Depression oder bipolare Störung? EKG hilft bei der Differenzialdiagnose

Chicago – Die Analyse der Herzfrequenzvariabilität in einem 15-minütigen EKG hat in einer Studie im World Journal of Biological Psychiatry (2017; doi: 10.1080/15622975.2017.1376113) die Differenzialdiagnose zwischen der depressiven Phase einer bipolaren Störung und einer Major-Depression erleichtert.

Menschen mit bipolaren Störungen leiden während der längsten Zeit unter Depressionen. Die Behandlung erfolgt in der Regel mit Antidepressiva. Diese müssen jedoch mit Stimmungsstabilisatoren wie Lithium kombiniert werden, um die manischen Phasen abzuschwächen, in denen die Patienten unter anderem durch eine erhöhte Suizidalität gefährdet sind.

Es ist deshalb wichtig, zwischen den beiden Krankheiten zu unterscheiden. Klinisch ist dies in den depressiven Phasen der bipolaren Störungen kaum möglich. Die bipolare Störung geht allerdings mit einer Dysregulation des autonomen Nervensystems einher, die auch in der depressiven Phase anhält. Eine Folge ist eine verminderte Herzfre­quenzvariabilität. Sie zeigt sich beispielsweise darin, dass die feinen Unterschiede in der Herzfrequenz, zu denen es bei der Atmung kommt, geringer werden.

Die Herzfrequenzvariabilität kann mit modernen EKG-Geräten und einer speziellen Software bestimmt werden.

Ein Team um Angelos Halaris vom Loyola University Medical Center in Maywood bei Chicago hat die Herzfrequenzvariabilität bei 64 Erwachsenen mit Major-Depression und 37 Erwachsenen mit bipolarer Störung verglichen. Bei allen Patienten wurde nach einer Ruhephase von 15 Minuten ein 15-minütiges EKG aufgezeichnet und mit einer speziellen Software ausgewertet.

Ergebnis: Die Patienten mit bipolaren Störungen hatten eine signifikant verminderte Herzfrequenzvariabilität. Auch die respiratorische Sinusarrhythmie war abgeschwächt. Eine weitere Beobachtung war ein Anstieg der beiden Entzündungsparameter Inter­leukin 10 und MCP-1 (Monocyte Chemoattractant Protein-1) im Blut. Er weist auf eine mögliche entzündliche Komponente in der Pathogenese von bipolaren Störungen hin, deren Ursache bisher nicht geklärt ist.