Angehörige und Freunde können Angst und Depressionen bei Krebskranken verstärken

Familienangehörige, Freunde und Bekannte sind für Patienten mit einer Krebserkrankung meist sehr wichtig, weil sie unterstützen und Rückhalt geben können. Allerdings kann dieser Personenkreis für die Tumorpatienten auch enttäuschend reagieren. Wissenschaftler der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz haben jetzt untersucht, ob und wie unterstützende und enttäuschende Reaktionen von Angehörigen und Freunden mit Angst und Depressionen bei Langzeitüberlebenden einer Hautkrebserkrankung zusammenhängen. Die Fachzeitschrift BMC Public Health hat die Studienergebnisse veröffentlicht (2018; doi: 10.1186/s12889-018-5401-1).

Die Studie ist Teil eines von der Deutschen Krebshilfe geförderten Forschungsprojekts zu den psychosozialen Langzeitfolgen eines malignen Melanoms. Dafür werteten die Mainzer Wissenschaftler zusammen mit dem Krebsregister in Rheinland-Pfalz Befragungen von Langzeitüberlebenden aus, die 6 bis 9 Jahre nach Diagnose einer Hautkrebserkrankung erfolgten. Die 689 Befragten waren zwischen 28 und 93 Jahre alt. 83 % von ihnen lebten in einer Partnerschaft.

Die Melanom-Überlebenden berichteten vorwiegend von positiver Unterstützung durch ihr jeweiliges soziales Umfeld. Ablehnende oder verständnislose Reaktionen wurden im Vergleich dazu weit seltener berichtet. Teilnehmer, die in einer Partnerschaft lebten, aktiv Unterstützung suchten und eine optimistische Lebenshaltung hatten, berichteten häufiger über gute Unterstützung. Getrennt Lebenden und Geschiedenen fehlte es hingegen häufiger an positiver Unterstützung.

Negative soziale Erfahrungen gingen in vielen Fällen mit der Neigung zu Selbst­vorwürfen, einer resignativen Haltung, Pessimismus sowie Müdigkeit und Motiva­tionslosigkeit einher. Das größte Maß an Depression und Angst war bei den Melanom-Überlebenden anzutreffen, die kränkende Reaktionen anderer erfuhren und gleichzeitig nur wenig positive Unterstützung erhielten.

„Manchmal entsteht ein Teufelskreis aus Enttäuschung über ausbleibende Hilfen und Rückzug. Dieser macht es beiden Seiten schwer, aufeinander zuzugehen. Es reicht daher nicht aus, Krebskranke zu ermutigen, positive soziale Unterstützung zu suchen. Es ist auch wichtig, Erfahrungen von Enttäuschung und Zurückweisung offen anzusprechen. Dies kann Betroffenen helfen, ihre Bedürfnisse klarer zu formulieren oder sich in enttäuschenden Situationen zu behaupten“, sagte die Studienleiterin Sabine Fischbeck.