Studie stellt metabolisch gesunde Adipositas infrage

Adipöse Frauen haben auch dann ein erhöhtes Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wenn sie über Jahrzehnte  keine weiteren Stoffwechselrisiken aufweisen und deshalb als metabolisch gesund eingestuft werden. Eine prospektive Beobachtungsstudie in Lancet Diabetes & Endocrinology (2018; doi: PIIS2213-8587(18)30137-2) zeigt zudem, dass die meisten metabolisch gesunden Frauen im Alter Stoffwechselstörungen entwickeln, und zwar unabhängig davon, ob sie als junge Frauen adipös waren oder nicht.

Übergewicht und Adipositas sind wichtige Risikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall. Epidemiologen sind sich jedoch nicht sicher, ob dies an der Adipositas selbst liegt, oder ob die bei adipösen Menschen oft erhöhten Werte von Blutzucker, Blutdruck oder Blutfetten für das Risiko verantwortlich sind.

Tatsächlich gibt es eine Reihe von adipösen Menschen, bei denen trotz Gewichts­problemen Blutzucker, Blutdruck und Blutfette normal sind. Neben diesen „gesunden Dicken“ gibt es auch „kranke Schlanke“, bei denen trotz Normalgewicht Blutzucker, Blutdruck oder Blutfette erhöht sind.

Ein Team um Matthias Schulze vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke hat jetzt an der Nurses’ Health Study untersucht, welche Herz-Kreislauf-Risiken sich aus diesen Konstellationen ergeben.

Die Nurses’ Health Study begleitet seit 1980 eine Gruppe von amerikanischen Krankenschwestern, von denen 90.257 zu Beginn der Studie im Alter von 30 bis 55 Jahren noch keine Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufwiesen. Die Frauen füllen seit Beginn der Studie alle 2 Jahre Fragebögen zu Lebensstil, Gesundheitsverhalten und Erkrankungen aus. Auch der Body-Mass-Index (BMI) und Stoffwechselparameter werden regelmäßig aktualisiert.

Da die Frauen auch Angaben zu möglichen Einflussfaktoren wie Alter, Ernährung, Raucherstatus, körperliche Aktivität, Alkoholkonsum, ethnische Zugehörigkeit, Bildungsgrad, menopausaler Status, ASS-Einnahme sowie zu Herzinfarkt und Diabetes machen, konnte Schulze den Einfluss, den Adipositas und/oder Stoffwechsel auf die Entwicklung von Herzinfarkt und Schlaganfall hatten, isoliert betrachten.

Frauen ohne Hypertonie, Diabetes oder Hypercholesterinämie wurden als metabolisch gesund eingestuft. Wenn einer der 3 Risikofaktoren vorhanden war, wurden sie als „metabolisch ungesund“ eingestuft.

Ergebnis: Metabolisch ungesunde Frauen hatten ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko. Das Ausmaß wurde wie erwartet vom BMI beeinflusst. Für metabolisch ungesunde Frauen mit Adipositas ermittelte Schulze eine Hazard Ratio von 3,15, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall 2,83 bis 3,50 statistisch signifikant war. Bei übergewichtigen und metabolisch ungesunden Frauen betrug die Hazard Ratio 2,61 (2,36–2,89), aber selbst normalgewichtige Frauen hatten, wenn bei ihnen Hypertonie, Diabetes und/oder Hypercholesterinämie vorlagen, ein erhöhtes Risiko (Hazard Ratio 2,43; 2,19–2,68).

Das Fehlen von Stoffwechselrisiken schützte adipöse Frauen jedoch nicht vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Für die metabolisch gesunden adipösen Frauen ermittelte Schulze ebenfalls ein leicht erhöhtes Risiko mit einer Hazard Ratio von 1,39 (1,15–1,68).

Hinzu kommt, dass ein gesunder Stoffwechsel bei adipösen Menschen selten von Dauer ist: Von 3.027 metabolisch gesunden Frauen hatten nach 20 Jahren 2.555 (84 %) mindestens einen metabolischen Risikofaktor. Und selbst wenn sie ihre metabolische Gesundheit erhalten konnten, war ihr Herz-Kreislauf-Risiko am Ende doch erhöht (Hazard Ratio 1,57; 1,03–2,38). Deutlich höher war allerdings das Risiko für die adipösen Frauen, deren Stoffwechsel sich verschlechterte (Hazard Ratio 2,74; 2,30–3,27).

Von einer Verschlechterung des Stoffwechsels waren allerdings nicht nur die metabolisch gesunden Adipösen betroffen. Von den 32.882 metabolisch gesunden Frauen mit Normalgewicht wiesen nach 20 Jahren 22.215 (68 %) wenigstens einen metabolischen Risikofaktor auf. Auch diese „Konversion“ war mit einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko verbunden (Hazard Ratio 1,90; 1,66–2,17).

Am gesündesten waren am Ende die schlanken Frauen, die im Verlauf ihres Lebens keine metabolischen Risikofaktoren entwickelten (die Referenzgruppe der Studie). Mit anderen Worten: Eine Adipositas ist selten gesund und sie bleibt es noch seltener.

Zu den Schwächen der Studie gehört, dass sie den Einfluss von körperlicher Bewegung nicht berücksichtigt. Sport ist neben der Gewichtskontrolle und einer gesunden Ernährung der wichtigste Risikofaktor zur Vermeidung von kardiometabolischen Erkrankungen im Alter.

Riskante Langzeitverordnungen von Benzodiazepinen und Z-Substanzen betreffen vor allem Senioren

Schlaf- und Beruhigungsmittel werden in Deutschland nicht immer leitliniengerecht verschrieben. Jeder sechste Kassenpatient könnte betroffen sein. Das zeigt eine Analyse von GKV-Abrechnungsdaten aus 4 Bundesländern, die in Suchttherapie erschienen ist (2018; doi: 10.1055/s-0043-109361). Vor allem ältere Patienten bekommen Benzodiazepine und Z-Substanzen oft zu lange und in zu hoher Dosierung, was eine Abhängigkeit zur Folge haben kann.

Die meisten Fälle einer Medikamentenabhängigkeit gehen auf eine über- und regelmäßige Einnahme von Schlaf- und Beruhigungsmitteln zurück. Oft beginnt die Abhängigkeit mit einer ärztlich verordneten Einnahme, die über den in den Leitlinien vorgegebenen Zeitrahmen von maximal 4 bis 8 Wochen hinaus fortgesetzt wird. Der Psychologe und Suchtforscher Uwe Verthein hat daher gemeinsam mit 3 Kollegen des Zentrums für Interdisziplinäre Suchtforschung der Universität Hamburg (ZIS) die Verschreibungspraxis anhand von Daten des Norddeutschen Apotheken-Rechenzentrums ausgewertet. Dort werden die Abrechnungen für gesetzlich Versicherte aus Niedersachen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen erfasst.

In den Jahren 2006 bis 2008 haben in den genannten Bundesländern insgesamt 1,2 Millionen Patienten Schlaf- und Beruhigungsmittel verschrieben bekommen. Das entspricht rund 13 % der dort gesetzlich Versicherten. Der Anteil der Frauen lag mit gut 64 % über dem der Männer.

Gut 16 % der Patienten wiesen jedoch problematische oder sogar riskante Verschreibungsmuster auf und wurden in die Kategorien ‚rot’  beziehungsweise ‚schwarz’ eingestuft.Uwe Verthein, Interdisziplinäre Suchtforschung der Universität Hamburg

Je nach Dosis und Dauer der Einnahme teilten die Forscher die Patienten in Risikoklassen ein. Dabei fielen im jeweils ersten Beobachtungsjahr drei Viertel in die unbedenkliche „grüne“ Kategorie: Die Patienten hatten die Mittel leitliniengerecht beziehungsweise nicht länger als 2 Monate erhalten. „Gut 16 % der Patienten wiesen jedoch problematische oder sogar riskante Verschreibungsmuster auf und wurden in die Kategorien ‚rot’ beziehungsweise ‚schwarz’ eingestuft“, so Verthein. Ihnen wurden die Mittel entweder länger als 6 Monate und/oder in deutlich erhöhter Dosierung verschrieben.

Dass solche Verschreibungsmuster zu Problemen führen können, zeigte sich im weiteren Verlauf der Auswertung: In den 2 auf die erste Verordnung folgenden Jahren verblieb jeweils ein großer Teil der als „rot“ (36,2 %) und „schwarz“ (41,2 %) klassifizierten Patienten noch im dritten Jahr in ihrer riskanten Gruppe. „Das deutet auf die Entwicklung einer Niedrig- oder sogar Hochdosisabhängigkeit hin“, sagt Verthein weiter. Dagegen kamen 85 % der leitliniengerecht behandelten Patienten in den beiden Folgejahren ganz ohne die Substanzen aus.

Vor allem alte Menschen erhalten riskante Verschreibungen

Zudem fiel auf, dass der Anteil leitlinienkonformer Verschreibungen mit zunehmendem Alter der Patienten abnahm. „Liegt dieser bei den unter 30-Jährigen noch bei rund 92 %, so sinkt er bei den älteren Patientengruppen kontinuierlich auf bis zu etwa 54 %. In der Altersgruppe ab 75 Jahre macht der Anteil an Patienten mit problematischen beziehungsweise riskanten Verschreibungen fast ein Drittel aus (32 %), bei den Patienten unter 30 sind es hingegen nur etwa 4 %.“

Die dauerhafte Einnahme werde oft nicht als Problem wahrgenommen, erklärt Verthein. „Viele der Betroffenen empfinden sich nicht als süchtig.“ Das gelte vor allem für Patienten, die längere Zeit niedrige Wirkstoffdosen erhielten. Es sei daher nicht verwunderlich, aber dennoch alarmierend, dass nicht einmal jeder 100. Betroffene Angebote einer Suchthilfestelle in Anspruch nehme. „Vermutlich spielen hier zudem hohe Zugangsschwellen und nicht passende Angebote eine Rolle“, sagt Verthein.

Die in der Studie untersuchten Benzodiazepine und Z-Substanzen (Zolpidem, Zopiclon und Zaleplon) werden hauptsächlich gegen Ein- und Durchschlafstörungen verschrieben. Die Z-Substanzen gehen dabei mit geringeren Nebenwirkungen einher als Benzodiazepine, können aber – ebenso wie diese – abhängig machen. Zum einen kommt es bei plötzlichem Absetzen oft verstärkt zu Schlafstörungen, zum anderen können Entzugserscheinungen wie Ängste, Wahrnehmungsstörungen oder Delirien auftreten.

Schizophrenie: Plazenta könnte Verbindung von Genen und Umwelt erklären

Die Entwicklung der Schizophrenie wird sowohl von Genen als auch von Umweltfaktoren beeinflusst. Beide Faktoren wirken sich einer Studie in Nature Medicine(2018; doi: 10.1038/s41591-018-0021-y) zufolge auf die Plazenta aus. Dort könnte eine genetisch bedingte Funktionsstörung die Anfälligkeit für Umweltfaktoren erhöhen.

Die Schizophrenie ist zwar eine Erkrankung des frühen Erwachsenenalters. Die meisten Forscher sind sich jedoch einig, dass der Boden für die Erkrankung früher gelegt wird, möglicherweise bereits vor der Geburt. Dafür sprechen epidemiologische Untersuchungen, nach denen eine schwere Influenza während der Schwangerschaft bei den Kindern das Risiko auf eine spätere Schizophrenie erhöht. Merkwürdig ist auch, dass die Geburtsjahrgänge, deren Mütter den Hungerwinter in den Niederlanden im 2. Weltkrieg überlebten oder die während der Kulturrevolution in China unter extremem Hunger litten, später ein erhöhtes Risiko hatten, an einer Schizophrenie zu erkranken.

Andererseits wurde in den letzten Jahren in genomweiten Assoziationsstudien eine Anzahl von Risikogenen gefunden, die die starke Heredität der Schizophrenie erklärt, die auf 60 bis 70 Prozent geschätzt wird.

Bisher war es nicht möglich, Gene und Umweltfaktoren auf einen gemeinsamen Nenner zurückzuführen. Ein Team um Daniel Weinberger vom Lieber Institute for Brain Development in Baltimore glaubt jetzt, dass Natur und Umwelt („Nature and Nurture“) in der Plazenta aufeinandertreffen.

Die Forscher haben 2.885 Schizophreniepatienten mit gesunden Kontrollen verglichen. Alle Patienten hatten an genomweiten Assoziationsstudien teilgenommen, aus deren Ergebnissen sich ein polysemer Risikoscore (PRC) ableiten lässt, und für alle Patienten lagen Informationen über Komplikationen während und nach der Schwangerschaft vor („early-life complications“ ELC).

Beide, PRC und ELC, verstärkten sich gegenseitig: Personen im oberen Fünftel des PRC hatten ein mehr als 5-fach erhöhtes Risiko auf eine Schizophrenie, wenn gleichzeitig ELC vorlagen (Odds Ratio 8,36; 95-%-Konfidenzintervall 3,79–18,47). Ohne ELC war das Erkrankungsrisiko auch im oberen Fünftel des PRC nur leicht und nicht signifikant erhöht (Odds Ratio 1,55; 0,59–4,07).

Die Forscher haben daraufhin die Aktivität der Risikogene in der Plazenta untersucht. Die meisten Gene wurden in dem Organ, das den Feten und sein sich entwickelndes Gehirn mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, vermehrt exprimiert. Bei Risiko­schwangerschaften war die Expression höher als bei normalen Schwangerschaften. Weinberger vermutet, dass die Risikogene in einer bisher nicht geklärten Weise die Plazenta schwächen, sodass Umweltfaktoren sich stärker auf die Entwicklung des Feten auswirken können. Dies würde das Zusammenspiel von „Nature und Nurture“ bei der Schizophrenie plausibel erklären.

Interessanterweise wurden die Risikogene in der Plazenta besonders stark exprimiert, wenn der Fetus ein männliches Geschlecht hatte. Dies könnte laut Weinberger erklären, warum Männer 2- bis 4-mal häufiger an einer Schizophrenie erkranken als Frauen. Männer erkranken auch häufiger an Autismus, Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyper­aktivitätsstörung, Dyslexie und Tourettesyndrom, deren Ursache einige Forscher ebenfalls in der frühkindlichen Entwicklung vermuten.

Ob diese Hypothese weiteren Überprüfungen standhält, wird sich zeigen. Die beste Bestätigung wären Therapien, die eine Schädigung der Plazenta vermeiden und dadurch langfristig die Häufigkeit der Schizophrenie senken. Dies dürfte sich wegen der langen Latenz bis zur Manifestation der Psychose nur schwer in Studien nachweisen lassen.

Initiative gegen sexuellen Missbrauch wird weiter gefördert

Für die Prävention des sexuellen Missbrauchs von Kindern stellt das Bundesfamilienministerium jährlich zwei Millionen Euro zur Verfügung. Mit dem Geld wird die bundesweite Initiative „Trau Dich“ auch nach 2018 fortgeführt, wie das Ministerium heute mitteilte. Die Finanzierung wäre eigentlich Ende des Jahres ausgelaufen.

Im Mittelpunkt der gemeinsamen Initiative mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und in Kooperation mit verschiedenen Bundesländern steht das Theaterstück „Trau Dich“, das Kindern die Themen Kinderrechte, körperliche Selbstbestimmung und sexueller Missbrauch näher bringt. Das Stück zeigt Mädchen und Jungen zwischen acht und zwölf Jahren auch, wo sie im Fall eines Übergriffs Hilfe finden können.

„Jedes Kind muss lernen zu erkennen, wann Grenzen überschritten sind oder Regeln missachtet werden“, sagte Bun­des­fa­mi­lien­mi­nis­terin Franziska Giffey (SPD), die heute eine Aufführung des Theaterstücks in Berlin besuchte. Bislang besuchten nach Angaben des Ministeriums bundesweit fast 5.000 Kinder das Theaterstück. Im vergangenen Jahr wurden bundesweit 11.547 Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern erfasst.

Antidepressiva führen zur Gewichtszunahme

Viele Patienten, die mit Antidepressiva behandelt werden, nehmen vor allem im zweiten und dritten Behandlungsjahr deutlich an Gewicht zu, wie die Ergebnisse einer Kohortenstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2018; 361: k1951) zeigen.

Nicht nur die Zahl der übergewichtigen und fettleibigen Menschen hat in den letzten Jahren zugenommen. In Großbritannien sind es bereits 61 % der Erwachsenen. Auch Depressionen werden immer häufiger. In Großbritannien stieg die Zahl der Verord­nungen zuletzt auf 129,9 pro 1.000 Personenjahre, und von den Hausarzt­patienten hat laut einer jüngsten Untersuchung fast jeder vierte schon einmal ein Antidepressivum verschrieben bekommen (in einem 17-Jahres-Zeitraum). Eine Adipositas ist zudem ein bekannter Risikofaktor für eine Depression.

Vor diesem Hintergrund könnte eine Gewichtszunahme durch die Einnahme von Antidepressiva ein ernst zu nehmendes „Public Health“-Problem sein.

Rafael Gafoor vom King’s College London hat hierzu die Daten von 300.000 erwachsenen Patienten ausgewertet, die in der UK Clinical Practice Research Datalink (CPRD) gespeichert wurden und bei denen im Verlauf von 10 Jahren mindestens dreimal das Körpergewicht notiert worden war.

Die Forscher fanden heraus, dass die Inzidenz einer Gewichtszunahme um wenigstens 5 % bei Patienten, denen keine Antidepressiva verordnet wurden, 8,1 pro 100 Personenjahre betrug. Bei den Patienten, die Antidepressiva einnahmen, waren es 9,8 Gewichtszunahmen pro 100 Personenjahre.

Der Unterschied mag gering erscheinen. Er bedeutet allerdings, dass auf 59 Patienten, die Antidepressiva einnehmen, innerhalb von 10 Jahren einer kommt, der deutlich an Gewicht zunimmt.

Das Risiko war im zweiten und dritten Behandlungsjahr am größten. Gafoor ermittelte für das zweite Behandlungsjahr eine Rate Ratio auf eine Gewichtszunahme um mindestens 5 % von 1,46 (95-%-Konfidenzintervall 1,43–1,49) und für das dritte Behandlungsjahr von 1,48 (1,45–1,51). Danach sinkt das Risiko, es blieb aber über den gesamten Zeitraum erhöht.

Die Einzelbetrachtung zeigt für alle 12 untersuchten Wirkstoffe ein erhöhtes Risiko. Die Bandbreite der Rate Ratio reichte von 1,05 (1,00–1,10) für Paroxetin bis zu 1,50 (1,45–1,56) für (das eher selten verordnete) Mirtazapin.

Nach Einschätzung der Editorialisten Alessandro Serretti und Stefano Porcelli von der Universität Bologna lässt sich derzeit nicht vorhersagen, bei welchen Patienten es unter der Therapie zu einer Gewichtszunahme kommt. Deshalb sollte vorsichtshalber allen Patienten geraten werden, auf ihr Gewicht zu achten und durch Ernährung und Sport einer Gewichtszunahme frühzeitig gegenzusteuern.

Menschen mit hohem Body-Mass-Index rauchen häufiger und mehr

Übergewichtig oder adipös zu sein, ist auch mit einem erhöhten Risiko für Tabakmissbrauch verbunden. Das berichten Wissenschaftler der Bristol Medical School und der International Agency for Research on Cancer, Lyon, im British Medical Journal(2018; doi: 10.1136/bmj.k1767). „Wenn festgestellt werden könnte, dass Adipositas das Rauchverhalten beeinflusst, hätte dies Auswirkungen auf Präventionsstrategien, die darauf abzielen, diese wichtigen Risikofaktoren zu reduzieren“, betonen die Wissenschaftler.

Die Forscher untersuchten, ob genetische Marker, die mit Adipositas assoziiert sind, eine direkte Rolle im Rauchverhalten spielen. Dafür analysierten sie genetische Varianten mit bekannten Auswirkungen auf den Body-Mass-Index (BMI), den Körperfettanteil und den Taillenumfang für fast 450.000 Personen aus der britischen Biobank-Datenbank und dem Tobacco-and-Genetics-(TAG-)Konsortium.

Sie erfassten drei Maßnahmen des Rauchverhaltens: aktuelles und vergangenes Rauchen, Anzahl der pro Tag gerauchten Zigaretten und Alter des Rauchbeginns. Das Durchschnittsalter der Studienteilnehmer lag bei 58 Jahren.

Die Ergebnisse zeigen laut den Forschern, dass jeder Anstieg des BMI um 4,6 kg/m2mit einem zwischen 18 und 19 % erhöhten Risiko verbunden war zu rauchen. Ebenso sehen sie einen Zusammenhang zwischen dem Körperfettanteil sowie dem Taillenumfang und dem Rauchverhalten.

Die Wissenschaftler gehen aufgrund des Studiendesigns von einem kausalen Zusammenhang aus: „Unsere Studie liefert Belege dafür, dass Unterschiede im Body-Mass-Index und in der Körperfettverteilung verschiedene Aspekte des Rauchverhaltens kausal beeinflussen, einschließlich des Risikos, dass Personen mit dem Rauchen beginnen, der Rauchintensität und der Raucherentwöhnung“, berichten sie.

Dies habe Auswirkungen auf Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit, die darauf abzielen, die Prävalenz dieser wichtigen Risikofaktoren zu verringern, hieß es aus der Arbeitsgruppe.

Entspannung nach dem Lernen unterstützt die Gedächtnisfunktion

Die Bedeutung des Schlafes bei der Gedächtniskonsolidierung ist seit fast einem Jahrzehnt bekannt. Neuere Forschungen haben jedoch gezeigt, dass auch eine Wachruhe die Konsolidierung unterstützen kann: Die Menschen erinnern sich an Gelerntes besser, wenn sie sich nach der Lernphase ausruhen. Das berichten Forscher um Michael Craig und Michaela Dewar von der Heriot-Watt University in Edinburgh, Großbritannien, in der Zeitschrift Scientific Reports (2018; doi: 10.1038/s41598-018-25313-y).

Craig und Dewar entwarfen einen Gedächtnistest, um die Fähigkeit zu beurteilen, detaillierte Informationen zu speichern. Sie baten 60 junge männliche und weibliche Teilnehmer – im Durchschnitt 21 Jahre alt –, sich eine Reihe von Fotos anzusehen.

Sie wurden gebeten, zwischen schon vorgekommenen – also „bekannten“ – und nur „ähnlichen“ Fotos zu unterscheiden. „Wenn die Fähigkeit der Teilnehmer ausgeprägt ist, sich feine Nuancen zu merken, würden sie sagen, die Fotos seien nur ‚ähnlich‘. Speichern die Versuchsteilnehmer nicht so detaillierte Erinnerungen, sollten sie die feinen Unterschiede in ähnlichen Fotos übersehen und sie mit ‚bekannten’ Fotos verwechseln“, so Craig.

Er fasst die Ergebnisse zusammen und sagt: „Jüngere Erwachsene, die sich in den Minuten nach der Fotopräsentation ausruhten, waren besser in der Lage, subtile Unterschiede in nur ähnlichen Fotos zu bemerken“. Dies deute darauf hin, dass diese Personen detailliertere Erinnerungen gespeichert hätten, als diejenigen, die nicht ruhten. Ausruhen sei also vorteilhaft, um sich neue detaillierte Gedächtnisinhalte besser merken zu können.

Er räumt aber ein, dass die Gründe für dieses Phänomen weiterhin rätselhaft seien. Unbekannt bleibe auch, ob das Ausruhen nur erlaube, mehr Informationen zu speichern, oder ob es auch dabei helfe, detailliertere Erinnerungen zu bewahren.

Montgomery für Neustart der elektronischen Gesundheitskarte

Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK), hat einen Neustart für die elektronische Gesundheitskarte (eGK) angeregt. Das System der eGK sei völlig veraltet. „Wir sollten am besten einmal den Resetknopf drücken und über ein neues System nachdenken“, sagte er der Rheinischen Post. Die eGK sei ersonnen worden, „bevor die Versicherten Smartphones hatten“. Dies müsse bei der weiteren Digitalisierung im Gesundheitswesen berücksichtigt werden.

Die Einführung der eGK war vor mehr als zehn Jahren beschlossen worden. Mit weiteren Funktionen, die über Basisdaten der Versicherten hinausgehen, geht es aber nicht voran. Ein Defizit der eGK sei, dass diese nur in Praxen und Kliniken ausgelesen werden könne, sagte Montgomery. Es gehe aber nicht an, dass nicht auch Patienten selbstständig und jederzeit Zugang zu ihren Daten hätten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich zuletzt für eine Anbindung von Gesundheitsdaten an das geplante zentrale Bürgerportal im Internet ausgesprochen. Nötig sei eine „konsequente Digitalisierung von Verwaltung“, die mit der eGK „kompatibel“ sei.

Auch Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) will den Patienten ergänzend alternative Möglichkeiten für Datenzugriffe per Handy ermöglichen. Spätestens nach der parlamentarischen Sommerpause will er Details vorstellen. Die eGK in der Grundstruktur und auch die Tele­ma­tik­infra­struk­tur gehören für Spahn aber weiter zum festen Bestandteil der Entwicklung der Telematik im Gesundheitswesen.

BÄK-Präsident Montgomery übte zugleich Kritik an einem überbordenden Datenschutz, der auch das Gesundheitssystem treffe. „In Deutschland wird mit dem Datenschutz übertrieben“, sagte er mit Blick auf die neue EU-Datenschutzgrundverordnung. Es könne nicht sein, dass künftig Ärzte ihre Patienten über Datenschutzbelange aufklären müssten. Stattdessen seien „pragmatische Lösungen“ gefordert, mahnte er.

Zahl der Soldaten mit posttraumati­scher Belastungsstörung bleibt hoch

Auch Jahre nach dem Ende des Kampfeinsatzes der Bundeswehr in Afghanistan geht die Zahl der an Kriegstraumata erkrankten Soldaten kaum zurück. Im vergangenen Jahr wurde bei 170 Soldaten eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) neu diagnostiziert, wie der Sanitätsdienst der Bundeswehr mitteilte.

Im Vorjahr waren es fünf Fälle mehr. Bei der Bundeswehr erklärt man sich das fast gleichbleibende Niveau vor allem damit, dass die Symptome zeitverzögert auftreten können.

Andere einsatzbedingte psychische Störungen wie Depressionen gehen dem Sanitätsdienst zufolge zurück. 2017 seien 104 solche Störungen neu festgestellt worden, 2016 seien es noch 143 gewesen. Der Sanitätsdienst erklärt sich den Rückgang an psychisch Erkrankten „mit der Abnahme der Intensität der Auslandseinsätze“.

Die Nato hatte ihren Kampfeinsatz in Afghanistan im Dezember 2014 beendet. Aktuell befinden sich nach Angaben des Einsatzführungskommandos rund 4.500 deutsche Soldaten weltweit in Auslandseinsätzen.

Neuer Wirkstoff soll Jugendlichen mit genetisch bedingter Adipositas helfen

Über Erfolge bei der Behandlung von jungen Patienten mit genetisch bedingter Adipositas berichten Forscher um Peter Kühnen vom Institut für experimentelle pädiatrische Endokrinologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin. „Die Patienten profitieren von einem Wirkstoff, der gleichzeitig neue Erkenntnisse über die grundlegenden Signalwege des Sättigungsgefühls ermöglicht“, schreiben sie in Nature Medicine (2018; doi: 10.1038/s41591-018-0015-9).

In vorangegangenen Arbeiten konnte die Arbeitsgruppe die zentrale Rolle des Melanocortin-4-Rezeptors (MC4R) für den Energiehaushalt des Organismus und die Regulierung des Körpergewichts belegen. Im Gehirn führt normalerweise die Bindung des Sättigungshormons Leptin an den Leptin-Rezeptor LEPR über mehrere Schritte zur Produktion des melanozytenstimulierenden Hormons (MSH).

Die Bindung von MSH an MC4R löst dann das eigentliche Sättigungssignal in den Zellen aus. Ist der Rezeptor LEPR jedoch defekt, wird diese Signalkaskade der Sättigung schon zu Beginn unterbrochen und ein ungestilltes Hungergefühl begünstigt das Entstehen einer Adipositas. Die Folge ist eine ausgeprägte Fettleibigkeit bereits in der Kindheit. In der Regel gelingt es den Patienten nicht, durch vermehrte Bewegung und reduzierte Kalorienaufnahme, das Körpergewicht längerfristig zu stabilisieren.

Die Forscher haben jetzt ein Peptid eingesetzt, das im Gehirn der Patienten an MC4R bindet und damit das Sättigungssignal wieder auslöst. In Zusammenarbeit mit der Clinical Research Unit des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung/Berlin Institute of Health (BIH) konnte das Team eine deutliche Gewichtsreduktion der behandelten Patienten mit LEPR-Gendefekt beobachten.

Im Rahmen kommender Untersuchungen will das Team jetzt ermitteln, ob es weitere Patienten gibt, die von dem Wirkstoff profitieren könnten: „Denkbar ist, dass es weitere Patientengruppen mit einer Funktionsstörung in diesem Signalweg gibt, die für eine derartige Therapie in Frage kommen“, sagte Kühnen.