Körpereigene Opioide könnten Therapieoption werden

Sydney – Die Aktivierung endogener Opioidsysteme könnte für die Therapie von Angst­erkrankungen ein künftiger Ansatzpunkt sein. Über mögliche Wege, dieses Opioid­sys­tem zu nutzen, berichtet Elena Bagley an der University of Sydney mit ihrer Arbeits­gruppe in Nature Communications (2017; doi: 10.1038/ncomms14611).

Angsterkrankungen sind in der Bevölkerung weit verbreitet. Jährlich sind rund 15 Pro­zent der Deutschen betroffen. Während psychotherapeutische Maßnahmen und die Einstellung auf eine Dauermedikation vielen Betroffenen helfen können, verschreiben Ärzte für akute Angstzustände nicht selten Benzodiazepine. Zwar ist die Wirksamkeit dieser Medikamente belegt, jedoch bergen sie auch ein erhebliches Abhängigkeits­potenzial.

Das Gehirn selbst verfügt über ein endogenes Opioidsystem, welches Stress, Angst und Schmerzen mindert und zu Glücksgefühlen führt. Die Wissenschaftler berichten, dass es Hypothesen gibt, dass die Modifikation dieses Opioidsystems eben­falls ein wirksamer Weg sein könnte, Angststörungen zu therapieren. Insbesondere wenn es um die Bewertung von Stimuli und das affektive Lernverhalten geht, könnten diese Systeme neuromodulatorisch wirksam werden, statt die Angst nur zu dämpfen. Bisher ist jedoch unvollständig bekannt, wie das körpereigene Opioidsystem Affekt und Psyche beeinflusst.

Mausversuche der Arbeitsgruppe zeigten, dass beispielsweise die Elimination körper­eigener Opioide, wie das Enkephalin, bei den Tieren zu Angst und Aggressivität führte. Demgegenüber verminderte eine verstärkte Ausschüttung die Angst. Als die Forscher die Wirkung der unterschiedlichen Opioidrezeptoren näher untersuchten, stellte sich heraus, dass sogenannte µ-Rezeptoren in der Amygdala die Neurone aktivierten, während δ-Rezeptoren die gleichen Neurone dämpften und anxiolytisch wirkten. Durch einen allosterisch wirksamen Effektor konnten die Forscher die Wirkung der δ-Rezep­toren verstärken. Sie konnten somit zeigen, dass das endogene Opioidsystem zumin­dest experimentell sehr gezielt beeinflussbar ist.

Bisher sind die Erkenntnisse über das endogene Opioidsystem laut den Forschern nicht ausgereift genug, um auf ihrer Grundlage spezifische Therapien zu entwickeln. Nähere Kenntnisse über das körpereigenen Opioidsystem könnten jedoch künftig Möglichkeiten für sehr spezifische Therapieoptionen eröffnen, so die Wissenschaftler.

Psychose: Anfälligkeit schon sehr früh erkennbar

Gehirn reagiert bereits bei 14-Jährigen übertrieben stark auf Signale

Forscher der Universite de Montreal http://umontreal.ca und des Sainte-Justine University Hospital Research Center http://research.chusj.org haben frühe Marker entdeckt, die eine Anfälligkeit für Psychosen anzeigen. Übertriebene emotionale Reaktionen des Gehirns auf nicht bedrohliche und nicht gefühlsbetonte Signale, können das Auftreten von ersten Anzeichen psychotischer Symptome im späten Jugendalter sein.

Auffälligkeiten erkennen

Die im „American Journal of Psychiatry“ veröffentlichten Ergebnisse stimmen mit Hypothesen zur Entwicklung dieser Krankheit überein. Laut der leitenden Wissenschaftlerin Patricia Conrod gelang es, Auffälligkeiten im Gehirn von Teenagern zu entdecken, schon bevor psychotische Erfahrungen und der Substanzmissbrauch signifikante kognitive Einschränkungen verursachen und ein medizinisches Eingreifen erfordern.

Conrods Team begleitete mehr als 1.000 europäische Teenager vom 14. bis zum 16. Lebensjahr. Sie waren Teil der „IMAGEN“-Studie http://de.imagen-europe.com . Dabei wurde die Gehirnaktivität während des Absolvierens verschiedener kognitiver Aufgaben gemessen, um Bereiche wie Belohnungssensitivität, Impulskontrolle und die Verarbeitung von emotionalen und nicht-emotionalen Inhalten zu untersuchen. Zusätzlich beantworteten die Teilnehmer mit 14 und 16 Jahren Fragebögen zu verschiedenen psychiatrischen Symptomen.

Maschineller Lernansatz

Zuerst wählten die Forscher eine Gruppe von Jugendlichen aus, die mit 14 Jahren bereits von gelegentlichen psychoseähnlichen Erfahrungen berichteten. Sie reagierten auf nicht-emotionale Inhalte so, als ob diese von hohem gefühlsmäßigem Stellenwert wären. Mittels eines maschinellen Lernansatzes wurde dann getestet, ob diese funktionellen Charakteristika des Gehirns das Auftreten von zukünftigen psychotischen Symptomen bei einer größeren Gruppe von 16-Jährigen vorhersagen konnte.

Im Alter von 16 Jahren gaben 16,6 Prozent der Jugendlichen an, dass sie bereits auditive oder visuelle Halluzinationen und wahnhafte Ideen gehabt hatten. Diese Erfahrungen wurden durch entsprechende Tendenzen aufgrund der Reaktion des Gehirns auf neutrale Reize und dem Konsum von Cannabis vor dem 16. Lebensjahr, bereits im Alter von 14 Jahren vorhergesagt.

Conrod zufolge verdeutlichen die aktuellen Forschungsergebnisse, dass eine Anfälligkeit bereits sehr früh identifiziert werden kann. „Da diese Krankheit normalerweise am Beginn des Erwachsenenalters ausbricht, gibt es daher ein großes Zeitfenster, in dem Interventionen bei riskantem Verhalten und entscheidenden ursächlichen Prozessen möglich sind.“

Videospiele als neue Therapieform bei Depressionen

Krankheit wird für Betroffene durch gezieltes Training kontrollierbarer

Videospiele und Anwendungen zum Gehirntraining werden immer häufiger als effektiver Ansatz zur Behandlung von Depressionen angepriesen. Forscher der University of California, Davis http://ucdavis.edu gehen nun einen Schritt weiter. Werden die Spieler in Games mit persönlichen Erinnerungen konfrontiert, nutzen sie diese häufiger, so das Ergebnis dieser aktuellen Studie.

Sorgfältige Aufforderungen

Laut den Forschern Subuhi Khan und Jorge Pena erhöhte sich in manchen Fällen sogar die Zeit, die spielend verbracht wurde. Durch den gezielten Einsatz von sorgfältig gestalteten Aufforderungen könnten Videospiele mit passenden Inhalten somit eine gut umsetzbare und weniger zermürbende Behandlungsoption darstellen.

Die Botschaften und damit in Zusammenhang stehende Spiele zielten in den Tests auf Depressionen ab, die entweder durch innere Ursachen – ein chemisches Ungleichgewicht oder Erbanlagen – verursacht oder durch äußerliche Faktoren – wie Probleme am Arbeitsplatz oder in der Beziehung – ausgelöst wurden. Die übermittelten Nachrichten verfügten im Ansatz über leichte Unterschiede.

Am Ende standen jedoch jeweils Ermutigungen, das Spiel zu spielen. Die Experten verglichen die Nutzung der Games mit einem regelmäßigen Training, bei dem man versucht, sein Bestes zu geben. Durch den Einsatz von sechs Drei-Minuten-Spielen zeigte sich, dass sie den Nutzern dabei halfen, ein Gefühl der Kontrolle über ihre Krankheit zu bekommen. Bei jedem Spiel handelte es sich um eine Adaption von bereits erprobten neurophysiologischen Trainingseinheiten.

Keine langfristigen Effekte

Wurde die Depression als etwas dargestellt, dass durch innere Ursachen ausgelöst wird, so ermöglichte eine App für das Gehirntraining den Usern das Gefühl, dass sie etwas für die Kontrolle ihrer Depressionen tun konnten. Laut den Autoren wird damit die Annahme gestützt, dass derartige Spiele helfen können, kognitive Veränderungen einzuleiten. Diese User bewerteten die Benutzerfreundlichkeit der App als sehr positiv.

Wurden Depressionen als etwas dargestellt, das durch äußere Faktoren hervorgerufen wurde, wurde mehr Zeit mit dem Spielen verbracht. Auch hier könnte das Gefühl, die Situation kontrollieren zu können, eine Rolle spielen. Khan und Pena gehen jedoch davon aus, dass diese Wirkung auf die direkte Nutzung zurückzuführen war und sehr wahrscheinlich keine langfristigen Vorteile bringt.

Die aktuelle Studie hat nicht untersucht, ob Videospiele Depressionen tatsächlich verringern. Laut den Autoren wird jedoch bereits an weiteren Studien zum Thema gearbeitet. So wurden Daten von 160 Studenten ausgewertet, die an leichten Depressionen litten. Drei Viertel der unter die Lupe genommenen Teilnehmer waren Frauen, mehr als die Hälfte der Versuchspersonen waren asiatischer Herkunft. Das Durchschnittsalter lag bei 21 Jahren.

Aktuelle Studie zum Zusammenhang zwischen Wohlbefinden und Ernährung

Wie beeinflusst das, was wir tagtäglich essen und trinken, unser Wohlbefinden? Dieser Frage sind Psychologinnen und Psychologen der Universitäten Gießen und Marburg in einer aktuellen Studie nachgegangen. Siebenundsiebzig Versuchspersonen führten vier Tage lang Protokoll über ihr Ernährungsverhalten und ihr Wohlbefinden und sammelten Speichelproben. Während das Essverhalten allgemein nicht wesentlich zu einem besseren Wohlbefinden beitrug, führte die Einnahme von Getränken wie Saft, Kaffee und Alkohol zu einer Stimmungsverbesserung. Die Ergebnisse der Studie wurden gerade in der Fachzeitschrift „Biological Psychology“ veröffentlicht.
Essen macht glücklich und hilft, Stress abzubauen. Diese Annahme ist weit verbreitet. Tatsächlich konnte in einigen Studien gezeigt werden, dass Menschen gerade in Stresssituationen oder in negativer Stimmung zu (meist ungesunden) Snacks greifen, vermutlich in der Hoffnung, die momentane Stimmung zu verbessern. „Die Vermutung, dass Essen generell das Wohlbefinden verbessert, lässt sich anhand unserer Daten allerdings so nicht bestätigen“ sagt Jana Strahler, Klinische Psychologin an der Justus-Liebig-Universität Gießen. „Vielmehr führten Getränke wie Saft, Kaffee und Alkohol zu einer kurzfristig besseren Stimmung. Der Zusammenhang zwischen Essen und Wohlbefinden war hingegen davon abhängig, ob jemand unter Stress zu verstärktem Essen neigt oder eher ein gezügelter Esser ist.“

Gemeinsam mit Urs Nater von der Philipps-Universität Marburg untersuchte Strahler den Zusammenhang zwischen Ernährungsverhalten, Wohlbefinden und Stress erstmals unter Alltagsbedingungen. Mit Hilfe elektronischer Tagebücher (iPod® touch) befragten sie 77 Erwachsene über vier Wochentage hinweg zu ihrem Ess- und Trinkverhalten sowie zu ihrem Wohlbefinden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gaben fünfmal pro Tag an, was sie seit dem letzten Zeitpunkt gegessen und getrunken hatten, und ob sie noch hungrig seien. Dabei wurde zwischen der Art der Mahlzeit (Hauptgericht, Snack, Süßigkeit, andere) und dem Hauptbestandteil der Mahlzeit (Proteine, Kohlehydrate, Fett, gemischt) unterschieden. Zu jedem Messzeitpunkt gaben sie außerdem an, wie gut ihre Stimmung gerade war, wie viel Energie sie hatten und wie gestresst sie sich fühlten. Sie gaben außerdem zu jedem Messzeitpunkt eine Speichelprobe ab, die auf das Stresshormon Cortisol und das Enzym Alpha-Amylase hin untersucht wurde. Zu Beginn der Studie wurde zudem für jede Person ermittelt, ob man deren Essverhalten eher als „emotional“ oder eher als „gezügelt“ bezeichnen konnte.

Das Forscherteam analysierte den Zusammenhang zwischen der Nahrungsaufnahme und dem Wohlbefinden am jeweils darauffolgenden Messzeitpunkt. „Einen allgemein stressreduzierenden Effekt von süßen und hochkalorischen Speisen haben wir nicht gefunden“, sagt Jana Strahler. Allerdings zeigte sich ein Unterschied zwischen emotionalen und gezügelten Esser-Typen: gezügelte Esser berichteten nach dem Konsum von Süßigkeiten ein höheres Stresserleben, während bei emotionalen Essern das Stressgefühl sank. „Dies deckt sich mit Befunden aus der Essstörungsforschung, die zeigen, dass Frauen mit Anorexie oder Bulimie nach dem Erleben einer Essattacke vermehrt negative Stimmung berichten. Gezügelte Esser erleben den Verzehr hochkalorischer Speisen möglicherweise als Misserfolg. Bei emotionalen Essern scheint der gewünschte hedonische, belohnende, Effekt der Nahrung jedoch aufzutreten“, führt Strahler aus.
Ein relativ robuster Befund aus der Literatur findet sich auch in dieser Studie: die Einnahme fettreicher Nahrung führte zu einer Verschlechterung des allgemeinen Wohlbefindens.

Die Einnahme von Getränken wie Wasser, Saft, Kaffee und Alkohol führte hingegen eher zu einer Stimmungsverbesserung. Koffeinhaltige Getränke führten außerdem zu einem Gefühl von mehr Energie. Alkoholische Getränke führten zu einer Verbesserung aller gemessenen Aspekte des subjektiven Wohlbefindens. „Hierbei ist allerdings zu bedenken, dass Alkohol oft in sozialen Situationen getrunken wird, die auch dazu beitragen können, dass man sich besser fühlt“, erklärt Jana Strahler.

Die Originalstudie finden Sie hier:
Jana Strahler, Urs M. Nater, Differential effects of eating and drinking on wellbeing—An ecological ambulatory assessment study, Biological Psychology, Available online 22 January 2017, http://dx.doi.org/10.1016/j.biopsycho.2017.01.008.

Kontakt bei Rückfragen:
Dr. Jana Strahler
Psychotherapie und Systemneurowissenschaften
Justus-Liebig-Universität Gießen
E-Mail: Jana.strahler@psychol.uni-giessen.de
Tel.: 0641 9926332

Neues Forschungsprojekt: Was passiert zwischen den Psychotherapiestunden?

Eine Psychotherapiestunde dauert in der Regel 50 Minuten und findet häufig einmal in der Woche statt. Die Psychotherapieforschung vermutet, dass zwischen den Therapiesitzungen relevante Prozesse ablaufen. Diese möchte nun ein Forschungsteam, gefördert vom Jubiläumsfonds der Oesterreichischen Nationalbank, untersuchen und darauf basierend eine App entwickeln, die die so genannten Intersession-Prozesse erhebt, kontrolliert und fördert.
„Rechnet man die tatsächliche Therapiezeit gegen die durchschnittliche Wachzeit auf, so zeigt sich, dass die Therapiezeit nur einen sehr geringen Anteil hat“, so Projektleiterin Sylke Andreas (Institut für Psychologie). Aktuelle Forschungen zu den sogenannten „Intersessions-Prozessen“ lassen vermuten, dass sich eine intensivere Beschäftigung mit der Zeit zwischen den Psychotherapiestunden lohnen könnte. Der Begriff wurde von den Psychotherapieforschern David E. Orlinsky und Jesse D. Geller geprägt und beschreibt die Verarbeitung der Therapie und deren Inhalten zwischen den einzelnen Therapiesitzungen sowie alle spontanen und intentionalen Gedanken, Gefühle, Erinnerungen und Phantasien über die Therapie und den oder die TherapeutIn.

Diese „Zwischensitzungsprozesse“ sind, so zeigen bisherige Studien, mit dem Behandlungserfolg und der therapeutischen Beziehung assoziiert. Sylke Andreas führt zu den Zielen des nun startenden Projekts aus: „Wir wollen zunächst den genauen Zusammenhang zwischen den in der Therapiestunde ablaufenden Prozessen und den darauffolgenden Intersession-Prozessen untersuchen, um Interaktions-Muster zu identifizieren, die Hinweise auf die Förderung bzw. Hemmung der Intersession-Prozesse geben können.“

Aufbauend darauf will das Team eine App entwickeln, welche die Intersession-Prozesse der Patientinnen und Patienten erhebt, kontrolliert und fördert. Sylke Andreas stellt in Aussicht: „Die App soll auch als Mentoring-Funktion für die Therapeutinnen und Therapeuten verwendet werden können. Mit ihrer Hilfe soll es gelingen, die Intersession-Prozesse ökonomisch und einfach im psychotherapeutischen Prozess einzubinden, um so die Therapie und vor allem das Behandlungsergebnis zu optimieren.“ Da das Projekt eine Laufzeit von 3 Jahren beansprucht, kann ab 2019 mit den ersten Ergebnissen gerechnet werden.
Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.aau.at

Terminservice der KVen ab April auch für Psychotherapeuten

Berlin – Ab dem 1. April müssen die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereini­gun­gen (KVen) auch freie Termine bei Psychotherapeuten vermitteln. Ergänzend zu der seit Anfang 2016 laufenden Terminvermittlung bei Fachärzten können sich gesetzlich krankenversicherte Patienten künftig auch bei der Suche nach einem Termin für ein the­rapeutisches Erstgespräch oder für eine Akutbehandlung unterstützen lassen. Das sieht die im Zuge der Reform der ambulanten Psychotherapie geänderte Psychothera­pie-Richt­linie des Gemeinsamen Bundesausschusses vor.

Vor diesem Hintergrund hat die KV Telematik GmbH (KVTG) bereits Ende vergangenen Jahres damit begonnen, den „eTerminservice“, ein elektronisch gestütztes Wartezeiten­manage­ment für Facharzttermine, um den Bereich Psychotherapie zu erweitern. Die im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung entwickelte Lösung nutzen in­zwischen zwölf KVen voll und die KV Schleswig-Holstein teilweise, berichtete Sebastian Bernhardt, KVTG, beim 3. KVTG-Partnermeeting in Berlin.

Die Arztpraxen und künftig auch die Psycho­therapeuten können die Termine selbst on­line melden, wohingegen die Termin­vermittlung asynchron durch die Servicestellen er­folgt. Umgesetzt wurden zwei Anwen­dungsfälle: die Vermittlung von Terminen für die psy­chotherapeutische Sprechstunde und von Erstterminen für die psychotherapeutische Akutbehandlung.

„Wir haben mittlerweile Termine von 14.000 Facharztpraxen und Psychotherapiepraxen im System. Dahinter liegen die gut gepflegten Stammdaten von über 80.000 Praxen in Deutschland“, erklärte Bernhardt. Im Jahr 2016 seien mehr als 72.000 Termine frist­ge­recht vermittelt worden, das heißt, die Termine wurden innerhalb einer Woche und nicht weiter entfernt als in einem Zeitraum von vier Wochen vergeben.

Keine Überweisung für Erstgespräch erforderlich

Grundsätzlich ist für die Vermittlung in eine Psychotherapiesprechstunde keine Über­weisung erforderlich, und es gibt auch keine Unterscheidung nach Dringlichkeit. Aller­dings ist für die Vermittlung zur Akutbehandlung die Empfehlung eines Therapeuten er­forderlich, die Patienten im Bedarfsfall bei einem Erstgespräch erhalten.

Für die Ver­mitt­lung der Psychotherapeutentermine wurden laut Bernhardt zusätzlich Ter­min­profile im System hinterlegt, um etwa die spezifische Dauer und Art der Termine, die sich von de­nen der Fachärzte unterscheiden, kennzeichnen zu können. Über die Start­seite des Dienstes werde es zudem direkt möglich, neben den bisherigen über­weisungs­freien Fachgruppen auch die Suche nach psychotherapeutischen Sprech­stunden zu starten.

Benachrichtigungsfunktion implementiert

Neu implementiert wurde zudem eine Benachrichtigungsfunktion. Praxen können jetzt nicht nur in der Web-Anwendung ihre Terminplanung sehen, sondern sie werden pro­aktiv aus dem System heraus per E-Mail oder Fax darüber informiert, wenn eine neue Buchung eingegangen ist. Zusätzlich wird Bernhardt zufolge über eine Schnittstelle zur Praxissoftware über KV-Connect nachgedacht, über die solche Benachrichtigungen laufen könnten.

Die Terminservicestellen vermitteln ebenso wie bei den Fachärzten keine „Wunsch­ter­mine“ beim „Wunsch-Psychotherapeuten“. Darauf weist die KV-Nordrhein (KVNO) in ei­ner Pressemitteilung hin. Frank Bergmann, KVNO-Vorsitzender, rät deshalb Betroffe­nen, sich weiterhin zunächst direkt an den Therapeuten ihrer Wahl zu wenden, um einen Ter­min zu vereinbaren.

Die Servicestelle muss Patienten einen Termin bei einem niedergelassenen Psycho­the­ra­peuten innerhalb von vier Wochen und im Radius einer maximalen Fahrzeit von 30 Mi­nuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln anbieten. Ist dies nicht möglich erhalten Patienten einen Termin in einer stationären Einrichtung.

Fachgesellschaft fordert bessere psychotherapeutische Versorgung nach Adipositaschirurgie

Berlin – Auf die psychische Verfasstheit von Patienten nach einer bariatrischen Opera­tion hat die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psycho­therapie (DGPM) hingewiesen. „Fettleibigkeit zieht nicht nur körperliche, sondern oft auch psychische Probleme wie etwa Depressionen nach sich“, erklärte die DGPM-Exper­tin Martina de Zwaan, Direktorin der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie an der Medizinischen Hochschule Hannover.

Diese verbesserten sich nach einer OP in der Regel kurz- bis mittelfristig, könnten dann aber wieder zunehmen und sich sogar verstärken. Dies reiche bis hin zu einem erhöh­ten Suizidrisiko. Warum sich bei manchen Menschen die psychischen Beschwerden nach dem Eingriff verschärfen und welcher Zusammenhang genau mit der bariatrischen Chirurgie besteht, ist laut de Zwaan bislang noch nicht geklärt.

Vor allem Menschen, die im Vorfeld schon psychische Beschwerden hatten, tragen laut der DGPM ein erhöhtes Risiko. Bei bestimmten psychischen Störungen sollte der Eingriff deshalb erst nach erfolgreicher Behandlung durchgeführt werden, etwa bei einer Buli­mie, einer akuten Suchterkrankung, einer Borderline-Störung oder einer Schizophrenie.

„Klar ist jedoch auch: Beim größten Teil der Patienten führt die Operation zu einer erheb­lichen Verbesserung der körperlichen und auch der psychischen Gesundheit“, betonte de Zwaan. Es sei daher wichtig, Menschen mit psychischen Problemen nicht zu stigmatisieren und eine Operation leichtfertig zu verweigern. Psychische Erkrankung im Allgemeinen, eine Binge-Eating-Störung oder auch Missbrauch in der Kindheit hätten sich beispielsweise nicht als Risikofaktor und Kontraindikation für einen adipositas­chirurgischen Eingriff erwiesen, so die DGPM-Expertin.

Die Fachgesellschaft weist darauf hin, dass bariatrische Eingriffe bei extremem Über­gewicht inzwischen Mittel der Wahl seien. In Deutschland erfolgten rund zwölf Eingriffe pro 100.000 Einwohner, das seien kapp 10.000 Operationen pro Jahr.

Genvarianten erhöhen Risiko für Angsterkrankungen

Würzburg – Bei der Entwicklung von Angsterkrankungen spielen neben psychischen und sozialen Faktoren auch erbliche Dispositionen eine Rolle. Mindestens vier Varianten des Gens GLRB (Glycin-Rezeptor B) sind Risikofaktoren für Angst- und Panikstörungen. Das berichtet ein Würzburger Forschungsteam im Fachblatt Molecular Psychiatry (2017; doi: 10.1038/mp.2017.2)

An Angst- und Panikstörungen leiden in Deutschland etwa 15 Prozent aller Erwach­se­nen. Für viele Betroffene ist der normale Alltag stark beeinträchtigt – sie haben oft Probleme im Beruf und ziehen sich aus sozialen Kontakten zurück. Wissenschaftler aus Münster, Hamburg und Würzburg untersuchen seit 2008 im Sonderforschungsbereich (SFB) TR 58 der Deutschen Forschungsgemeinschaft die Grundlagen der Erkrankung. An der aktuellen Studie nahmen über 5.000 Probanden und mehr als 500 Patienten mit einer Panikstörung teil.

Sie konnten zeigen, dass verschiedene Varianten des Gens GLRB mit Angsterkrankun­gen zu tun haben. Den Forschern war das Gen schon vorher bekannt, aber nur in Ver­bindung mit einer anderen Krankheit: „Manche Mutationen des Gens verursachen eine seltene neurologische Erkrankung, die Hyperekplexie“, erklärt Jürgen Deckert, Direktor der psychiatrischen Universitätsklinik in Würzburg: Die Muskeln der Patienten sind ständig überspannt, und in Schrecksituationen kommt es bei ihnen zu einer überschie­ßen­den Reaktion. Das kann so weit gehen, dass die Betroffenen unwillkürlich stürzen.

Es sind aber andere Varianten des Gens GLRB, welche die Wissenschaftler nun mit Angst- und Panikstörungen in Verbindung bringen. Sie treten häufiger auf und haben vermutlich weniger schwere Auswirkungen. Aber auch sie führen zu überschießenden Schreckreaktionen und in der Folge möglicherweise zu einer übermäßigen Aktivierung des sogenannten Furchtnetzwerkes im Gehirn. Das schließen die Würzburger Forscher aus hochauflösenden Bildern, die sie von den Gehirnaktivitäten der Studienteilnehmer gemacht haben.

„Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass hier ein bisher nicht bekannter Weg zur Ent­wicklung einer Angsterkrankung vorliegt“, erläutert Deckert. Weitere Untersuchungen müssten zeigen, ob sich dies für die Entwicklung neuer oder individueller Therapien nutzen ließe.

ADHS fördert unternehmerische Eigenschaften

München – Einen neuen Blick auf die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ermöglicht eine Studie des Lehrstuhls für Entrepreneurship der Technischen Universität München (TUM). Danach sind die ADHS-Symptome durchaus geeignet, unternehmerischen Erfolg zu verstärken. Die Arbeit ist in der Zeitschrift Journal of Business Venturing Insights erschienen (2016; doi: 10.1016/j.jbvi.2016.07.001).

Konzentrationsschwäche, Hyperaktivität, fehlende Selbstregulation – die ADHS äußert sich mit Symptomen, die auf den ersten Blick die Leistungsfähigkeit mindern. „Aber irgendwann fiel uns auf: Einige Symptome der Störung ähneln den Verhaltensweisen, die man gemeinhin als unternehmerisch bezeichnet – und zwar im positiven Sinn“, erläutert Holger Patzelt vom Lehrstuhl für Entrepreneurship der TUM. Gemeinsam mit Wissenschaftlern aus den USA und aus Großbritannien befragte er Selbstständige mit ADHS zu ihrer Diagnose, ihrer Arbeit und ihrem persönlichen Hintergrund.

Langeweile in ihrem früheren Job nannten mehrere Befragte als Grund, sich selbststän­dig zu machen. In schwierigen Situationen, wie Gesprächen mit wichtigen Kunden, blü­hen viele Befragte auf. „Ihre durch ADHS ausgelöste Impulsivität verschafft ihnen den Vorteil, auch in unvorhergesehenen Umständen zu agieren, ohne in Angst und Paralyse zu verfallen“, sagt Patzelt. Einen Nachteil ihrer Impulsivität nannten aber alle Befragten: Probleme mit Routinearbeiten wie der Buchführung.

Sind Menschen mit ADHS an einer Aufgabe besonders interessiert, können sie bekannt­lich eine außergewöhnlich intensive Konzentration auf diese Tätigkeit entwickeln, den sogenannten Hyperfokus. „Unternehmer können sich mit Leidenschaft, Beharrlichkeit und dem Fachwissen, das sie aufgrund dessen aufbauen, einen großen Wettbewerbs­vorteil verschaffen“, bewertet Patzelt. Allerdings arbeiteten viele Befragte Tag und Nacht, ohne sich Freizeit zu nehmen. Da ihr Energielevel nicht gleichbleibend hoch sei, kommt ihnen die Selbstständigkeit entgegen, in der sie sich ihre Arbeit selbst einteilen könnten.

„ADHS war ein wesentlicher Faktor bei der Entscheidung, sich selbstständig zu machen, und hat die Ausprägung wichtiger unternehmerischer Eigenschaften beeinflusst: Risiko­freude, Leidenschaft, Beharrlichkeit und die Bereitschaft, viel Zeit zu investieren“, fasst Patzelt zusammen.

Ambulante psychotherapeutische Versorgung: Umfassende Strukturreform

Die Reform der ambulanten Vertragspsychotherapie tritt zum 1. April in Kraft. Die KBV informiert über die neuen Behandlungsoptionen und Änderungen der bestehenden Inhalte der Psychotherapie-Richtlinie und -Vereinbarung.

Mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz (GKV-VSG) hat der Gesetzgeber den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) beauftragt, die Psychotherapie-Richtlinie zu reformieren. Auch die wesentlichen Inhalte der Reform wurden vorab festgelegt: Das Therapieangebot soll durch eine Psychotherapeutische Sprechstunde, frühzeitige diagnostische Abklärung, eine Akutversorgung und Möglichkeiten zur Rezidivprophylaxe flexibilisiert werden. Außerdem sollen das Antrags- und Gutachterverfahren vereinfacht und Gruppentherapien gefördert werden.

Nach Abschluss der Verhandlungen hat der G-BA am 16. Juni und 24. November 2016 die Psychotherapie-Richtlinie in überarbeiteter Form beschlossen. Jetzt wurde auch die Psychotherapie-Vereinbarung (Anlage 1 zum Bundesmantelvertrag-Ärzte) an die neuen Regelungen angepasst (siehe Bekanntmachung auf Seite 487). Bis zum 1. April 2017 soll der Bewertungsausschuss die neuen Leistungen in den Einheitlichen Bewertungsmaßstab aufnehmen, bis dahin werden auch die Regelungen zur Vermittlung von Behandlungsterminen durch die Terminservicestellen getroffen. Damit ist eine umfassende Strukturreform der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung abgeschlossen.

Neue Behandlungsoptionen

Mit der Psychotherapeutischen Sprechstunde, der Akutbehandlung und der Rezidivprophylaxe wurden neue Behandlungsoptionen in die vertragsärztliche Versorgung eingeführt (siehe Grafik).

  • Psychotherapeutische Sprechstunde:

Die Psychotherapeutische Sprechstunde stellt den niederschwelligen Zugang eines Patienten zur Psychotherapie dar. Ein erwachsener Patient hat pro Krankheitsfall, also alle vier aufeinanderfolgende Quartale bei demselben Psychotherapeuten, Anspruch auf sechs Psychotherapeutische Sprechstunden mit je 25 Minuten Dauer. Kinder und Jugendliche können zehn Psychotherapeutische Sprechstunden wahrnehmen, vier davon können dabei auch mit relevanten Bezugspersonen ohne Anwesenheit des Patienten stattfinden. Hier klärt der Therapeut, ob bei dem Patienten der Verdacht einer krankheitswertigen psychischen Störung vorliegt und welche Behandlung er empfiehlt. Über das Ergebnis der Sprechstunde erhält der Patient eine schriftliche Rückmeldung auf dem neu eingeführten Formblatt PTV 11. Außerdem werden die Patienten mit einer allgemeinen Patienteninformation (PTV 10) über die ambulante Psychotherapie in der gesetzlichen Krankenversicherung informiert.

Die Psychotherapeutische Sprechstunde kann offen oder mit Terminvergabe organisiert werden. Psychotherapeuten stellen in der Regel bei vollem Versorgungsauftrag 100 Minuten pro Woche dafür zur Verfügung, die Kassenärztlichen Vereinigungen können im Hinblick auf die regionale Versorgungssituation von dieser Vorgabe abweichen.

Jeder Therapeut muss künftig zusätzlich die telefonische Erreichbarkeit der Praxis zur Terminkoordination sicherstellen. Bei einem vollen Versorgungsauftrag muss die Praxis mindestens 200 Minuten in der Woche in Einheiten von mindestens 25 Minuten erreichbar sein. Den Kassenärztlichen Vereinigungen sollen die telefonischen Erreichbarkeitszeiten und die Organisationsform der Psychotherapeutischen Sprechstunde zur Information der Patienten mitgeteilt werden.

Bis zum 1. April 2018 kann ein Patient eine Behandlung auch ohne vorherige Psychotherapeutische Sprechstunde beginnen. Ab dem 1. April 2018 muss der Patient in den letzten vier Quartalen mindestens 50 Minuten Psychotherapeutische Sprechstunde in Anspruch genommen haben, bevor er eine Akutbehandlung oder eine Psychotherapie beginnt. Ausnahmen gibt es für Patienten aus stationärer oder rehabilitativer Behandlung mit einer Psychotherapie indizierenden Entlassdiagnose.

  • Akutbehandlung:

Die Akutbehandlung dient der kurzfristigen Symptomverbesserung bei akuten Krisen und der Vorbereitung auf eine anschließende Psychotherapie oder andere ambulante, teilstationäre oder stationäre Maßnahmen. Dazu stehen den Patienten je Krankheitsfall 24 Behandlungen mit 25 Minuten Dauer zur Verfügung. Die Akutbehandlung muss gegenüber der Krankenkasse lediglich mit dem neu eingeführten Formblatt PTV 12 angezeigt werden. Die Behandlungsstunden der Akutbehandlung werden auf das beantragte Therapiekontingent angerechnet.

  • Probatorische Sitzungen:

Vor einer Kurz- oder Langzeittherapie finden mindestens zwei probatorische Sitzungen statt, möglich sind bis zu vier bei Erwachsenen und bis zu sechs bei Kindern und Jugendlichen. Bei diesen können relevante Bezugspersonen einbezogen werden. Ein Antrag kann im Rahmen der probatorischen Sitzung gestellt werden, wenn der Termin für die zweite Sitzung bereits feststeht. Verbliebene probatorische Sitzungen können auch nach Antragsstellung durchgeführt werden.

  • Rezidivprophylaxe:

Stunden des bewilligten Langzeittherapiekontingents können innerhalb von zwei Jahren nach Therapieende zur Rezidivprophylaxe genutzt werden. Die Rezidivprophylaxe kann nicht gesondert beantragt werden. Voraussetzung für die Rezidivprophylaxe ist, dass der Psychotherapeut sie nicht im Vorfeld ausgeschlossen hat und der Krankenkasse das Therapieende auf dem Formblatt PTV 12 mitteilt. Ab 40 durchgeführten Sitzungen stehen acht, ab 60 durchgeführten Sitzungen stehen 16 Sitzungen für die Rezidivprophylaxe zur Verfügung.

Bei Kindern und Jugendlichen können bei einer Behandlungsdauer von 40 oder mehr Stunden maximal zehn Stunden, bei 60 oder mehr Stunden maximal 20 Stunden für die Rezidivprophylaxe genutzt werden. Relevante Bezugspersonen können einbezogen werden.

Änderungen

Neben den neuen Leistungen wurden bestehende Inhalte angepasst, so zum Beispiel die Kurz- und Langzeittherapiekontingente, Regelungen zur Gruppentherapie und zur Kombinationsbehandlung sowie das Gutachterverfahren.

  • Kurzzeittherapie:

Die Kurzzeittherapie wurde in zwei Kontingente mit je 12 Sitzungen aufgeteilt. Aus der Kurzzeittherapie 1 (KZT 1) kann nach der siebten Sitzung eine Kurzzeittherapie 2 (KZT 2) beantragt werden. Anträge auf KZT 1 und KZT 2 sind nun für alle Therapeuten ohne Gutachterverfahren vorgesehen. Ein Antrag gilt drei Wochen nach Eingang bei der Krankenkasse als bewilligt. Im Regelfall erhalten die Patienten auch weiterhin einen Bescheid von der Krankenkasse, im Falle einer Ablehnung werden Patient und Therapeut informiert.

  • Langzeittherapie:

Für Erwachsene in der Verhaltenstherapie und der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie wurde ein größeres erstes Kontingent von 60 Sitzungen beschlossen. Für alle Verfahren bei Erwachsenen und bei Kindern und Jugendlichen entfällt ein Bewilligungsschritt, mit dem Fortführungsantrag kann direkt das Höchstkontingent beantragt werden. Gleiches gilt für Langzeittherapien, die vor dem 1. April 2017 begonnen wurden und danach fortgeführt werden sollen. Die Krankenkassen können Fortführungsanträge auch ohne Gutachterverfahren bewilligen. Ob ein Bericht an den Gutachter notwendig ist, teilt die Krankenkasse dem Therapeuten nach Eingang des Antrags unverzüglich mit.

  • Gruppentherapie und Kombinationsbehandlung:

Die Gruppengröße wurde einheitlich auf drei bis neun Teilnehmer festgelegt, Einzel- und Gruppentherapie können kombiniert werden. Einzel- und Gruppensitzungen können ohne Mitteilung an die Krankenkasse getauscht werden, sofern sich das überwiegend durchgeführte Setting nicht ändert. Bei Änderung des Behandlungssettings genügt in einer Kurzzeittherapie eine formlose Mitteilung an die Krankenkasse. In einer Langzeittherapie muss ein Antrag gestellt werden.

  • Gutachter für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie:

Künftig gibt es auch Gutachter für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. Die Ausschreibung erfolgt in einem gesonderten Verfahren, welches im Deutschen Ärzteblatt und seiner Ausgabe PP angekündigt wird.

Kinder und Jugendliche

Neu für diese Altersgruppe ist unter anderem, dass künftig „relevante Bezugspersonen aus dem sozialen Umfeld“ in die Behandlung einbezogen werden können. Das können zum Beispiel Lehrer oder Erzieher sein.

Klargestellt wurden in der Psychotherapie-Richtlinie auch die Altersgrenzen: Kinder sind Personen, die noch nicht 14 Jahre alt sind, und Jugendliche Personen, die 14, aber noch nicht 21 Jahre alt sind. Daneben wurde auch eine Ausnahmeregelung hinzugefügt: Eine mit Mitteln der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie begonnene Behandlung kann nach Vollendung des 21. Lebensjahres abgeschlossen werden, wenn damit der Therapieerfolg abgesichert wird. Grundsätzlich haben Patienten ab 18 Jahren Anspruch auf eine Erwachsenentherapie – dann gelten die Regelungen für Erwachsene.

Detailliertere Informationen zu den Änderungen im Bereich der Psychotherapie, insbesondere Gruppentherapie, finden sich auf der Homepage der Kassenärztlichen Bundesvereinigung unter www.kbv.de/psychotherapie.