Alkoholiker erkranken häufiger und früher an Demenz

Menschen mit einer Alkoholkrankheit entwickeln mehr als 3-mal häufiger als andere eine Demenz, die häufig bereits im jüngeren Alter auftritt und einer Kohorten­studie in Lancet Public Health (2018; doi: 10.1016/S2468-2667(18)30022-7) zufolge in Frankreich der wichtigste modifizierbare, sprich vermeidbare Risikofaktor für kognitive Störungen im Alter ist.

Mehr als 100 Studien und wenigstens 23 Übersichten haben sich bereits mit den Auswirkungen des Alkoholkonsums auf das Gehirn beschäftigt. Während die Ansichten zu einem leichten Alkoholkonsum variieren – einige Studien sehen sogar günstige Effekte auf die Hirnfunktion im Alter – ist die Einschätzung zu den Folgen eines hohen Alkoholkonsums (die Grenze wird bei Männern bei 60 Gramm reinem Alkohol und 40 Gramm reinem Alkohol bei Frauen gesehen) eindeutig: Das beim Alkoholabbau entstehende Acetaldehyd (das auch für den Kater verantwortlich ist) ist neurotoxisch.

Häufiger Alkoholkonsum kann über einen Vitamin-B-Mangel ein Wernicke-Korsakow-Syndrom auslösen. Alkoholkonsum ist ein Risikofaktor für Epilepsien, Kopfverletzungen und eine hepatische Enzephalopathie. Alkoholkonsum ist zudem mit vaskulären Risiko­faktoren wie Hypertonie oder Vorhofflimmern assoziiert. Last but not least, sind viele Trinker auch starke Raucher, was über eine Zerebralsklerose das Demenzrisiko erhöht.

Frankreich gehört mit 12,2 Litern pro Jahr zu den europäischen Ländern mit dem höchsten Pro-Kopf-Konsum von Alkohol (Deutschland: 10,6 Liter). Zwar bevorzugen viele Franzosen Wein, der regelmäßig zu den Mahlzeiten und nicht primär zur Erzeugung eines Rausches getrunken wird, eine Alkoholkrankheit ist jedoch keines­wegs selten. Dies zeigt eine Analyse der Entlassungsdokumente staatlicher Kliniken, die Michaël Schwarzinger vom Translational Health Economics Network in Paris jetzt vorstellt.

Bei 945.512 von 30,5 Millionen Patienten oder 3,1 % hatten die Ärzte eine Alkohol­krankheit in den Krankenakten ihrer Patienten vermerkt. Bei 1,3 Millionen Patienten (4,2 %) stellten die Ärzte die Diagnose einer Demenz. Bei 35.034 dieser Demenz­patienten lag eine alkoholbedingte Hirnschädigung und bei weiteren 52.625 Patienten eine Alkoholkrankheit vor.

Schwarzinger ermittelt eine adjustierte Hazard Ratio von 3,34 (95-%-Konfidenzintervall3,28–3,41) für Frauen und von 3,36 (3,31–3,41) für Männer. Die Diagnose Alkohol­krankheit war damit der stärkste modifizierbare Risikofaktor für Demenzen.

Patienten mit Alkoholkrankheit entwickeln häufig frühzeitig eine Demenz: Von den 57.353 Patienten, die vor dem 65. Lebensjahr an einer Demenz erkrankten, hatten nicht weniger als 22.338 (38,9 %) eine alkoholbedingte Hirnschädigung und 10.115 (17,6 %) eine Alkoholkrankheit.

Auch wenn retrospektive Kohortenstudien mit zahlreichen Unwägbarkeiten behaftet sind, sind die Ergebnisse eindeutig. Ein ungebremster Alkoholkonsum ist eine wichtige Ursache von Demenzerkrankungen, und er ist vermutlich für einen beträchtlichen Anteil von frühzeitigen Demenzen verantwortlich. Dies sehen auch die Editorialisten Clive Ballard und Iain Lang von der Universität Exeter so. Die Studie sei immens wichtig und sie zeige die Bedeutung eines starken Alkoholkonsums für Demenzer­krankungen, von denen viele durch einen maßvollen Alkoholkonsum vermeidbar wären.

Die Entlassungsdiagnosen lassen keine Rückschlüsse auf das Ausmaß des Alkohol­konsums zu. Es bleibt deshalb offen, ab welcher Grenze das Demenzrisiko ansteigt.

Ein bedenklicher Alkoholkonsum war bei französischen Männern deutlich häufiger als bei den Frauen. Während normalerweise Frauen häufiger an einer Demenz (65 zu 35 %) erkranken, war das Geschlechterverhältnis bei den früh eintretenden Demenzen umgekehrt: 65 % der Patienten waren Männer, 35 % Frauen. Der wichtigste Grund hierfür war nach den Ergebnissen der Studie der Alkoholkonsum.

Alzheimer: Nutzen von kognitivem Training bleibt unbelegt

Helsinki – Für die These, dem Verlauf einer Alzheimererkrankung durch kognitives Training begegnen zu können, gibt es nach einer Übersichtsarbeit im Journal of Aelzheimer’s Disease kaum Belege. Die Arbeitsgruppe um Eeva-Liisa Kallio an der University of Helsinki stellte dies bei der Auswertung von mehr als 30 Studien fest (2017; doi: 10.3233/JAD-160810).

Da für einen Großteil der Demenzformen nur sehr limitierte Möglichkeiten der Pharma­kotherapie existieren, haben viele Patienten Interesse an Maßnahmen, ihre kognitiven Fähigkeiten selbst zu erhalten. In der Vorstellung, dass das Gehirn wie ein Muskel trai­niert werden könne, greifen sie oft auf verschiedene Formen des sogenannten Gehirn­joggings zurück. Bei kognitiv gesunden oder nur leicht beeinträchtigten älteren Leuten scheint solch ein Training die kognitiven Fähigkeiten zu stärken. Wir groß der Nutzen solcher Maßnahmen für Demenzpatienten ist, wurde auch bereits in einigen Studien untersucht.

In der vorliegenden Arbeit erstellten die Autoren eine Übersichtsanalyse, die insgesamt 31 solcher Studien berücksichtigte, darunter auch kontrollierte randomisierte Studien. Neben den Effekten auf die kognitiven Fähigkeiten analysierten die Wissenschaftler auch die Folgen für das psychische Wohlergehen, die Lebensqualität und Aktivitäten des täglichen Lebens.

In 24 Studien konnten die Wissenschaftler durchaus positive Effekte auf das globale Erinnerungsvermögen und die Bewältigung der geübten Aufgaben feststellen. In Bezug auf die Alltagsfunktion verbesserten sich die Probanden jedoch in der Regel nicht. Auch andere kognitive Funktionen konnten die Patienten durch das Training nicht beein­flussen.

Ein Problem vieler Studien ist laut den Forschern die häufig nur kurze Beobachtungszeit und unterschiedliche Methodiken, welche die Vergleichbarkeit der Arbeiten erschwerten. Ein weiteres Problem sei die Objektivierung des Trainingserfolgs. Die Wissenschaftler arbeiten daher momentan an einer randomisierten kontrollierten Studie, die all dies berücksichtigen soll.