Depressionen bei älteren Menschen hartnäckiger

Depressionen haben bei älteren Menschen eine schlechtere Prognose. Die Episoden dauern länger und laut einer Langzeituntersuchung in Lancet Psychiatry(2018; doi: 10.1016/S2215-0366(18)30166-4) kommt es häufiger zu einer chronischen Majordepression, von der viele ältere Patienten sich nicht erholen.

Jeder fünfte Erwachsene erleidet im Verlauf seines Lebens eine depressive Episode. Die meisten erholen sich mit der Zeit und bleiben danach häufig psychisch gesund. Eine Gruppe um Roxanne Schaakxs vom VU Medisch Centrum in Amsterdam hat jetzt in einer Langzeitstudie untersucht, welchen Einfluss das Alter auf den Verlauf der Erkrankung hat.

Grundlage der Studie sind die Daten aus 2 Kohortenstudien, die Patienten mit Depressionen über einen Zeitraum von 2 Jahren begleitet haben. An der NESDA(„Netherlands Study of Depression and Anxiety“) hatten 2.981 Personen im Alter von 18 bis 65 Jahren teilgenommen, bei denen eine Depression oder eine Angststörung diagnostiziert worden war. An der NESDO („Netherlands Study of Depression in Older Persons“) hatten 510 Senioren im Alter von 65 bis 90 Jahren teilgenommen, bei denen eine Depression (aber keine Angststörung) diagnostiziert worden war. Beide Studien hatten ein ähnliches Design, sodass Schaakxs die Daten zusammen auswerten konnte.

Ergebnis: Mit zunehmendem Alter kam es im Verlauf von 2 Jahren häufiger zur Diagnose einer Majordepression. Pro 10 Jahre Lebensalter ermittelt Schaakxs eine Odds Ratio (OR) von 1,08, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,00 bis 1,17 signifikant war. Die Depressionen neigten mit zunehmendem Alter der Patienten auch zu einem chronischen Symptomverlauf (OR 1,24; 1,13–1,35), es kam seltener zu Remissionen (Hazard-Ratio HR 0,91; 0,87–0,96) und der Schwergrad nahm zu (Regressionskoeffizient 1,06; p < 0,0001).

Im Vergleich zur jüngsten Altersgruppe (18–29 Jahre) wurde bei Patienten im Alter ab 70 Jahre 2-mal häufiger die Diagnose einer Majordepression gestellt (OR 2,02; 1,18–3,45), es kam 3-mal so häufig zu einem chronischen Symptomverlauf (OR 3,19; 1,74–5,84) und zu 40 % seltener zu Remissionen (HR 0,60, 0,44–0,83). Der Schweregrad der Depression wurde in einem Score mit 12,64 Punkten ungünstiger eingestuft.

Die schlechtere Prognose konnte laut Schaakxs nur zu einem geringen Teil auf die im Alter häufigere Einsamkeit, den Mangel an sozialer Unterstützung oder auf chronische Erkrankungen, funktionelle Einschränkungen oder die Einnahme von Antidepressiva zurückgeführt werden (die den älteren Patienten häufiger verordnet wurden als den jüngeren). Der einzige wichtige Faktor, den Schaakxs nicht ausreichend berück­sichtigen konnte, waren die nachlassenden kognitiven Leistungen (unterhalb der Schwelle zur Demenz), die nach Einschätzung von Schaakxs durchaus dazu beitragen könnten, dass ältere Menschen sich von depressiven Episoden schlechter erholen.