Virtual-Reali­ty-Coach hilft bei Höhenangst

Eine psychologische Therapie in einer virtuellen Umgebung („Virtual Reality“) ohne Therapeut kann Menschen mit einer klinisch diagnostizierten Höhenangst helfen, ihre Angst zu überwinden. Das berichten Wissenschaftler der Universität Oxford in der Zeitschrift The Lancet Psychiatry (2018; doi: 10.1016/S2215-0366(18)30226-8).

In die Studie haben die Forscher um Daniel Freeman 100 Personen mit klinisch diagnostizierter Höhenangst einbezogen. Diese erhielten entweder die neue automatisierte Virtual-Reality-Behandlung (49 Personen) oder keine Behandlung (51 Personen). Im Durchschnitt hatten die Teilnehmer seit 30 Jahren Höhenangst. Alle Teilnehmer haben zu Beginn der Studie, am Ende der Behandlung zwei Wochen später und bei der Nachsorge nach vier Wochen Fragebögen zur Schwere ihrer Höhenangst ausgefüllt.

Die Teilnehmer der Virtual-Reality-Behandlung hatten etwa sechs 30-minütige Sitzungen über zwei Wochen, in denen sie ein Virtual-Reality-Headset trugen. In der ersten Sitzung diskutierten die Teilnehmer ihre Höhenangst mit dem virtuellen Coach und erklärten, was ihre Angst auslöste, während der virtuelle Coach grundlegende Informationen über Höhenangst gab. Die Teilnehmer betraten dann einen virtuellen Bürokomplex mit zehn Stockwerken, wo sie an Aktivitäten teilnahmen, die ihre Ängste herausforderten und ihnen halfen zu lernen, dass sie sicherer waren, als sie dachten.

Von den 49 Teilnehmern, die die Virtual-Reality-Behandlung anboten, nahmen 47 an mindestens einer Sitzung teil und 44 absolvierten die komplette Behandlung. Die drei Personen, die die Intervention nicht abgeschlossen haben, fanden die Sitzungen entweder zu schwierig (zwei Personen) oder konnten nicht an weiteren Terminen teilnehmen (ein Teilnehmer).

Am Ende der Behandlung und bei der Nachsorge bewerteten die Teilnehmer der Kontrollgruppe ihre Höhenangst als ähnlich wie vorher, aber alle Teilnehmer der Virtual-Reality-Behandlungsgruppe gaben an, dass ihre Höhenangst abgenommen hatte.

Die Forscher werten die Ergebnisse als Konzeptbeleg dafür, wie einige psychologische Interventionen in Zukunft angeboten werden könnten. „Virtual-Reality-Therapien, die keinen Therapeuten benötigen, haben das Potenzial, den Zugang zu psychologischen Interventionen drastisch zu verbessern“, sagte Freeman. Wie aus der klinischen Studie hervorgehe, hätten Virtual-Reality-Behandlungen das Potenzial, für viele Patienten effektiver, schneller und attraktiver zu sein als herkömmliche Face-to-Face-Therapien.

Die Autoren stellen aber auch einige Einschränkungen ihrer Studie fest, unter anderem, dass sie die neue Therapie nicht mit den derzeit zur Behandlung von Phobien verwendeten psychologischen Therapien wie Beratung, Psychotherapie oder kognitive Verhaltenstherapie verglichen habe. Die Autoren stellen außerdem fest, dass sie sich bei der Beurteilung der Höhenangst der Teilnehmer auf Fragebögen stützten und diese nicht in realen Szenarien getestet haben.

Angehörige und Freunde können Angst und Depressionen bei Krebskranken verstärken

Familienangehörige, Freunde und Bekannte sind für Patienten mit einer Krebserkrankung meist sehr wichtig, weil sie unterstützen und Rückhalt geben können. Allerdings kann dieser Personenkreis für die Tumorpatienten auch enttäuschend reagieren. Wissenschaftler der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz haben jetzt untersucht, ob und wie unterstützende und enttäuschende Reaktionen von Angehörigen und Freunden mit Angst und Depressionen bei Langzeitüberlebenden einer Hautkrebserkrankung zusammenhängen. Die Fachzeitschrift BMC Public Health hat die Studienergebnisse veröffentlicht (2018; doi: 10.1186/s12889-018-5401-1).

Die Studie ist Teil eines von der Deutschen Krebshilfe geförderten Forschungsprojekts zu den psychosozialen Langzeitfolgen eines malignen Melanoms. Dafür werteten die Mainzer Wissenschaftler zusammen mit dem Krebsregister in Rheinland-Pfalz Befragungen von Langzeitüberlebenden aus, die 6 bis 9 Jahre nach Diagnose einer Hautkrebserkrankung erfolgten. Die 689 Befragten waren zwischen 28 und 93 Jahre alt. 83 % von ihnen lebten in einer Partnerschaft.

Die Melanom-Überlebenden berichteten vorwiegend von positiver Unterstützung durch ihr jeweiliges soziales Umfeld. Ablehnende oder verständnislose Reaktionen wurden im Vergleich dazu weit seltener berichtet. Teilnehmer, die in einer Partnerschaft lebten, aktiv Unterstützung suchten und eine optimistische Lebenshaltung hatten, berichteten häufiger über gute Unterstützung. Getrennt Lebenden und Geschiedenen fehlte es hingegen häufiger an positiver Unterstützung.

Negative soziale Erfahrungen gingen in vielen Fällen mit der Neigung zu Selbst­vorwürfen, einer resignativen Haltung, Pessimismus sowie Müdigkeit und Motiva­tionslosigkeit einher. Das größte Maß an Depression und Angst war bei den Melanom-Überlebenden anzutreffen, die kränkende Reaktionen anderer erfuhren und gleichzeitig nur wenig positive Unterstützung erhielten.

„Manchmal entsteht ein Teufelskreis aus Enttäuschung über ausbleibende Hilfen und Rückzug. Dieser macht es beiden Seiten schwer, aufeinander zuzugehen. Es reicht daher nicht aus, Krebskranke zu ermutigen, positive soziale Unterstützung zu suchen. Es ist auch wichtig, Erfahrungen von Enttäuschung und Zurückweisung offen anzusprechen. Dies kann Betroffenen helfen, ihre Bedürfnisse klarer zu formulieren oder sich in enttäuschenden Situationen zu behaupten“, sagte die Studienleiterin Sabine Fischbeck.

Stress hilft beim Verlernen von Angst

Stress kann positive Effekte auf das Extinktionslernen haben, bei dem zuvor erlernte Assoziationen aufgelöst werden. Wie Kognitionspsychologen der Ruhr-Universität Bochum herausfanden, sorgt Stress dafür, dass das Extinktionslernen unabhängig vom Kontext erfolgt. Das könnte zum Beispiel für Therapien von Angststörungen nützlich sein. Dr. Shira Meir Drexler, Prof. Dr. Oliver Wolf und Privatdozent Dr. Christian Merz vom Bochumer Institut für Kognitive Neurowissenschaft beschreiben die Ergebnisse in der Zeitschrift Behavior Therapy.

Extinktionslernen ist zentral für Therapie von Angststörungen

Treten zwei Reize wiederholt zeitlich gepaart auf, reagiert das Gehirn irgendwann schon bei der Präsentation des ersten Reizes mit der Antwort, die eigentlich erst auf den zweiten Reiz folgen würde. Experten nehmen an, dass die sogenannte Konditionierung am Entstehen von Angststörungen beteiligt ist. Diese lassen sich zum Beispiel behandeln, indem Betroffene schrittweise mit dem angstauslösenden Objekt konfrontiert werden. „Man geht davon aus, dass die Extinktion eine große Rolle bei dieser Expositionstherapie spielt“, sagt Christian Merz. Dabei lernen die Betroffenen neue Assoziationen, zum Beispiel, dass ein zuvor angsteinflößender Reiz keine Gefahr bedeutet.

„Das Extinktionslernen ist allerdings stark kontextabhängig“, weiß Shira Meir Drexler und gibt ein Beispiel: „Lernt jemand in einer Psychotherapiepraxis, dass eine Spinne kein Grund zur Angst ist, kann es sein, dass er im eigenen Keller trotzdem wieder ängstlich auf den Achtbeiner reagiert.“

Buntes Licht als angstauslösender Reiz

Die Bochumer Psychologen zeigten nun, dass diese Kontextabhängigkeit nicht auftritt, wenn dem Extinktionslernen eine Stresssituation vorausgeht. An der Studie nahmen 40 Probanden an drei aufeinanderfolgenden Tagen teil. Am Computer sahen sie Bilder eines Büros mit einer Schreibtischlampe. Leuchtete die Lampe in einer bestimmten Farbe, folgte kurz darauf eine milde elektrische Stimulation der Haut, die zwar nicht schmerzhaft, aber unangenehm war. Andere Farben wurden nicht von einer elektrischen Stimulation begleitet. So lernten die Teilnehmer, Licht einer Farbe mit dem unangenehmen Reiz zu verbinden.

Anhand von Hautleitfähigkeitsmessungen zeigten die Forscher, dass die Probanden nach einigen Durchgängen bereits vor der elektrischen Stimulation ängstlich auf die Präsentation dieser Lichtfarbe reagierten.

Stress macht Extinktionslernen kontextunabhängig

Am darauffolgenden Tag wurde die Hälfte der Probanden einer stressigen Situation ausgesetzt: Sie mussten eine Hand in Eiswasser halten und wurden dabei gefilmt und von einem Versuchsleiter beobachtet. Die andere Hälfte musste sich diesem Stresstest nicht unterziehen. Alle sahen anschließend Bilder der farbig leuchtenden Schreibtischlampe, auf die keine elektrische Stimulation folgte; die Lampe stand allerdings nicht mehr im Büro, sondern in einer Bibliothek. Am dritten Tag präsentierte das Team Büro- und Bibliotheksbilder mit farbig leuchtender Lampe, ohne dass es eine elektrische Stimulation gab.

Probanden in der Stressgruppe reagierten im Büro- und im Bibliothekskontext wenig ängstlich auf die Lichtfarbe, die am ersten Tag noch eine elektrische Stimulation angekündigt hatte. Sie hatten das Wissen, dass kein unangenehmer Reiz mehr erfolgt, vom Bibliothekskontext auf den Bürokontext übertragen. Anders war es bei nicht gestressten Probanden. Sie zeigten nach wie vor eine Angstreaktion, wenn sie im Büro die Lichtfarbe sahen, die am ersten Tag von einer elektrischen Stimulation begleitet worden war. Bei Bibliotheksfotos reagierten sie wie die Kontrollgruppe jedoch wenig ängstlich. Das Extinktionslernen war bei ihnen nur in einem speziellen Kontext erfolgt.

Studien zum Therapieerfolg geplant

„Pharmakologische Studien haben gezeigt, dass die Gabe des Stresshormons Cortisol die Behandlung von Angststörungen erfolgreicher machen kann“, sagt Oliver Wolf. „Unsere Studie liefert Hinweise auf einen zugrunde liegenden Mechanismus.“ In Rahmen des Sonderforschungsbereichs 1280 wollen mehrere Bochumer Arbeitsgruppen künftig untersuchen, ob Stress vor einer Expositionstherapie tatsächlich deren Wirksamkeit verbessert.

Förderung

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft förderte die Arbeiten im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 1280 „Extinction Learning“.

Originalveröffentlichung

Shira Meir Drexler, Christian J. Merz, Oliver T. Wolf: Preextinction stress prevents context-related renewal of fear, in: Behavior Therapy, 2018, DOI: 10.1016/j.beth.2018.03.001

Hormon Oxytocin kann soziale Angst verringern

Biologen der Universität Regensburg entdecken angsthemmende Wirkung des Neuropeptids Oxytocin.

Soziale Angststörungen oder soziale Phobien sind eine weit verbreitete psychische Störung, unter der mindestens zehn Prozent der Bevölkerung leiden. Menschen mit sozialer Phobie meiden gesellschaftliche Zusammenkünfte, da sie fürchten, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen, auf Ablehnung zu stoßen oder sich zu blamieren. Die Angst vor alltäglichen sozialen Situationen kann von körperlichen Symptomen wie Zittern, Herzrasen, Atemnot oder Panikattacken begleitet sein. Die Patienten zeigen ein verhängnisvolles soziales Vermeidungsverhalten, was wiederum oft zur vollständigen sozialen Isolation führt. Häufig sind negative soziale Erfahrungen und soziale Traumatisierung an der Entwicklung sozialer Angststörungen beteiligt. Neben Psychotherapie kommen bisher antidepressive und angstlösende Medikamente zum therapeutischen Einsatz, die jedoch wenig spezifisch wirken und zudem ein hohes Abhängigkeitspotenzial besitzen.

Ein Forscherteam um Prof. Dr. Inga Neumann, Lehrstuhl für Tierphysiologie und Neurobiologie der Universität Regensburg, hat an einem Tiermodell für soziale Angst entdeckt, dass das als Kuschelhormon bekannte körpereigene Neuropeptid Oxytocin soziale Angst dramatisch verringern kann. Mäusen wurde beigebracht, dass sozialer Kontakt (Beschnüffeln eines Artgenossen) bestraft wird, was zur vollständigen Meidung von sozialen Interaktionen führte. Wenn die Neurobiologen um den Doktoranden Rohit Menon, am Lehrstuhl für Tierphysiologie und Neurobiologie der Universität Regensburg, die Menge des von Nervenzellen des Gehirns freigesetzten Oxytocin erhöhten, überwanden die Tiere die soziale Angst und beschnüffelten den fremden Artgenossen während einer kurzen Testzeit wieder.

Doch wie kann das körpereigene Oxytocin-System aktiviert werden? Hierfür diente den Neurobiologen als Modell der weibliche Organismus während der Laktationszeit (Stillzeit), denn das Oxytocin-System ist in dieser Zeit nach der Geburt hoch aktiv: Das Hormon Oxytocin wird während des Säugens aus der Hirnanhangsdrüse in die Blutbahn freigesetzt, wo es die Milchfreisetzung aus den Milchdrüsen gewährleistet. Die Neurobiologen wissen aus früheren Studien, dass Oxytocin auch in jenen Regionen des Gehirns freigesetzt wird, die für mütterliches Verhalten wichtig sind, aber auch Angst- und Furcht-Reaktionen regulieren.

In Kooperation mit Prof. Valery Grinevich, Universität Heidelberg, gelang dem Team um Prof. Neumann nun der Nachweis, dass laktierende Tiere resistent gegen soziale Angstkonditionierung sind. Dies ist auf eine begrenzte Population von Oxytocin-Nervenzellen zurückzuführen, die Verbindungen zum limbischen System haben. „Auch das synthetische Oxytocin, das beim Menschen z. B. durch Nasenspray verabreicht werden kann, verringert sehr effizient soziale Angst und erhöht die soziale Motivation im Tiermodell“, so Neumann. „Daher sind zahlreiche therapeutische Einsatzmöglichkeiten im Zusammenhang mit sozialen Störungen denkbar, die aktuell untersucht werden.“ Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Current Biology publiziert: http://www.cell.com/current-biology/fulltext/S0960-9822(18)30229-X

Ansprechpartner für Medienvertreter:
Prof. Dr. Inga Neumann
Lehrstuhl für Tierphysiologie und Neurobiologie
Universität Regensburg
Tel.: 0941 943-3053
E-Mail: Inga.neumann@ur.de
Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.cell.com/current-biology/fulltext/S0960-9822(18)30229-X

Verhaltenstherapie in virtueller Realität kann Paranoia und Angst reduzieren

Eine kognitive Verhaltenstherapie, die mit der Technik der virtuellen Realität (VR) arbeitet, kann Paranoia und Angst bei Menschen mit psychotischen Störungen reduzieren. Das berichten niederländische Wissenschaftler in der Zeitschrift The Lancet Psychiatry (2018; doi: 10.1016/ S2215-0366(18)30053-1).

An der Studie beteiligten sich 116 Patienten mit Psychosen in 7 niederländischen Zentren. „Bis zu 90 % der Menschen mit Psychose haben paranoide Gedanken, wie den Glauben, dass es eine Bedrohung für sie gibt oder dass andere Menschen ihnen Schaden zufügen wollen. Das hat zur Folge, dass viele Menschen mit Psychose öffentliche und soziale Aktivitäten meiden, wenige soziale Kontakte haben und mehr Zeit allein verbringen als Menschen ohne Psychose“, berichten die Forscher.

116 Probanden

Alle 116 Teilnehmer setzten ihre Behandlung wie gewohnt fort, einschließlich antipsychotischer Medikamente, regelmäßigem Kontakt mit einem Psychiater und einer psychiatrischen Krankenschwester zur Verbesserung der Selbstversorgung, der Tagesaktivitäten sowie der sozialen und kommunikativen Funktionen. Die Hälfte der Studienteilnehmer (58 Personen) praktizierte soziale Übungen in einer virtuellen Umgebung mit einem Therapeuten.

Die Intervention bestand aus 16 einstündigen Sitzungen über einen Zeitraum von 8 bis 12 Wochen, in denen der Therapeut den Teilnehmer mit den sozialen Hinweisen vertraut machte, die in vier virtuellen Umgebungen – Straße, Bus, Café und Supermarkt – Angst, paranoide Gedanken und Sicherheitsverhalten auslösten. Der Therapeut konnte die Anzahl der Avatare, ihr Aussehen, ihre Reaktion auf den Teilnehmer (neutral oder feindselig) ändern und sie dazu bringen, vorab aufge­zeichnete Sätze zu sagen. Der Therapeut sprach während der Therapie auch direkt mit den Teilnehmern und half ihnen dabei, ihre Gefühle in den virtuellen sozialen Situationen zu erforschen.

Die soziale Teilhabe wurde durch Messung der Zeit, die mit anderen Menschen verbracht wurde, der momentanen Paranoia, der wahrgenommenen sozialen Bedrohung und der momentanen Angst bewertet. Die Teilnehmer wurden zu Beginn der Studie, unmittelbar nach der Behandlung und nach 6 Monaten beurteilt.

Bei der Auswertung zeigte sich, dass die Kontrollgruppe nach 6 Monaten viel weniger Zeit mit anderen verbrachte als zu Beginn der Untersuchung, während die Teilnehmer in der VR-Gruppe ihre Zeit mit anderen leicht erhöhten. Außerdem hatten die Teilnehmer der VR-Gruppe nach 3 und nach 6 Monaten weniger Ängste in sozialen Situationen.

„Kognitive Verhaltenstherapie über VR zusätzlich zur Standardbehandlung reduziert paranoide Gefühle, Ängste und die Verwendung von Sicherheitsverhalten in sozialen Situationen im Vergleich zur Standardbehandlung allein“, so das Fazit des Hauptautors Roos Pot-Kolder.

Die Autoren merken allerdings an, dass die Studie keine aktive Kontrollgruppe enthielt, sodass nicht ausgeschlossen werden könne, dass die zusätzliche Behandlung allein zu den Verbesserungen in der VR-Gruppe führte.

Kristiina Kompus, Bergen University, Norwegen, schreibt in einem verknüpften Kommen­tar: „Mit der Entwicklung von Virtual Reality und mobiler Technologie erweitert sich die Palette der in der Psychotherapie verfügbaren Werkzeuge. Der Einsatz von Virtual-Reality-Umgebungen, in denen die Teilnehmer mit computer­gesteuerten Situationen oder Avataren interagieren, ermöglicht einen feiner abgestimmten Ansatz zur Exposition im Rahmen der kognitiven Verhaltenstherapie.“

Angsterkrankung könnte Vorläufer einer Alzheimer-Demenz sein

Eine sich verschlimmernde Angsterkrankung bei älteren Menschen könnte auf eine sich entwickelnde Alzheimer-Demenz hinweisen. Das berichten Forscher um Nancy Donovan vom Brigham and Women’s Hospital in Boston. Ihre Arbeit ist im American Journal of Psychiatry erschienen (2018; doi: 10.1176/appi.ajp.2017.17040442).

Frühere Studien deuten laut Arbeitsgruppe darauf hin, dass Depressionen und Angstzustände Indikatoren für die Alzheimerkrankheit sein könnten, da die Symptome dieser psychischen Erkrankungen häufig in den frühen Stadien der Erkrankung auftreten.

Die genauen Ursachen der Alzheimerkrankheit sind noch unklar, aber Wissenschaftler glauben bekanntlich, dass Beta-Amyloid dabei eine Schlüsselrolle spielen könnte. Die Arbeitsgruppe um Donovan versuchte in ihrer Studie jetzt herauszufinden, ob Beta-Amyloid eine Rolle bei dem Zusammenhang zwischen der Demenz und einer Angst­störung spielen könnte.

Die Studie umfasste 270 Erwachsene im Alter von 62 bis 90 Jahren mit normaler kognitiver Funktion, die sich alle einer Positronen-Emissions-Tomographie bei Studien­beginn und jährlich während der 5-jährigen Nachbeobachtungszeit unterzogen, um den Gehalt an Beta-Amyloid in ihrem Gehirn zu bestimmen.

Symptome von Angst und Depression unter den Erwachsenen wurden mithilfe der 30 Punkte umfassenden „Geriatric Depression Scale“ erfasst. Die Wissenschaftler stellten fest, dass Studienteilnehmer, die eine Zunahme der Angstsymptome über 5 Jahre des Follow-ups zeigten, auch höhere Beta-Amyloid-Werte in ihrem Gehirn hatten. Dies deutet ihrer Auffassung nach darauf hin, dass eine Ver­schlech­terung der Angst ein frühes Zeichen für die Alzheimerkrankheit sein könnte.

Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass Folgestudien erforderlich seien, um festzustellen, ob ältere Erwachsene, die eine Zunahme der Angstsymptome erfahren, tatsächlich Alzheimer entwickeln.

Angststörungen sind in den Vereinigten Staaten weit verbreitet und betreffen etwa 40 Millionen Erwachsene pro Jahr. Schätzungen zufolge leben in den USA etwa 5,5 Millio­nen Menschen mit Alzheimer, von denen etwa 5,4 Millionen über 65 Jahre alt sind.

Neue Metaanalysen kratzen am Selbstverständnis der Psychotherapeuten:

Ist das psychotherapeutische Verfahren irrelevant für die Wirksamkeit? Haben Medikamente einen stärkeren Effekt bei Angststörungen?

Wissenschaftlich betrachtet erlebt die Psychotherapie mit ihren unterschiedlichen Ausprägungen gerade spannende Zeiten. In mehreren Symposien des Weltkongresses der Psychiatrie, der in diesem Jahr in Berlin ausgetragen wurde, ging es um ihren Stellenwert und um Wirksamkeitsvergleiche. So auch beim State-of-the-Art-Symposium zu Angststörungen, bei dem sich Prof. Jürgen Hoyer von der Technischen Universität Dresden mit der Psychotherapie und ihren Wirkmechanismen auseinandersetzte.

Ist die Medikation der Psychotherapie überlegen?

Die internationale Literatur zu Angst und kausaler Mediation ist dünn gesät. Bei seiner Recherche im Web of Science stieß Hoyer nur auf 18 Einträge. Allerdings gibt es einige rezente Publikationen, die in Fachkreisen für Furore sorgen. Ist etwa die Psychotherapie bei Angststörungen weniger wirksam als die Pharmakotherapie? Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2015 mit Studiendaten von über 37.000 Patienten ermittelte als Prä-Post-Effektstärken für die Pharmakotherapie 2,02 und für die Psychotherapie 1,22. „Ich dachte eigentlich, die Psychotherapie sei der Mercedes unter den Behandlungsverfahren“, kommentierte Hoyer dieses Ergebnis.

Anschließend rückte er die vermeintliche Überlegenheit der Medikamente zurecht: Einerseits ist der Vergleich von Prä-Post-Effektstärken in Metaanalysen methodisch nicht zuverlässig. Andererseits sind es gerade die als höchst problematisch zu bewertenden Benzodiazepine, die zu einer hohen pharmakologischen Effektstärke beitragen. Interessant ist auch die Tatsache, dass die Effektstärke (ES) von Placebo-Pillen in den letzten Jahren gestiegen ist. Den Grund dafür sieht Hoyer im verbesserten Studienmanagement, bei dem vermehrtes Kümmern auch zu einem stärkeren Placebo-Effekt führt. Zieht man die Placebo-ES von der Medikations-ES ab, landet Letztere bei < 1.

In der Praxis punkten die Medikamente allerdings mit ihrer überragenden Verfügbarkeit. Das sieht bei der Psychotherapie viel schwieriger aus, weshalb Hoyer in diesem Zusammenhang auf das Potenzial internetbasierter Interventionen verwies. Psychopharmaka sollten allerdings nur kurzfristig gegeben werden und nur, wenn es die Schwere der Erkrankung tatsächlich erfordert. Offen bleibt bisher die Frage, unter welchen Voraussetzungen eine vorausgehende Pharmakotherapie die langfristig meist indizierte Psychotherapie jeweils fördert oder behindert.

Ein „Knüller“: Psychotherapie wirkt unabhängig vom Verfahren

„Jetzt ein Knüller“ – mit diesen Worten leitete Hoyer zur nächsten Fragestellung über, die das Selbstbild der Psychotherapeuten tangiert:  Ist das psychotherapeutische Verfahren bei Angststörungen irrelevant? In einer ganz aktuellen Metaanalyse mit 23 randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) zeigte sich bei insgesamt 2.751 Patienten verfahrensunabhängig überall die gleiche Effektstärke. Ein direkter Vergleich von psychodynamischer Psychotherapie (PDT) versus kognitiver Verhaltenstherapie (KVT) wurde allerdings nur in vier Studien vorgenommen.

Hoyer gab auch zu bedenken, dass hier manualisierte Formen von psychodynamischer Psychotherapie am Start waren, die in der Praxis noch nicht verbreitet sind und auch zu neuem Verhalten (Exposition) ermuntern – also eine Überlappung zwischen den eher existenzialistisch und den eher mechanistisch orientierten Konzepten.

Im Unterschied zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie mit ihrem „Leuchtturm-Problem“ ist die Verhaltenstherapie flächendeckend und weltweit verbreitet. Eine aktuelle Studie belegt zudem, dass die Wirksamkeit der KVT in der Routineversorgung keineswegs schlechter ist als in der kontrollierten Welt der universitären RCTs.

„Insbesondere die KVT bleibt Methode der Wahl“

Das Fazit Hoyers zum „Update Wirksamkeit“ lautete: Die Psychotherapie, insbesondere die KVT, bleibt die Methode der Wahl bei Angststörungen. Nach Auffassung des Experten sollten zukünftige Psychotherapie-Studien nicht nur gegen Wartekontrollgruppen testen. Außerdem sollten sie stärker Wirkprofile von Therapien vergleichen und nicht nur die Symptomreduktion als Outcome berücksichtigen.

Bei Angststörungen sind komplexe Prozesse betroffen. Mit einem klar definierbaren Defekt fehlt auch ein klar bestimmbarer „Heil-Mechanismus“. Eine mögliche Beliebigkeit, die daraus resultiert, lässt immerhin Raum für Therapeuten-Präferenzen, so Hoyer. Ungeachtet der Logik des Vorgehens ist die Entfaltung von Überzeugungskraft von entscheidender Bedeutung, um positive Bewältigungserfahrungen und damit assoziierte Prozesse beim Patienten, wie Veränderungswillen und Selbstkontrolle, zu ermöglichen.

Wie sieht es nun bei den neuen Applikationsformen der Psychotherapie aus, sprich bei E-Mental-Health?  Hier gibt es die internetbasierte Psychotherapie bzw. Internet-Therapie als Alternative zur schwerer zugänglichen Face-to-Face-Therapie. Bei den sogenannten Serious Games handelt es sich um „Computerspiele mit expliziter und sorgsam bedachter Bildungsabsicht“. Unter Virtual Reality Exposure wiederum versteht man die Exposition des Patienten gegenüber angstbesetzten, virtuellen Stimuli in einer computergenerierten virtuellen Umwelt.

Praxis-Methode der Zukunft: „blended therapy“

„Anxiety: There is an app for that.“ Diesen Titel trägt ein kürzlich publizierter systematischer Review. Aus 5.078 kommerziell verfügbaren Apps wurden 52 ausgewählt und analysiert. Bei über der Hälfte von ihnen liegt der Fokus auf Ängsten im Allgemeinen. Implementierte Interventionsansätze beruhen zu einem Drittel auf der KVT, bei den übrigen zwei Dritteln gibt es dazu keine Angabe. Die verwendeten Techniken decken eine große Bandbreite ab, sind aber nicht in ein therapeutisches Rationale integriert. Bei mehr als der Hälfte der mobilen Angebote fehlen Angaben zur psychologischen Ausbildung der Entwickler, nur in zwei Fällen gibt es Informationen zur empirischen Evidenz. Richtlinien zur Erstellung von Apps für die psychische Gesundheitsfürsorge und eine evidenzbasierte Überprüfung fehlen bisher.

Die Internet-Therapie hat sich bei sozialer Angststörung bereits als sehr erfolgreich erwiesen. Sie könnte das Verfügbarkeitsproblem von Psychotherapie nach Ansicht Hoyers erheblich mildern. Der Verhaltenstherapeut vermutet, dass in der Praxis „blended therapy“, also die Kombination aus Face-to-Face- und internetbasierten Angeboten, von Therapeuten und Patienten am besten angenommen werden wird. Andere neue Applikationsformen erscheinen ihm bei sozialer Angststörung dagegen weniger aussichtsreich.

Referenz: Hoyer J. Update Psychotherapie und Wirkmechanismen. Angststörungen – State-of-the-Art-Symposium. WPA XVII World Congress Of Psychiatry 2017. Berlin, 11.Oktober 2017.

Angst wirkt sich auf das Immunsystem aus

Stress und Angst gehen mit epigenetischen Veränderungen einher, die nicht nur das Gehirn, sondern auch das Immunsystem beeinflussen. Das berichten Forscher des Helmholtz Zentrums München und des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in der Zeitschrift Neuropsychopharmacology (doi: 10.1038/npp.2017.102). Die Wissenschaftler sind dem Zusammenhang nachgegangen, indem sie Daten aus breiten Bevölkerungsgruppen mit denen von Patienten verglichen. So konnten sie ihre Ergebnisse im klinischen Umfeld replizieren. Zusätzlich überprüften sie ihre Erkenntnisse im Tiermodell.

Zunächst werteten sie Daten der KORA F4-Studie an 1.522 Erwachsenen im Alter von 32 bis 72 Jahren aus. Die Studienteilnehmer stammten aus Augsburg und den beiden angrenzenden Landkreisen. Die Forscher entnahmen zufällig ausgewählten Personen mit und ohne Angststörung Blutproben. Bei Personen, die unter Angstsymptomen litten, stellten die Wissenschaftler eine Zunahme der DNA-Methylierung des Gens ASB1 um fast 50 Prozent fest.

Die DNA Methylierung ist ein Teil der Epigenetik, ein wichtiger Vermittler zwischen Genen und Umwelt. Das ASB1-Gen kann die Bildung von Zellen in verschiedenen Geweben anstoßen, auch in Blut und Gehirn – es spielt nicht nur im Nervensystem, sondern auch im Immunsystem eine wichtige Rolle. Die Populations-basierten Ergeb­nisse legten also epigenetische Effekte zur Regulierung des stressempfindlichen ASB1-Gens bei schwerer Angst nahe.

Die Wissenschaftler untersuchten den Zusammenhang im Folgenden an Patienten mit Angststörungen am MPI Psychiatrie: Auch im klinischen Umfeld zeigte sich die verän­derte Regulierung von Stress und Angst durch das ASB1-Gen.

Diese Ergebnisse übertrugen die Forscher zurück in ein Tiermodell der Angst. Auch bei Mäusen konnte sie die Bedeutung des ASB1-Gens für die Regulation von Stress und Angst nachweisen. „Dies könnte einen wichtigen Ansatzpunkt für die Weiterent­wick­lung von Diagnose, Therapie und Prävention dieser häufigen psychischen Erkrankung sein“, hoffen die Wissenschaftler.

Antidepressiva: Placebos wirken bei Depressionen besser als bei Angsstörungen

Im Vergleich zu Placebo wirken Antidepressiva bei Kindern und Jugendlichen zwar signifikant, aber dennoch nur geringfügig besser. Der Unterschied schwankt dabei je nach Art der psychischen Störung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Meta-Analyse der Daten von mehr als 6.500 Patienten im Alter von bis zu 18 Jahren, die Forscher der Universität Basel und der Harvard Medical School in JAMA Psychiatry veröffentlicht haben (2017; doi: 10.1001/jamapsychiatry.2017.2432).

Effektgröße (g) für Antidepressiva

  • Ist der statistische Wert g zwischen 0,2 und 0,5 = kleiner Effekt.
  • Liegt g zwischen 0,5 und 0,8 = mittlerer Effekt.
  • Ist der Wert für g größer als 0,8 = starker Effekt.

SSRI/SNRI versus Placebo

  • für alle untersuchten psychischen Krankheitbilder: g = 0,32
  • für Angststörungen: g = 0,56
  • für Depressionen: g = 0,20
  • für Zwangsstörung: g = 0,39

In der Meta-Analyse wurden 17 Studien zu Depressionen, zehn zu Angststö­rungen, acht zu Zwangsstörungen und eine zu posttraumatischer Belastungs­störung verglichen. Der Placeboeffekt von Antidepressiva, wie selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern (SNRI) könnte vor allem bei Depressionen eine wesentliche Rolle spielen. Denn in Medikamentenstudien wirkten Placebos bei depressiven Patienten stärker als bei solchen mit einer Angststörung. Umge­kehrt hatten Antidepressiva bei Angst­störungen eine größere spezifische Wirkung als bei depressiven Störungen. Die statistischen Wirkunterschiede berechneten die Forscher dabei mit der Effektgröße (Hedge, g; siehe Kasten).

Die Studie ergab außerdem, dass Patienten, die mit Antidepressiva behandelt wurden, mehr Nebenwirkungen beklagten, als solche, die ein Placebo erhielten. Die Neben­wirkungen reichten von leichten Symptomen wie Kopfschmerzen bis hin zu suizidalen Handlungen. Daher sei es wichtig, das Verhältnis zwischen klinischem Nutzen und möglichen Nebenwirkungen im Gespräch mit dem behandelnden Arzt individuell abzuklären, sagt Erstautorin Cosima Locher. Die Autoren sehen aber auch Potenzial, die Faktoren, die bei Depressionen zum Placeboeffekt beitragen, gezielt zu nutzen.

Behandlung gegen Spinnenangst wirkt auch gegen andere Ängste

Spinnen machen vielen Menschen Angst, und wer Angst vor Spinnen hat, fürchtet sich oft auch vor anderen Tieren wie Ratten, Schlangen oder Schaben. Forscherinnen und Forscher der Ruhr-Universität Bochum (RUB) haben nun festgestellt, dass sich der Erfolg einer Behandlung gegen Spinnenangst auch auf andere zuvor furchteinflößende Tiere auswirkt: Personen, die ihre Angst vor Spinnen durch ein Konfrontationstraining reduziert hatten, fürchteten auch Schaben deutlich weniger. Das Team berichtet im Journal „Neuropsychopharmacology“.

Konfrontation ist die beste Strategie

„Befragt man Menschen, denen Spinnen Angst und Ekel einflößen, nach ihrer Angst, schildern sie häufig auch noch weitere Ängste, beispielsweise vor Ratten, Schlangen oder Schaben“, berichtet Prof. Dr. Armin Zlomuzica von der Arbeitseinheit Klinische Psychologie und Psychotherapie der RUB. Die Angst scheint sich also auch auf andere Tiere und Objekte auszuweiten, Experten sprechen von einer Furchtgeneralisierung.
Die erfolgreichste Behandlungsmethode gegen Angsterkrankungen ist die Konfrontationstherapie. Der zentrale Wirkmechanismus dabei ist das Umlernen der Furcht: Personen mit einer Spinnenangst lernen durch die Interaktion mit der Spinne, dass Spinnen nicht gefährlich und keine katastrophalen Konsequenzen zu befürchten sind. Unklar war bislang, inwieweit diese Therapiemethode auch den Umgang mit anderen furchtauslösenden Tieren, mit denen die Personen nicht konfrontiert wurden, beeinflussen kann.

Weniger Angst und Ekel

Um das zu untersuchen, teilten die Forscherinnen und Forscher 47 Personen, die gleichermaßen Angst vor Spinnen als auch vor Schaben hatten, nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen ein. Eine Gruppe erhielt sofort ein Konfrontationstraining mit Spinnen, die andere musste noch warten. Vor und nach der Behandlung befragten die Forscher die Studienteilnehmer nach ihrer Angst und testeten ihr Verhalten und ihre körperliche Stressreaktion.

Personen der ersten Gruppe berichteten im Anschluss an die Behandlung von weniger Angst und Ekel vor Spinnen im Vergleich zu der Wartekontrollgruppe, die noch keine Behandlung erhalten hatte. „Erstaunlich war, dass diese Gruppe auch von weniger Angst vor Schaben berichtete“, so Friederike Preusser aus dem Forscherteam. Die Angstreduktion zeigte sich auch auf der Verhaltens- und biologischen Ebene: Die Probanden zeigten weniger Abwehr gegenüber Schaben und weniger körperliche Stressreaktionen wie Herzklopfen während der Konfrontation mit den Insekten. „Dieser Effekt trat ein, obwohl Schaben während der Konfrontation nie präsentiert wurden“, sagt Friederike Preusser.

„Dieses Ergebnis legt nahe, dass die Konfrontation bei spezifischer Angst auch im Umgang mit anderen ähnlich angstauslösenden Reizen und Objekten helfen kann“, so Armin Zlomuzica. „Es bleibt abzuwarten, ob man diesen Effekt auch bei anderen Angsterkrankungen beobachten kann.“

Studienteilnehmer gesucht

In weiterführenden Studien wollen die Forscher nun untersuchen, wie man den Prozess der Generalisierung im Rahmen der Konfrontation gezielt verstärken kann. Interessierte, die an ausgeprägter Angst vor Spinnen, Schaben, Schlangen und anderen Tieren und Insekten leiden, können sich unter spinnentraining@rub.de für die Studien registrieren. Das Training ist kostenlos.

Förderung

Die Studie wurde gefördert durch die Forschergruppe FOR 1581 „Extinction Learning“ (TP 9: ZL 59 2/2) der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Originalveröffentlichung

Friederike Preusser, Jürgen Margraf, Armin Zlomuzica: Generalization of extinguished fear to untreated fear stimuli after exposure, in: Neuropsychopharmacology 2017, DOI: 10.1038/npp.2017.119, http://www.nature.com/npp/journal/vaop/ncurrent/abs/npp2017119a.html

Pressekontakt

Prof. Dr. Armin Zlomuzica
Klinische Psychologie und Psychotherapie
Ruhr-Universität Bochum
Tel: 0234 32 22347
E-Mail: armin.zlomuzica@rub.de
Weitere Informationen finden Sie unter
– Originalveröffentlichung