Zusammenhang zwischen Herpesviren und Depression vermutet

Würzburg – Patienten mit bipolaren und schweren depressiven Störungen zeigen in den Purkinje-Neuronen im Kleinhirn eine hohe Infektionsrate mit dem menschlichen Herpesvirus HHV-6. Das berichten Wissenschaftler vom Institut für Virologie und Immunbiologie der Universität Würzburg gemeinsam mit Forschern in den USA. Die Arbeit ist der Zeitschrift Frontiers in Microbiology erschienen (2018; doi: 10.3389/fmicb.2018.01955).

Es ist schon seit Längerem bekannt, dass erbliche Faktoren das Risiko erhöhen, an verschiedenen Arten psychiatrischer Störungen wie bipolaren Störungen, schweren Depressionen und Schizophrenie zu erkranken, hieß es aus der Arbeitsgruppe um Bhupesh Prusty, Gruppenleiter am Lehrstuhl für Mikrobiologie.

Daneben habe es allerdings immer wieder auch Hinweise darauf gegeben, dass Umweltfaktoren in dem Krankheitsgeschehen eine Rolle spielen können – vor allem, wenn sie in jungen Jahren eine Entzündung im Nervensystem verursachen. „Viren können die Entwicklung von Nervenzellen stören und die Interaktion mit dem Immunsystem in wichtigen Entwicklungsstadien behindern“, erklärte Prusty.

Prusty und sein Team hatten den Verdacht, dass menschliche Herpesviren vom Typ HHV-6A und HHV-6B eine Schlüsselrolle bei der Entstehung psychiatrischer Störungen spielen könnten. Sie haben deshalb zwei der größten menschlichen Hirnbiopsie-Kohorten des Stanley Medical Research Institute analysiert und wurden dabei fündig.

„Wir konnten bei Patienten mit bipolaren und schweren depressiven Störungen eine erhöhte Rate von aktiven Infektionen mit humanen Herpesviren vorwiegend in Purkinje-Zellen des menschlichen Kleinhirns nachweisen“, fasst Prusty das zentrale Ergebnis der Studie zusammen.

Purkinje-Zellen sind ein Bestandteil des menschlichen Kleinhirns – dem Teil des Gehirns, das in erster Linie für motorisches Lernen und die Feinsteuerung von Muskelspannung und Bewegungen zuständig ist, das aber auch Gefühle, Wahrnehmung, Gedächtnis und Sprache beeinflusst.

In einem nächsten Schritt wollen die Würzburger Wissenschaftler nun molekularen Mechanismen entschlüsseln, den die Herpesviren an Purkinje-Neuronen auslösen und über die gegebenenfalls Schäden entstehen.