Studie: ADHS-Patienten haben seltener einen Führerschein und etwas häufiger Verkehrsunfälle

Jüngere Erwachsene mit der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts­störung (ADHS) besaßen in einer US-Kohortenstudie seltener einen Führerschein und sie waren laut der Publikation in JAMA Pediatrics (2017; doi: 10.1001/jamapediatrics.2017.0910) häufiger in Verkehrsunfälle verwickelt. Das Risiko war jedoch weitaus geringer als in früheren Untersuchungen.

Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität, die Kernsymptome der ADHS, legen die Vermutung nahe, dass die Patienten häufiger als andere Menschen als Auto­fahrer in Unfälle verwickelt sind. Frühere Untersuchungen hatten bereits ein erhöhtes Risiko ermittelt. In einer viel beachteten älteren Studie war es sogar um den Faktor vier erhöht (Pediatrics 1993; 92: 212–218). Ganz so schlimm scheint die Situation jedoch nicht zu sein, wie eine aktuelle Untersuchung zeigt.

Die Untersuchung verließ sich anders als frühere Studien nicht auf die Erinnerungen von Patienten und Kontrollen. Allison Curry vom Children’s Hospital of Philadelphia (CHOP) und Mitarbeiter recherchierten vielmehr, ob 18.000 ehemalige Patienten der Kinderklinik (solche mit und ohne ADHS) später einen Führerschein erwarben und ob sie in den ersten Jahren danach in einen Unfall mit mehr als 500 Dollar Schaden verwickelt waren.

Ergebnis: Sechs Monate nach Erreichen des Mindestalters für die Fahrerlaubnis besaßen die ADHS-Patienten zu 35 Prozent seltener einen Führerschein. Die adjustiere Hazard Ratio betrug für Männer 0,65 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,61–0,70) und für Frauen 0,64 (0,58–0,70).

Die ADHS-Patienten mit Führerschein waren häufiger in Verkehrsunfälle verwickelt. Von 1.785 ADHS-Patienten verunglückten 764 (42,8 Prozent). In der Vergleichsgruppe waren es 4.715 von 13.221 Personen (35,7 Prozent). Curry ermittelt eine Hazard Ratio von 1,36 (1,25–1,48), also ein um 36 Prozent erhöhtes Risiko, das bei Männern und Frauen gleich hoch war und sich mit zunehmender Fahrpraxis nicht änderte.

Auffallend war, dass nur 12,1 Prozent der ADHS-Patienten in den 30 Tagen vor dem Unfall ein Rezept auf ein ADHS-Medikament eingelöst hatten. Das Unfallrisiko war allerdings in dieser Gruppe nicht niedriger als bei den Patienten, die zum Unfall­zeitpunkt vermutlich nicht unter medikamentöser Behandlung standen.

Online-Intervention kann bei Depressionen helfen

Bei leichten und mittelschweren Depressionen können Online-Therapien eine wirksame und effektive Alternative zur klassischen Psychotherapie sein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Freien Universität Berlin (FU Berlin) und der Techniker Krankenkasse (TK), die heute in Berlin vorgestellt wurde.

Der „Depressionscoach“ ist eine Online-Intervention für leicht bis mittelgradig depressiv belastete Erwachsene, die derzeit von der TK angeboten wird. Eine Stich­probe von 1.089 Teilnehmern des TK-Depressionscoach wurde nun erstmalig von Christine Knaevelsrud, Professorin für Klinisch-Psycholo­gische Intervention an der FU Berlin, und Kollegen evaluiert. „Es handelt sich um die derzeit größte deutsche Online-Therapie-Studie unter Versor­gungs­bedingungen“, betonte Knaevelsrud heute vor der Presse. „Die Ergeb­nisse sind im internationalen Vergleich mit anderen Online-Programmen überdurch­schnittlich und die Drop-out-Raten unterdurchschnittlich.“

Mit dem TK-Depressionscoach, der über die Internetseite der TK zugänglich ist, erhalten Betroffene über einen Zeitraum von etwa zwei Monaten Interventionen in sieben Modulen: Modul eins leitet an, Depressionen zu erkennen und zu begreifen; Modul zwei zeigt, wie sich Depressionen auf Körper und Psyche auswirken können; Modul drei leitet an, dem Tag eine klare Struktur zu geben; Modul vier hilft, Hinder­nisse im Alltag zu über­winden; Modul fünf zeigt, wie sich negative Denkmuster beein­flussen lassen und Modul sechs leitet an, hilfreiche Gedanken zu entwickeln; Modul sieben schließlich trägt dazu bei, persönliche Warnsignale zu erkennen.

Hohe Zufriedenheit der Patienten mit dem Programm

In der Evaluationsstudie erhielt ein Teil der teilnehmenden TK-Versicherten eine regel­mäßige individuelle Betreuung durch eine psychologische Beraterin, der andere Teil ein automatisiertes Feedback und Kontakt bei Bedarf. Mittels Fragebögen vor und nach der Intervention sowie drei, sechs und zwölf Monate später wurden auch die lang­fristigen Effekte untersucht. Die Teilnehmer äußerten Studienleiterin Knaevelsrud zufolge eine hohe Zufriedenheit mit dem Programm, wobei sie mit individueller Betreuung wesentlich zufriedener waren. Zudem würden die individuell Betreuten das Programm auch häufiger weiterempfehlen.

Signifikante Verminderungen der depressiven Symptome

„Hinsichtlich der Wirksamkeit haben sich signifikante und langanhaltende Verminde­run­gen der depressiven Symptome, aber auch der sogenannten Sekundär-Outcomes wie Angst und Grübeln ergeben“, berichtete die Psychotherapeutin. Das habe auch zur Folge, dass die Zahl der selbstberichteten Krankschreibungen und Krankheitstage der Teilnehmer gesunken sei. Die Verbesserungen seien auch über den Zeitraum von einem Jahr nach der Onlinetherapie weitestgehend stabil. „Die Ergebnisse sind somit vergleich­bar mit denen, die in Face-to-face-Behandlungen erzielt werden“, betonte Knaevelsrud.

Die Techniker Krankenkasse würde den Depressionscoach gerne „viel stärker“ in die Regelversorgung implementieren, betonte Susanne Klein, Leiterin der Entwicklungs­abteilung im TK-Versorgungsmanagement. „Auch für schwere Diagnosen ist in Zukunft eine Onlinetherapie denkbar. Die internationale Forschung zeigt uns, dass die Kom­bination von persönlicher Betreuung und neuen Medien hierbei durchaus gut funktioniert.“

Doch bis dahin sei es noch „ein sehr weiter Weg“, so Klein. Zum einen gelte es, Psycho­therapeuten davon zu überzeugen, ihren Patienten den Depressions­coach ergänzend oder zur Wartezeitenüberbrückung zu empfehlen. Im Weg stehe zudem, dass die Kassen Patienten aus Datenschutzgründen nicht gezielt auf die Online-Intervention aufmerksam machen dürften.

Per psychothera­peutischer Verordnung in die Klinik

Psychologische Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsycho­therapeuten dürfen künftig Krankenhausbehandlungen und Krankenbeförderungen verordnen. Damit erhalten sie mehr Entscheidungsspielraum bei der Versorgung ihrer Patienten.

Bislang durften ausschließlich Ärzte entsprechende Leistungen verschreiben. Diese Befugnis wurde nun per Gesetz ausgedehnt, die entsprechende Richtlinie durch den Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA) angepasst. Darauf hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hingewiesen.

Sobald die Honorarfrage geklärt ist, sollen demnach Therapeuten neben Krankenhaus­behandlungen sowie Krankenbeförderungen zudem auch Rehabilitationsleistungen und Soziotherapie verordnen dürfen. Hierzu werden KBV und GKV-Spitzenverband im Bewertungsausschuss innerhalb der nächsten sechs Monate eine entsprechende Vergütungsregelung für Psychotherapeuten verhandeln.

Psychotherapeuten können Patienten in ein Krankenhaus einweisen, wenn diese aufgrund psychischer Erkrankungen und Störungen stationär behandelt werden müssen. Die Verordnung ist zulässig für Diagnosen, bei denen nach der Psychothera­pie-Richtlinie eine Psychotherapie sowie eine neuropsychologische Therapie möglich sind. Für die übrigen Indikationen aus dem Kapitel V „Psychische und Verhaltens­störungen“ des ICD-10-GM muss weiterhin eine Abstimmung mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

Psychotherapeuten, die einem Patienten eine Krankenhausbehandlung verordnet haben, können ihm auch die Fahrt dorthin verordnen. Voraussetzung ist, dass die Beförderung medizinisch notwendig ist. Fahrten zur ambulanten Behandlung sind dagegen nur in bestimmten Fällen verord­nungsfähig – etwa für Patienten, die einen Schwerbehindertenausweis besitzen, Pflegegrad 3, 4 oder 5 haben oder dauerhaft in ihrer Mobilität eingeschränkt sind.

Essstörungen: Pränataler Stress begünstigt Heißhungerattacken

Heißhungerattacken, die auf Stress während der Schwangerschaft zurückzuführen sind, werden schon im Gehirn des Fötus programmiert. Entscheidend ist dabei das Geschlecht des Kindes. Eine Essstörung muss aber nicht zwangsläufig daraus resultieren. Sie tritt nur unter bestimmten Auslösern auf und könne durch eine ausgewogene Ernährung der Heranwachsenden verhindert werden, heißt es in der der Studie, die die Forscher vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München in Cell Metabolism publiziert haben (2017; doi 10.1016/j.cmet.2017.05.001).

Es ist bekannt, dass sich die Lebensumstände der Mutter während der Schwangerschaft negativ auf das spätere Leben des Nachwuchses auswirken und Männer wie Frauen für verschiedene Krankheiten anfällig machen können. Mariana Schroeder, Postdoc in der Forschungsgruppe von Alon Chen und Erstautorin einer kürzlich veröffentlichten Studie, wollte herausfinden, ob dieses Phänomen auch bei Essstörungen eine Rolle spielt.

Im Mausmodell konnten die Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Psychiatrie die Aktivierung der zentralen Stressantwort während einer fortgeschrittenen Schwanger­schaft biologisch nachbilden. Dann testeten sie, ob die Nachkommen während der Pubertät anfällig für Heißhungerattacken waren. Sie stellten fest, dass weibliche Nachkommen von Mäusen, die während der Schwangerschaft gestresst waren, eher Fressattacken entwickelten als weibliche Nachkommen nicht gestresster Mäuse.

Das Bemerkenswerteste an der Studie ist, dass wir den Ausbruch von Heißhungerattacken vollständig unterbinden konnten, indem wir den heranwachsenden Mäusen eine ausgewogene Diät verabreichten.Alon Chen, Direktor des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie

Die Forscher um Schroeder fanden zudem heraus, dass viele Moleküle im Hypothala­mus der betroffenen Nachkommen epigenetisch verändert waren. „Diese Programmie­rung während der Schwangerschaft führt jedoch nicht immer zu gestörtem Essverhal­ten. Erst wenn während der Pubertät bestimmte Auslöser auftreten, machen sich die bereits durch pränatale Programmierung gegebenen Veränderungen bemerkbar“, erklärt die Erstautorin.

„Das Bemerkenswerteste an der Studie ist, dass wir den Aus­bruch von Heißhunger­attacken vollständig unterbinden konnten, indem wir den heranwachsenden Mäusen eine ausgewogene Diät verabreichten“, sagt Alon Chen, Direktor des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie. Die Studie sei der Beweis dafür, dass Heißhungerattacken eine pränatale Programmierung zugrunde liege.

zum Thema

Zwanghafte Heißhungerattacken sind eine verbreitete Essstörung, von der bis zu drei Prozent der Bevölkerung betroffen sind, hauptsächlich Frauen. Sie nehmen häufig innerhalb kürzester Zeit große Mengen an Nahrung zu sich. Viele Betroffene sind übergewichtig und haben dadurch ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, Diabetes und Herzerkrankungen. Häufig leiden Patienten mit Heißhungerattacken auch an Depression und niedrigem Selbstwertgefühl und neigen vermehrt zu Angststörungen.

Schon moderater Alkoholkonsum schädigt das Gehirn

Oxford – Bei Männern und Frauen, die über Jahrzehnte hinweg fünf bis sieben Flaschen 0,5-l-Bier und somit etwa 110 bis 170 g reinen Alkohol pro Woche konsu­mieren, ist das Risiko einer Schrumpfung des Hippocampus doppelt bis dreimal so hoch wie bei Nichttrinkern. Darüber hinaus schnitten die moderaten Alkoholtrinker bei einigen Sprachtests schlechter ab als Abstinenzler. Zu diesem Schluss kommt eine Studie von Forschern der University of Oxford, die im British Medical Journal publiziert wurde (2017; doi: 10.1136/bmj.j2353).

Wie viel Alkohol ist enthalten?

10 g bis 12 g Alkohol entsprechen circa …

  • … 0,25 l Bier (5 Vol-%)
  • … 0,1 l Wein/Sekt (11 Vol-%)
  • … 0,2 l Longdrink mit 4 cl Wodka
    (38 Vol-%)
  • … 0,04 l Spirituose/Shot (38 Vol-%)

Moderater Alkoholkonsum

  • 110 bis 170 g Ethanol = fünf bis sieben 0,1-l-Gläser Wein/Sekt beziehuzngsweise 0,5 l Bier pro Woche

Die negativen Effekte von hohem Alkoholkonsum sind hinlänglich untersucht. Doch zu den potenziellen Schäden eines moderaten Genusses – also fünf bis sieben 0,1-l-Gläser Wein oder 0,5 l Bier pro Woche – gibt es nur wenig aussagefähige Untersuchungen.

Im Rahmen der Whitehall-II-Gesund­heitsstudie wurden 550 Männer und Frauen im Alter von durchschnittlich 43 Jahren zwischen 1985 und 2015 unter­sucht. Keiner der Probanden war zu Beginn der Studie Alkoholiker. Je mehr Alkohol die Teilnehmer pro Woche tranken, desto größer war auch der Schwund an Gehirnmasse im Hippo­campus, der für das Gedächtnis und die räumliche Orientierung zuständig ist. Wer umgerechnet zehn 0,5-l-Flaschen Bier (5 Vol-%) pro Woche (240 Gramm reiner Alkohol) zu sich nahm, hatte das größte Risiko einer sichtbaren Hippocampus-Atrophie im Magnetresonanztomografen (Odds Ratio: 5,8; Konfidenzintervall (CI): 1,8–18,6; p ≤ 0,001). Bei einem moderaten Alkoholkonsum lag die Wahrscheinlichkeit für einen Schwund im Hippocampus immer noch  bei einer Odds Ratio von 3,4 (1,4–8,1; p = 0,007). Wer hingegen maximal 56 g Ethanol in Form von etwa fünf 0,1-l-Glä­sern Wein/Sekt pro Woche trank, hatte keinen Vorteil gegenüber Nicht-Trinkern.

 zum Thema

Alkohol ruft möglicherweise Gehirnschäden schon bei Mengen hervor, die bisher als moderat gelten, warnen die Autoren um Anya Topiwala vom Warneford Hospital in Oxford. Sie fordern daher eine Überprüfung der nationalen Richtlinien zum Alkohol­genuss.

Was versteht man weltweit unter moderatem Alkoholgenuss?

Wie genau sich ein akzeptabler Alkoholkonsum pro Woche definieren lässt, variiert weltweit. In Großbritannien wurden die Richtlinien bereits im vergangenen Jahr überarbeitet: Die Regierung empfiehlt seitdem, nicht mehr als 16 g Alkohol pro Tag zu konsumieren – also 112 g pro Woche. In den USA liegt die Schwellendosis weit höher, bei 28 g pro Tag. Die Fachgesellschaften für Ernährung in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben sich auf Referenzwerte geeinigt, die für gesunde, nicht schwangere Frauen einen Konsum von 10 g Alkohol pro Tag als akzeptable Menge an Alkohol angeben, bei Männern sind es 20 g. Das wären ein halber Liter Bier pro Tag. Etwas mehr darf es nach Einschätzung der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) sein. Hier ist von einer „risikoarmen Schwellendosis“ von 12 g Alkohol pro Tag für eine Frau und 24 g für einen Mann die Rede. Frauen wird in fast allen Ländern geraten, deutlich weniger zu konsumieren.

Probiotika könnten Depressionen bei Reizdarmsyndrom lindern

Depressive Patienten, die an einem Reizdarmsyndrom leiden, könnten mit­hilfe einer Probiotika-Therapie ihre psychischen Beschwerden lindern. So lautet das Ergebnis einer klinisch randomisierten Studie, die Forscher des Farncombe Family Digestive Health Research Institute um Premysl Bercik in der Fachezeitschrift Gastroenterology veröffentlichten (2017; doi: 10.1053/j.gastro.2017.05.003).

Ein Reizdarm geht typischerweise mit Blähungen, Durchfall und Schmerzen einher. Da die Symptome zu teilweise großen Belastungen im Alltag führen, leiden laut den Autoren viele Betroffenen unter depressiven Verstimmungen. Der Grund für die Symptome ist bisher unklar. Neben einem hypersensiblen enterischen Nervensystem werden auch Faktoren wie Immunreaktionen nach Gastroenteritiden oder bakterielle Fehlbesiedlungen des Darms diskutiert. Der bakteriellen Flora wird auch in der momentanen Leitlinie zum Reizdarmsyndrom eine wichtige Rolle beigemessen. So wird in der 2010 veröffentlichten Leitlinie unter anderem eine Empfehlung für eine Behand­lung mit Probiotika ausgesprochen.

Kleine Studienpopulation

In der aktuellen – kleinen – Studie wollten die Wissenschaftler überprüfen, ob die Probiotika auch einen Einfluss auf die psychische Gesundheit der Patienten ausüben. Sie rekrutierten 44 Patienten mit einem Reizdarmsyndrom für ihre Studie. Die Hälfte wurde über zehn Wochen mit Probiotika behandelt, die Bifidobacterium longum enthielten, während die andere Hälfte ein Placebo erhielt.

Es zeigte sich, dass nach sechs Wochen 14 Patienten der Behandlungsgruppe unter weniger depressiven Symptomen litten, gegenüber sieben Patienten in der Placebo-Gruppe. In zusätzlichen funktionellen MRT-Aufnahmen zeigten sich in der Gruppe der behandelten Patienten Änderungen der Amygdala-Funktion und des limbischen Systems, die unter anderem an der Verarbeitung von Emotionen beteiligt sind.

Die ersten Ergebnisse dieser kleinen Studie bewerten die Forscher als vielverspre­chend. Künftige Untersuchungen müssten aber noch zeigen, ob sich diese auch in größeren Patientenkollektiven bestätigen lassen. Die Ergebnisse würden außerdem noch einmal die wichtige Verbindung zwischen Darmflora und Psyche unterstreichen, hieß es aus der Arbeitsgruppe.

Anorexia nervosa: Magersucht kann angeboren sein

Bisher wurde vermutet, die Essstörung Anorexia nervosa (AN) habe psychische Ursachen. Dass man aber auch eine Veranlagung dazu haben kann, konnte eine internationales Team um Laramie Duncan von der Stanford University zusammen mit Forschern von der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) jetzt erstmals nachweisen. Ihre Erkenntnisse zum neu entdeckten Gen publizierten sie in The American Journal of Psychiatry (2017; doi: 10.1176/appi.ajp.2017.16121402).

Daten von 3.495 AN-Patientinnen untersuchten die Wissenschaftler und entdeckten das Gen auf dem Chromosom 12. „Diese Region wurde bereits mit Diabetes mellitus Typ 1 und Autoimmunerkrankungen in Verbindung gebracht“, erläutert Anke Hinney von der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der UDE. Magersucht könnte so mit weiteren Erkrankungen verknüpft sein – wie etwa auch mit Schizophrenie beziehungsweise Neurotizimus: Die Gene, die dafür empfänglich machen, überlappen sich.

Erstaunlicherweise gab es zudem Hinweise darauf, dass es überlappende Mechanismen zwischen AN und verschiedenen metabolischen Phänotypen den Insulin-Glukose-Meta­bolismus betreffend gibt. „Diese Entdeckungen können das bisherige Verständnis der AN nachhaltig verändern: Eine psychiatrische Störung mit einem physiologischen Hintergrund eröffnet völlig neue und bislang unerwartete Therapieoptionen“, sagt Hinney. Außerdem könne die genetische Ursache die Betroffenen entlasten.

Magersucht gehört zu den Essstörungen. Als Ursache kommen mehrere Faktoren zusammen wie Selbstzweifel, geringes Selbstwertgefühl, Perfektionismus, übermäßige Sorge um Figur und Gewicht sowie einschneidende Erlebnisse wie Trennungs­situatio­nen oder ein Schulwechsel. Auch eine genetische Veranlagung wird seit Längerem diskutiert. Magersucht tritt am häufigsten während der Pubertät auf.

Depressionen: Leitlinien decken alle wichtigen Versorgungsaspekte ab

Köln – Evidenzbasierte Leitlinien zur Behandlung von Menschen mit Depression decken alle wichtigen Versorgungsaspekte und stimmen in den meisten Fällen inhaltlich überein. Das ist das Ergebnis einer Recherche des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Die Ergebnisse sollen in die Entwick­lung eines Disease-Management-Programms (DMP) für Depressionen einfließen.

Insgesamt bezog das IQWiG 22 Leitlinien in seine Auswertung ein. Die Aussagen der untersuchten Leitlinien sind den Wissenschaftlern zufolge inhaltlich weitgehend konsistent. Nur in wenigen Fällen widersprächen sich die Empfehlungen, wie etwa in Hinblick auf Johanniskraut als Therapie der ersten Wahl bei unipolaren Depressionen.

Allerdings zeigte die Auswertung, dass die Leitlinien oft keine Hinweise geben, welche Interventionen gegenüber anderen zu bevorzugen sind. Zudem fiel den IQWiG-Experten auf, dass es zu wichtigen versorgungsrelevanten Fragestellungen wenige oder keine Empfehlungen für Kinder und Jugendliche gibt. Für unipolare Depressionen gelte das ebenso wie für bipolare.

Acht der insgesamt 22 untersuchten Leitlinien stammen aus Großbritannien, vier aus den USA und nur drei aus Deutschland. Die Empfehlungen seien deshalb unter Umstän­den nur eingeschränkt übertragbar. „Denn die Anforderungen an die struktu­rier­ten Behandlungsprogramme, die in einer DMP-Richtlinie vom G-BA formuliert werden, beschreiben unverzichtbare Eckpunkte für die Versorgung in Deutschland“, so die Wissenschaftler.

Sie haben deshalb in ihrem Abschlussbericht angeregt, das geplante DMP in zweierlei Hinsicht zu spezifizieren: Zum einen könnte es sinnvoll sein, zwischen uni- und bipolaren Krankheitsbildern zu unterscheiden. Zum anderen könnte eine Eingrenzung auf mittelgradige und schwere Formen der Erkrankung sowie auf rezidivierende Verläufe Vorteile bieten. „Zwar seien Menschen mit Depressionen in der Öffentlichkeit inzwischen etwas weniger stigmatisiert als etwa noch vor zehn oder 20 Jahren. Gerade die zahlreichen Patienten mit einer leichten unipolaren Störung könn­ten aber davor zurückschrecken, sich in ein DMP einzuschreiben“, so die Wissen­schaftler.

Studie: Zusammenhänge von Stress, Emotionen u. Gehirnstrukturen bei manisch-depressiven Erkrankungen

Patienten mit Bipolarer Störung zwischen 18 und 65 Jahren für Studie des Psychologischen Instituts der Johannes Gutenberg-Universität Mainz gesucht
Etwa eine von 100 Personen leidet an einer manisch-depressiven Erkrankung, einer sogenannten Bipolaren Störung. Die Bipolare Störung ist eine schwere chronische Erkrankung, die Beeinträchtigungen im privaten, sozialen und beruflichen Kontext mit sich bringt. Bisher ist zwar bekannt, dass sich Gehirnstrukturen und Verarbeitungsprozesse im Gehirn infolge von Bipolaren Erkrankungen verändern können, jedoch gibt es nur wenige Befunde darüber, ob bestimmte Gehirnstrukturen schon von vorneherein oder erst mit dem längeren Bestehen dieser Krankheit verändert sind. Um genau diesen Aspekt zu untersuchen, startet das Psychologische Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) eine Studie zur Gehirnaktivität und Gehirnstruktur von Patienten mit Bipolarer Störung. Die Befunde sollen zudem in Zusammenhang mit Stresserleben und Emotionsverarbeitung gebracht werden, da erhöhter Stress im Alltag bei manchen Personen eine manische oder depressive Phase auslösen kann.

Die Studienteilnahme beinhaltet zwei Interviews (telefonisch und in den Untersuchungsräumen des Psychologischen Instituts der JGU, Wallstr. 3, gegenüber vom Mainzer Hauptbahnhof), die Beantwortung einiger Online-Fragebögen, die Bearbeitung von Aufgaben am Computer und im MRT (keine radioaktive Strahlung!). Der Termin wird individuell vereinbart und dauert ca. 5 bis 7 Stunden, die gegebenenfalls auf zwei Tage verteilt werden können. Für die Teilnahme wird eine Aufwandsentschädigung von 12 Euro pro Stunde gezahlt.

Teilnehmen können Personen, die erst eine oder auch bereits mehrere manische Phasen erlebt haben. Personen, die aktuell Benzodiazepine oder Beta-Blocker einnehmen, an einer neurologischen Erkrankung wie Parkinson oder Epilepsie leiden und bei denen schon mal eine Alkoholabhängigkeit, Magersucht oder ADHS diagnostiziert wurde, können nicht an der Studie teilnehmen.

Interessenten werden gebeten, sich per E-Mail an bipolar@uni-mainz.de oder auf dem Studien-Anrufbeantworter 06131 39-39232 zu melden (Kennwort: FUNDO Bipolar).

Weitere Informationen:
Eva Elisa Schneider
Abteilung für Klinische Psychologie und Neuropsychologie
Psychologisches Institut
Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU)
Wallstr. 3
55122 Mainz
Tel. 06131 39-39232
E-Mail: bipolar@uni-mainz.de (Betreff: FUNDO Bipolar)
http://www.klinische-psychologie-und-neuropsychologie.uni-mainz.de/forschung/fun…

Adipositas: Intervallfasten in klinischer Studie ohne Vorteile

Chicago – Eine neue Diätstrategie, die das Fasten auf jeden zweiten Tag beschränkt und den Patienten an den anderen Tagen keine Restriktionen auferlegt, hat sich in einer randomisierten klinischen Studie in JAMA Internal Medicine (2017; doi: 10.1001/jamainternmed.2017.0936) als nicht effektiver erwiesen als eine Kalorienrestriktion an allen Tagen. Die Abbruchrate war beim Intervallfasten sogar höher.

Periodisches Fasten ist derzeit sehr on vogue. Wenn die Medien richtig informiert sind, haben Stars wie Beyoncé und Benedict Cumberbatch die Methode für sich entdeckt und auch die Verlage für Ratgeberliteratur sind auf den Zug aufgesprungen. Die wissen­schaftliche Evidenz beruht jedoch – wie häufig bei Diäten zur Gewichtsreduktion – nur auf wenigen Studien mit einer kleinen Teilnehmerzahl und einer kurzen Laufzeit.

Eine Studie der Universität Chicago hat eine Variante der neuen Trend-Diät jetzt an überwiegend adipösen Erwachsenen getestet. Die hundert Teilnehmer der Studie wurden auf drei Gruppen verteilt. Die erste Gruppe wurde zu einem periodischen Fasten angehalten.

Die Teilnehmer sollten die Kalorienmenge an jedem zweiten Tag auf 25 Prozent des Grundbedarfs senken (es gab für sie nur ein kleines Mittagessen), an den Tagen dazwischen durften sie bis zu 125 Prozent der benötigten Kalorien aufnehmen. In einer zweiten Gruppe wurde die tägliche Energiezufuhr auf 75 Prozent gesenkt. Die dritte Gruppe nahm nicht an einer Diät teil.

Die Dauer der Diät war auf sechs Monate beschränkt. In den ersten drei Monaten erhielten die Teilnehmer das Essen gestellt. Danach erhielten sie eine Diätberatung. In einer zweiten Phase von sechs Monaten sollten die Teilnehmer versuchen, ihr Gewicht zu halten. Primärer Endpunkt war die Gewichtsabnahme.

Wie das Team um Krista Varady berichtet, waren beide Diäten gleich erfolgreich. Die Gewichtsabnahme der Probanden gegenüber der Kontrollgruppe betrug in den ersten sechs Monaten in beiden Gruppen 6,8 Prozent. Nach einem Jahr wogen die Teilnehmer des Intervallfastens noch 6,0 Prozent weniger als die Kontrollgruppe. Nach der konven­tionellen Restriktionsdiät waren es 5,3 Prozent weniger als in der Kontrollgruppe. Der Unterschied zwischen den beiden Diäten war nicht signifikant, ein Vorteil ist für Varady deshalb nicht zu erkennen.

Obwohl bei der Intervalldiät auf jeden Fastentag ein „Festtag“ folgte, war diese Diät für die Teilnehmer nicht unbedingt leichter. Im Gegenteil: Der Anteil der Aussteiger war mit 38 Prozent sogar höher als bei der täglichen Kalorienrestriktion, die 29 Prozent der Teilnehmer nicht bis zum Ende durchhielten. Varady befürchtet, dass die Gewichts­abnahme beim Intervallfasten weniger nachhaltig sein könnte als eine Kalorienrestriktion an allen Tagen. Was laut Varady jedoch nicht ausschließt, dass einige Menschen mit einer Intervalldiät gute Ergebnisse erzielen.

Für beide Gruppen hat sich die Diät (vorerst) positiv auf die Gesundheit ausgewirkt. Blutdruck, Herzfrequenz, Triglyzeride, Nüchternblutzucker- und -insulin, Insulinresistenz, C-reaktives Protein und Homocystein verbesserten sich gegenüber der Vergleichs­gruppe, wobei beide Diätvarianenten unterschiedliche Einflüsse auf die Cholesterinwerte hatten. Das „gesunde“ HDL-Cholesterin stieg nach sechs Monaten Intervall-Fasten stärker an als unter dem konventionellen Fasten, während der Abfall des „schlechten“ LDL-Cholesterins nach zwölf Monaten unter dem konventionellen Fasten ausgeprägter war.

Ob die beiden Diäten langfristig ein Erfolg waren, dürfte offen sein. In den meisten Studien nehmen die Patienten nach dem Ende der Betreuung wieder an Gewicht zu, was sich auch in der aktuellen Studie in einem Trend zur Gewichtszunahme in den zweiten sechs Monaten der Studie abzeichnete.