Internetbehandlung mit Manga-Comics schützt vor Depression

Ein mit Manga-Comics gestaltetes psychotherapeutisches Internetangebot ist geeignet, depressive Episoden bei gesunden Mitarbeitern zweier IT-Firmen zu verhindern. Das berichten Kotarao Imamura von der University of Tokyo und Mitarbeiter jetzt im Fachjournal Psychological Medicine. Einschränkend muss jedoch gesagt werden, dass eine große Anzahl an gesunden IT-Mitarbeitern behandelt werden muss, um auch nur eine depressive Episode zu verhindern (NNT 32).

Das Management der beiden IT-Firmen schrieb für diese Studie ihre Mitarbeiter an und lud sie zur Studienteilnahme ein. Etwa die Hälfte nahm die Einladung an (850 von ca. 1790, 47,5 %), die meisten von ihnen konnten auch an der Studie teilnehmen. Nur 88 wurden von der Teilnahme ausgeschlossen, beispielsweise weil sie gegenwärtig an einer depressiven Episode litten oder in den letzten Monaten häufig krankgeschrieben waren.

Die Studienteilnehmer wurden zufällig auf 2 Gruppen verteilt: die Interventionsgruppe erhielt eine 6 Wochen dauernde internetbasierte psychologische Behandlung, in der u.a. Problemlösestrategien, Selbstsicherheit und Entspannungstechniken vermittelt wurden. Die Präsentation der Inhalte erfolgte u. a. in Form von Manga-Comics. Diese sollte zur Teilnahme an dem Programm motivieren. Darüber hinaus erhielten die Teilnehmer regelmäßige E-Mails, um sie an die Nutzung des Programms zu erinnern. Sie wurden auch gebeten, Hausaufgaben zu machen, zu denen sie eine schriftliche Rückmeldung erhielten.

Die Kontrollgruppe erhielt zunächst nur kurze monatliche E-Mails mit Tipps zur Stressbewältigung, konnte nach 6 Monaten aber auch die internetbasierte psychologische Behandlung nutzen. In der Interventionsgruppe begannen die meisten Patienten (89 %) die internetbasierte Behandlung und etwa 2 Drittel nutzten sogar alle 6 Sitzungen des Programms. Immerhin ein Viertel erledigte auch alle vorgesehenen Hausaufgaben.

Die Studienteilnehmer füllten regelmäßig Fragebögen aus zum Vorliegen einer depressiven Episode (WHO-Composite International Diagnostic Interview – WHO-CIDI) und zu ihren gegenwärtigen depressiven Symptomen (Beck-Depressions-Inventar, BDI). Diese Fragen beantworteten sie 3, 6 und 12 Monate nach Beginn der Studie.

In diesen 12 Monaten entwickelten 3 Teilnehmer der Interventionsgruppe (0,8 %) und 15 Teilnehmer der Kontrollgruppe (3,9 %) eine depressive Episode. Dieser kleine Unterschied war statistisch signifikant. In der Interventionsgruppe kam es vorübergehend auch zu einer geringen, statistisch nicht signifikanten, Abnahme der Depressionsschwere. Der geringe Unterschied zwischen den beiden Gruppen kann möglicherweise auch dadurch erklärt werden, dass die Kontrollgruppe auch E-Mails mit Tipps zur Stressbewältigung bekam und das Internetprogramm bereits während der letzten 6 Monate des Nachbeoachtungszeitraums nutzen konnte.

FAZIT

Internetbasierte psychologische Behandlung kann ohne großen Aufwand einer großen Anzahl an Menschen zur Verfügung gestellt werden. Deswegen eignet sie sich zur Prävention depressiver Episoden bei Angestellten, wie diese Studie überzeugend zeigt. Allerdings müssen wegen der geringen Häufigkeit von neu auftretenden Depressionen sehr viele Menschen das Programm nutzen, damit auch nur einer profitiert. Möglicherweise sollte das Programm daher etwas gezielter Mitarbeitern angeboten werden, die ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer depressiven Episode haben.

Imamura K et al.
Does Internet-based cognitive behavioural therapy (iCBT) prevent major depressive episode for workers? A 12-month follow-up of a randomized controlled trial.

Psychological Medicine 2015;
DOI: 10.1017/S0033291714003006