Online-Intervention kann bei Depressionen helfen

Bei leichten und mittelschweren Depressionen können Online-Therapien eine wirksame und effektive Alternative zur klassischen Psychotherapie sein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Freien Universität Berlin (FU Berlin) und der Techniker Krankenkasse (TK), die heute in Berlin vorgestellt wurde.

Der „Depressionscoach“ ist eine Online-Intervention für leicht bis mittelgradig depressiv belastete Erwachsene, die derzeit von der TK angeboten wird. Eine Stich­probe von 1.089 Teilnehmern des TK-Depressionscoach wurde nun erstmalig von Christine Knaevelsrud, Professorin für Klinisch-Psycholo­gische Intervention an der FU Berlin, und Kollegen evaluiert. „Es handelt sich um die derzeit größte deutsche Online-Therapie-Studie unter Versor­gungs­bedingungen“, betonte Knaevelsrud heute vor der Presse. „Die Ergeb­nisse sind im internationalen Vergleich mit anderen Online-Programmen überdurch­schnittlich und die Drop-out-Raten unterdurchschnittlich.“

Mit dem TK-Depressionscoach, der über die Internetseite der TK zugänglich ist, erhalten Betroffene über einen Zeitraum von etwa zwei Monaten Interventionen in sieben Modulen: Modul eins leitet an, Depressionen zu erkennen und zu begreifen; Modul zwei zeigt, wie sich Depressionen auf Körper und Psyche auswirken können; Modul drei leitet an, dem Tag eine klare Struktur zu geben; Modul vier hilft, Hinder­nisse im Alltag zu über­winden; Modul fünf zeigt, wie sich negative Denkmuster beein­flussen lassen und Modul sechs leitet an, hilfreiche Gedanken zu entwickeln; Modul sieben schließlich trägt dazu bei, persönliche Warnsignale zu erkennen.

Hohe Zufriedenheit der Patienten mit dem Programm

In der Evaluationsstudie erhielt ein Teil der teilnehmenden TK-Versicherten eine regel­mäßige individuelle Betreuung durch eine psychologische Beraterin, der andere Teil ein automatisiertes Feedback und Kontakt bei Bedarf. Mittels Fragebögen vor und nach der Intervention sowie drei, sechs und zwölf Monate später wurden auch die lang­fristigen Effekte untersucht. Die Teilnehmer äußerten Studienleiterin Knaevelsrud zufolge eine hohe Zufriedenheit mit dem Programm, wobei sie mit individueller Betreuung wesentlich zufriedener waren. Zudem würden die individuell Betreuten das Programm auch häufiger weiterempfehlen.

Signifikante Verminderungen der depressiven Symptome

„Hinsichtlich der Wirksamkeit haben sich signifikante und langanhaltende Verminde­run­gen der depressiven Symptome, aber auch der sogenannten Sekundär-Outcomes wie Angst und Grübeln ergeben“, berichtete die Psychotherapeutin. Das habe auch zur Folge, dass die Zahl der selbstberichteten Krankschreibungen und Krankheitstage der Teilnehmer gesunken sei. Die Verbesserungen seien auch über den Zeitraum von einem Jahr nach der Onlinetherapie weitestgehend stabil. „Die Ergebnisse sind somit vergleich­bar mit denen, die in Face-to-face-Behandlungen erzielt werden“, betonte Knaevelsrud.

Die Techniker Krankenkasse würde den Depressionscoach gerne „viel stärker“ in die Regelversorgung implementieren, betonte Susanne Klein, Leiterin der Entwicklungs­abteilung im TK-Versorgungsmanagement. „Auch für schwere Diagnosen ist in Zukunft eine Onlinetherapie denkbar. Die internationale Forschung zeigt uns, dass die Kom­bination von persönlicher Betreuung und neuen Medien hierbei durchaus gut funktioniert.“

Doch bis dahin sei es noch „ein sehr weiter Weg“, so Klein. Zum einen gelte es, Psycho­therapeuten davon zu überzeugen, ihren Patienten den Depressions­coach ergänzend oder zur Wartezeitenüberbrückung zu empfehlen. Im Weg stehe zudem, dass die Kassen Patienten aus Datenschutzgründen nicht gezielt auf die Online-Intervention aufmerksam machen dürften.