Chronisches Erschöpfungs­syndrom: Studie findet Anstieg bei 17 Entzündungs­markern

Patienten, die seit längerem über ein chronisches Erschöpfungssyndrom klagten, hatten in einer Querschnittstudie erhöhte Blutkonzentrationen von 17 Zytokinen. Die Publikation in den Proceedings of the National Academy of Sciences (2017; doi: 10.1073/pnas.1710519114) unterstützt die Hypothese einer immunologischen Genese der Erkrankung, ist jedoch nicht frei von Widersprüchen.

Das Chronische Erschöpfungssyndrom (CFS), das von Patientenverbänden auch als myalgische Enzephalomyelitis (ME) und vom Institut of Medicine als systemische Belastungsintoleranz-Erkrankung (SEID) bezeichnet wird, ist derzeit diagnostisch schwer zu fassen.

Die Patientinnen (in drei von vier Fällen Frauen) leiden häufig nach einem grippalen Infekt dauerhaft oder rezidivierend unter einer Kombination verschiedener Krankheitszeichen, deren Leitsymptom eine schnelle körperliche und psychische Erschöpfbarkeit ist, die alle Aktivitäten des täglichen Lebens beeinträchtigt. Es gibt derzeit keinen Biomarker. Die Diagnose beruht allein auf den Angaben der Patienten.

Die Ursache der Erkrankung ist unbekannt und für eine entzündliche Genese („Enzephalomyelitis“) gibt es bisher keine Beweise. Konventionelle Entzündungstests wie die Blutsenkungsgeschwindigkeit oder das C-reaktive Protein sind bei den Patienten selten erhöht. Die Studienergebnisse, die der Infektiologe José Montoya und der Immunologe Mark Davis von der Stanford University in Palo Alto jetzt vorstellen, dürften deshalb für Aufsehen sorgen. Die Forscher haben Blutproben von 192 Patien­ten mit CFS/ME und 392 Kontrollen auf 51 unterschiedliche Zytokine hin untersucht. Die Patienten waren im Durchschnitt 50 Jahre. Die durchschnittliche Dauer der Symp­tome der Patienten betrug etwas mehr als 10 Jahre.

Bei zwei Zytokinen wurden Auffälligkeiten entdeckt: Patienten mit CFS/ME hatten häufig erhöhte Konzentrationen des Zytokins TGF-beta (Transforming Growth Factor), während die Konzentration von Resistin niedriger war als bei den Kontrollen.

Die Befunde lassen sich nicht einfach mit dem Konzept einer entzündlichen Ursache der Erkrankung vereinbaren, da TGF-beta eher entzündungshemmende Einflüsse zugeschrieben werden. Resistin, dessen Konzentration erniedrigt war, ist dagegen ein pro-inflammatorisches Zytokin. Montoya und Davis halten dies nicht notwendigerweise für einen Widerspruch.

Der Anstieg TGF-beta könnte ja eine Gegenreaktion des Körpers gegen jahrelange inflammatorische Reize auf einer anderen Ebene sein, argumentieren sie. Für eine chronische Entzündung spreche auch, dass Patienten mit CFS/ME (in anderen Studien) ein erhöhtes Risiko hatten, an Non-Hodgkin-Lymphomen, Mantelzelllymphomen und diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom zu erkranken, die mit einer dauerhaften Überaktivierung des Immunsystems in Verbindung gebracht werden.

Die Entzündungsreaktion selbst könnte nach Ansicht der Autoren von den übrigen 16 Zytokinen (neben TGF-beta) getragen werden, deren Konzentration mit dem Schweregrad der CFS/ME korrelierten. Dreizehn der 16 Zytokine hätte eine proinflammatorische Wirkung schreiben Montoya und Davis. Eines dieser Zytokine ist Leptin, das wie Resistin nicht nur von Immunzellen, sondern von Fettzellen gebildet wird. Leptin ist Signalgeber für den Füllungszustand der Fettzellen.

Welche Konsequenzen die Ergebnisse der aktuellen Studie haben, ist unklar. Zunächst einmal bleibt abzuwarten, ob andere Arbeitsgruppen die Ergebnisse der kalifornischen Forscher bestätigen können. Im nächsten Schritt wäre zu untersuchen, ob ein Mikro-Assay auf die 17 Zytokine zur Diagnose der CFS/ME verwendet werden könnte. Den letzten Beleg für die immunologische Hypothese würde die erfolgreiche Therapie des CFS/ME mit Medikamenten liefern, die gezielt in das Immunsystem eingreifen.

Burn-out: genau diagnostizieren

Das Thema Burn-out beschäftigt viele. Jüngst wurde bei einer Untersuchung des RKI festgestellt, dass Menschen, die häufig Stress erleben, deutlich mehr über psychische Beschwerden wie depressive Symptome, gestörten Schlaf oder Erschöpfung berichten. In der Gruppe der 40-60-Jährigen litten zwischen 5-8 Prozent im Laufe ihres Lebens an einem Burnout-Zustand.

Interessanterweise sind die Betroffenen im Gegensatz zu der verbreiteten psychischen Störung Depression vor allem Menschen mit hohem Sozialstatus.

„Burnout ist für sich genommen keine Krankheit aber ein Risikozustand für die psychische und physische Gesundheit und muss deshalb sehr ernst genommen und untersucht werden.“ so Professor Wolfgang Maier der zukünftige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN).“

Länger anhaltende Erschöpfungszustände erhöhen jedoch das Risiko, an einer Depression, Angst- oder Suchtstörung, Tinnitus oder Bluthochdruck zu erkranken. Burnout-ähnliche Beschwerden wie verminderte Leistungsfähigkeit können aber auch andere Erkrankungen verdecken. Krankheitssymptome gilt es daher diagnostisch genau abzuklären, um rasch die richtige Therapie und Behandlung der Grunderkrankung zu gewährleisten. So kann Chronifizierung vorgebeugt und den Betroffenen zeitnah die Rückkehr an den Arbeitsplatz ermöglicht werden.“

Nach Ansicht der DGPPN handelt es sich beim Burn-out primär um ein Problem der Arbeitswelt. Die Beratung und Unterstützung der Betroffenen sollte deshalb beim Arbeitgeber entsprechend koordiniert werden. Dies kann die Diagnostik bei einem Facharzt einschließen. Aus Sicht der Fachgesellschaft ist es jedoch zu kurzsichtig, einen stressbelasteten Arbeitnehmer in der Arztpraxis so zu „behandeln“, das widrige Arbeitsbedingungen eine weitere Zeit zu ertragen werden ohne die Ursachen zu beseitigen. Eine Schlüsselrolle kommt dabei den Betriebsärzten mit ihrer Kenntnis der Arbeitsstrukturen und Betriebsabläufe zu.

Mehr Informationen im Positionspapier „Burnout“ auf der Webseite der DGPPN.

Weitere Informationen finden Sie unter
Pressemitteilung 
Positionspapier