Psychosen für jeden zehnten Suizid verantwortlich

Patienten mit einer Psychose-Spektrum-Störung haben ein deutlich erhöhtes Suizidrisiko. In der kanadischen Provinz Ontario entfielen laut einer Studie in Schizophrenia Research (2018; doi: 10.1016/j.schres.2018.06.025) fast 12 Prozent aller Suizide auf eine Schizophrenie oder andere Psychosen.

In den Jahren 2008 bis 2012 nahmen sich in Ontario 5.660 Menschen das Leben. Bei 663 Personen oder 11,7 Prozent konnte Juveria Zaheer vom Centre for Addiction and Mental Health in Toronto eine Psychose-Spektrum-Störung in der Vorgeschichte ermitteln. Zur Psychose-Spektrum-Störung gehören Schizophrenie, schizoaffektive Störung oder andere nicht näher bezeichnete Psychosen.

Da in Ontario wie in den meisten anderen Ländern nur etwa 1 Prozent der Bevölkerung an einer Psychose-Spektrum-Störung leidet, bedeutet dies, dass Menschen mit einer Psychose ein deutlich erhöhtes Suizidrisiko haben.

Patienten mit Psychose-Spektrum-Störung nehmen sich außerdem deutlich früher das Leben als andere Menschen. Laut Zaheer entfiel jeder fünfte Suizid in der Altersgruppe zwischen 25 und 34 Jahren. Bei den Selbstmördern ohne Psychose-Spektrum-Störung war es nur einer von zehn Personen.

Mehr als die Hälfte der Patienten mit Psychose-Spektrum-Störung hatten in den 30 Tagen vor ihrem Freitod Kontakt zu psychiatrischen Einrichtungen, bei den Personen ohne Psychose-Spektrum-Störung Personen war nur einer von vier in medizinischer Behandlung.

Diese Zahlen zeigen nach Ansicht von Zaheer, dass selbst in Ontario, wo viele Patienten bereits bei der ersten Episode einer Psychose in Behandlung sind, Chancen für eine rechtzeitige Suizid-Präventionen in der am meisten bedrohten Personengruppe versäumt wird.