Viele Deutsche sehen keine gleichwertige Anerkennung psychischer Erkrankungen

Viele Deutsche haben den Eindruck, dass das Gesundheitssystem psychischen Erkrankungen nicht denselben Stellenwert einräumt wie körperlichen Erkrankungen. Das ergab eine heute vom Ipsos-Institut veröffentlichte Befragung. Während 84 Prozent die geistige Gesundheit für genauso wichtig halten wie die körper­liche, sehen nur 39 Prozent denselben Stellenwert der psychischen Erkrankungen im Ge­sundheitssystem.

Der Erhebung zufolge sehen 56 Prozent der Deutschen psychische Erkrankungen als Krank­heiten wie jede andere. 61 Prozent denken demnach, dass die Gesellschaft noch viel toleranter gegenüber psychisch Kranken werden müsse. 58 Prozent sehen es als Zeichen von Stärke, bei psychischen Erkrankungen Hilfe bei Experten zu suchen.

Die Auswertung ist Teil einer weltweiten Onlinebefragung. Diese ergab den Angaben zu­folge, dass sich die Deutschen deutlich weniger Gedanken über ihre psychische Gesund­heit machen als Einwohner anderer Länder.

Mit 45 Prozent gab weniger als die Hälfte der Befragten an, häufig über das eigene geisti­ge Wohlbefinden nachzudenken. Nur in vier der 29 untersuchten Länder seien es noch weniger Menschen – Schlusslicht sei Russland mit einem Anteil von 25 Prozent.

Das Institut befragte im August und September weltweit 20.030 Menschen online. In Deutsch­land umfasste die Stichprobe den Angaben zufolge 1.000 Menschen. Die Daten seien gewich­tet worden, damit sie den Strukturdaten der erwachsenen Bevölkerung ent­sprechen.