Nabiximols kann Cannabiskonsum vermindern

Eine Substitution mit Nabiximols, einer Mischung aus Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD), hat in einer randomisierten Placebo-kontrollierten Studie in JAMA Internal Medicine die Psychotherapie der Cannabis-Abhängigkeit unterstützt (2019; doi: 10.1001/jamainternmed.2019.1993).

In Australien konsumiert jeder 10. Erwachsene Cannabis. Von diesen wiederum zeigt jeder 10. Symptome einer Abhängigkeit, zu denen kognitive, psychiatrische und allgemeine körperliche Symptome gehören. Denn der tägliche hochdosierte Konsum der Cannabisdroge bleibt nicht ohne gesundheitliche Folgen. Entsprechend hoch ist die Nachfrage nach Behandlungen der Cannabis-Abhängigkeit.

Die Effektivität der derzeitigen Therapie ist nach Einschätzung von Nick Lintzeris gering. Die Rückfallquote liege bei 80 %, schreibt der Leiter der „Drug & Alcohol Services“ an der Universität Sydney. Die Ärzte haben deshalb ein Behandlungsprinzip erprobt, das bei Tabak- oder bei Heroinabhängigen angeboten wird. Sie kombinieren die Psychotherapie mit einer Substitution der Droge, die zur Abhängigkeit geführt hat.

An der Phase 3-Studie nahmen insgesamt 128 Erwachsene im Alter von durchschnittlich 35 Jahren teil. Sie hatten an 25,7 der letzten 28 Tage im Mittel täglich 2,3 Gramm Cannabis konsumiert. Alle litten unter den Folgen des Konsums und hatten sich freiwillig um eine Therapie beworben.Die Studie wurde von der Universität gesponsert, der Hersteller war nicht beteiligt.

Aufklärung allein verhilft häufig nicht zu einem drogenfreien Leben

Die Behandlung besteht aus 6 strukturierten Sitzungen einer kognitiven Verhaltenstherapie. Dort werden die Patienten zunächst über die Ursachen ihrer Abhängigkeit aufgeklärt. Anschließend werden ihnen Wege zu einem drogenfreien Leben aufgezeigt. Diese Behandlung allein führt häufig nicht zum Ziel, weshalb sie in der Studie um eine Substitution mit Nabiximols kombiniert wurde. Das Mittel enthält die beiden Cannabinoide THC und CBD. Es ist – auch in Deutschland – zur Symptomverbesserung bei schwerer Spastizität zugelassen.

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Alle Teilnehmer erhielten ein Spray, das sie bis zu 32 Mal am Tag anwenden sollten. Bei der Hälfte der Teilnehmer enthielt das Spray Nabiximols, bei der anderen Hälfte nur ein Placebo. Primärer Endpunkt der Studie war die Anzahl der Tage, an denen die Teilnehmer (nach eigener Aussage) die Cannabisdroge konsumierten.

Nabiximols verbessert Cannabiskonsum, aber nicht die Lebensqualität

Wie Lintzeris berichtet, konsumierten die Teilnehmer der Placebogruppe während der 12-wöchigen Studienphase an durchschnittlich 53,1 Tagen weiterhin Cannabis, in der Nabiximols-Gruppe dagegen nur an 35,0 Tagen. Die Differenz von 18,6 Tagen war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 3,5 bis 33,7 Tagen statistisch signifikant. Es kamen auch mehr Teilnehmer über eine ganze Woche ohne den privaten Cannabis-Konsum aus (26,5 versus 18,2 %). Der Anteil der Teilnehmer, die den Konsum um mehr als die Hälfte reduzierte war mit 54,1 % fast doppelt so hoch wie in der Placebogruppe (28,9 %).

Zu den Einschränkungen gehört, dass nur etwa die Hälfte der Teilnehmer bis zum Ende der Behandlung an der Studie teilnahm. Die Substitution hatte auch keinen nachweisbaren Einfluss auf die Entzugssymptome oder das „Craving“, und im Fragebogen SF36 zur Lebensqualität waren ebenfalls keine Vorteile zu erkennen.