Neue Kurzinformationen für Patienten zu Demenz erschienen

Das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) hat zwei kompakte und allgemein verständliche Informationsblätter zum Thema Demenz entwickelt. Die Kurzinformation „Demenz – mehr als nur vergesslich“ gibt einen Überblick über die Krankheit. Sie informiert über die verschiedenen Erscheinungsformen und erläutert Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten.

In der zweiten Kurzinformation „Demenz – eine Herausforderung für Angehörige“ stehen die Angehörigen im Mittelpunkt. Sie finden darin Hinweise zur Pflege und Hilfe, auf die Demenzkranke später angewiesen sind. Ärzte, Psychotherapeuten und andere Fachleute können die beiden Informationsblätter ausdrucken, an Patienten und deren Angehörige weitergeben oder im Wartezimmer auslegen.

Die zwei neuen Informationsblätter gehören zur Reihe „Kurzinformationen für Patien­ten“, die mittlerweile 70 Themen umfasst. Erstellt werden die Informationen vom Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und der Bundes­ärzte­kammer (BÄK). Zu ausgewählten Themen liegen Übersetzungen in Arabisch, Englisch, Französisch, Spanisch, Russisch und Türkisch vor.

Jeder zehnte alte Mensch in Bayern hat Demenz

Einem Bericht der bayerischen Staatsregierung zufolge leidet mehr als jeder zehnte gesetzlich versicherte alte Mensch im Freistaat an Demenz. 10,3 Prozent der ambulant behandelten Männer und Frauen über 65 Jahren erhielten demnach 2015 diese Diagnose, wie aus dem Bericht zur Seniorengesundheit hervorgeht, den das bayerische Ge­sund­heits­mi­nis­terium heute in München veröffentlichte. Das sind rund 230.000 Menschen im Freistaat.

Ab einem Alter von 85 Jahren ist dem Bericht zufolge sogar knapp jeder Vierte (24,3 Prozent) betroffen. Bei Frauen (26,2 Prozent) kommt die Erkrankung häufiger vor als bei Männern (19,5 Prozent). 6.000 Menschen starben dem Report zufolge 2015 an Demenz. Damit ist die Erkrankung bei Senioren in Bayern die dritthäufigste Todesursache.

Herz-Kreislauf-Probleme am häufigsten

Die Rangliste der häufigsten Erkrankungen und Todesursachen bei älteren Menschen führen den Angaben zufolge Herz-Kreislauf-Probleme wie Bluthochdruck oder Schlaganfälle an. Diese wurden 2015 bei 85 Prozent der behandelten Senioren im Freistaat diagnostiziert. Jeder Fünfte (20 Prozent) litt an einer affektiven Störung und bei elf Prozent hieß die Diagnose Krebs.

Wie der Bericht weiter zeigt, steigt auch die Zahl der multimorbiden Menschen im Freistaat an. Während in der Altersgruppe der 55- bis 64-Jährigen etwa 35 Prozent mindestens drei Erkrankungen haben, sind es zwischen 80 und 85 Jahren rund 60 Prozent.

Im Freistaat leben derzeit 12,8 Millionen Menschen, rund 20 Prozent sind im Seniorenalter. Tendenz weiter steigend: „Bereits heute sind 2,6 Millionen Männer und Frauen in Bayern älter als 65 Jahre“, sagte Ge­sund­heits­mi­nis­terin Melanie Huml (CSU). In wenigen Jahren, wenn die Generation der „Babyboomer“ dieses Alter erreicht habe, werde jeder Vierte „Ü 65“ sein. Das wären dann etwa 3,6 Millionen Menschen in Bayern.

Zugleich habe sich die Lebenserwartung innerhalb eines Jahrhunderts mehr als verdoppelt und liege heute in Bayern bei 78,9 Jahren für Männer und 83,5 Jahren für Frauen, so Huml weiter.

Der Bericht greift auf unterschiedliche Datenquellen zurück – darunter sind Werte des Robert-Koch-Instituts und Daten von gesetzlich Krankenversicherten. Eine systematische Erhebung zur Gesundheit älterer Menschen in Deutschland ist demnach erst im Aufbau.

Übermäßige Tagesmüdigkeit möglicherweise früher Hinweis auf Demenz

Eine Studie unter der Leitung von Prashanthi Vemuri von der Radiologie-Abteilung der Mayo-Klinik in Rochester deutet darauf hin, dass ältere Menschen, die tagsüber mit übermäßiger Schläfrigkeit zu kämpfen haben, von der Alzheimerkrankheit bedroht sein könnten. Die Arbeit ist in der Zeitschrift JAMA Neurology erschienen (2018; doi: 10.1001/jamaneurol.2018.0049).

Mehrere Längsschnittstudien haben laut den Forschern gezeigt, dass eine übermäßige Tagesschläfrigkeit bei älteren Erwachsenen mit einem erhöhten Risiko eines kognitiven Rückgangs verbunden sein könnte. Was das Team interessierte, waren die zugrunde liegenden Mechanismen, die den Zusammenhang zwischen Neurodegeneration und exzessiver Schläfrigkeit erklären könnten.

Produktion von Beta-Amyloid

Die Wissenschaftler vermuteten, dass die Antwort darauf in der Produktion von Beta-Amyloid liegen könnte. „In dieser Arbeit haben wir die Hypothese aufgestellt, dass exzessive Tagesschläfrigkeit in der älteren Bevölkerung mit einer erhöhten Anfälligkeit für die Akkumulation von Beta-Amyloid assoziiert werden kann. Frühere Forschungen haben ergeben, dass ein guter Nachtschlaf dazu beitragen könnte, Beta-Amyloid aus dem Hirngewebe zu entfernen. Dies kann bedeuten, dass ein regelmäßig gestörter Schlafzyklus, der zu Ermüdung während des Tages führt, den gegenteiligen Effekt haben kann, so dass sich diese schädliche Verbindung aufbauen kann“, erläutern die Forscher.

Sie analysierten Daten von 283 Teilnehmern im Alter von 70 Jahren oder älter, die durch die Mayo Clinic Study of Aging rekrutiert wurden. Keiner der Teilnehmer hatte eine bestehende Demenzdiagnose. Bei der Rekrutierung schlossen alle Teilnehmer Umfragen ab, in denen sie über ihren Grad der Tagesschläfrigkeit berichteten.

Die Teilnehmer stimmten zu, dass sie sich zwischen 2009 und 2016 mindestens 2 aufeinanderfolgenden Positronen-Emissions-Tomographie-Hirnscans unterziehen würden. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass 63 Teilnehmer eine exzessive Tagesschläfrigkeit empfanden. Bei diesen Menschen war dieser Zustand abnormaler Somnolenz auch mit erhöhten Beta-Amyloid-Spiegeln in 2 relevanten Regionen des Gehirns assoziiert.

„Unsere Studie hat gezeigt, dass exzessive Tagesschläfrigkeit bei älteren Menschen ohne Demenz möglicherweise mit einer Anhäufung von Beta-Amyloid assoziiert werden kann“, berichten die Forscher. Dieser Befund stütze frühere Literatur, die darauf hindeute, dass übermäßige Tagesschläfrigkeit ein Risikofaktor für kognitiven Rückgang oder Demenz sei.

Sie geben jedoch zu, dass die Studie einige Einschränkungen aufweise, darunter die Tatsache, dass es ihr an objektiven Maßstäben für Schlafstörungen fehle und dass sie nicht genau einschätze, wie viel Schlaf die Teilnehmer pro Nacht erhielten.

Alkoholiker erkranken häufiger und früher an Demenz

Menschen mit einer Alkoholkrankheit entwickeln mehr als 3-mal häufiger als andere eine Demenz, die häufig bereits im jüngeren Alter auftritt und einer Kohorten­studie in Lancet Public Health (2018; doi: 10.1016/S2468-2667(18)30022-7) zufolge in Frankreich der wichtigste modifizierbare, sprich vermeidbare Risikofaktor für kognitive Störungen im Alter ist.

Mehr als 100 Studien und wenigstens 23 Übersichten haben sich bereits mit den Auswirkungen des Alkoholkonsums auf das Gehirn beschäftigt. Während die Ansichten zu einem leichten Alkoholkonsum variieren – einige Studien sehen sogar günstige Effekte auf die Hirnfunktion im Alter – ist die Einschätzung zu den Folgen eines hohen Alkoholkonsums (die Grenze wird bei Männern bei 60 Gramm reinem Alkohol und 40 Gramm reinem Alkohol bei Frauen gesehen) eindeutig: Das beim Alkoholabbau entstehende Acetaldehyd (das auch für den Kater verantwortlich ist) ist neurotoxisch.

Häufiger Alkoholkonsum kann über einen Vitamin-B-Mangel ein Wernicke-Korsakow-Syndrom auslösen. Alkoholkonsum ist ein Risikofaktor für Epilepsien, Kopfverletzungen und eine hepatische Enzephalopathie. Alkoholkonsum ist zudem mit vaskulären Risiko­faktoren wie Hypertonie oder Vorhofflimmern assoziiert. Last but not least, sind viele Trinker auch starke Raucher, was über eine Zerebralsklerose das Demenzrisiko erhöht.

Frankreich gehört mit 12,2 Litern pro Jahr zu den europäischen Ländern mit dem höchsten Pro-Kopf-Konsum von Alkohol (Deutschland: 10,6 Liter). Zwar bevorzugen viele Franzosen Wein, der regelmäßig zu den Mahlzeiten und nicht primär zur Erzeugung eines Rausches getrunken wird, eine Alkoholkrankheit ist jedoch keines­wegs selten. Dies zeigt eine Analyse der Entlassungsdokumente staatlicher Kliniken, die Michaël Schwarzinger vom Translational Health Economics Network in Paris jetzt vorstellt.

Bei 945.512 von 30,5 Millionen Patienten oder 3,1 % hatten die Ärzte eine Alkohol­krankheit in den Krankenakten ihrer Patienten vermerkt. Bei 1,3 Millionen Patienten (4,2 %) stellten die Ärzte die Diagnose einer Demenz. Bei 35.034 dieser Demenz­patienten lag eine alkoholbedingte Hirnschädigung und bei weiteren 52.625 Patienten eine Alkoholkrankheit vor.

Schwarzinger ermittelt eine adjustierte Hazard Ratio von 3,34 (95-%-Konfidenzintervall3,28–3,41) für Frauen und von 3,36 (3,31–3,41) für Männer. Die Diagnose Alkohol­krankheit war damit der stärkste modifizierbare Risikofaktor für Demenzen.

Patienten mit Alkoholkrankheit entwickeln häufig frühzeitig eine Demenz: Von den 57.353 Patienten, die vor dem 65. Lebensjahr an einer Demenz erkrankten, hatten nicht weniger als 22.338 (38,9 %) eine alkoholbedingte Hirnschädigung und 10.115 (17,6 %) eine Alkoholkrankheit.

Auch wenn retrospektive Kohortenstudien mit zahlreichen Unwägbarkeiten behaftet sind, sind die Ergebnisse eindeutig. Ein ungebremster Alkoholkonsum ist eine wichtige Ursache von Demenzerkrankungen, und er ist vermutlich für einen beträchtlichen Anteil von frühzeitigen Demenzen verantwortlich. Dies sehen auch die Editorialisten Clive Ballard und Iain Lang von der Universität Exeter so. Die Studie sei immens wichtig und sie zeige die Bedeutung eines starken Alkoholkonsums für Demenzer­krankungen, von denen viele durch einen maßvollen Alkoholkonsum vermeidbar wären.

Die Entlassungsdiagnosen lassen keine Rückschlüsse auf das Ausmaß des Alkohol­konsums zu. Es bleibt deshalb offen, ab welcher Grenze das Demenzrisiko ansteigt.

Ein bedenklicher Alkoholkonsum war bei französischen Männern deutlich häufiger als bei den Frauen. Während normalerweise Frauen häufiger an einer Demenz (65 zu 35 %) erkranken, war das Geschlechterverhältnis bei den früh eintretenden Demenzen umgekehrt: 65 % der Patienten waren Männer, 35 % Frauen. Der wichtigste Grund hierfür war nach den Ergebnissen der Studie der Alkoholkonsum.

Angsterkrankung könnte Vorläufer einer Alzheimer-Demenz sein

Eine sich verschlimmernde Angsterkrankung bei älteren Menschen könnte auf eine sich entwickelnde Alzheimer-Demenz hinweisen. Das berichten Forscher um Nancy Donovan vom Brigham and Women’s Hospital in Boston. Ihre Arbeit ist im American Journal of Psychiatry erschienen (2018; doi: 10.1176/appi.ajp.2017.17040442).

Frühere Studien deuten laut Arbeitsgruppe darauf hin, dass Depressionen und Angstzustände Indikatoren für die Alzheimerkrankheit sein könnten, da die Symptome dieser psychischen Erkrankungen häufig in den frühen Stadien der Erkrankung auftreten.

Die genauen Ursachen der Alzheimerkrankheit sind noch unklar, aber Wissenschaftler glauben bekanntlich, dass Beta-Amyloid dabei eine Schlüsselrolle spielen könnte. Die Arbeitsgruppe um Donovan versuchte in ihrer Studie jetzt herauszufinden, ob Beta-Amyloid eine Rolle bei dem Zusammenhang zwischen der Demenz und einer Angst­störung spielen könnte.

Die Studie umfasste 270 Erwachsene im Alter von 62 bis 90 Jahren mit normaler kognitiver Funktion, die sich alle einer Positronen-Emissions-Tomographie bei Studien­beginn und jährlich während der 5-jährigen Nachbeobachtungszeit unterzogen, um den Gehalt an Beta-Amyloid in ihrem Gehirn zu bestimmen.

Symptome von Angst und Depression unter den Erwachsenen wurden mithilfe der 30 Punkte umfassenden „Geriatric Depression Scale“ erfasst. Die Wissenschaftler stellten fest, dass Studienteilnehmer, die eine Zunahme der Angstsymptome über 5 Jahre des Follow-ups zeigten, auch höhere Beta-Amyloid-Werte in ihrem Gehirn hatten. Dies deutet ihrer Auffassung nach darauf hin, dass eine Ver­schlech­terung der Angst ein frühes Zeichen für die Alzheimerkrankheit sein könnte.

Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass Folgestudien erforderlich seien, um festzustellen, ob ältere Erwachsene, die eine Zunahme der Angstsymptome erfahren, tatsächlich Alzheimer entwickeln.

Angststörungen sind in den Vereinigten Staaten weit verbreitet und betreffen etwa 40 Millionen Erwachsene pro Jahr. Schätzungen zufolge leben in den USA etwa 5,5 Millio­nen Menschen mit Alzheimer, von denen etwa 5,4 Millionen über 65 Jahre alt sind.