Vergütung für Videosprechstunde festgelegt

Berlin – Die Videosprechstunde kann ab April als Leistung der gesetzlichen Kranken­ver­si­cherung (GKV) abgerechnet werden. Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und GKV-Spitzenverband haben sich im Bewertungsausschuss auf die Vergütung verstän­digt. Beschlossen wurde auch, bei welchen Krankheitsbildern eine Videosprechstunde zur Verlaufskontrolle infrage kommt und welche Arztgruppen die Videosprechstunde ein­setzen dürfen.

Die Vergütung besteht künftig aus zwei Komponenten: Ab April gibt es für jede Video­sprechstunde einen Technikzuschlag von 4,21 Euro. Die Anzahl ist auf insgesamt 50 Mal im Quartal gedeckelt. Der Bewertungsausschuss geht nach Angaben der KBV davon aus, dass eine Kostendeckung bereits bei zwei Videosprechstunden pro Woche erreicht ist. Die Lizenzgebühren für Videodienste liegen aktuell bei etwa 100 Euro im Quartal.

Die KBV weist darauf hin, dass Videosprechstunden eine persönliche Vorstellung in der Praxis ersetzen sollen. Die Konsultation sei deshalb Inhalt der Versicherten- beziehungs­­weise Grundpauschale und somit nicht gesondert berechnungsfähig. Für Fälle, bei de­nen der Patient in einem Quartal nicht die Praxis aufsucht, wurde eine analoge Rege­lung zum telefonischen Arzt-Patienten-Kontakt vereinbart.

Ärzte können dafür einmal im Behand­lungsfall ab dem 1. April 9,27 Euro erhalten. Vo­raus­setzung ist, dass der Patient in den vorangegangenen zwei Quartalen mindestens einmal in der Praxis per­sön­lich vor­stell­ig geworden ist und die Verlaufskontrolle durch die­selbe Praxis erfolgt wie die Erst­begutachtung. Diese Vorgabe ist laut KBV notwendig, weil Ärzte sonst gegen das Fern­be­handlungsverbot verstoßen könnten.

Außerdem wurde vereinbart, dass für eine Reihe von Gebührenordnungspositionen, die mindestens drei persönliche Arzt-Patienten-Kontakte im Behandlungsfall voraussetzen, einer dieser Kontakte auch im Rahmen einer Videosprechstunde stattfinden kann. Dies gilt unter anderem für die Behandlung von Wunden, eines Dekubitus und Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates.

Indikationen und Arztgruppen festgelegt

Für eine Videosprechstunde sind aus Sicht des Bewertungsausschusses nicht alle Krank­heitsbilder geeignet, weshalb die Leistung zunächst nur für bestimmte Indikationen vergütet wird. Dazu zählen die visuelle Verlaufskontrolle von Operationswunden, Bewe­gungseinschränkungen und -störungen des Stütz- und Bewegungsapparates sowie die Kontrolle von Dermatosen, einschließlich der diesbezüglichen Beratung. Daneben kann auch die Beurteilung der Stimme, des Sprechens oder der Sprache per Videosprech­stunde erfolgen. Eine Erweiterung des Leistungsspektrums ist vorgesehen.

Grundlage für die Festlegung der Krankheitsbilder waren laut KBV Erfahrungsberichte aus ver­schiedenen Pilotprojekten. Zudem schreibe der Gesetzgeber vor, dass Video­sprech­stun­den nur für Verlaufskontrollen bei bekannten Patienten gefördert werden sollen.

Festgelegt wurden auch die Arztgruppen, die Videosprechstunden einsetzen und ab­rech­nen können. Dies sind unter anderem Hausärzte, Kinder- und Jugendärzte sowie bestimmte weitere Facharztgruppen wie Haut- und Augenärzte, Chirurgen und Orthopä­den.

Technische Rahmenbedingungen beachten

Ärzte, die Videosprechstunden anbieten wollen, müssen sich laut Vereinbarung eines Videodienstanbieters bedienen. Dieser muss über entsprechende Sicherheitsnachweise verfügen. So muss die Videosprechstunde während der gesamten Übertragung nach dem Stand der Tech­nik Ende-zu-Ende verschlüsselt sein. Festgelegt ist zudem, dass die apparative Ausstat­t­ung der Praxis und die elektronische Datenübertragung eine ange­messe­ne Kommuni­ka­­tion mit dem Patienten gewährleisten müssen.

Im E-Health-Gesetz war vorgesehen, dass Videosprechstunden ab dem 1. Juli 2017 fi­nan­ziell gefördert werden. Durch den frühzeitigen Vertragsabschluss zur Vergütung kann das neue Angebot drei Monate eher an den Start gehen.