Depressionen könnten kardiovaskuläres und Gesamtsterberisiko erhöhen

München – Menschen mit depressiven Verstimmungen hatten in einer bevölkerungs­bezogenen Kohortenstudie langfristig ein erhöhtes Sterberisiko, das laut dem Bericht in Atherosclerosis (2017; doi: 10.1016/j.atherosclerosis.2016.12.003) auf eine erhöhte Zahl von Todesfällen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen war.

Dass viele Patienten mit Herzkrankheiten unter Depressionen leiden, ist seit längerem bekannt und nicht weiter verwunderlich. Immerhin zeigt ein Herzinfarkt und eine Herz­insuffizienz eine existenzielle Krise an, die die Psyche belastet. Seit einigen Jahren wird aber auch darüber diskutiert, ob auch umgekehrt eine Depression das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen könnte.

Mögliche Mechanismen sind eine erhöhte Entzündungsreaktion (C-reaktives Protein), eine endotheliale Dysfunktion, eine erhöhte Aktivität von Thrombozyten oder neuro­hormonelle Einflüsse (Stress). Denkbar ist aber auch, dass Menschen mit Depressionen ihre Gesundheit vernachlässigen und durch Rauchen, Bewegungsmangel und die Nichteinnahme von Medikamenten ihr Sterberisiko erhöhen.

Kohortenstudien wie die KORA (Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg) können das Henne-Ei-Problem von Ursache und Wirkung nicht lösen. Die jetzt von Prof. Karl-Heinz Ladwig vom Helmholtz Zentrum München vorgestellte Analyse zeigt jedoch, wie eng Depressionen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden sind. Der Forscher hat die Umfragen aus den Jahren 1984 und 1995, die im Rahmen des MONICA-Projekts der Weltgesundheitsorganisation durchgeführt wurden, mit den Sterberegistern abgeglichen. Innerhalb von 10 Jahren (31.791 Personen-Jahre) sind 557 Teilnehmer der KORA-Studie gestorben, davon 269 an Herz-Kreislauf-Ereignissen.

Die Teilnehmer der KORA-Studie waren auch nach ihrem Gemütszustand befragt worden. Depressive Verstimmungen (Depressed mood and exhaustion, DEEX) waren signifikant mit einem erhöhten Sterberisiko verbunden. Ladwig ermittelt eine adjustierte Hazard Ratio von 1,52 für die Gesamtsterblichkeit und für einen Herz-Kreislauf-Tod. Diese Risiken waren höher als die für Hypercholesterinämie und Fettleibigkeit, aber niedriger als für Bluthochdruck, Rauchen und Diabetes.

Sofern die Assoziation kausal ist, was die Studie allerdings nicht belegen kann, wären nicht weniger als 15 Prozent aller Herz-Kreislauf-Todesfälle in Deutschland auf Depressionen (sprich DEEX) zurückzuführen. Dies wäre vergleichbar mit dem Einfluss von Hypercholesterinämie, Adipositas und Tabakrauchen, für die Ladwig attributable Risiken („population-attributable risk“, PAR) von 8,4 bis 21,4 Prozent ermittelte.

Auch wenn eine Kausalität nicht erwiesen ist, so sind Depressionen doch ein Hinweis auf eine besondere Gefährdung der Patienten. Ladwig schlägt deshalb vor, bei allen Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach einer Depression als Begleiterkrankung zu suchen. Das wäre, so der Epidemiologe mit einfachen Mitteln möglich.

Ärzte und Psychotherapeuten offen für neue digitale Möglichkeiten im Gesundheitswesen

Hamburg – Das Interesse an Videosprechstunden und anderen digitalen Möglichkeiten wächst bei Ärzten, Zahnärzten und psychologischen Psychotherapeuten. „Rund die Häl­fte aller Ärzte kann sich vorstellen, Videosprechstunden mit Patienten abzuhalten“, be­rich­tete die Stiftung Gesundheit Mitte Januar in Hamburg. Sie beruft sich dabei auf eine Umfrage im Rahmen ihrer Studienreihe „Ärzte im Zukunftsmarkt Gesundheit“. Diese Stu­dienreihe bearbeitet die Stiftung seit 2005.

Danach war im Jahr 2015 rund ein Drittel der Ärzte Videosprechstunden gegenüber auf­geschlossen. Im Jahr 2016 stieg der Anteil der Befürworter auf 47 Prozent und jener der Gegner von 61,3 Prozent auf 53 Prozent.

Diejenigen Ärzte, die Videosprechstunden positiv gegenüberstehen, wurden zusätzlich ge­fragt, bei welchen Patientengruppen sie sich diese Kommunikationsform besonders gut vorstellen könnten. An erster Stelle nannten die Ärzte dabei Patienten, die nur ein­ge­schränkt mobil sind (81,6 Prozent). Weitere sinnvolle Zielgruppen wären Patienten, die ei­nen weiten Anfahrtsweg zur Praxis haben (72,3 Prozent) sowie chronisch kranke Pa­tien­ten (52,8 Prozent).

Die Stiftung hatte für ihre Online-Befragung im Sommer 2016 10.000 Ärzte, Zahnärzte und psychologische Psychotherapeuten angeschrieben. Der Rücklauf betrug 3,74 Pro­zent. Erwartet hatte die Stiftung einen Rücklauf von drei Prozent.

Das E-Health-Gesetz sieht vor, dass ab Juli 2017 Online-Videosprechstunden finanziell ge­fördert werden. Hierbei geht es um eine telemedizinisch gestützte Betreuung von Pa­tienten, die eine wiederholte persönliche Vorstellung in der Praxis ersetzen soll.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) weist in diesem Zusammenhang auf das sogenannte Fernbehandlungsverbot hin, das bekanntlich Bestandteil der ärztlichen Mus­terberufsordnung ist. Danach dürfen Ärzte individuelle Behandlungen und Bera­tungen nicht ausschließlich über Kommunikationsmedien abwickeln. Bei telemedizini­schen Ver­fah­ren muss gewährleistet sein, dass ein Arzt den Patienten unmittelbar behandelt. „So­mit ist die Fernbehandlung nicht grundsätzlich verboten, sondern nur die ‚ausschließ­liche‘ Fernbehandlung“, informiert die KBV.