Probiotika könnten Depressionen bei Reizdarmsyndrom lindern

Depressive Patienten, die an einem Reizdarmsyndrom leiden, könnten mit­hilfe einer Probiotika-Therapie ihre psychischen Beschwerden lindern. So lautet das Ergebnis einer klinisch randomisierten Studie, die Forscher des Farncombe Family Digestive Health Research Institute um Premysl Bercik in der Fachezeitschrift Gastroenterology veröffentlichten (2017; doi: 10.1053/j.gastro.2017.05.003).

Ein Reizdarm geht typischerweise mit Blähungen, Durchfall und Schmerzen einher. Da die Symptome zu teilweise großen Belastungen im Alltag führen, leiden laut den Autoren viele Betroffenen unter depressiven Verstimmungen. Der Grund für die Symptome ist bisher unklar. Neben einem hypersensiblen enterischen Nervensystem werden auch Faktoren wie Immunreaktionen nach Gastroenteritiden oder bakterielle Fehlbesiedlungen des Darms diskutiert. Der bakteriellen Flora wird auch in der momentanen Leitlinie zum Reizdarmsyndrom eine wichtige Rolle beigemessen. So wird in der 2010 veröffentlichten Leitlinie unter anderem eine Empfehlung für eine Behand­lung mit Probiotika ausgesprochen.

Kleine Studienpopulation

In der aktuellen – kleinen – Studie wollten die Wissenschaftler überprüfen, ob die Probiotika auch einen Einfluss auf die psychische Gesundheit der Patienten ausüben. Sie rekrutierten 44 Patienten mit einem Reizdarmsyndrom für ihre Studie. Die Hälfte wurde über zehn Wochen mit Probiotika behandelt, die Bifidobacterium longum enthielten, während die andere Hälfte ein Placebo erhielt.

Es zeigte sich, dass nach sechs Wochen 14 Patienten der Behandlungsgruppe unter weniger depressiven Symptomen litten, gegenüber sieben Patienten in der Placebo-Gruppe. In zusätzlichen funktionellen MRT-Aufnahmen zeigten sich in der Gruppe der behandelten Patienten Änderungen der Amygdala-Funktion und des limbischen Systems, die unter anderem an der Verarbeitung von Emotionen beteiligt sind.

Die ersten Ergebnisse dieser kleinen Studie bewerten die Forscher als vielverspre­chend. Künftige Untersuchungen müssten aber noch zeigen, ob sich diese auch in größeren Patientenkollektiven bestätigen lassen. Die Ergebnisse würden außerdem noch einmal die wichtige Verbindung zwischen Darmflora und Psyche unterstreichen, hieß es aus der Arbeitsgruppe.