Gehirne erzeugen bis ins hohe Alter neue Gedächtniszellen

Senioren, die bis ins hohe Alter geistig fit bleiben, verdanken dies der Fähigkeit ihres Gehirns, genauer des Hippocampus, weiterhin neue Zellen aus erhalten gebliebenen Stammzellen zu rekrutieren. Die Neuroplastizität, vor allem aber die Fähigkeit zur Bildung neuer Blutgefäße lässt laut den Ergebnissen einer Studie in Cell Stem Cell (2017; doi: 10.1016/j.stem.2018.03.015) dagegen nach.

Der Hippocampus entscheidet darüber, welche Informationen das Gehirn speichert und welche nicht. Hirnforscher sind sich darüber einig, dass diese Aufgabe die Neubildung von Hirnzellen aus Vorgängerzellen erfordert. Darüber, ob das Gehirn bis ins hohe Alter dazu in der Lage ist, gehen die Ansichten der Experten jedoch auseinander.

Ein Forscherteam um Alvarez-Buylla von der Universität von Kalifornien in San Francisco berichtete kürzlich in Nature, dass der Hippocampus bereits in der Kindheit die Fähigkeit verliert, neue Nervenzellen zu bilden, was nicht nur bisherige Annahmen der Hirnforschung infrage stellt, sondern auch die Frage eröffnet, wie denn ältere Menschen noch in der Lage sind, sich neue Sachen zu merken (wozu viele bis ins hohe Alter offensichtlich in der Lage sind).

Maura Boldrini von der Columbia Universität in New York kommt jetzt bei der postmortalen Untersuchung der Hippocampi von 28 zuvor gesunden Personen im Alter von 14 bis 79 Jahren zu einem völlig anderen Ergebnis. Für die Untersuchung hatten die Forscher die Gehirne von Personen ausgesucht, die nicht an Hirnkrankheiten verstorben waren und die bis zuletzt noch geistig fit waren.

Wie Alvarez-Buylla untersuchte Boldrini die einzelnen Regionen des Hippocampus, genauer des Gyrus dentatus, mit Hilfe von Antikörpern, die Neuronen in ihren verschiedenen Entwicklungsstadien markieren. Dabei wurden teilweise die gleichen Methoden verwendet. Anders als Alvarez-Buylla fand Boldrini auch bei älteren Menschen in den einzelnen Regionen des Hippocampus pro untersuchter Region noch tausende neugebildete Hirnzellen.

Ein wichtiger Unterschied zwischen den Gehirnen von jungen und alten Menschen scheint jedoch die mit dem Alter nachlassende Fähigkeit zur Bildung neuer Blutgefäße zu sein. Sie könnte der Grund sein, warum bei älteren Menschen die Migration und die Neuroplastizität der Hirnzellen nachlässt.

Hirnleistungsstörungen im Alter wären nach dieser Theorie vor allem eine Folge der verminderten Durchblutung. Sport ist laut Boldrini in der Lage, die Bildung von neuen Blutgefäßen zu fördern. Die Forscher hatten jedoch keine Informationen darüber, wie körperlich fit die Verstorbenen vor ihrem Tod noch gewesen waren.