Anorexia nervosa: Magersucht kann angeboren sein

Bisher wurde vermutet, die Essstörung Anorexia nervosa (AN) habe psychische Ursachen. Dass man aber auch eine Veranlagung dazu haben kann, konnte eine internationales Team um Laramie Duncan von der Stanford University zusammen mit Forschern von der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) jetzt erstmals nachweisen. Ihre Erkenntnisse zum neu entdeckten Gen publizierten sie in The American Journal of Psychiatry (2017; doi: 10.1176/appi.ajp.2017.16121402).

Daten von 3.495 AN-Patientinnen untersuchten die Wissenschaftler und entdeckten das Gen auf dem Chromosom 12. „Diese Region wurde bereits mit Diabetes mellitus Typ 1 und Autoimmunerkrankungen in Verbindung gebracht“, erläutert Anke Hinney von der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der UDE. Magersucht könnte so mit weiteren Erkrankungen verknüpft sein – wie etwa auch mit Schizophrenie beziehungsweise Neurotizimus: Die Gene, die dafür empfänglich machen, überlappen sich.

Erstaunlicherweise gab es zudem Hinweise darauf, dass es überlappende Mechanismen zwischen AN und verschiedenen metabolischen Phänotypen den Insulin-Glukose-Meta­bolismus betreffend gibt. „Diese Entdeckungen können das bisherige Verständnis der AN nachhaltig verändern: Eine psychiatrische Störung mit einem physiologischen Hintergrund eröffnet völlig neue und bislang unerwartete Therapieoptionen“, sagt Hinney. Außerdem könne die genetische Ursache die Betroffenen entlasten.

Magersucht gehört zu den Essstörungen. Als Ursache kommen mehrere Faktoren zusammen wie Selbstzweifel, geringes Selbstwertgefühl, Perfektionismus, übermäßige Sorge um Figur und Gewicht sowie einschneidende Erlebnisse wie Trennungs­situatio­nen oder ein Schulwechsel. Auch eine genetische Veranlagung wird seit Längerem diskutiert. Magersucht tritt am häufigsten während der Pubertät auf.