Gesundheitsbranche zieht es in die Cloud

Die Gesundheitsbranche wird künftig verstärkt in Cloud-Technologien investieren. Das geht aus einer aktuellen Studie des Marktforschungs­unternehmens Frost & Sullivan hervor. Demnach werden die Umsätze für Cloud-Services bis 2021 auf fast zehn Milliarden US-Dollar steigen. Ein wesentlicher Grund dafür ist die veränderte Haltung der Branche: Laut den Marktforschern glauben immer mehr Entscheidungsträger, dass Cloud-Umgebungen sicherer sind als interne Infra­strukturen – insbesondere in Bezug auf Datensicherung und Notfall­wiederherstellung.

Angekurbelt wird der Markt durch die Datenexplosion in der Branche. „Das Volumen unstrukturierter medizinischer und Gesundheitsdaten, die außerhalb klinischer Umgebungen generiert werden, wächst ins Unermessliche“, verdeutlichte Digital Health Research Manager Natasha Gulati. Gemeinsam betriebene Cloud-Plattformen könnten die Gesundheitsdaten künftig verschiedenen Interessengruppen zugänglich machen sowie Risiken und Kosten auf mehrere Schultern verteilen.

Aber auch Krankenhäuser, niedergelassene Ärzte und andere Teilnehmer des Pflege­spektrums werden nach Ansicht der Autoren verstärkt auf Cloud-Plattformen setzen. Ihr Ziel sei es, so Daten- und Anwendungszugriffe zu verbessern, die Interoperabilität zu erweitern und eine große Menge an Gesundheitsdaten effizient zu verwalten, zu speichern und zu archivieren.

Die Studie „Healthcare Cloud Computing Outlook, Global, 2016–2021“ untersucht Wachstumsmöglichkeiten, Geschäftsmodelle, Herausforderungen, markttreibende Faktoren und branchenspezifische Cloud-Lösungen. Zudem werden Marktteilnehmer, Käuferverhalten und Kundenerwartungen vorgestellt.

Neuer Trend unter Jugendlichen: Selbstverletzung im Netz

US-amerikanische Kinder- und Jugendärzte machen auf einen neuen, besorgniserregenden Trend bei Jugendlichen aufmerksam: „Digital self-harm“, selbstverletzendes Verhalten im Netz, bei dem Jugendliche anonym gemeine Dinge über sich selbst ins Netz stellen oder in sozialen Medien posten.

So hatten in einer Umfrage unter knapp 6.000 amerikanischen Schülern rund sechs Prozent der Jugendlichen angegeben, sie hätten sich im Internet schon einmal selbst bloßgestellt (Journal of Adolescent Health 2017, doi: 10.1016/j.jadohealth.2017.06.012). Als Grund dafür gaben sie vorwiegend Selbsthass, den Wunsch nach Aufmerksamkeit und Depressionen an.

Bislang ist noch nicht umfassend und sicher geklärt, was Teenager dazu bewegt, sich selbst online zu mobben. Experten vermuten jedoch, dass digitale Selbstverletzung zumindest zum Teil Ähnlichkeiten mit körperlichem selbstverletzendem Verhalten wie Ritzen aufweist: Es ist ein Mittel, um mit psychischen Schmerzen und Problemen umzugehen und dient vermutlich auch dazu, im schlechten Selbstbild bestätigt zu werden.

„Wenn Eltern von ihrem Kind erfahren, dass es über soziale Medien gemobbt wird, sollten sie nicht zögern, eine gründliche Untersuchung einzuleiten, um den Ursprung des Cybermobbings aufzuklären“, rät Harald Tegtmeyer-Metzdorf vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Sollte sich ein Jugendlicher zusätzlich aber auch selbst online beschimpft haben, gelte es, dies als Hilferuf zu verstehen und umgehend geeignete Maßnahmen zu ergreifen.

Nichtsuizidales selbstverletzendes Verhalten im Jugendalter

Deutschland gehört mit 25–35 % Lebenszeitprävalenz von zumindest einmaligem nichtsuizidalen selbstverletzenden Verhalten (NSSV) unter Jugendlichen innerhalb Europas zu den Ländern mit den höchsten Prävalenzraten (1, 2). Diese Thematik besitzt daher für Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachdisziplinen eine hohe Relevanz. In den letzten Jahren haben drei Leitlinien und ein Cochrane Review den

Jeder fünfte Jugendliche ist spielsuchtgefährdet

Im Vorfeld des Safer Internet Days am 6. Februar haben Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und Drogenbeauftragte der Bundesregierung vor steigenden Suchtgefahren durch Online-Glücks- und Computerspiele gewarnt. Vor allem junge Menschen seien dadurch besonders gefährdet.

Vor diesem Hintergrund forderte Drogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) klare rechtlichen Rahmenbedingungen sowie eine bessere Aufklärung und einen konsequenten Jugend­schutz. „Außerdem ist es höchste Zeit, dass sich die zuständigen Länder endlich auf eine Novelle des Glücksspielstaatsvertrages einigen, mit der die Grenze zwischen legalem und illegalem Glücksspiel im Internet klar gezogen wird“, sagte Mortler.

Laut einer bundesweiten Repräsentativbefragung der BZgA nutzen aktuell bundesweit rund 725.000 Menschen Online-Glücksspiele. Junge Menschen seien vor allem durch Internetangebote und Computerspiele gefährdet.

Mehr als ein Fünftel (22,4 Prozent) der Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren sowie rund 14,9 Prozent der jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren nutzen entsprechende Angebote exzessiv und riskieren damit negative gesundheitliche Folgen oder den Verlust sozialer Kontakte.

„Gleichzeitig zeichnet sich ab, dass die Grenze zwischen Online-Computerspielen und Online-Glücksspielen zunehmend verschwimmt. Vor allem junge Menschen, die gerne Onlinespiele nutzen, müssen daher die Risiken des Glücksspiels kennen, um nicht nach Verlusten erneut spielen zu wollen und so in die Abhängigkeit zu geraten“, warnte BZgA-Leiterin Heidrun Thaiss.

Die BZgA informiert über auf einer Internetseite über die Risiken von Online-Glücksspielen und sonstigen Glücksspielen, bietet Hilfestellungen und vermittelt Kontakte zu wohnortnahen Beratungsstellen. Außerdem können sich Glücksspiel-Nutzende, deren Angehörige oder Interessierte per Telefon kostenfrei und anonym beraten lassen.

Patienten schätzen „Dr. Googles“ Vielseitigkeit

Mehr als die Hälfte der Patienten sind mit den im Internet gefundenen Gesundheitsinformationen zufrieden. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung. Diese bringt ans Licht, wie vielfältig die Gründe für die Besuche bei „Dr. Google“ sind. Ob es darum geht, einen Arzttermin vorzubereiten, Therapien zu vergleichen oder sich mit anderen auszutauschen: Patienten finden,
wonach sie suchen – neben harten Fakten auch Trost und Zerstreuung. Doch nutzen Ärzte und Patienten das Potenzial des Internets aus?

Gütersloh, 26. Januar 2018. Wenn Patienten „Dr. Google“ um Rat fragen, geht es keineswegs nur um rationale Bedürfnisse. Das belegen Tiefeninterviews, die das Marktforschungsinstitut Rheingold im Auftrag der Bertelsmann Stiftung geführt hat. Diese qualitative Studie zur Frage, wie Patienten nach Informationen im Netz suchen und diese nutzen, wurde durch eine repräsentative Bevölkerungsbefragung von Kantar Emnid ergänzt. Sie offenbart eine große Zufriedenheit der Patienten mit den Antworten aus dem Netz. Gemeinsam zeichnen die Untersuchungen ein Bild darüber, wie Patienten in Deutschland „Dr. Google“ nutzen, welche Chancen das Internet für das Arzt-Patienten-Verhältnis bietet und welche Herausforderungen zu meistern sind.

Das Internet ist ein besserer Ratgeber als häufig angenommen
Die Motive der Online-Suchenden sind sehr vielfältig, das decken die Tiefeninterviews auf. Patienten nehmen „Dr. Google“ in Anspruch, um ärztliche Empfehlungen zu überprüfen, sich über Behandlungsalternativen zu informieren, sich mit anderen auszutauschen und emotionale Unterstützung zu erhalten. Die Recherche gibt ihnen ein Gefühl von Sicherheit, Beruhigung oder auch Zerstreuung.
So verschieden die Suchmotive, so groß ist die Zufriedenheit mit den Treffern. 52 Prozent sind „immer zufrieden“ oder „meistens zufrieden“, 44 Prozent sind „teils, teils zufrieden“, „selten zufrieden“ sind nur zwei Prozent der Befragten. Niemand, so zeigen die repräsentativen Ergebnisse, ist mit den eigenen Suchergebnissen „immer unzufrieden“.

„Anders als vielfach behauptet, ist das Internet ein geschätzter Ratgeber. Patienten finden, wonach sie suchen“, so Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. „Dr. Google“ ist einfach zu kontaktieren, immer und überall erreichbar, hat unbegrenzt Zeit, bietet Expertenwissen für Laien. Und: Die Suchenden finden in vielen reichweitenstarken Portalen Informationen von solider bis sehr guter Qualität, wie die Universität Frankfurt am Main 2017 für das Magazin Ökotest ermittelte. Dass Patienten bei ihrer Suche auch auf Fehlinformationen treffen und unseriösen Websites vertrauen, ist dabei unbestritten. „Um Patienten vor gezielten Falschinformationen zu schützen, muss im Sinne einer Marktwächterfunktion konsequent dagegen vorgegangen werden. Bislang gibt es dafür wenig Konzepte und Verantwortlichkeiten. Die Entwicklung erfolgversprechender Strategien ist daher eine Aufgabe, die dringend angegangen werden muss“, so Mohn.

Potenzial des Internets wird nicht ausgeschöpft
Die Analyse zeigt: Das Internet zählt nach Gesprächen mit Ärzten und Angehörigen oder Freunden zu den drei am häufigsten herangezogenen Informationsquellen in Gesundheitsfragen. Aus Sicht der Befragten haben einige Mediziner die Bedeutung von „Dr. Google“ für Patienten bereits erkannt: Gut 60 Prozent der Ärzte gehen laut Patienten auf die selbst recherchierten Infos ein. Bislang verweisen allerdings nur 40 Prozent der Ärzte auf gute Informationsquellen und nur ein Fünftel ermutigt ihre Patienten, sich selbst zu informieren. 14 Prozent raten sogar davon ab. „In den Praxen wird das Potenzial von Dr. Google häufig noch verschenkt. Patienten sollten offen über selbst gefundene Informationen sprechen, Ärzte und Therapeuten verlässliche Websites oder Apps empfehlen können“, so Marion Grote-Westrick, Gesundheitsexpertin der Bertelsmann Stiftung. Noch verschweigen 30 Prozent der Patienten ihrem Arzt den Besuch von „Dr. Google“.

Um die Potenziale von Gesundheitsinformationen im Netz besser für gute Behandlungsergebnisse zu nutzen, empfehlen die Studienmacher:
1. Alle Akteure im Gesundheitssystem sollten die Vielfalt von Gesundheitsinformationen anerkennen: Sie erfüllt die unterschiedlichen Bedürfnisse der Patienten. Darüber hinaus sollten die in Entstehung befindlichen Elektronischen Patientenakten als Plattform in Betracht gezogen werden, um Gesundheitsinformationen für Patienten bereitzustellen.
2. Ärzte sollten Patienten bestärken, sich selbst zu informieren. Zudem sollten Ärzte gute Infoquellen kennen und empfehlen, um Praxisbesuche und Krankenhausaufenthalte gezielt vor- oder nachzubereiten.
3. Patienten sollten offen mit ihrem Arzt über eigene Rechercheergebnisse sprechen.

Zusatzinformationen
Die Bertelsmann Stiftung hat untersucht, wie sich die Bevölkerung online über Gesundheitsthemen informiert. Dafür haben Psychologen des Rheingold-Instituts 36 Tiefeninterviews geführt. Die qualitative Studie wird ergänzt durch eine repräsentative Bevölkerungsbefragung und einen Literaturüberblick über die Nutzung und Verbreitung von Gesundheitsinformationen. Die Untersuchungen entstanden im Rahmen des neuen Projekts „Patient mit Wirkung“, das sich dafür einsetzt, das Konzept der gemeinsamen Entscheidungsfindung von Arzt und Patient im Versorgungsalltag zu integrieren. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse bietet die Publikation „Spotlight Gesundheit“.

Unsere Expertinnen:
Claudia Haschke, Telefon: 0 52 41 81 81 542
E-Mail: Claudia.Haschke@bertelsmann-stiftung.de

Marion Grote-Westrick, Telefon: 0 52 41 81 81 271
E-Mail: Marion.GroteWestrick@bertelsmann-stiftung.de


Weitere Informationen:

http://www.bertelsmann-stiftung.de/patient-mit-wirkung

Internetbasierte Akzeptanz- und Commitment-Therapie reduziert Schmerzen

Chronische Schmerzen akzeptieren – das lernen Patienten bei einer onlinebasierten Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT). Der Ansatz kann Schmerzen reduzieren und führt gleichzeitig zu einer höheren Schmerzakzeptanz, vor allem, wenn das digitale Programm durch Psychologen begleitet wird. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Universitäten Freiburg und Erlangen-Nürnberg in einer Studie (ACTonPain), die im Deutschen Ärzteblatt erschienen ist (Dtsch Arztebl Int 2017; 114 (41): 681-8).

Aufbau ACTonPain

  • sieben Module (eins pro Woche) mit interaktiven Übungen, Videos und Audios basierend auf einer Plattform von Minddistrict.com
  • ein Modul nimmt etwa 60 Minuten in Anspruch
  • bei der bgleiteten Version geben Psychologen Rückmeldung per Mail innerhalb von zwei Arbeitstagen

Bei ACTonPain untersuchten die Studienautoren erstmals die Wirkung einer onlinebasierten ACT mit und ohne Begleitung. Schmerzintensität, emo­tionale Funktionalität, Lebensqualität und Zufriedenheit nach neun Wochen und sechs Monaten verglichen sie mit einer Wartelisten-Kontrollgruppe. In der begleiteten ACTonPain-Version gaben Psychologen (eCoaches) unter Super­vision eines erfahrenen psychologischen Psychotherapeuten ihren Patienten personalisierte und standardisierte Rückmeldungen per Mail. Pro Teil­nehmer nahm die Begleitung durchschnittlich 105 Minuten in Anspruch. Der Inhalt der sieben Module wurde in einer Studie beschrieben, die 2014 in Internet Interventions erschienen ist (siehe 2.7 Intervention content).

Nach einem halben Jahr war fast die Hälfte der ursprünglich 302 Teilnehmer aus der Studie ausgeschieden. 43 Schmerzpatienten verblieben in der ACTonPain-begleiteten Gruppe, 30 in der ACTonPain-unbegleiteten und 71 in der Kontroll-Gruppe.

eCoach verhilft zu weniger Schmerzen

Im Vergleich zu Kontrollgruppe klagten die Patienten der begleiteten ACTonPain-Gruppe nach neun Wochen und auch noch nach sechs Monaten über eine deutlich geringere Schmerzbeeinträchtigung (number needed to treat: 3,14). Auch die unbegleitete ACTonPain-Gruppe profitierte im Vergleich zur Kontrollgruppe.

Zwar zeigten sich zwischen den beiden ACT-Gruppen keine signifikanten Unterschiede in der Wirksamkeit. Mithilfe der eCoaches bearbeiteten die Teilnehmer aber mehr der sieben Module und brachen die Therapie seltener ab (40 versus 61 Prozent). Sie wiesen nach sechs Monaten deutlich weniger Depressionen auf. Der entscheidende primäre Endpunkt (Schmerzbeeinträchtigung) wich bei der unbegleiteten Gruppe jedoch nicht signifikant von der Kontrollgruppe ab (p = 0,09).

Ob mit oder ohne elektronischen Ansprechpartner, zeigten sich beide Gruppe gleichermaßen zufrieden. Mehr als 80 Prozent der Interventionsgruppe würde das Therapieprinzip einem Freund weiterempfehlen. Eine Implementierung von ACTonPain mit psychologischer Begleitung in das Gesundheitssystem halten die Autoren daher für sinnvoll. Das könne dazu beitragen, Wartezeiten zu verkürzen und den Zugang zur Schmerzbehandlung zu verbessern.

Psychologische Behandlungen, wie die Akzeptanz- und Commitment-Therapie stellen mittlerweile ein Kernelement innerhalb der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) dar. Dabei lernen die Patienten, unangenehme und unveränderbare Empfindungen wie Schmerzen anzunehmen. Ein wertorientiertes Leben steht im Fokus. Studien weisen darauf hin, dass ACT gleichermaßen wirkt wie KVT (unter anderem Cognitive Behaviour Therapy 2016).

Internet­psychotherapie sollte Regelversorgung werden

Internetprogramme zur Prävention und Behandlung psychischer Erkrankungen erfordern mindestens die gleiche Sorgfalt wie Behandlungen im unmittelbaren Gegenüber in einer Praxis oder einem Krankenhaus. Diagnostik und Aufklärung müssen grundsätzlich im unmittelbaren Kontakt zwischen Psychotherapeut und Patient erfolgen. Wirksame Internetprogramme sollten zur Regelleistung für alle Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherung werden. Das fordert die Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) in einem Grundsatzpapier anlässlich des Symposiums „Internet in der Psychotherapie“, das heute in Berlin stattfindet.

Internetprogramme sollten als Medizinprodukt geprüft und zugelassen werden sowie von Psychotherapeuten und Fachärzten zu verordnen sein, erklärt die BPtK weiter. „Patienten sollten sich an einen Psychotherapeuten wenden, wenn sie sich unsicher sind, wie ein Internetprogramm einzuschätzen ist“, betonte BPtK-Präsident Dietrich Munz.

Die Kammer hat eine Checkliste entwickelt, mit der Patienten Internetprogramme für psychische Beschwerden und Erkrankungen einer ersten kritischen Überprüfung unterziehen können. „Jedes Programm sollte zumindest die Antworten auf die Fragen dieser Checkliste bieten“, erläuterte er. „Ist dies nicht möglich, sollte ein Patient die Finger davon lassen.“

Behandlungen psychischer Erkrankungen, bei denen sich Psychotherapeut und Patient nicht mehr von Angesicht zu Angesicht gegenübersitzen, bergen nach Ansicht der BPtK Risiken, die die Gesundheit des Patienten gefährden können.

„Bei den meisten Internetprogrammen fehlt ein zentrales Instrument, mit dem Psychotherapeuten das seelische Befinden ihrer Patienten einschätzen: der vollständige Eindruck und die körperliche Präsenz vom Patienten im unmittelbaren Gegenüber“, erklärte BPtK-Präsident Munz. Selbst bei Video-Telefonaten sei der audiovisuelle Eindruck auf einen Kameraausschnitt eingeschränkt. So könne der Psychotherapeut nicht sehen, wie der Patient in den Raum kommt oder wie er sich bewegt. Ebenso wenig könne er beispielsweise suizidale Motive des Patienten ausreichend über Mimik, Gestik, Körperhaltung und Stimmlage einschätzen.

Fachgerechte Diagnostik und Indikationsstellung gefordert

Grundlage für jede psychotherapeutische Behandlung ist eine fachgerechte Diagnostik und Indikationsstellung, stellt die BPtK klar. Für eine fachgerechte Diagnose sei grundsätzlich ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht unerlässlich, weil meist nur so ein ausreichender Eindruck vom Befinden des Patienten möglich ist. Bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen seien besondere Anforderungen an die Diagnostik, Kommunikation und Sorgfaltspflichten zu stellen. So müsse das Alter der Kinder beachtet werden, ob sie in der Lage sind, altersgemäß zu kommunizieren, oder ob Vorerkrankungen vorliegen, zum Beispiel Internetsucht.

Auch Aufklärung und Einwilligung in die Behandlung erfordern nach Ansicht der Bundes­psycho­therapeuten­kammer grundsätzlich einen unmittelbaren Kontakt des Psychotherapeuten mit dem Patienten. Nur so könne der Therapeut ausreichend sicherstellen, dass der Patient verstanden hat, in welche Behandlung er einwilligt. Bei Minderjährigen, die noch nicht selbst über eine Behandlung entscheiden können, müssten auch die Eltern oder andere Sorgeberechtigte aufgeklärt werden. Sie müssten zudem ausdrücklich der Behandlung zustimmen.

Geschützte Internetverbindung für Vertraulichkeit der Kommunikation

Für die psychotherapeutische Behandlung ist es nach Ansicht der BPtK unbedingt erforderlich, insbesondere E-Mail-Kommunikation und Video-Telefonate auf dem technisch höchsten Standard zu verschlüsseln und vor Ausspähen und Abfangen von Daten zu schützen. Ohne eine geschützte Internetverbindung könne ein Psychotherapeut die notwendige Vertraulichkeit nicht gewährleisten. Auch bei Internetprogrammen mit standardisierten Fragen und Antworten sei Datenschutz auf technisch höchstem Niveau notwendig. „Patienten sollten detailliert darüber informiert werden, welche Daten wie und wo erhoben und gespeichert werden, wie sie diese einsehen, weiterverwenden und löschen lassen können“, fordert BPtK-Präsident Munz.

Aktuell nutzen viele Krankenkassen Internetprogramme für psychische Erkrankungen, um sich von ihren Wettbewerbern zu unterscheiden. Das führt dazu, dass viele Internetprogramme nur für die Versicherten der jeweiligen Krankenkasse verfügbar sind. „Dies ist mit den Grundsätzen einer gesetzlichen Krankenversicherung nicht vereinbar. Bei Arzneimitteln wäre es undenkbar, dass eine Kasse einen Wirkstoffexklusiv ihren Versicherten zur Verfügung stellen kann“, kritisiert BPtK-Präsident Munz. Nachweislich wirksame Internetprogramme müssten allen Versicherten auf Kosten der Krankenkassen zur Verfügung gestellt werden können.

Internetprogramme als Medizinprodukte zertifizieren

Die BPtK fordert deshalb, Internetprogramme für Prävention und Behandlung psychischer Erkrankungen als Medizinprodukte zu prüfen und zu zertifizieren. Die Zulassung sollte, anders als bisher, nicht über unterschiedliche private Anbieter, sondern durch ein finanziell unabhängiges Institut, wie beispielsweise das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, erfolgen. Das Institut müsse für diese Aufgabe der Prüfung von medizinischer Software über ausreichend fachliche und personelle Ressourcen verfügen.

„Wirksame Internetprogramme müssen künftig durch Psychotherapeuten und Fachärzte verordnet werden können“, fordert BPtK-Präsident Munz. Dazu müssten diese Medizinprodukte in das Hilfsmittelverzeichnis aufgenommen werden. Für diese neue Produktgruppe müssten Mindestanforderungen an die Qualität festgelegt werden. „Wird ein Medizinprodukt verordnet, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die Nutzung solcher Programme durch ihre Versicherten“, betonte Munz.

BPtK-Checkliste für Patienten

Patienten sollten Internetprogramme für psychische Beschwerden und Erkrankungen kritisch hinterfragen, erklärt die BPtK schließlich. Häufig fehlten wichtige Informationen, um die Qualität und Datensicherheit der Programme beurteilen zu können. Bei einigen Programmen handele es sich um Präventionsangebote, zum Beispiel zur Stressreduktion, andere wurden gezielt zur Behandlung psychischer Krankheiten entwickelt. Einige Programme seien ohne Login von jedem zu nutzen, für andere muss der Nutzer ein Versicherter der jeweiligen Krankenkasse sein.

Unklar bleibe oft die Qualifikation der Berater oder Behandler, die für die individuelle Unterstützung der Versicherten zuständig sind. „Es ist nicht sichergestellt, dass sie Psychotherapeuten oder Ärzte sind“, sagte der BPtK-Präsident. Die BPtK stellt Patienten deshalb eine Checkliste (PDF: Seite 28) zur Verfügung, mit der sie Internetangebote in einem ersten Schritt kritisch prüfen können.

 

BPtK‐Patienten‐Checkliste
für Internetprogramme

Die BPtK rät Patienten, ihre psychischen Beschwerden in der Sprechstunde eines Psy­cho­­therapeuten abklären zu lassen, bevor sie ein Internetprogramm nutzen. Ein Internetprogramm kann grundsätzlich keine verlässlichen Diagnosen stellen. Als Ergänzung zu dieser Empfehlung einer persönlichen Beratung bei einem Psychotherapeuten hat die BPtK eine Checkliste entwickelt, mit der Patienten Internetprogramme für psychische Beschwerden und Erkrankungen selbst einer ersten Überprüfung unterziehen können. Jedes Programm sollte zumindest die Antworten auf die Fragen dieser Checkliste bieten. Ist dies nicht möglich, sollte ein Patient
das Programm nicht nutzen.

Angaben zum Programm
● Wer bietet das Programm an?
● Für wen ist das Programm gedacht (zum Beispiel Kinder, Jugendliche, Eltern, Erwachsene)?
● Wozu ist das Programm gedacht? Soll es über psychische Erkrankungen informieren
oder bietet es Unterstützung bei der Behandlung psychischer Erkrankungen?
● Basiert das Programm auf einem wissenschaftlich anerkannten psychotherapeutischen Verfahren?
● Wurde das Programm wissenschaftlich auf seine Wirksamkeit überprüft? Sind dafür Studien als Belege angegeben?
● Sind Risiken und Nebenwirkungen des Programms beschrieben? Ist insbesondere beschrieben, wer es nicht nutzen sollte?

Wer sind die Ansprechpartner?
● Gibt es einen direkten Ansprechpartner? Sind die direkten Ansprechpartner Psychotherapeuten oder Ärzte?
● Erhält der Nutzer individuelle Ratschläge? Wer gibt diese Ratschläge: ein Computer oder ein Psychotherapeut oder ein Arzt? Bekommt der Nutzer beispielsweise nur für ihn verfasste E‐Mails, die sich auf seine Angaben und Auskünfte beziehen?
● Wie viel Zeit erfordert das Programm pro Tag oder Woche? Wie lange dauert die Nutzung des Programms insgesamt? Wann und wo kann der Nutzer das Programm einsetzen? Gibt es eine mobile Version?
● Was kostet das Programm?

Was passiert in Krisensituationen?
● Erfasst das Programm regelmäßig, wie die Behandlung verläuft?
● Klärt das Programm über mögliche Krisensituationen auf und informiert, wohin sich Patienten im Notfall wenden können?
● Bietet das Programm die Möglichkeit, bei Krisen kurzfristig mit einem Psychotherapeuten oder Arzt zumindest telefonisch sprechen zu können?

Datensicherheit
● Welche Daten werden erhoben?
● Wo werden die Daten gespeichert?
● Wer hat Zugang zu den Daten?
● Werden die Daten ausschließlich für das Programm oder noch für andere Zwecke genutzt?
● Werden die Daten ausreichend gesichert? Werden Antworten verschlüsselt?
● Zeigt das Programm, wer sich (zuletzt) in einen Account eingeloggt hat?
● Wie lange werden die gespeicherten Daten aufbewahrt? Wird dem Nutzer das Recht zugesichert, seine Daten löschen zu lassen?

Baden-Württemberg steigt bei Onlineberatung für Süchtige ein

Stuttgart – Baden-Württemberg steigt in ein Beratungsportal für Cannabissüchtige ein. Wie das Sozialministerium heute mitteilte, beteiligt sich das Land an der Onlineberatung „Quit the Shit“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. „Gerade für junge Men­schen, die mit dem Kiffen aufhören wollen, ist eine Beratung per Smartphone eine echte Alternative zu den bereits bestehenden Beratungsstellen im Land“, sagte Sozialminister Manfred Lucha.

Das Land beteiligt sich einem Ministeriumssprecher zufolge etwa an den Personalkos­ten. So soll unter anderem eine halbe Stelle für eine Fachkraft finanziert werden. In diesem Jahr stehen demnach insgesamt maximal 37.500 Euro zur Verfügung, 2018 und 2019 sind es 45.000 Euro.

Über einen Link können sich Ausstiegswillige aus Baden-Württemberg bei der Plattform anmelden. Kern von „Quit the Shit“ ist demnach ein mehrwöchiges Beratungsprogramm, bei dem Interessierte individuell und online durch professionelle Berater dabei unter­stützt werden, ihren Cannabiskonsum in den Griff zu bekommen.

Hautärzte empört über Vergütung der Videosprechstunde

Berlin – Ab April kann die Videosprechstunde zulasten der gesetzlichen Kranken­ver­si­cherung (GKV) abgerechnet werden. Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und GKV-Spit­­­zen­ver­band hatten sich jüngst im Bewertungsausschuss auf die Vergütung ver­ständigt. Hef­ti­ge Kritik an dem Ergebnis kommt nun vom Berufsverband der Deutschen Der­ma­tologen (BVDD).

Der BVDD kritisierte heute, die neue Videosprechstunde werde „ohne ärztliche Vergü­tung“ Leistung der GKV und warnte „vor einem verheerenden Signal für die Nutzung von neuen Medien in der ambulanten Medizin“. Der Verband machte deutlich, dass die ge­plan­te Technikpauschale in Höhe von rund 200 Euro pro Arzt und Quartal viel zu gering ist. Zur Erinnerung: Ab April gibt es für jede Videosprechstunde, auch mehrmals im Be­hand­lungsfall, einen Technikzuschlag von 4,21 Euro. Die Anzahl ist auf 50 Mal im Quartal ge­deckelt.

Für Fälle, bei denen der Patient in einem Quartal nicht die Praxis aufsucht, wur­de eine analoge Regelung zum telefonischen Arzt-Patienten-Kontakt vereinbart. Ärzte können dann zusätzlich einmal im Behandlungsfall 9,27 Euro erhalten. Der Patient muss in den vorangegangenen zwei Quartalen mindestens einmal in der Praxis persönlich vor­stellig geworden sein und die Verlaufskontrolle muss durch dieselbe Praxis erfolgen wie die Erstbegutachtung.

Der BVDD bemängelt, dass von den zusätzlich möglichen 200 Euro pro Quartal für eine Arztpraxis über den Technikzuschlag nicht nur der Dienstanbieter für die Videoplattform honoriert werden müsse. Notwendig seien auch Investitionen in die Technik der Praxis und ein enormer büro­krati­scher Aufwand wie Aufklärung der Patien­ten, Schulungen und Abstimmung auf Termin­kalender und Praxisabläufe. Nicht zuletzt müsse der Arzt für die im Rahmen der Video­sprechstunde erhobenen Befunde und die daraus resultierenden Empfehlungen die Haftung übernehmen, ohne dass es dafür bisher belastbare Grund­lagen gebe.

„Es gehört schon eine gehörige Portion Igno­ranz und Arroganz dazu, diejenigen im Sys­tem, die Versorgung mitgestalten wollen und Lösungen für die drängenden Probleme der Demografie und der Landarztflucht an­bie­ten, derart vor den Kopf zu stoßen“, schreibt der Berufsverband.

Die Selbstverwaltung im Gesundheitswesen habe sich mit dieser Posse von einer zu­kunfts­orientierten Problem­lö­sung verabschiedet. „Man darf gespannt sein, wie lange sich der Gesetzgeber, der eine bessere Versorgung von gesetzlich Kran­kenversicherten durch Telemedizin fordert, die­se Farce weiter bieten lässt“, resümierten die Hautärzte.

Vergütung für Videosprechstunde festgelegt

Berlin – Die Videosprechstunde kann ab April als Leistung der gesetzlichen Kranken­ver­si­cherung (GKV) abgerechnet werden. Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und GKV-Spitzenverband haben sich im Bewertungsausschuss auf die Vergütung verstän­digt. Beschlossen wurde auch, bei welchen Krankheitsbildern eine Videosprechstunde zur Verlaufskontrolle infrage kommt und welche Arztgruppen die Videosprechstunde ein­setzen dürfen.

Die Vergütung besteht künftig aus zwei Komponenten: Ab April gibt es für jede Video­sprechstunde einen Technikzuschlag von 4,21 Euro. Die Anzahl ist auf insgesamt 50 Mal im Quartal gedeckelt. Der Bewertungsausschuss geht nach Angaben der KBV davon aus, dass eine Kostendeckung bereits bei zwei Videosprechstunden pro Woche erreicht ist. Die Lizenzgebühren für Videodienste liegen aktuell bei etwa 100 Euro im Quartal.

Die KBV weist darauf hin, dass Videosprechstunden eine persönliche Vorstellung in der Praxis ersetzen sollen. Die Konsultation sei deshalb Inhalt der Versicherten- beziehungs­­weise Grundpauschale und somit nicht gesondert berechnungsfähig. Für Fälle, bei de­nen der Patient in einem Quartal nicht die Praxis aufsucht, wurde eine analoge Rege­lung zum telefonischen Arzt-Patienten-Kontakt vereinbart.

Ärzte können dafür einmal im Behand­lungsfall ab dem 1. April 9,27 Euro erhalten. Vo­raus­setzung ist, dass der Patient in den vorangegangenen zwei Quartalen mindestens einmal in der Praxis per­sön­lich vor­stell­ig geworden ist und die Verlaufskontrolle durch die­selbe Praxis erfolgt wie die Erst­begutachtung. Diese Vorgabe ist laut KBV notwendig, weil Ärzte sonst gegen das Fern­be­handlungsverbot verstoßen könnten.

Außerdem wurde vereinbart, dass für eine Reihe von Gebührenordnungspositionen, die mindestens drei persönliche Arzt-Patienten-Kontakte im Behandlungsfall voraussetzen, einer dieser Kontakte auch im Rahmen einer Videosprechstunde stattfinden kann. Dies gilt unter anderem für die Behandlung von Wunden, eines Dekubitus und Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates.

Indikationen und Arztgruppen festgelegt

Für eine Videosprechstunde sind aus Sicht des Bewertungsausschusses nicht alle Krank­heitsbilder geeignet, weshalb die Leistung zunächst nur für bestimmte Indikationen vergütet wird. Dazu zählen die visuelle Verlaufskontrolle von Operationswunden, Bewe­gungseinschränkungen und -störungen des Stütz- und Bewegungsapparates sowie die Kontrolle von Dermatosen, einschließlich der diesbezüglichen Beratung. Daneben kann auch die Beurteilung der Stimme, des Sprechens oder der Sprache per Videosprech­stunde erfolgen. Eine Erweiterung des Leistungsspektrums ist vorgesehen.

Grundlage für die Festlegung der Krankheitsbilder waren laut KBV Erfahrungsberichte aus ver­schiedenen Pilotprojekten. Zudem schreibe der Gesetzgeber vor, dass Video­sprech­stun­den nur für Verlaufskontrollen bei bekannten Patienten gefördert werden sollen.

Festgelegt wurden auch die Arztgruppen, die Videosprechstunden einsetzen und ab­rech­nen können. Dies sind unter anderem Hausärzte, Kinder- und Jugendärzte sowie bestimmte weitere Facharztgruppen wie Haut- und Augenärzte, Chirurgen und Orthopä­den.

Technische Rahmenbedingungen beachten

Ärzte, die Videosprechstunden anbieten wollen, müssen sich laut Vereinbarung eines Videodienstanbieters bedienen. Dieser muss über entsprechende Sicherheitsnachweise verfügen. So muss die Videosprechstunde während der gesamten Übertragung nach dem Stand der Tech­nik Ende-zu-Ende verschlüsselt sein. Festgelegt ist zudem, dass die apparative Ausstat­t­ung der Praxis und die elektronische Datenübertragung eine ange­messe­ne Kommuni­ka­­tion mit dem Patienten gewährleisten müssen.

Im E-Health-Gesetz war vorgesehen, dass Videosprechstunden ab dem 1. Juli 2017 fi­nan­ziell gefördert werden. Durch den frühzeitigen Vertragsabschluss zur Vergütung kann das neue Angebot drei Monate eher an den Start gehen.

Ärzte und Psychotherapeuten offen für neue digitale Möglichkeiten im Gesundheitswesen

Hamburg – Das Interesse an Videosprechstunden und anderen digitalen Möglichkeiten wächst bei Ärzten, Zahnärzten und psychologischen Psychotherapeuten. „Rund die Häl­fte aller Ärzte kann sich vorstellen, Videosprechstunden mit Patienten abzuhalten“, be­rich­tete die Stiftung Gesundheit Mitte Januar in Hamburg. Sie beruft sich dabei auf eine Umfrage im Rahmen ihrer Studienreihe „Ärzte im Zukunftsmarkt Gesundheit“. Diese Stu­dienreihe bearbeitet die Stiftung seit 2005.

Danach war im Jahr 2015 rund ein Drittel der Ärzte Videosprechstunden gegenüber auf­geschlossen. Im Jahr 2016 stieg der Anteil der Befürworter auf 47 Prozent und jener der Gegner von 61,3 Prozent auf 53 Prozent.

Diejenigen Ärzte, die Videosprechstunden positiv gegenüberstehen, wurden zusätzlich ge­fragt, bei welchen Patientengruppen sie sich diese Kommunikationsform besonders gut vorstellen könnten. An erster Stelle nannten die Ärzte dabei Patienten, die nur ein­ge­schränkt mobil sind (81,6 Prozent). Weitere sinnvolle Zielgruppen wären Patienten, die ei­nen weiten Anfahrtsweg zur Praxis haben (72,3 Prozent) sowie chronisch kranke Pa­tien­ten (52,8 Prozent).

Die Stiftung hatte für ihre Online-Befragung im Sommer 2016 10.000 Ärzte, Zahnärzte und psychologische Psychotherapeuten angeschrieben. Der Rücklauf betrug 3,74 Pro­zent. Erwartet hatte die Stiftung einen Rücklauf von drei Prozent.

Das E-Health-Gesetz sieht vor, dass ab Juli 2017 Online-Videosprechstunden finanziell ge­fördert werden. Hierbei geht es um eine telemedizinisch gestützte Betreuung von Pa­tienten, die eine wiederholte persönliche Vorstellung in der Praxis ersetzen soll.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) weist in diesem Zusammenhang auf das sogenannte Fernbehandlungsverbot hin, das bekanntlich Bestandteil der ärztlichen Mus­terberufsordnung ist. Danach dürfen Ärzte individuelle Behandlungen und Bera­tungen nicht ausschließlich über Kommunikationsmedien abwickeln. Bei telemedizini­schen Ver­fah­ren muss gewährleistet sein, dass ein Arzt den Patienten unmittelbar behandelt. „So­mit ist die Fernbehandlung nicht grundsätzlich verboten, sondern nur die ‚ausschließ­liche‘ Fernbehandlung“, informiert die KBV.