Die mobile KV-Connect-Schnitt­stelle kommt

Der Datendienst KV-Connect wird künftig auch mit mobilen Endgeräten wie Smartphones funktionieren: Verschiedene Anbieter stehen in den Startlöchern. Darauf hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hingewiesen.

Mittels KV-Connect Mobile können Ärzte elektronische Arztbriefe direkt aus ihrem Praxisverwaltungssystem an mobile Endgeräte versenden. Weitere Daten, wie Labor­befunde, Medikationspläne, Röntgenbilder, Impfpässe oder Überweisungen können sie dabei als Anhang mit übertragen.

„Mit KV-Connect Mobile können erstmals Ärzte direkt aus ihrem Praxisverwaltungs­system heraus mit Gesundheits-Apps ihrer Patienten kommunizieren“, sagte Florian Fuhrmann, Geschäftsführer der KV Telematik GmbH (KVTG). Er betonte, man hoffe, mit der Schnittstelle einen wichtigen Beitrag für die Digitalisierung der Versorgung zu leisten. Die KVTG hat ein Auditierungsverfahren für Software-Hersteller eingerichtet. Darin prüft die KVTG die korrekte Umsetzung der Vorgaben für die Schnittstelle.

Als erster Hersteller hat die IBM Deutschland für das Produkt eGA dieses Auditie­rungs­verfahren bestanden. „Datensicherheit ist ein entscheidendes Akzeptanz­krite­rium für die Menschen, wenn sie neue digitale Dienste wie die elektronische Gesund­heitsakte nutzen“, erklärte Ronald Fritz, Partner bei IBM.

Zudem arbeitet das Unternehmen Vivy an der Implementierung. „Die Integration von KV-Connect Mobile ist für uns ein wichtiger Schritt, Vivy-Nutzern dabei zu helfen Do­kumente von ihrem Arzt zu erhalten und unsere patientenzentrierte Ausrichtung zu un­termauern“, sagte Christian Rebernik, Vivy-Geschäftsführer. Die wichtigste Währung sei das Vertrauen der Nutzer.

Die Techniker Krankenkasse (TK) ist mit TK-Safe mittlerweile auditiert. „Mit der Vernet­zung von TK-Safe über KV-Connect schaffen wir einen direkten, sicheren Übertra­gungsweg zwischen niedergelassenen Ärzten und unserer Gesundheitsakte“, sagte Susanne Ozegowski, fachliche Projektleiterin der elektronischen Gesundheitsakte bei der TK. Dies sei ein wichtiger Meilenstein, „um einen echten Mehrwert für die Versor­gung mit Hilfe der Digitalisierung erlebbar zu machen“, so Ozegowski. 

KV Bayern moniert unzulässige Anrufe bei Patienten

Psychotherapeuten in Bayern verwahren sich gegen die Einmischung von Krankenkassen in laufende Behandlungen. Dies sei ein gravierender Eingriff in die Therapiefreiheit.

In Bayern gibt es gehäufte Beschwerden, dass Krankenkassen unaufgefordert bei Patienten anrufen, die sich in psychotherapeutischer Behandlung befinden. Ihnen werde von den Kassen die Teilnahme an einer Online-Psychotherapie empfohlen.

Darauf hat Claudia Ritter-Rupp, zweite stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KV Bayerns (KVB), kürzlich bei der Vertreterversammlung in München hingewiesen. Nach ihren Worten handelt es sich dabei um ein „wirklich ernstes Thema“, das auch über die Grenzen Bayerns hinausreiche.

Aus juristischer Sicht seien diese Einmischungen nicht zu rechtfertigen, so Ritter-Rupp. So würden die Beratungs- und Informationspflichten der Kassen nicht zum unaufgeforderten selektiven Anruf bei Patienten befugen.

Zudem handele es sich hierbei um einen Verstoß gegen datenschutzrechtliche Bestimmungen. Demnach sei die selektive Verwendung von Diagnosen zum Anbieten bestimmter Programme der Krankenkassen unzulässig.

„Gravierender Eingriff in die Therapiefreiheit“

Im Übrigen liege in diesen Fällen in der Regel nicht die schriftliche Information und Einwilligung der Patienten zur Datenverwendung vor. Schließlich finde hier eine unverschlüsselte Übermittlung von Sozialdaten durch Krankenkassen beziehungsweise deren Managementgesellschaften statt.

Die KVB-Vorstandsfrau wertet diese Praxis als gravierenden Eingriff in die Therapiefreiheit. Sie beeinträchtige die vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung und habe negative Auswirkungen auf den Behandlungsverlauf.

Um diese Einmischungen zu beenden, habe sich die KVB mit den Kassen auseinandergesetzt. Mit der DAK und deren verbundenem Versorgungsangebot Veovita Gesundheit habe man persönliche Gespräche geführt, die DAK wurde zudem schriftlich zur Unterlassung aufgefordert, was diese auch bestätigt habe.

Unabhängig vom Vorgehen der Krankenkassen sind Ritter-Rupp die zahlreichen Online-Psychotherapieangebote ein Dorn im Auge. Ihrer Ansicht nach gehe es dabei um kommerzielle Orientierung statt um Qualität. Es gebe keine einheitlichen Standards sowie erhebliche Sicherheitslecks und Qualitätsmängel bei entsprechenden Apps.

Im Übrigen finde nur eine Beratung und keine Therapie statt. Nicht selten werde nicht einmal eine ordentliche Diagnostik durchgeführt. Zudem würden die Portalbetreiber auch keine Haftung übernehmen. Ritter-Rupp fordert, dass für diese Angebote ethische und juristische Regeln aufgestellt werden.

Therapy conversation with the psychologist

Spahn stößt Verbot von „Therapien“ gegen Homosexualität an

Bis heute versuchen Ärzte, Therapeuten und Prediger, Homosexuelle von ihrer Sexualität abzubringen. Jens Spahn will noch dieses Jahr einen Gesetzesvorschlag vorlegen, der das untersagt.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht gute Chancen, Konversionstherapien zur „Umpolung“ Homosexueller schnell zu verbieten. „Konversionstherapien machen krank und sind nicht gesund“, sagte Spahn in Berlin. Er strebe jetzt zügige Gespräche mit dem Bundesjustizministerium an.

Ziel sei, noch dieses Jahr ein Gesetzentwurf für ein Verbot auf den Weg zu bringen. Spahn hatte im Frühjahr eine 46-köpfige Expertenkommission zum Thema eingesetzt. Diese kommt gemeinsam mit zwei wissenschaftlichen Gutachten zum Schluss, dass ein Verbot aus medizinischer Sicht geboten und aus rechtlicher Sicht möglich sei.

„Die Kommission und die Gutachter haben gute Lösungsansätze aufgezeigt, wie wir ein Verbot dieser Therapien regeln können“, kommentierte Spahn den Zwischenstand. „Auf dieser Grundlage werden wir auf das Justizministerium zugehen, um zügig zu entscheiden, wie und was wir in Deutschland umsetzen.“

Negative Folgen bis hin zum Suizid

In einem der beiden Gutachten schreibt Sexualwissenschaftler Peer Briken vom UKE Hamburg, dass es weder soziologisch, noch psychologisch oder medizinisch Hinweise darauf gebe, dass Homosexualität eine Störung oder gar Krankheit sei. Aus diesem Grund gebe es auch keinen Anlass, sie zu therapieren.

Zusätzlich existieren nicht einmal Belege dafür, dass sich die sexuelle Orientierung durch die vermeintlichen Therapien überhaupt dauerhaft verändern lässt. Deutlich besser belegt sind die möglichen negativen Folgen der „Therapien“, sie reichen von Depressionen über Suizidalität bis hin zu sexuellen Problemen.

Auch andere Wissenschaftler gehen davon aus, dass Konversionstherapien Leben zerstören können. „Statt den Patienten in seiner homosexuellen Identität zu stärken, zerstören sie sein Selbstbild“, sagte Lieselotte Mahler, Oberärztin an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité.

Deutschland: Tausende Fälle pro Jahr

In Deutschland müsse von Tausenden Fällen pro Jahr ausgegangen werden, in denen versucht werde, homosexuelle Menschen durch fragwürdige Methoden umzuerziehen, erklärte Jörg Litwinschuh-Barthel von der Magnus-Hirschfeld-Stiftung, die die Kommission fachlich begleitet. Die Versuche reichten vom familiären Umfeld, Coaches und Therapeuten über Gebete bis hin zu Exorzismus.

Bei einer Betroffenen etwa wurde die Veränderung ihrer Homosexualität im Verlauf einer Psychotherapie nach einem Jahr plötzlich zum Therapieziel. Die „Therapeutin“ versuchte laut einer Mitteilung des Bundesgesundheitsministeriums unter anderem mit Lichttherapie und indoktrinierenden Gesprächen, die sexuelle Orientierung der Frau zu beeinflussen. Als sie zusätzlich noch eine Elektroschockbehandlung vorschlug, endete die „Therapie“.

Vor Kurzem hatten sich auch die Bundesländer für ein Verbot der Konversionstherapien ausgesprochen. Der Bundesrat hatte Mitte Mai in einer Entschließung die Bundesregierung aufgefordert, die rechtlichen Voraussetzungen dafür zu prüfen.

By Sander van der Wel from Netherlands (Depressed) [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons
By Sander van der Wel from Netherlands (Depressed) [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

Wie lange sollte eine Psychotherapie dauern?

Ist länger immer besser? Forscher haben untersucht, ab wie vielen Therapiestunden Patienten kaum noch Fortschritte erzielen.

Wie lange sollte eine Psychotherapie dauern? Eine für jeden Patienten gültige Antwort kann es offenkundig nicht geben. Psychologen um Louisa Robinson von der University of Sheffield untersuchten nun aber die Frage, nach welcher Dauer im Durchschnitt der Punkt erreicht ist, an dem eine längere Behandlung keinen nennenswerten zusätzlichen Nutzen mehr bringt.

Für ihre Übersichtsarbeit werteten die Forscher 26 bereits erschienene Studien neu aus. Diese hatten jeweils die Dosis-Wirkungs-Beziehung für verschiedene Arten von Psychotherapie untersucht, darunter psychodynamische Therapie, kognitive Verhaltenstherapie und integrative Verfahren. Die Behandlungen fanden in Einrichtungen wie Ambulanzen, Tageskliniken und Hausarztpraxen statt.

Über alle Einzelstudien hinweg zeichnete sich ab, dass die optimale Dauer einer Psychotherapie zwischen 4 und 24 Sitzungen lag. Nach dieser Zeit war bei mindestens der Hälfte der Patienten eine deutliche Verbesserung der Symptome eingetreten. Darüber hinausgehende Therapiesitzungen führten dagegen kaum noch zu relevanten Fortschritten.

Die Spanne ergebe sich daraus, dass Menschen unterschiedlich gut auf Psychotherapie ansprechen, schreiben die Forscher: Manchen Betroffenen gehe es schon nach vier Sitzungen spürbar besser. Patienten mit so genannter »allmählicher Reaktion« bräuchten dagegen eher mehr Stunden. Es gebe aber insgesamt nur »geringe Evidenz« dafür, dass Langzeittherapien von über 30 Sitzungen sinnvoll seien, so Robinson und ihre Kollegen. Das gelte jedoch ausdrücklich nicht für besonders schwere oder chronisch bestehende seelische Probleme wie beispielsweise Persönlichkeitsstörungen.

Therapy conversation with the psychologist

Meditations-App fördert Aufmerksamkeit und Gedächtnis

Ausgerechnet eine App für Tablets soll jungen Menschen helfen, ihre durch den ständigen Internetkonsum verminderte Konzentrationsfähigkeit zu verbessern. Eine Studie in Nature Human Behaviour (2019; doi: 10.1038/s41562-019-0611-9) zeigt, dass die Meditationsübungen mit der App tatsächlich eine positive Wirkung erzielten. Die Probanden schnitten in  Konzentrationstests besser ab, und physiologische Untersuchungen dokumentierten eine Veränderung in der „Hardware“ des Gehirns.

Seit es Videospiele, Computer und Smartphones gibt, sinkt die Konzentrationsfähigkeit junger Menschen. Die Folge sind schlechtere Leistungen in der Schule und auf der Universität. Viele Studenten greifen zu chemischen Stimulanzien, um den Anforderungen des Lernens gerecht zu werden. In den USA sollen 43 Prozent der Collegestudenten regelmäßig zu Methylphenidat und anderen „Aufputschmitteln“ greifen. 

Eine weitere Möglichkeit, Aufmerksamkeit und Konzentration zu verbessern, könnte eine fokussierte Meditation sein. Bei den Übungen geht es darum, sich auf die Atem­bewegungen zu konzentrieren und dadurch den Geist gegen die ständig wechselnden Zerstreuungen abzuschirmen, denen gerade viele jüngere Menschen ausgesetzt sind.

Meditationen sind jedoch schwer zu erlernen und einen persönlichen Trainer können sich die wenigsten jungen Menschen leisten. Forscher der Universität von Kalifornien in San Francisco haben deshalb eine App entwickelt, die es jungen Menschen ermöglichen soll, ohne Schwellenängste eine Meditationstechnik zu erlernen. Sie haben sich dabei von dem langjährigen Lehrer für buddhistische Meditationen und ausgebildeten Psychologen Jack Kornfield beraten lassen. 

Die App startet mit einer einfachen kurzen Atemübung. Am Ende werden die Nutzer aufgefordert, mitzuteilen, wie lange es ihnen gelungen ist, sich allein auf die Atmung zu konzentrieren und andere Gedanken auszublenden. Von diesem Ergebnis hängt ab, ob die Teilnehmer beim nächsten Mal eine um 10 % längere oder eine um 20 % kürzere Meditation durchführen.

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Laut Studienleiter Adam Gazzaley von „Neuroscape“, einem Institut der Universität von Kalifornien in San Francisco, hat der einfache Algorithmus Wirkung gezeigt. Die 59 Studienteilnehmer im Alter von 18 bis 35 Jahren konnten die Dauer der erfolgreichen Meditationen von Anfangs 20 bis 47,5 Sekunden auf im Durchschnitt 346 Sekunden am Ende der sechsten Woche steigern. Um diesen Fortschritt zu erreichen, mussten die Teilnehmer etwa 20 bis 30 Minuten am Tag mit der Meditations-App üben. 

Die „Belohnung“ bestand in zunehmend besseren Ergebnissen in einem Vigilanztest (bei dem die Teilnehmer auf ein selten erscheinendes Symbol reagieren mussten). Je länger die Meditationsphasen der Teilnehmer waren, desto besser wurden die Ergebnisse in dem Vigilanztest.

Diese Veränderungen konnten die Forscher mit der Elektroenzephalografie (EEG) messen. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die andere Apps (etwa eine Sprachlern­software) verwendet hatte, bestanden signifikante Unterschiede, die vor allem in den EEG-Ableitungen über dem mittleren Frontalhirn auftraten. 

Die Analyse von ereigniskorrelierten Potenzialen, bei denen die EEG-Reaktionen auf bestimmte Reize untersucht werden, bestätigte, dass die Meditationen eine Veränderung im Frontalhirn erzielt hatten. Die sogenannte Pb3-Latenz verminderte sich, während es in der Placebogruppe (unter Einfluss der anderen Apps) eher zu einer Verlängerung kam.

Die Studie zeigt, dass Schüler und Studenten mit der Meditations-App ihre Konzentrations­fähigkeit verbessern und im Gehirn etwas „bewegen“ können. Den Beweis, dass sich dadurch die akademischen Leistungen verbessern, blieb die Studie jedoch schuldig. Die Forscher haben die App patentieren lassen. In den App-Stores wird „MediTrain“ zum Zeitpunkt des Berichts noch nicht angeboten.