sich bei einer Tätigkeit in einem Idealzustand befindet. In einer umfassenden Studie haben die (Wirtschafts-)psychologen Prof. Dr. Katja Mierke und Prof. Dr. Fabian Christandl der Hochschule Fresenius in Zusammenarbeit mit Jun.-Prof. Dr. Corinna Peifer von der Ruhr-Universität Bochum untersucht, welchen Einfluss der Faktor Zeitwahrnehmung beim Flow-Erleben hat. Dazu wurden vier Experimente mit insgesamt 254 Probanden durchgeführt.

Hin und wieder empfindet man bei der Ausübung bestimmter Arbeitsaufgaben ein Flow-Gefühl. Studien zeigen, dass die perfekte Übereinstimmung der eigenen Fähigkeiten mit den Anforderungen eine wesentliche Voraussetzung dafür ist. In solchen Momenten geht man vollkommen auf, in dem was man gerade tut und vergisst alles um sich herum, die Zeit scheint zu verfliegen.

Wissenschaftler der Hochschule Fresenius und der Ruhr-Universität Bochum haben nun erstmals gezeigt, dass sich dieser Zusammenhang umkehren und damit Flow-Erleben experimentell auslösen lässt. Ausgehend von dem Befund, dass in Phasen des Flows „die Zeit verfliegt“, hat das Forscherteam den Faktor Zeit näher betrachtet. Dazu haben sie in mehreren Experimenten die Zeitwahrnehmung künstlich manipuliert. Im ersten Versuch wurden den in zwei Gruppen aufgeteilten Teilnehmern die gleichen Aufgaben wie z.B. Wortpuzzle gestellt. Einer Gruppe wurde gesagt, dass sie zur Lösung 15 Minuten Zeit hätten, der anderen wurden nur fünf Minuten eingeräumt. Tatsächlich hatten beide Gruppen zehn Minuten Zeit. Teilnehmer, die 15 Minuten erwartet hatten, bekamen so eher das Gefühl, dass die Zeit verflogen ist. Dies führte dazu, dass sie auch eher angaben, Flow erlebt zu haben als dies in der anderen Gruppe der Fall war.

Eine weitere weitreichende Erkenntnis: Hat man durch manipulierte Zeitwahrnehmung Flow bei einer Aufgabe erlebt, wird die Performance bei einer anschließenden Tätigkeit verbessert. So sollten die Probanden direkt im Anschluss eine ähnliche zweite Aufgabe lösen. Diejenigen, die während der ersten Aufgabe angegeben hatten, Flow erlebt zu haben, lösten die Folgeaufgabe besser und erlebten wieder mehr Flow als die Vergleichsgruppe, dieses Mal echten – da die Zeitwahrnehmung im zweiten Durchgang nicht manipuliert wurde.

„Entgegen der gängigen Praxis, Deadlines immer etwas zu knapp bemessen vorzugeben, lässt sich aus unseren Ergebnissen für die Praxis ableiten, dass man die Dauer von Tätigkeiten so gestalten sollte, dass jemand etwas schneller mit einer Aufgabe fertig sein kann“, so Prof. Christandl. „Hat man beispielsweise eine Stunde Zeit für eine Tätigkeit eingeplant, ist aber früher damit fertig, fühlt man sich gut und löst auch die Folgeaufgaben besser. Aber auch andere Faktoren wie Autonomie oder Mitbestimmungsrecht spielen bei Flow und Arbeitsperformance natürlich ebenfalls eine wichtige Rolle“, erklärt der Wirtschaftspsychologe.

Christandl, F., Mierke, K., & Peifer, C. (2018). Time Flows: Manipulations of Subjective Time Progression Affect Recalled Flow and Performance in a Subsequent Task. Journal of Experimental Social Psychology, 74, 246-256.

Die Ergebnisse der Studie werden von den Autor(inn)en auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Positiv-Psychologische Forschung (3.-5. Mai in Bochum) sowie auf dem DGPs-Kongress (15.-20. September in Frankfurt) vorgestellt.
Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.hs-fresenius.de

Psychologie ist die „Mutterwissenschaft“ der Psychotherapie

Wissenschaftsrat legt Empfehlungen zu den Perspektiven der Psychologie vor

Gemeinsame Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Psychologie und des Fakultätentags Psychologie

Der Wissenschaftsrat hat am 29. Januar 2018 Empfehlungen zur Zukunft des Faches Psychologie veröffentlicht. Einen Schwerpunkt bildet die geplante Reform der Psychotherapeutenausbildung. Der Wissenschaftsrat sieht die akademische Psychologie als „Mutterwissenschaft“ der Psychotherapie. Deshalb sollen Psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in einem ersten Studienabschnitt (einem Bachelor-Studium) das Fach Psychologie in seiner gesamten Breite kennenlernen und dabei die Grundlagen, Methoden und Anwendungsfächer der Psychologie studieren. Anschließend sollen in einem zweiten Studienabschnitt praktische und wissenschaftliche Fertigkeiten in den Bereichen Klinische Psychologie und Psychotherapie in einem spezialisierten Master-Programm erworben werden. „Wir begrüßen es sehr, dass der Wissenschaftsrat anregt, die Psychotherapie-Ausbildung an die Strukturen anderer selbstständiger akademischer Heilberufe wie Medizin und Zahnmedizin anzugleichen“ sagt Conny Antoni, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie.

Besondere Anforderungen an Ausbildungsstätten

Als Ausbildungsstätten für ein solches konsekutives Studium kommen laut Wissenschaftsrat ausschließlich Hochschulen in Frage, die neben einer Praxisausbildung (zum Beispiel in angegliederten Hochschulambulanzen) auch höchsten Ansprüchen genügende Forschung im Bereich Psychotherapie sowie den damit assoziierten Grundlagen- und Anwendungsfächern nachweisen können. „Dieser Schritt ist eine notwendige Konsequenz aus den aktuellen Diskussionen zur Qualitätssicherung“, sagt Conny Antoni. „Die Stärke der universitären Ausbildung im Fach Psychologie liegt in der Trias von Forschung, Lehre und Praxis. Hiervon wird auch die Psychotherapieausbildung in hohem Maße profitieren.“

Psychotherapie braucht Therapieforschung

Der Wissenschaftsrat mahnt in seiner Stellungnahme auch eine bessere Vernetzung der praktischen Ausbildung mit wissenschaftlichen Inhalten an. Während die bisherige Psychotherapie-Ausbildung weitgehend selbstfinanziert an privaten Instituten erfolgte, soll sie nun stärker an die Hochschulen angebunden werden. „Nur dadurch ist eine enge Vernetzung der praktischen Ausbildung mit aktuellsten wissenschaftlichen Entwicklungen möglich. Psychotherapie braucht eine lebendige und sich weiter entwickelnde Therapieforschung“, sagt Markus Bühner, Vorsitzender des Fakultätentags Psychologie, und ergänzt: „Diese Forschung leisten bislang primär die Universitäten.“

Kontakt bei Rückfragen:
Prof. Dr. Conny H. Antoni
Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie
Professor für Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie
Universität Trier
E-Mail: antoni@uni-trier.de

Prof. Dr. Markus Bühner
Vorsitzender des Fakultätentags Psychologie
Lehrstuhl für psychologische Methodenlehre und Diagnostik
Ludwig-Maximilians-Universität München
E-Mail: buehner@lmu.de

Pressestelle der DGPs:
Dr. Anne Klostermann
Pressereferentin
Tel.: 030 280 47718
E-Mail: pressestelle@dgps.de

Über die DGPs:
Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs e.V.) ist eine Vereinigung der in Forschung und Lehre tätigen Psychologinnen und Psychologen. Die über 4400 Mitglieder erforschen das Erleben und Verhalten des Menschen. Sie publizieren, lehren und beziehen Stellung in der Welt der Universitäten, in der Forschung, der Politik und im Alltag.
Die Pressestelle der DGPs informiert die Öffentlichkeit über Beiträge der Psychologie zu gesellschaftlich relevanten Themen. Darüber hinaus stellt die DGPs Journalisten eine Datenbank von Experten für unterschiedliche Fachgebiete zur Verfügung, die Auskunft zu spezifischen Fragestellungen geben können.
Wollen Sie mehr über uns erfahren? Besuchen Sie die DGPs im Internet: www.dgps.de

Gefühle entscheiden, von welcher Seite wir uns umarmen

In emotional aufgeladenen Situationen umarmen wir uns öfter linksseitig als in neutralen Zusammenhängen. Das haben Biopsychologen der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Julian Packheiser, Noemi Rook und Privatdozent Dr. Sebastian Ocklenburg herausgefunden, indem sie über 2.500 Umarmungen auswerteten. Sie erklären sich dieses Seitenverhältnis mit der Verarbeitung von Gefühlen in den jeweiligen Hirnhälften. Darüber hinaus stellten sie fest, dass auch die Händigkeit und Füßigkeit der Beteiligten Voraussagen zulässt, welche Hand bei der Umarmung oben ist. Ihre Ergebnisse sind im Journal „Psychological Research“ vom 18. Januar 2018 veröffentlicht.

Umarmungen zeigen Liebe, Freude oder spenden Trost

Umarmungen begleiten menschliche soziale Interaktionen von Geburt an. Sie drücken Zuneigung und Liebe aus, und treten sowohl in positiven wie auch in negativen oder neutralen Zusammenhängen auf: Wir umarmen uns auch bei Trauer oder Angst oder einfach zur Begrüßung. „Wir wollten wissen, ob der emotionale Kontext das Umarmungsverhalten beeinflusst“, erklärt Erstautor Julian Packheiser. „Außerdem wollten wir herausfinden, ob motorische Merkmale wie Händigkeit die Richtung des Umarmens beeinflusst.“

Abschied und Flugangst – Wiedersehensfreude und Erleichterung

Die Forscher beobachteten dafür mehr als 2.500 Umarmungen. Auf einem deutschen Flughafen werteten sie je rund 1.000 Umarmungen im Abflug- und im Ankunftterminal internationaler Flüge aus. Beim Abflug gingen sie dabei von negativen Emotionen der Beteiligten Personen aus – zum einen verabschiedeten sich hier nahestehende Menschen voneinander, zum anderen leiden Studien zufolge fast 40 Prozent aller Fluggäste unter Flugangst, was sich zusätzlich negativ auswirkt. Bei der Ankunft sorgen dann Wiedersehensfreude und Erleichterung über den überstandenen Flug für positive Emotionen.

Umarmungen Fremder auf der Straße

Um neutrale Umarmungen beobachten zu können, zogen die Forscher die Videoplattform Youtube heran. Hier fanden sie Aufzeichnungen von Akteuren, die Fremden auf der Straße Umarmungen mit verbundenen Augen angeboten hatten. Über 500 solche Umarmungen konnten sie auswerten.

Gefühle werden rechts verarbeitet

Übereinstimmend mit älteren Studien stellten die Forscher fest, dass die meisten Menschen eine Vorliebe für rechtsseitige Umarmungen haben. Es zeigte sich aber, dass sowohl in positiven wie auch in negativen Situationen häufiger linksseitig umarmt wird als in neutralen Situationen. „Das ist auf den Einfluss der rechten Gehirnhälfte zurückzuführen, die die linke Körperhälfte kontrolliert und sowohl positive als auch negative Emotionen verarbeitet“, erklärt Julian Packheiser. „Bei Umarmungen interagieren emotionale und motorische Netzwerke im Gehirn und führen zu einer stärkeren Linksorientierung in gefühlsbetonten Zusammenhängen.“

Eine Schaufensterpuppe umarmen

Um den Einfluss von Händigkeit und Füßigkeit zu untersuchen, ließen die Forscher dann noch 120 Probanden im Labor eine Schaufensterpuppe umarmen, nachdem sie verschiedene positive, negative oder neutrale Kurzgeschichten über Kopfhörer angehört hatten. Händigkeit und Füßigkeit erfassten die Wissenschaftler mittels Fragebogen. „Händigkeit und Füßigkeit können tatsächlich vorhersagen, in welche Richtung eine Umarmung ausgeführt wird“, so Julian Packheiser. Rechtshänderinnen und Rechtshänder neigten also noch stärker als Linkshänder dazu, ihr Gegenüber von rechts zu umarmen.

Ein Sonderfall ist die Umarmung zweier Männer: Dabei stellten die Forscher schon in neutralen Situationen eine stärkere Linksorientierung fest. „Wir interpretieren das so, dass Männer-Umarmungen von vielen Männern als negativ angesehen und daher selbst in neutralen Situationen wie zur Begrüßung tendenziell als negativ wahrgenommen werden“, meint Sebastian Ocklenburg. Dementsprechend werde wegen der negativen Emotionen auch hier die rechte Gehirnhälfte aktiv und beeinflusse die motorische Ausführung nach links.

Förderung

Julian Packheiser wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Graduiertenkolleg „Situated Cognition“ (GRK 2185/1) gefördert.

Originalpublikation

Julian Packheiser, Noemi Rook, Zeynep Dursun, Janne Mesenhöller, Alrescha Wenglorz, Onur Güntürkün, Sebastian Ocklenburg: Embracing your emotions: affective state impacts lateralisation of human embraces, in: Psychological Research, 2018, DOI: 10.1007/s00426-018-0985-8, https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00426-018-0985-8

Pressekontakt

Julian Packheiser
Abteilung Biopsychologie
Fakultät für Psychologie
Ruhr-Universität Bochum
Tel.: 0234 32 24917
E-Mail: julian.packheiser@rub.de