KV Bayern moniert unzulässige Anrufe bei Patienten

Psychotherapeuten in Bayern verwahren sich gegen die Einmischung von Krankenkassen in laufende Behandlungen. Dies sei ein gravierender Eingriff in die Therapiefreiheit.

In Bayern gibt es gehäufte Beschwerden, dass Krankenkassen unaufgefordert bei Patienten anrufen, die sich in psychotherapeutischer Behandlung befinden. Ihnen werde von den Kassen die Teilnahme an einer Online-Psychotherapie empfohlen.

Darauf hat Claudia Ritter-Rupp, zweite stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KV Bayerns (KVB), kürzlich bei der Vertreterversammlung in München hingewiesen. Nach ihren Worten handelt es sich dabei um ein „wirklich ernstes Thema“, das auch über die Grenzen Bayerns hinausreiche.

Aus juristischer Sicht seien diese Einmischungen nicht zu rechtfertigen, so Ritter-Rupp. So würden die Beratungs- und Informationspflichten der Kassen nicht zum unaufgeforderten selektiven Anruf bei Patienten befugen.

Zudem handele es sich hierbei um einen Verstoß gegen datenschutzrechtliche Bestimmungen. Demnach sei die selektive Verwendung von Diagnosen zum Anbieten bestimmter Programme der Krankenkassen unzulässig.

„Gravierender Eingriff in die Therapiefreiheit“

Im Übrigen liege in diesen Fällen in der Regel nicht die schriftliche Information und Einwilligung der Patienten zur Datenverwendung vor. Schließlich finde hier eine unverschlüsselte Übermittlung von Sozialdaten durch Krankenkassen beziehungsweise deren Managementgesellschaften statt.

Die KVB-Vorstandsfrau wertet diese Praxis als gravierenden Eingriff in die Therapiefreiheit. Sie beeinträchtige die vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung und habe negative Auswirkungen auf den Behandlungsverlauf.

Um diese Einmischungen zu beenden, habe sich die KVB mit den Kassen auseinandergesetzt. Mit der DAK und deren verbundenem Versorgungsangebot Veovita Gesundheit habe man persönliche Gespräche geführt, die DAK wurde zudem schriftlich zur Unterlassung aufgefordert, was diese auch bestätigt habe.

Unabhängig vom Vorgehen der Krankenkassen sind Ritter-Rupp die zahlreichen Online-Psychotherapieangebote ein Dorn im Auge. Ihrer Ansicht nach gehe es dabei um kommerzielle Orientierung statt um Qualität. Es gebe keine einheitlichen Standards sowie erhebliche Sicherheitslecks und Qualitätsmängel bei entsprechenden Apps.

Im Übrigen finde nur eine Beratung und keine Therapie statt. Nicht selten werde nicht einmal eine ordentliche Diagnostik durchgeführt. Zudem würden die Portalbetreiber auch keine Haftung übernehmen. Ritter-Rupp fordert, dass für diese Angebote ethische und juristische Regeln aufgestellt werden.

Therapy conversation with the psychologist