Montgomery für Neustart der elektronischen Gesundheitskarte

Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), hat einen Neustart für die elektronische Gesundheitskarte (eGK) angeregt. Das System der eGK sei völlig veraltet. „Wir sollten am besten einmal den Resetknopf drücken und über ein neues System nachdenken“, sagte er der Rheinischen Post. Die eGK sei ersonnen worden, „bevor die Versicherten Smartphones hatten“. Dies müsse bei der weiteren Digitalisierung im Gesundheitswesen berücksichtigt werden.

Die Einführung der eGK war vor mehr als zehn Jahren beschlossen worden. Mit weiteren Funktionen, die über Basisdaten der Versicherten hinausgehen, geht es aber nicht voran. Ein Defizit der eGK sei, dass diese nur in Praxen und Kliniken ausgelesen werden könne, sagte Montgomery. Es gehe aber nicht an, dass nicht auch Patienten selbstständig und jederzeit Zugang zu ihren Daten hätten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich zuletzt für eine Anbindung von Gesundheitsdaten an das geplante zentrale Bürgerportal im Internet ausgesprochen. Nötig sei eine „konsequente Digitalisierung von Verwaltung“, die mit der eGK „kompatibel“ sei.

Auch Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) will den Patienten ergänzend alternative Möglichkeiten für Datenzugriffe per Handy ermöglichen. Spätestens nach der parlamentarischen Sommerpause will er Details vorstellen. Die eGK in der Grundstruktur und auch die Tele­ma­tik­infra­struk­tur gehören für Spahn aber weiter zum festen Bestandteil der Entwicklung der Telematik im Gesundheitswesen.

BÄK-Präsident Montgomery übte zugleich Kritik an einem überbordenden Datenschutz, der auch das Gesundheitssystem treffe. „In Deutschland wird mit dem Datenschutz übertrieben“, sagte er mit Blick auf die neue EU-Datenschutzgrundverordnung. Es könne nicht sein, dass künftig Ärzte ihre Patienten über Datenschutzbelange aufklären müssten. Stattdessen seien „pragmatische Lösungen“ gefordert, mahnte er.