Niedriger Blutdruck assoziiert mit Selbstmordgedanken

Ein niedriger Blutdruck könnte im Zusammenhang mit häufigeren Selbstmord­gedanken stehen. Das fanden Forscher von der Seoul National University in Südkorea in einer Beobachtungsstudie heraus, die in BMC Public Health publiziert wurde (2018; doi: 10.1186/s12889-018-5106-5). Es wurden Daten aus den Jahren 2010 bis 2013 aus dem Korean National Health and Nutrition Examination Survey ausgewertet.

Von 10.708 Studienteilnehmern hatte jeder Vierte einen systolischen Blutdruck von weniger als 100 mmHG und 1.199 (11,2 %) Suizidgedanken. Diese Gedanken traten bei jenen mit niedrigem Blutdruck häufiger auf als bei Teilnehmern mit normalem Blut­druck (Odd-Ratio = 1,29; n = 320 [12,5 %]). Noch weiter stieg die Wahrscheinlichkeit, sich gedanklich mit Selbstmord zu beschäftigen, wenn der systolische Blutdruck unter 95 oder unter 90 mmHG lag (OR = 1,44 und OR = 1,71 bzw. n = 149 [13,7 %] und n = 53 [16,6 %] versus n = 879 [10,8 %] bei normalem Blutdruck).

Dieses Ergebnis zeigte sich unabhängig von möglichen Einflussfaktoren wie dem Geschlecht, dem Body-Mass-Index, Cholesterinlevel, Haushaltseinkommen, Bildungs­niveau, Familienstand, Zigaretten- und Alkoholkonsum. Die Daten aus der landes­weiten Umfrage zum Gesundheits- und Ernährungszustand der koreanischen Bevölkerung zeigten auch, dass Frauen häufiger an Selbstmord dachten als Männer (12,9 % versus 7,8 %). Am häufigsten beschäftigten sich nach eigenen Angaben ältere Menschen mit diesen Gedanken (20,8 % bei Personen ab 70 Jahren).

Bluthochdruck hatte keine Auswirkung auf Suizidgedanken

Keine signifikante Assoziation fanden die Autoren zwischen einer Prähypertonie oder Hypertonie und Suizidgedanken. „Obwohl eine Prähypertonie einen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellen kann und gemanagt werden sollte, scheint es sich nicht negativ auf die psychische Gesundheit auszuwirken. Unsere Studie stellt die Ansicht in Frage, dass niedriger Blutdruck in Bezug auf psychische Gesundheit die bessere Alternative ist“, erläutert Ko-Autor Sung-il Cho von der Seoul National University.

Zwar haben schon frühere Studien nahegelegt, dass niedriger Blutdruck mit neuro­psychologischen Problemen verbunden ist. Inwiefern dieser mit Suizidgedanken einhergeht, wurde bisher aber noch nicht untersucht. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die gesundheitlichen Auswirkungen von niedrigem Blutdruck evaluiert werden sollten, um negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit zu berücksichtigen“, sagt Sung-il Cho.

Die Studie kann keinen kausalen Zusammenhang zwischen niedrigem Blutdruck und Suizidgedanken nachweisen. Die selbstberichteten Umfragedaten könnten zudem die Ergebnisse verzerrt haben. Da nur der systolische Blutdruck zur Bestimmung des niedrigen Blutdrucks verwendet wurde, sind weitere Studien erforderlich, um die Beziehung zwischen Suizidgedanken und diastolischem Blutdruck zu untersuchen.