Bundespsychothe­rapeutenkammer will heilpraktischen Psychotherapeuten abschaffen

Die beschränkte Heilpraktikererlaubnis für den Bereich Psychotherapie sollte nach Ansicht der Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) abgeschafft werden. Bereits mit dem Psychotherapeutengesetz aus dem Jahr 1999 sei diese „Hilfskonstruktion“ hinfällig geworden. „Das Qualitätsproblem bei den Heilpraktikern kann weder durch Regelungen im Psychotherapeutengesetz noch in der Bundesärzteordnung gelöst werden“, betonte BPtK-Präsident Dietrich Munz heute auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblatts.

Die BPtK reagiert damit auf den Vorstoß des Deutschen Dachverbands für Psycho­therapie (DVP), der in der Debatte um eine Reform des Heilpraktikerberufs, die mit dem „Münsteraner Memorandum Heilpraktiker“ angestoßen worden war, den Nachweis einer qualifizierten Ausbildung für Heilpraktiker für Psychotherapie gefordert hatte. Der Verband vertritt nach eigenen Angaben „psychotherapeutisch Tätige“, die nach dem Heilpraktikergesetz tätig sind und überwiegend über eine Ausbildung nach dem „Euro­päischen Zertifikat für Psychotherapie“ verfügen. Heilpraktiker dürfen sich nicht als Psychotherapeuten bezeichnen.

„Alternative zur richtlinienbezogenen Psychotherapie“

Der DVP hatte angeregt, staatlich geprüfte Fach-Heilpraktiker auch für den Bereich Psychotherapie einzuführen. Entsprechende Regelungen könnten in die anstehende Reform der Psychotherapieausbildung aufgenommen werden.  Nach Vorstellungen des Verbandes würde es dann künftig „neben dem Ärztlichen und dem Psychologischen Psychotherapeuten einen vergleichbar qualifizierten Heilpraktischen Psychotherapeu­ten“ geben. „Diese heilpraktischen Psychotherapeuten kennen sich auch in weiteren Therapieformen aus und bieten dadurch eine Alternative zur richtlinienbezogenen Psychotherapie“, betonte der DVP-Vorsitzende Karl Niesen.

Ursachen für Qualitätsproblem liegen im Heilpraktikergesetz von 1939

„Es ist mit Blick auf den Patientenschutz völlig abwegig, einen weiteren Heilberuf mit minderer Qualifikation einzurichten, noch dazu mit Ausbildungs- und Tätigkeits­schwerpunkten in Psychotherapierichtungen, deren Wirksamkeit wissenschaftlich nicht belegt ist“, erklärte hingegen BPtK-Präsident Munz. Ursächlich für das Qualitäts­pro­blem bei den Heilpraktikern seien die Anforderungen im Heilpraktikergesetz von 1939.

Heilpraktiker verfügen über eine Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz und nicht über eine Approbation. Für diese Erlaubnis muss der Antragsteller mindestens 25 Jahre alt sein und einen Hauptschulabschluss vorweisen können. Er muss bei der Über­prüfung seiner Kenntnisse durch das Gesundheitsamt nachweisen, dass die Ausübung der Heilkunde durch ihn keine Gefahr für die Volksgesundheit bedeutet.

Die Vorbereitung für die Prüfung zum Heilpraktiker für Psychotherapie beim Gesund­heits­amt bieten private Bildungsinstitute oder Heilpraktikerschulen in Form von Präsenzlehrgängen oder Fernstudien an. Die Gebühren dafür variieren nach Angaben des Portals www.heilpraktiker-ausbildung.net zwischen 1.085 Euro und 7.400 Euro.

Nach Auffassung des Bundesverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) „reichen diese Ausbildungen keinesfalls aus, um kompetent und gefahrenfrei psychologische Beratung oder gar Psychotherapie ausüben zu können“, schreibt der BDP auf seiner Homepage. Der Stundenumfang der Ausbildungen schwanke zwischen 120 und 600 Stunden.

Die auf den Bereich der Psychotherapie beschränkte Heilpraktikererlaubnis, auch „kleiner Heilpraktiker“ genannt, wurde nach einem Grundsatzurteil des Bundesverwal­tungsgerichtes 1983 eingeführt, um Diplom-Psychologen mit Zusatzausbildung Psychotherapie die Ausübung der psychotherapeutischen Heilkunde zu ermöglichen.

Mit dem Urteil vom 21. Januar 1993 hat das Bundesverwaltungsgericht dann die Erlaubnis auch dem Namen nach auf das Gebiet der Psychotherapie beschränkt. Nach dem Psychotherapeutengesetz von 1999 „stehen genügend hochqualifizierte appro­bierte Psychotherapeuten zur Verfügung, sodass Patienten nicht auf Angebote von Heilpraktikern zurückgreifen müssen“, folgert der Präsident der Bundespsychothera­peuten­kammer.