USA: Starke Zunahme der Suizide

Immer mehr US-Amerikaner scheiden durch Freitod vorzeitig aus dem Leben. Die Suizidrate hat sich laut einer Studie in Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR2018; 67: 617–624) seit 1999 um fast 30 % erhöht. Mentale Erkrankungen lagen nur bei etwa der Hälfte der Personen vor.

Laut der Aufstellung der Centers for Disease Control and Prevention haben sich 2016 fast 45.000 Menschen das Leben genommen. Die Suizidrate liegt damit bei 15,6 pro 100.000 Einwohner (in Deutschland 13,0/100.000). Betroffen von der Zunahme sind alle Staaten außer Nevada, wo die Suizidrate traditionell über dem Durchschnitt liegt. Der Anteil der Männer liegt bei 84 % und die am stärksten betroffene Altersgruppe sind die 45- bis 64-Jährigen. Die bevorzugte Suizidmethode sind Handfeuerwaffen, gefolgt von Erhängen und der Einnahme von Gift.

Gründe für den Anstieg konnte die Studie nicht ermitteln. Auffällig ist jedoch, dass nur 54 % zum Zeitpunkt ihres Todes in psychiatrischer Behandlung waren (allerdings hatten zwei Drittel einen Drogenkonsum oder eine mentale Erkrankung in der Vorgeschichte). Bei der Hälfte der Suizide ließen sich  Lebensstressoren (50,5 versus 47,2 % in 1999) ermitteln, dazu gehörten strafrechtliche Probleme (10,7 versus 6,2 %) oder eine Zwangsräumung/Verlust des Hauses (4,3 versus 3,4 %).

Es gibt Hinweise, dass neben der Opiatkrise auch die Verschlechterung der wirtschaft­lichen Lage weiter Teile der Bevölkerung für die Zunahme der Selbsttötungen verantwortlich ist. In der letzten Immobilien- und Finanzkrise von 2007 haben viele Amerikaner ihr Wohneigentum verloren. Dieser negative „Wealth Shock“ hat laut einer jüngst im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2018; 319: 1341–1350) veröffentlichten Studie zu einem Anstieg des Sterberisikos geführt.