Bayerischer Ärztetag macht Weg für ausschließliche Fernbehandlung frei

Der 77. Bayerische Ärztetag hat sich dafür ausgesprochen, die ausschließ­liche Beratung oder Behandlung über Kommunikationsmedien von Patienten ohne bisherigen Arzt-Patzienten-Kontakt im Einzelfall zu erlauben. Dazu beschlossen die Delegierten eine Änderung der Berufsordnung für die Ärzte Bayerns (BO) im Paragraf 7 Absatz 4.

Voraussetzung ist, dass die ausschließliche Fernbehandlung ärztlich vertretbar ist und die erforderliche ärztliche Sorgfalt insbesondere durch die Art und Weise der Befunderhebung, Beratung, Behandlung sowie Dokumentation gewahrt wird. Zudem muss der Patient über die Besonderheiten der ausschließlichen Beratung und Behandlung über Kommunikationsmedien aufgeklärt sein.

Die Techniker Krankenkasse (TK) begrüßte die Entscheidung. 28 Prozent der Bayern wünschten sich, Arztgespräche per Video von zu Hause aus führen zu können. „Der Freistaat liegt damit über dem bundesweiten Wert von 25 Prozent“, teilte TK-Landeschef Christian Bredl mit.

In einem Flächenstaat wie Bayern könnten vor allem ältere und weniger mobile Menschen auf dem Land von der Lockerung profitieren. Ihnen bleibe im Idealfall der beschwerliche Weg in die Praxis öfters erspart. Überfüllte Ambulanzen und Wartezimmer werde dies entlasten.

Der Ärztetag forderte zudem unter anderem, die Zahl der Studienplätze für Humanmedizin auf mindestens 17.000 pro Jahr zu erhöhen – so viele habe es deutschlandweit vor der Wiedervereinigung gegeben. Im vergangenen Jahr seien nur 10.750 Plätze für Studienanfänger angeboten worden. Gleichzeitig müssten die medizinischen Fakultäten mehr Geld bekommen, um dem Ärztemangel entgegenzuwirken.

Der Präsident der Bayerischen Lan­des­ärz­te­kam­mer (BLÄK), Gerald Quitterer, hatte auf dem Ärztetag seine Forderung nach mehr universitären Studienplätzen wiederholt. „Als wichtigste Maßnahme müssen die Studienplätze im Bereich Humanmedizin in Deutschland vermehrt und die dafür notwendigen Finanzmittel durch die Länder bereitgestellt werden“, sagte Quitterer.

Er machte darüber hinaus deutlich, dass die Chancen der Digitalisierung nicht in einem Datensammeln enden dürfen. „Der geschützte und vertraute Raum der persönlichen Beziehung zwischen Arzt und Patient droht dadurch aufgebrochen zu werden“, sagte er. Ärzte stünden jedoch für diesen geschützten Raum und seien Ansprechpartner nicht nur in Fragen der Gesundheit, sondern auch der Prävention.

Bayerns Ge­sund­heits­mi­nis­terin Melanie Huml (CSU) nutzte den Ärztetag, um auf Anstrengungen im Kampf gegen den Landarztmagel hinzuweisen. Das bayerische Landarzt-Förderprogramm befinde sich weiter auf Erfolgskurs, sagte sie. Inzwischen habe man 472 Mediziner bei ihrer Praxisgründung unterstützt – darunter 380 Hausärzte.