Adipositas: Intervallfasten in klinischer Studie ohne Vorteile

Chicago – Eine neue Diätstrategie, die das Fasten auf jeden zweiten Tag beschränkt und den Patienten an den anderen Tagen keine Restriktionen auferlegt, hat sich in einer randomisierten klinischen Studie in JAMA Internal Medicine (2017; doi: 10.1001/jamainternmed.2017.0936) als nicht effektiver erwiesen als eine Kalorienrestriktion an allen Tagen. Die Abbruchrate war beim Intervallfasten sogar höher.

Periodisches Fasten ist derzeit sehr on vogue. Wenn die Medien richtig informiert sind, haben Stars wie Beyoncé und Benedict Cumberbatch die Methode für sich entdeckt und auch die Verlage für Ratgeberliteratur sind auf den Zug aufgesprungen. Die wissen­schaftliche Evidenz beruht jedoch – wie häufig bei Diäten zur Gewichtsreduktion – nur auf wenigen Studien mit einer kleinen Teilnehmerzahl und einer kurzen Laufzeit.

Eine Studie der Universität Chicago hat eine Variante der neuen Trend-Diät jetzt an überwiegend adipösen Erwachsenen getestet. Die hundert Teilnehmer der Studie wurden auf drei Gruppen verteilt. Die erste Gruppe wurde zu einem periodischen Fasten angehalten.

Die Teilnehmer sollten die Kalorienmenge an jedem zweiten Tag auf 25 Prozent des Grundbedarfs senken (es gab für sie nur ein kleines Mittagessen), an den Tagen dazwischen durften sie bis zu 125 Prozent der benötigten Kalorien aufnehmen. In einer zweiten Gruppe wurde die tägliche Energiezufuhr auf 75 Prozent gesenkt. Die dritte Gruppe nahm nicht an einer Diät teil.

Die Dauer der Diät war auf sechs Monate beschränkt. In den ersten drei Monaten erhielten die Teilnehmer das Essen gestellt. Danach erhielten sie eine Diätberatung. In einer zweiten Phase von sechs Monaten sollten die Teilnehmer versuchen, ihr Gewicht zu halten. Primärer Endpunkt war die Gewichtsabnahme.

Wie das Team um Krista Varady berichtet, waren beide Diäten gleich erfolgreich. Die Gewichtsabnahme der Probanden gegenüber der Kontrollgruppe betrug in den ersten sechs Monaten in beiden Gruppen 6,8 Prozent. Nach einem Jahr wogen die Teilnehmer des Intervallfastens noch 6,0 Prozent weniger als die Kontrollgruppe. Nach der konven­tionellen Restriktionsdiät waren es 5,3 Prozent weniger als in der Kontrollgruppe. Der Unterschied zwischen den beiden Diäten war nicht signifikant, ein Vorteil ist für Varady deshalb nicht zu erkennen.

Obwohl bei der Intervalldiät auf jeden Fastentag ein „Festtag“ folgte, war diese Diät für die Teilnehmer nicht unbedingt leichter. Im Gegenteil: Der Anteil der Aussteiger war mit 38 Prozent sogar höher als bei der täglichen Kalorienrestriktion, die 29 Prozent der Teilnehmer nicht bis zum Ende durchhielten. Varady befürchtet, dass die Gewichts­abnahme beim Intervallfasten weniger nachhaltig sein könnte als eine Kalorienrestriktion an allen Tagen. Was laut Varady jedoch nicht ausschließt, dass einige Menschen mit einer Intervalldiät gute Ergebnisse erzielen.

Für beide Gruppen hat sich die Diät (vorerst) positiv auf die Gesundheit ausgewirkt. Blutdruck, Herzfrequenz, Triglyzeride, Nüchternblutzucker- und -insulin, Insulinresistenz, C-reaktives Protein und Homocystein verbesserten sich gegenüber der Vergleichs­gruppe, wobei beide Diätvarianenten unterschiedliche Einflüsse auf die Cholesterinwerte hatten. Das „gesunde“ HDL-Cholesterin stieg nach sechs Monaten Intervall-Fasten stärker an als unter dem konventionellen Fasten, während der Abfall des „schlechten“ LDL-Cholesterins nach zwölf Monaten unter dem konventionellen Fasten ausgeprägter war.

Ob die beiden Diäten langfristig ein Erfolg waren, dürfte offen sein. In den meisten Studien nehmen die Patienten nach dem Ende der Betreuung wieder an Gewicht zu, was sich auch in der aktuellen Studie in einem Trend zur Gewichtszunahme in den zweiten sechs Monaten der Studie abzeichnete.