Die Alkohol-in-Maßen-Lüge

Alkohol ist nicht gesund, auch nicht in Maßen. Das ist das ernüchternde Ergebnis einer weltweiten Meta-Analyse zum Alkoholkonsum und seinen gesundheitlichen Folgen. Zahlreicher Expertenaussagen zum Trotz tut uns das tägliche Glas Rotwein wohl doch nicht so gut.

Obwohl die Wissenschaft Alkoholkonsum als maßgeblichen Risikofaktor für frühzeitigen Tod sowie Behinderungen anerkennt, gibt es auch immer wieder Aussagen, ein niedriger Konsum von Alkohol könne auch positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Gestern wurde im Lancet eine Studie veröffentlicht, in der das Gegenteil behauptet wird. Die Autoren stellen die Aussagekraft von wissenschaftlicher Thesen, in denen moderater Alkoholkonsum unkritisch oder sogar positiv bewertet wird, infrage.

So wurde untersucht

Die großangelegte Meta-Analyse ist ein von der Bill & Melinda Gates Foundation finanziertes Projekt. Es wurden 694 unterschiedliche Datenquellen zu individuellem und bevölkerungsbezogenem Alkoholkonsum untersucht, sowie weitere 592 prospektive und retrospektive Studien zu Risiken von Alkoholkonsum. Die Auswertung wurde im Global Burden of Disease Report aus dem Jahr 2016 zusammengefasst. Die Werte beziehen sich auf Männer und Frauen im Alter von 15 bis 95 Jahren und älter (gruppiert in 5-Jahres-Abständen) von 195 verschiedenen Orten im Zeitraum von 1990 bis 2016.

Anhand dieser Daten wurden folgende Werte ermittelt:

Im Rahmen der Analyse wurde ein „Standard-Drink“ mit 10 g oder 12 Milliliter purem Ethanol pro Getränk definiert. Bei der Häufigkeit des Trinkens setzten die Forscher strenge Maßstäbe an: Als Gelegenheitstrinker galten Personen bereits, wenn sie in den vergangen 12 Monaten ein oder mehr alkoholische Getränke zu sich genommen hatten.

Im Zuge der Studie fand man heraus, dass im Jahr 2016 weltweit etwa 2,4 Milliarden Menschen gelegentlich oder häufiger Alkohol tranken. Davon sind 25 Prozent Frauen, die täglich durchschnittlich 0,73 alkoholische Getränke zu sich nehmen. Bei den Männern sind es 39 Prozent, die durchschnittlich 1,7 Drinks am Tag trinken.

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Tod durch Alkohol: Länder- und Gendervergleich

Alkohol war im Jahr 2016 der führende Risikofaktor für Erkrankungen und frühzeitigen Tod weltweit bei Männern und Frauen zwischen 15 und 49 Jahren. Weltweit war Alkohol für 2,2 Prozent der Todesfälle bei Frauen und 6,8 Prozent der Männer verantwortlich, so das Ergebnis der Studie.

Für die Altergsgruppe 50 plus waren Krebserkrankungen der Hauptgrund alkoholbedingter Tode, in der Gruppe der 15- bis 49-Jährigen waren es Verkehrsunfälle, Selbstverletzungen und Tuberkulose. Bezogen auf alle Altersgruppen wurde der Konsum von Alkohol in diesem Jahr mit 2,8 Millionen Toden asoziiert, dazu zählen neben den genannten Gründen mit Alkohol in Verbindung stehende Herzerkrankungen, Gewalteinwirkung sowie Brandunfälle oder Ertrinken.

Wenig überraschend aufgrund der Einwohnerzahlen führen China, Indien und Russland die weltweite Liste der alkoholbedingten Tode bei Frauen und Männern an. Die USA sind bei Männern an fünfter und bei Frauen an siebter Stelle, Großbritannien an 21. Stelle bei den Männern, dafür an neunter bei den Frauen. Deutschland befindet sich sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen auf dem achten Platz, wie aus einer von CNN erstellten Tabelle hervor geht.

Am besten ist kein Alkohol

„Die gesundheitlichen Risiken, die mit Alkohol assoziiert werden, sind massiv,“ wird Seniorautorin Dr. Emmanuela Gakidou in der Pressemitteilung des Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) zitiert. „Unsere Ergebnisse decken sich mit anderen aktuellen Forschungen, die klare und überzeugende Korrelationen zwischen Alkoholkonsum und frühzeitigem Tod, Krebs und kardiovaskulären Problemen nahelegen. Ein Verzicht auf Alkohol minimiert das allgemeine Risiko für gesundheitliche Schäden.“

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Besonders überrascht waren sie darüber, dass auch kleine Mengen an Alkohol nicht zu verharmlosen sind. „Für gewöhnlich hört man, dass ein Drink oder zwei pro Tag in Ordnung sind. Aber Beweise sind Beweise,“ betont Gakidou. Verglichen mit Menschen, die gelegentlich oder öfter Alkohol trinken, ist bei Menschen, die gar keinen Alkohol trinken, das relative Risiko für gesundheitliche Beeinträchtigungen minimiert. Das Risiko stieg monoton mit steigender Menge an täglich konsumiertem Alkohol, berichten die Autoren.

Häufiger Wohnungswechsel erhöht Psychoserisiko bei Kindern und Jugendlichen

Ein häufiger Wohnungswechsel der Familie ging in einer prospektiven Kohortenstudie in JAMA Psychiatry (2018; doi: 10.1001/jamapsychiatry.2018.2233) mit einem erhöhten Psychoserisiko von Kindern einher, das im Teenageralter besonders ausgeprägt war. Die Forscher vermuten die Ursache in einer sozialen Isolierung der Betroffenen während einer für die Persönlichkeitsbildung wichtigen Lebensphase.

Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass jugendliche Flüchtlinge ein erhöhtes Risiko haben, an einer Psychose zu erkranken. Neben der internationalen Migration gibt es jedoch in den meisten Ländern auch eine innerstaatliche: Wenn die Eltern eine bessere Wohnung in einem anderen Stadtteil gefunden haben oder aus beruflichen Gründen umziehen, müssen auch die Kinder und Jugendlichen den Wohnort wechseln.

Der Umzug ist meistens mit einem Wechsel der Schule verbunden. Die Kinder und Jugendlichen müssen sich einen neuen Freundeskreis suchen. Dies kann rasch zu einer Verschlechterung der schulischen Leistungen führen, und die Kinder geraten in einer Lebensphase, in der Freunde als „Peer-group“ von großer Bedeutung für die Entwicklung von Selbstwertgefühl und Persönlichkeit sind, schnell in eine soziale Isolation.

Die meisten Kinder und Jugendlichen überwinden die Krise nach einiger Zeit. Bei einer fragilen Persönlichkeit kann es jedoch zum Ausbruch einer Psychose kommen. Ein Team um James Kirkbride vom University College London hat den Einfluss der innerstaatlichen Migration auf das Psychoserisiko durch einen Abgleich der Einwohnermelderegister mit dem nationalen Krankenhausregistern untersucht. Die Forscher führten die Untersuchung in Schweden durch, weil dort die Einwohner eine Personalnummer haben, die in allen Registern verwendet wird.

Die Untersuchung umfasst 1,4 Millionen Schweden, die zwischen 1982 und 1995 ihren 16. Geburtstag hatten. Von diesen sind 4.537 wegen einer nichtaffektiven Psychose später in einer Klinik behandelt worden. Die Erkrankung trat im Mittel im Alter von 21 Jahren auf. Der Stessor Wohnungs- und Umgebungswechsel lag da meist schon viele Jahre zurück.

Am meisten gefährdet waren Jugendliche im Alter von 16 bis 19 Jahren. Schon ein einziger Umzug war in dieser Lebensphase mit einem um 45 Prozent erhöhten Psychoserisiko verbunden. Kinder, die in dieser Zeit 4-mal oder noch häufiger den Wohnort wechselten, hatten sogar ein 4-fach erhöhtes Risiko.

Es ließ sich zwar häufig auf andere Faktoren wie frühere Umzüge oder schlechtere schulische Leistungen zurückführen (wobei letztere auch eine Folge des häufigeren Ortswechsels gewesen sein könnten). Es blieb jedoch ein signifikant erhöhtes Risiko übrig, dass mit der Zahl der Umzüge von 28 % bei einem Umzug auf 99 % bei 4 oder mehr Umzügen anstieg.

Am zweitgrößten war der Einfluss bei jüngeren Kindern im Alter von 5 bis 15 Jahren. Das Psychoserisiko stieg hier (nach Berücksichtigung anderer Risikofaktoren) um 22 %, wenn die Eltern einmal umgezogen waren, beziehungsweise um 95 % bei 4 oder mehr Umzügen.

Selbst bei Vorschulkindern waren die Umzüge der Eltern mit einem 13 bis 83 % (nach 1 oder nach 4 oder mehr Umzügen) erhöhten Psychoserisiko verbunden. Kirkbride rät deshalb den Psychiatern, bei ihren jugendlichen Patienten immer auch nach Umzügen der Eltern zu fragen und die entsprechenden Probleme durch Isolation und gestörter Selbstwertfindung zu thematisieren.

Transkranielle Magnetstimulation lindert Zwangsstörungen

Silver Spring/Maryland – Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat erstmals ein Gerät zur tiefen transkraniellen Magnetstimulation für die Behandlung von Zwangsstörungen zugelassen. Der Hersteller hatte in einer randomisierten Studie zeigen können, dass die auf den anterioren cingulären Cortex gerichteten Impulse die Beschwerden der häufigen Störung abschwächen.

Vermutlich zwischen 1 bis 3 % der Bevölkerung erkranken im Verlauf ihres Lebens an Zwangsstörungen. Sie werden durch wiederkehrende unerwünschte Gedanken („Obsessionen“) gequält oder sehen sich gezwungen, Handlungen durchzuführen, deren Sinnlosigkeit ihnen bewusst ist, die sie aber nicht abstellen können. Die Zwangs­störungen beginnen oft bereits in der Jugend und begleiten viele Patienten ein Leben lang.

Die Behandlung besteht derzeit in einer Therapie mit Antidepressiva aus der Gruppe der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), die bei Patienten mir Zwangsstörungen häufig in sehr hoher Dosierung erfolgen muss und/oder in einer Psychotherapie, die heute in der Regel aus einer kognitiven Verhaltenstherapie besteht. Beide Therapien sind etwa bei der Hälfte der Patienten nicht erfolgreich und im Fall der SSRI mit Nebenwirkungen verbunden.

Als „dritter“ Weg wird derzeit die transkranielle Magnetstimulation (TMS) untersucht. Sie basiert auf einem neurobiologischen Modell, nach dem Zwangsstörungen durch eine „Imbalance“ in neurologischen Schaltkreisen sind, die mit starken Magnetfeldern von außen beeinflusst werden können. Die Therapie hat gegenüber einer tiefen Hirnstimulation, die sich bereits in klinischen Studien als wirksam erwiesen hat, den Vorteil, dass die Behandlung non-invasiv ist und deshalb nicht mit den Risiken eines chirurgischen Eingriffs behaftet ist.

Das Unternehmen BrainsWay mit Sitz in Jerusalem hat sich auf die Entwicklung von Geräten für die TMS spezialisiert. Für die Behandlung der Major-Depression hat der Hersteller aus Israel bereits 2008 in den USA eine Zulassung erhalten. Seit 2013 dürfen auch Patienten mit bestimmen Formen der Migräne behandelt werden.

Der „H1-coil“, der den lateralen präfrontalen Cortex direkt unterhalb der Schädeldecke stimuliert, kann jedoch zur Behandlung von Zwangsstörungen nicht verwendet werden. Für die neue Indikation wurde der „H7-coil“ entwickelt, der die Neuronen des anterioren cingulären Cortex erreicht, einer tieferen Hirnregion im Frontallappen der Großhirnrinde.

Die Wirksamkeit wurde in den letzten Jahren in einer randomisierten kontrollierten Studie untersucht, an der an 12 Zentren in Nordamerika und Israel 100 Patienten mit Zwangsstörungen teilnahmen.

Bei den Patienten im Alter zwischen 22 und 68 Jahren war eine Zwangsstörung nach den Kriterien des DSM-IV-TR diagnostiziert worden mit mindestens 20 Punkten auf der Yale-Brown Obsessive Compulsive Scale (Y-BOCS), die die Symptome mit maximal 40 Punkten bewertet.

Die Patienten setzten ihre frühere Therapie (Medikamente, Psychotherapie) fort und führten zusätzlich eine Behandlung mit der „deep“ TMS durch. Die Anwendungen erfolgten zunächst 5-mal, später 4-mal pro Woche über 6 Wochen mit insgesamt 29 Sitzungen. Die Geräte erzeugten jedoch nur bei 49 Patienten ein Magnetfeld. Die anderen 51 Patienten erhielten eine Scheinbehandlung, ohne dies zu wissen.

Endpunkt der Studie war der Y-BOCS nach 6 Wochen, wobei ein Rückgang um mindestens 30 % als Therapieantwort eingestuft wurde. Die Ergebnisse der Studie wurden bisher nicht publiziert. Nach Angaben des Herstellers und der FDA erzielte die „deep“ TMS bei 38 % der Patienten eine Therapieantwort gegenüber 11 % nach der Scheinbehandlung, was ein signifikanter und klinisch relevanter Vorteil war, der jetzt zur Zulassung in den USA führte.

Die häufigste Nebenwirkung der Behandlung besteht laut FDA in Kopfschmerzen, die von 37,5 % der Patienten berichtet wurden, die die TMS durchführten gegenüber 35,3 % in der Kontrollgruppe. Schwerwiegende Komplikationen wurden in der Studie nicht beobachtet. Andere Nebenwirkungen wie Schmerzen oder Beschwerden an der Applikationsstelle, Kieferschmerzen, Gesichtsschmerzen, Muskelschmerzen, Krämpfe oder Zuckungen und Nackenschmerzen waren laut FDA leicht oder mittelschwer. Sie verschwanden kurz nach der Behandlung.

Die Behandlung ist kontraindiziert bei Patienten mit metallischen Objekten im oder in der Nähe des Kopfes. Dazu gehören implantierte Stimulationsgeräte, Cochlea-Implantate, Tiefenhirnstimulatoren, Vagusnervstimulatoren, aber auch Clips oder Coils, die zur Behandlung von Aneurysmen chirurgisch implantiert oder endoskopische platziert werden, oder Stents zur Dilatation von Hirngefäßen. Die Patienten dürfen bei der Behandlung auch keinen Schmuck oder Haarspangen aus Metall tragen. Während der Behandlung muss der Patient Ohrstöpsel verwenden, um sich vor den lauten Geräuschen des Geräts zu schützen.

Zusammenhang zwischen Herpesviren und Depression vermutet

Würzburg – Patienten mit bipolaren und schweren depressiven Störungen zeigen in den Purkinje-Neuronen im Kleinhirn eine hohe Infektionsrate mit dem menschlichen Herpesvirus HHV-6. Das berichten Wissenschaftler vom Institut für Virologie und Immunbiologie der Universität Würzburg gemeinsam mit Forschern in den USA. Die Arbeit ist der Zeitschrift Frontiers in Microbiology erschienen (2018; doi: 10.3389/fmicb.2018.01955).

Es ist schon seit Längerem bekannt, dass erbliche Faktoren das Risiko erhöhen, an verschiedenen Arten psychiatrischer Störungen wie bipolaren Störungen, schweren Depressionen und Schizophrenie zu erkranken, hieß es aus der Arbeitsgruppe um Bhupesh Prusty, Gruppenleiter am Lehrstuhl für Mikrobiologie.

Daneben habe es allerdings immer wieder auch Hinweise darauf gegeben, dass Umweltfaktoren in dem Krankheitsgeschehen eine Rolle spielen können – vor allem, wenn sie in jungen Jahren eine Entzündung im Nervensystem verursachen. „Viren können die Entwicklung von Nervenzellen stören und die Interaktion mit dem Immunsystem in wichtigen Entwicklungsstadien behindern“, erklärte Prusty.

Prusty und sein Team hatten den Verdacht, dass menschliche Herpesviren vom Typ HHV-6A und HHV-6B eine Schlüsselrolle bei der Entstehung psychiatrischer Störungen spielen könnten. Sie haben deshalb zwei der größten menschlichen Hirnbiopsie-Kohorten des Stanley Medical Research Institute analysiert und wurden dabei fündig.

„Wir konnten bei Patienten mit bipolaren und schweren depressiven Störungen eine erhöhte Rate von aktiven Infektionen mit humanen Herpesviren vorwiegend in Purkinje-Zellen des menschlichen Kleinhirns nachweisen“, fasst Prusty das zentrale Ergebnis der Studie zusammen.

Purkinje-Zellen sind ein Bestandteil des menschlichen Kleinhirns – dem Teil des Gehirns, das in erster Linie für motorisches Lernen und die Feinsteuerung von Muskelspannung und Bewegungen zuständig ist, das aber auch Gefühle, Wahrnehmung, Gedächtnis und Sprache beeinflusst.

In einem nächsten Schritt wollen die Würzburger Wissenschaftler nun molekularen Mechanismen entschlüsseln, den die Herpesviren an Purkinje-Neuronen auslösen und über die gegebenenfalls Schäden entstehen.

Bewegung verbessert die psychische Gesundheit – jedoch nur im zeitlichen Rahmen

Menschen, die sich sportlich betätigen, berichten seltener über depressive Phasen oder eine zuvor diagnostizierte Depression. In einer Beobachtungsstudie mit 1,2 Millionen US-Bürgern hatten Mannschaftssportarten, Radfahren, Aerobic und der Besuch des Fitnessstudios den größten Effekt, berichten Forscher in The Lancet Psychiatry (2018; doi: 10.1016/S2215-0366(18)30227-X).

Die Studienteilnehmer hatten 2011, 2013 und 2015 die Umfrage zum Behavioural Risk Factor Surveillance System abgeschlossen. Sie mussten schätzen, wie viele Tage sie ihre psychische Gesundheit im vergangenen Monat als „nicht gut“ bewerten würden, basierend auf Stress, Depressionen und emotionalen Problemen.

Im Durchschnitt fühlten sich die Teilnehmer jeden Monat 3,4 Tage „nicht gut“. Wer sich nicht bewegte, klagte monatlich 1,5 Tage mehr über eine schlechte psychische Gesundheit (Reduktion um 43,2 %; 2,0 Tage versus 3,4 Tage). Bewegung verringerte depressive Tage bei Personen, bei denen eine diagnostizierte Depression vorlag, um 3,75 Tage verglichen mit nicht trainierten Personen (Reduktion um 34,5%; 7,1 Tage versus 10,9 Tage).

Dabei zeigten alle Formen der Bewegung einen positiven Effekt – allen voran Mannschaftssport, der die psychischen Gesundheitstage um 22,3 % verringerte, Radfahren um 22,6 % und Aerobic und Fitnesstraining um 20,1 %. Selbst Hausarbeit ging mit einer besseren psychischen Gesundheit einher. Die psychisch belasteten Tage sanken um etwa 10 %.

Mehr Bewegung ist nicht immer besser

Den größten Effekt erzielten Teilnehmer, die 3- bis 5-mal pro Woche 45 Minuten trainierten. Wer sich jedoch mehr als 3 Stunden pro Tag körperlich betätigte, hatte sogar eine schlechtere psychische Gesundheit als jene, die sich gar nicht bewegten.

Die Studie umfasste 75 Arten körperlicher Aktivität, von Kinderbetreuung, Hausarbeit, Rasenmähen und Angeln bis hin zu Radfahren, Fitness, Laufen und Skifahren.

„Bewegung ist mit einer geringeren psychischen Belastung für Menschen verbunden, unabhängig von Alter, Rasse, Geschlecht, Haushaltseinkommen und Bildungsniveau“, sagt Adam Chekroud von der Yale University.

Nicht alle früheren Untersuchungen zur Auswirkungen von körperlicher Bewegung auf die psychische Gesundheit können dieses Ergebnis bestätigen. Eine Studie in BMJ mit 361 Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 69 Jahren konnte keinen positiven Einfluss auf Depressionen feststellen. Und auch Forscher der University of Cambridge fanden keinen Zusammenhang bei mehr als 700 Jugendlichen (Jama Pediatrics 2014).

Bewegung könnte mehr bewirken als soziale Faktoren

Im Vergleich zu Bewegung konnten soziale oder demografische Faktoren einen geringeren Einfluss auf die psychische Gesundheit nehmen. So hatten Menschen mit einer Collegeausbildung etwa eine 17,8-prozentige Reduktion schlechter psychischer Gesundheitstage im Vergleich zu Menschen ohne Bildung; ähnlich groß war der Vorteil für Menschen, die mehr als 50.000 US-Dollar verdienen verglichen mit Menschen, die weniger als 15.000 US-Dollar verdienen. Besonders gering war der Zusammenhang mit dem BMI: Ein normaler BMI ging mit einer Reduktion von 4 % einher im Vergleich zu Menschen, die übergewichtig waren.

L-Acetyl-Car­nitin-Mangel im Blut zeigt Depressionen an

Einige Patienten mit Major-Depression haben einen Mangel an L-Acetyl-Carnitin, einem Molekül mit vielfältigen Wirkungen im Gehirn. Die in den Proceedings of the National Academy of Sciences(2018; doi: 10.1073/pnas.1801609115) vorgestellten Ergebnisse deuten auf ein therapeutisches Potenzial der einfachen Substanz hin, die in früheren Studien Depressionen bei Ratten innerhalb kurzer Zeit gelindert hat.

L-Acetyl-Carnitin (LAC) ist ein Donor von Acetylgruppen, der ursprünglich nur mit dem Energiestoffwechsel in Verbindung gebracht wurde. LAC erleichtert den Transfer von Fettsäuren aus dem Zytosol in die Mitochondrien. Die Fettsäuren werden dort als Rohstoff für die Beta-Oxidation verwendet.

In einer früheren Studie konnte Carla Nasca von der Rockefeller Universität in New York zeigen, dass LAC eine wichtige Funktion im Gehirn hat. Im Hippocampus und im frontalen Cortex hemmte LAC die Aktivität von exzitatorischen glutaminergen Neuronen. Dies hatte bei den Versuchstieren eine rasche Linderung von depressiven Symptomen zur Folge (PNAS 2013; 110: 4804–4809).

In der aktuellen Studie haben die Forscher die Rolle von LAC bei klinischen Depressionen untersucht. Sie bestimmten die Serumkonzentration von LAC bei 71 Patienten im Alter von 20 bis 70 Jahren, bei denen eine Depression diagnostiziert worden war: 28 Patienten hatten zum Zeitpunkt der Studie eine moderate Depression, die anderen 43 Patienten litten an einer schweren Depression.

Die Laboruntersuchungen ergaben, dass die Patienten niedrigere LAC-Konzentrationen im Serum hatten als 45 gesunde Kontrollen ohne Gemütsstörungen. Die niedrigsten LAC-Werte wurden bei den Patienten mit den schwersten Depressionen gefunden. Dazu gehörten Patienten, deren Depression nicht auf die Behandlung mit Antidepressiva angesprochen hatten sowie Patienten mit einem frühen Beginn der Depression, insbesondere solchen, die Missbrauch, Vernachlässigung, Armut oder Gewalt in der Kindheit erlebt hatten.

Die Ergebnisse legen nahe, dass zumindest bei einigen Patienten mit Major-Depression eine Behandlung mit LAC wirksam sein könnte. Derzeit wird dies nicht empfohlen. Die Studienlage ist dürftig. Eine Übersicht konnte lediglich 4 ältere Studien ermitteln, in denen LAC sich als ebenso effektiv erwiesen hatte wie Fluoxetin oder das Antipsychotikum Amisulprid (J Psychiatr Res. 2014; 53: 30–7). Auch die Frage, ob LAC die Wirkung von konventionellen Antidepressiva verstärken kann, ist nicht ausreichend untersucht (Psychosom Med 2018; 80: 154–159). Nasca hofft, dass ihre Ergebnisse weitere klinische Studien mit einer größeren Teilnehmerzahl veranlassen wird.

Alternativmedizin profitiert vom Glauben an Verschwörungs­theorien

Je stärker die Verschwörungsmentalität einer Person ausgeprägt ist, desto mehr befürwortet diese Person alternative Verfahren und umso mehr lehnt sie konventionelle Heilmethoden wie Impfungen oder Antibiotika ab. Das berichten Wissenschaftler um Pia Lamberty und Roland Imhoff vom Psychologischen Institut der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Lamberty untersucht derzeit die Rolle von Verschwörungstheorien für Radikalisierungsprozesse im Rahmen ihrer Dissertation.

Eine „Verschwörungsmentalität“ gilt unter Psychologen als ein stabiles Persönlichkeits­merkmal. Diese Menschen mit einer starken Tendenz, an Verschwörungstheorien zu glauben, meinen, die Welt sei von verborgenen Mächten beherrscht.

Lamberty und Imhoff befragten ihre Probanden – 392 Studienteilnehmer in Deutsch­land und 204 in den USA – über die Nutzung von 37 verschiedenen Verfahren von Aromatherapie und Bachblüten über Hypnose und Yoga bis zu Antibiotika und Bluttransfusion. Die Teilnehmer sollten beispielsweise angeben, wie häufig sie die jeweilige Therapie nutzen und wie effektiv sie ihrer Meinung nach ist. „In Deutschland fanden wir einen eindeutigen, unglaublich starken Zusammenhang zwischen Verschwörungsmentalität und Befürwortung alternativer Methoden“, so Lamberty. In den USA bestehe ebenfalls eine Korrelation, allerdings nicht so stark ausgeprägt.

Zwei weitere Studien untermauerten den Befund und zeigten laut Lamberty und Imhoff, dass die Brücke zwischen einer Verschwörungsmentalität als einer politischen Haltung und der Bevorzugung von Alternativmedizin in einem Misstrauen gegenüber Macht begründet liegt. „Alles, was mit Macht in Verbindung gebracht wird, zum Beispiel die Pharmaindustrie, wird von Verschwörungstheoretikern sehr skeptisch beurteilt“, so Lamberty.

Die Wissenschaftler heben die Bedeutung dieser Befunde für das Gesundheitswesen hervor. „Das individuelle Verständnis einer Erkrankung und die Wahl der Behandlung kann also mehr von ideologiegeprägten Persönlichkeitsmerkmalen abhängen als von rationalen Überlegungen“, berichten sie.

Eine Verschwörungsmentalität könne beeinflussen, was Patienten für die eigentliche Ursache einer Erkrankung hielten, was sie als Anfangssymptom und physiologische Reaktion ansähen und wen oder was sie für ihre Behandlung auswählten.

Die beiden Psychologen machen aber auch deutlich, dass für die Interpretation der Studienergebnisse der Umkehrschluss nicht gilt: Nicht jeder, der zu alternativen Heilmitteln greift, glaubt auch an Verschwörungstheorien!

Auch Väter erkranken an postnatalen Depressionen

Postnatale Depressionen treten nicht nur bei Müttern auf. Eine Studie in JAMA Pediatrics (2018; doi: 10.1001/jamapediatrics.2018.1505) zeigt, dass auch Väter nach der Geburt eines Kindes in ein „emotionales Loch“ fallen können.

Die postpartale Depression ist so häufig, dass die American Academy of Pediatrics inzwischen zu einem Screening der Mütter rät. Das allgemein anerkannte Instrument ist die Edinburgh-Postnatal-Depressions-Skala (EPDS), in dem Mütter 10 Fragen zu ihrer Befindlichkeit beantworten. In Indiana wird eine vereinfachte Form (EPDS-3) verwendet, in der nur 3 Fragen gestellt werden. Die Mütter füllen den Fragebogen in der Regel im Wartezimmer aus.

Da heute vielfach die Väter Mutter und Kind bei den Arztterminen begleiten, haben Erika Cheng von der Indiana University School of Medicine den Fragebogen den Vätern vorgelegt.

Ergebnis: Bei 2.946 von 9.572 (30,8 %) Klinikbesuchen war auch die Väter anwesend. Diese füllten in 806 Fällen (8,4 %) den Fragebogen aus. Bei insgesamt 36 Vätern (4,4 %) wurden Hinweise auf postnatale Depressionen gefunden. Der Anteil war kaum geringer als bei den Müttern, von denen 5,0 % Zeichen einer postnatalen Depression aufwiesen. Der Anteil der Väter an allen postnatalen Depressionen betrug 11,7 %.

Da Väter sich in der heutigen Zeit mehr um die Kinder kümmern als in früheren Generationen, können postnatale Depressionen negative Auswirkungen auf die Entwicklung der Kinder haben, befürchtet Cheng. Sie rät deshalb dazu, auch die Väter zu screenen. Die American Academy of Pediatrics hat das Problem erkannt und bereits 2016 einen Report zur Rolle der Väter veröffentlicht.

1.271 Gene beeinflussen den Erfolg in Schule und Ausbildung

Welchen Schulabschluss ein einzelner Mensch erreichen kann, hängt unter anderem von seinem Erbgut ab. Eine genomweite Assoziationsstudie (GWAS) ermittelt in Nature Genetics (2018; doi: 10.1038/s41588-018-0147-3) 1.271 Genvarianten, die zusammen allerdings nur etwas mehr als ein Zehntel des Bildungserfolgs erklärten.

Einige Menschen mühen sich in der Schule vergeblich, anderen scheinen die guten Noten nur so zuzufliegen. Frühere Zwillingsstudien hatten gezeigt, dass ein Teil des Erfolgs familiär bedingt ist. Dies muss nicht automatisch genetische Ursachen haben, da auch die Erziehung, die Lernkultur und der Ehrgeiz in einer Familie den Ausbildungserfolg beeinflussen.

Gene können jedoch zweifellos eine Rolle spielen. Sie könnten die Zahl der Neurone im Gehirn und ihre synaptischen Verknüpfungen, die Freisetzung von Neurotransmittern oder auch die Leitungsgeschwindigkeiten in den Nervenfasern beeinflussen. Die in den GWAS ermittelten Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNP) könnten die zugrunde liegenden biologischen Mechanismen aufzeigen.

In einer früheren GWAS hatte ein Team um Daniel Benjamin von der University of Southern California in Los Angeles bereits 74 SNP entdeckt, die allerdings gerade einmal 3,2 % der Unterschiede in Schule und Ausbildung erklärten (Nature 2016; 533: 539–542). Die Analyse beruhte auf dem Genvergleich an 293.723 Menschen. Für die aktuelle GWAS konnten Benjamin und Mitarbeiter auf das Erbgut von 1,1 Millionen Menschen zurückgreifen. Der Anteil der SNP, die den Schulerfolg beeinflussten, stieg auf 11 bis 13 % an. Der Anteil an den Ergebnissen in kognitiven Tests lag bei 7 bis 10 Prozent.

Interessant ist die Funktion der Gene, in denen sich die SNP befinden. Viele enthalten laut Benjamin die Information für Proteine, die an der Neurotransmitter-Freisetzung, der Aktivierung von Ionenkanälen oder an Stoffwechselwegen in den Nervenzellen beteiligt sind oder die synaptische Plastizität beeinflussen.

Auf die Funktion der Gliazellen, die das Stützgewebe im Gehirn bilden, hatten die SNP wenig Einfluss. Dies ist durchaus von Bedeutung, da die Gliazellen für die Bildung der Myelinscheiden verantwortlich sind, die die Leitgeschwindigkeit in den Nervenfasern bestimmen. Hier scheint es keine (oder bisher nicht entdeckte) Einflüsse zu geben.

Die Ergebnisse der Studie wurden von Experten unterschiedlich bewertet. Für Markus Nöthen, dem Direktor des Instituts für Humangenetik am Universitätsklinikum Bonn, ist es eindrucksvoll, wie die GWAS nach und nach die biologischen Faktoren ermitteln, die den Bildungsstand beeinflussen. Auch der von Benjamin vorgeschlagene polygene Score ist nach Ansicht von Nöthen durchaus ein geeignetes Instrument, um bei einzelnen Personen die Größe des genetischen Einflusses zu bestimmen.

Elsbeth Stern von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich meint dagegen, dass die Autoren den Wert ihrer Studien überschätzen. Dass Eltern in Zukunft Gentests anfertigen lassen, um den zukünftigen Bildungsgrad ihrer Kinder vorherzusagen und diese dann spezifischer fördern zu können, glaubt die Lernforscherin nicht. Nach ihrer Ansicht gibt es geeignetere Mittel, um das intellektuelle Potenzial von Kindern zu testen. So könne man beispielsweise aus der Art und Weise, wie Babys Objekte anschauen, mehr als 13 % der späteren Intelligenzunterschiede vorhersagen.

Virtual-Reali­ty-Coach hilft bei Höhenangst

Eine psychologische Therapie in einer virtuellen Umgebung („Virtual Reality“) ohne Therapeut kann Menschen mit einer klinisch diagnostizierten Höhenangst helfen, ihre Angst zu überwinden. Das berichten Wissenschaftler der Universität Oxford in der Zeitschrift The Lancet Psychiatry (2018; doi: 10.1016/S2215-0366(18)30226-8).

In die Studie haben die Forscher um Daniel Freeman 100 Personen mit klinisch diagnostizierter Höhenangst einbezogen. Diese erhielten entweder die neue automatisierte Virtual-Reality-Behandlung (49 Personen) oder keine Behandlung (51 Personen). Im Durchschnitt hatten die Teilnehmer seit 30 Jahren Höhenangst. Alle Teilnehmer haben zu Beginn der Studie, am Ende der Behandlung zwei Wochen später und bei der Nachsorge nach vier Wochen Fragebögen zur Schwere ihrer Höhenangst ausgefüllt.

Die Teilnehmer der Virtual-Reality-Behandlung hatten etwa sechs 30-minütige Sitzungen über zwei Wochen, in denen sie ein Virtual-Reality-Headset trugen. In der ersten Sitzung diskutierten die Teilnehmer ihre Höhenangst mit dem virtuellen Coach und erklärten, was ihre Angst auslöste, während der virtuelle Coach grundlegende Informationen über Höhenangst gab. Die Teilnehmer betraten dann einen virtuellen Bürokomplex mit zehn Stockwerken, wo sie an Aktivitäten teilnahmen, die ihre Ängste herausforderten und ihnen halfen zu lernen, dass sie sicherer waren, als sie dachten.

Von den 49 Teilnehmern, die die Virtual-Reality-Behandlung anboten, nahmen 47 an mindestens einer Sitzung teil und 44 absolvierten die komplette Behandlung. Die drei Personen, die die Intervention nicht abgeschlossen haben, fanden die Sitzungen entweder zu schwierig (zwei Personen) oder konnten nicht an weiteren Terminen teilnehmen (ein Teilnehmer).

Am Ende der Behandlung und bei der Nachsorge bewerteten die Teilnehmer der Kontrollgruppe ihre Höhenangst als ähnlich wie vorher, aber alle Teilnehmer der Virtual-Reality-Behandlungsgruppe gaben an, dass ihre Höhenangst abgenommen hatte.

Die Forscher werten die Ergebnisse als Konzeptbeleg dafür, wie einige psychologische Interventionen in Zukunft angeboten werden könnten. „Virtual-Reality-Therapien, die keinen Therapeuten benötigen, haben das Potenzial, den Zugang zu psychologischen Interventionen drastisch zu verbessern“, sagte Freeman. Wie aus der klinischen Studie hervorgehe, hätten Virtual-Reality-Behandlungen das Potenzial, für viele Patienten effektiver, schneller und attraktiver zu sein als herkömmliche Face-to-Face-Therapien.

Die Autoren stellen aber auch einige Einschränkungen ihrer Studie fest, unter anderem, dass sie die neue Therapie nicht mit den derzeit zur Behandlung von Phobien verwendeten psychologischen Therapien wie Beratung, Psychotherapie oder kognitive Verhaltenstherapie verglichen habe. Die Autoren stellen außerdem fest, dass sie sich bei der Beurteilung der Höhenangst der Teilnehmer auf Fragebögen stützten und diese nicht in realen Szenarien getestet haben.