TK will alle Termine an Psychotherapeuten über Terminservicestelle vergeben

Terminservicestellen sollen auch reguläre Termine bei Psychotherapeuten vergeben. Diese Vorstellung hat heute die Techniker Krankenkasse (TK) in Hessen geäußert. Hintergrund seien zu lange Wartezeiten auf einen Termin.

„Bislang sind Wartezeiten von einigen Monaten auf einen Therapieplatz leider keine Seltenheit. Das ist belastend und unzumutbar für die Betroffenen“, sagt Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung Hessen. Schließlich könne sich die psychische Situation der Patienten schnell verschlechtern und aus einem nicht akuten Fall ein akuter werden. „Von daher gesehen wäre es folgerichtig, wenn die Terminservicestelle den Patienten nicht nur in akuten Fällen, sondern grundsätzlich bei der Suche nach einem Psychotherapeuten zur Verfügung stehen würde.“

Angesichts dessen, dass 2016 9.000 Facharzttermine in Hessen vermittelt worden seien, könnte der Eindruck entstehen, die Terminservicestelle sei unnötig, so Voß. Die Stelle könne aber nur dann beauftragt werden, wenn der Patient einen Dringlichkeits­vermerk auf seiner Überweisung habe. „Das heißt, es wurde 9.000 akut erkrankten Patienten geholfen, einen dringlichen Termin beim Facharzt zu bekommen. Vor diesem Hintergrund ist die Zahl also alles andere als gering“, findet Voß. Auch die Vermittlung der akuten Sprechstunde beim Psychotherapeuten werde von den Patienten bereits sehr gut angenommen: In den ersten sieben Wochen wurden über 900 solcher Termine in Hessen vermittelt.

Vorwürfe „absurd“

Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KV) nannte die TK-Forderungen und Vorwürfe auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblattes „absurd“. „Die TK hat den Betrieb der Termin­servicestelle (TSS) offenbar nicht begriffen“, sagte Frank Dastych, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen. Zum einen wehrt sich die KV Hessen gegen die Unterstellung, Patienten wären ohne TSS nicht behandelt worden. Zum anderen hinterfragt die KV, woher die TK das Wissen nehme, es habe sich bei allen Patienten um akut Erkrankte gehandelt.

Die Äußerungen der Kasse zeigten, dass sie keine Ahnung habe, wer wirklich in der TSS anrufe und wie diese funktioniere, sagte Dastych. „Termine über die Terminservicestelle werden innerhalb von vier Wochen vermittelt. Mit dringlicher Behandlung hat dies daher gar nicht zu tun“, erklärte der KV-Chef weiter.

Die Terminservicestelle liefere keine Termine für dringliche Behandlungen. Diese fänden inner­halb von wenigen Tagen statt. „Dringliche Behandlungen werden nach wie vor auf direktem Weg zwischen behandelnden Ärzten im Sinne der Patienten vermittelt. Offen­bar hat die die TK dies nicht mitbekommen. Leider beweist die TK hier eindrucksvoll, dass sie von medizinischer Versorgung nicht wirklich was versteht“, so Dastych.

Er betonte, das gelte gleichermaßen für die Psychotherapie. „Hier wird nicht nur ein Erstkontakt vermittelt, sondern beim Vorliegen akuter Behandlungsnotwendigkeit die Akuttherapie. Diese wird im Rahmen des Erstkontaktes festgestellt und eine entspre­chen­de Bescheinigung ausgestellt“, erläuterte er. Zu fordern, was bereits Praxis sei, passe zu einer Krankenkasse, die sich derzeit verweigere, hessische Ärzte und auch Psychotherapeuten angemessen zu bezahlen. „Offenbar will man durch eine künstliche Diskussion um die TSS davon ablenken, dass die Blockadehaltung in den Honorar­ver­hand­lungen die Versorgung in Hessen langfristig massiv gefährdet“, so der KV-Vor­stand.

Erneut Kritik am Scheitern der Honorarverhandlungen

Dastych erneuerte damit drei Wochen nach dem Scheitern der Honorarverhandlungen erneut seine scharfe Kritik an den Krankenkassen. Dastych zufolge zeige der gerade erschienene Honorarbericht 2/2015 der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, dass Hessen beim Honorar auf dem vorletzten Platz liege. Zu den Spitzenreitern fehlten fast 40 Prozent.

„Wir bekommen in den Beratungsgesprächen zur Niederlassung vermehrt die Frage danach gestellt, warum man sich denn noch in Hessen niederlassen solle? Und tatsächlich gehen uns – zumindest was das Honorar angeht – nun mehr und mehr die Argumente aus“, erklärten heute Dastych und Vorstandskollege Eckhard Starke.