Rund eine Million Erwachsene in Bayern leiden unter Depressionen

Zu einem offenen Umgang mit psychischen Erkrankungen hat Bayerns Ge­sund­heits­mi­nis­terin Melanie Huml (CSU) aufgerufen. „Wer sich ein Bein bricht, geht zum Arzt. Das sollte auch bei einer Depression selbstverständlich sein“, sagte die Ministerin anlässlich des heutigen internationalen Tages der seelischen Gesundheit. Das Ministerium stellte jetzt auch einen „Bericht zur psychischen Gesundheit von Erwachsenen in Bayern, Schwerpunkt Depression“ vor.

Demnach sind im Freistaat derzeit rund eine Millionen Erwachsene von depressiven Störungen betroffen. Im Hinblick auf die diagnostizierten Depressionen sind die Unterschiede zwischen den Geschlechtern in Bayern laut Bericht deutlicher ausgeprägt als deutschlandweit: Bayerische Frauen haben mit 10,6 Prozent eine höhere Zwölf-Monats-Prävalenz und bayerische Männer mit 5,7 Prozent eine etwas niedrigere Zwölf-Monats-Prävalenz als im Bundesdurchschnitt (Frauen: 9,8 Prozent, Männer: 6,1 Prozent, Seite 32 des Berichtes).

Laut dem Bayerischen Ge­sund­heits­mi­nis­terium geht es in der Zukunft vor allem darum, intensiver über Hilfen zu informieren, die Datenlage zu verbessern und die leitlinien­gerechte Versorgung auszubauen. „Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege wird dazu Expertise aus den Fachgesellschaften einholen, zum Beispiel, was die Weiterentwicklung der hausärztlichen Rolle und der psychotherapeutischen Versorgung angeht“, heißt es in dem Report.

Allerdings gebe es für gesetzlich Versicherte mit psychischen Störungen derzeit in ganz Bayern keine Versorgungslücken im Sinne der Bedarfsplanungsrichtlinie, so die Autoren des Berichtes. Wichtig sei außerdem, den Versorgungsbedarf im Alter genauer zu erfassen, Betriebe zu sensibilisieren und für die Prävention zu gewinnen sowie die Versorgung für Migranten bedarfsgerecht weiterzuentwickeln.

Die Forschung in Deutschland zu intensivieren, fordert unterdessen die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). „In Deutschland haben sich leistungsfähige Forschungsnetzwerke gebildet, die durch den Bund gefördert werden.

Das Problem dabei: Mit Auslaufen der Förderung verschwinden die durch die Netzwerke erarbeiteten Kompetenzen und Strukturen wieder und müssen bei einer neuen Förderung erst mühsam wieder aufgebaut werden“, kritisiert die Fach­gesellschaft. Sie fordert daher, im Rahmen der Deutschen Zentren für Gesund­heitsforschung auch ein Deutsches Zentrum für psychische Erkrankungen (DZP) einzurichten.

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