Adipositas und metabolische Erkrankungen: S3-Leitlinie soll Eingriff schneller möglich machen

Eine neue Leitlinie „Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen“ soll nach Auffassung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) Magen-Operationen bei geeigneten Diabetespatienten künftig schneller möglich machen. Zu den Standard­verfahren der metabolischen Chirurgie zählen die Magen-Bypass-Operation – dabei wird der Magen durch einen Teil des Dünndarms überbrückt – sowie Verkleinerungen des Magenvolumens zu einem Schlauchmagen.

Laut Leitlinie steht bei diesen Operationen weniger der alleinige Gewichtsverlust im Vordergrund, sondern eine Verbesserung des Stoffwechsels und Gesundheitszustandes zugunsten der Lebensqualität und Lebenserwartung. „Diese Richtungsänderung ermöglicht, die Kostenübernahme metabolischer Operationen einfacher und patientenorientierter zu gestalten, die hoffentlich zur Regelleistung der Gesetzlichen Krankenkassen werden“, erläuterte der DDG-Präsident Dirk Müller-Wieland.

Operation schneller möglich

Patienten mit einem Typ-2-Diabetes und Adipositas dritten Grades – also einem Body-Mass-Index über 40 kg/m² – brauchten nun keinen Nachweis mehr erbringen, dass sie die Möglichkeiten der Gewichtsregulierung ausgeschöpft haben und nur noch die metabolische Operation helfen könne. Sie könnten laut Leitlinie künftig sofort operiert werden, weil davon auszugehen sei, dass die Patienten im Rahmen von Schulungsprogrammen ausreichende Kenntnis über Lebensstiltherapie und Ernährung erhalten haben. Die Leitlinie ist laut DDG damit ein Instrument zur Optimierung der Behandlung von Adipositas und metabolischen Erkrankungen, insbesondere des Typ-2-Diabetes.

Der Eingriff sei auch für Diabetespatienten mit einem BMI über 35 kg/m² empfehlens­wert, wenn sich die diabetesspezifischen Therapieziele durch Medikamente und Lebensstiländerungen wie Ernährungsumstellung und Bewegung nach Einschätzung der behandelnden Diabetologen nicht erreichen lassen.

„Für krankhaft übergewichtige Diabetespatienten kann die Operation ein lebensrettender Ausweg aus einem langen Martyrium sein“, sagte Jens Aberle, ärztlicher Leiter des Adipositas-Centrums am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und Co-Autor der Leitlinie. Bei schwerer Adipositas gelinge es nur in wenigen Einzelfällen, durch Ernährungsumstellung und mehr Bewegung das Gewicht zu reduzieren. „Die metabolische Chirurgie ist für Patienten mit schwer kontrollierbaren Blutzuckerwerten daher eine effektive antidiabetische Therapie“, betonte Aberle.

Die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie hat die aktualisierte Leitlinie federführend erarbeitet. Neben der DDG haben sich auch andere Fachge­sellschaften beteiligt, unter anderem die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie, die Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen und die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin.