Wie verbreitet ist Spielsucht?

NRW-Landesförderung im Bereich Suchtprävention für das Institut für Kognitions- und Sportspielforschung
Fast 13 Prozent der Männer zwischen 18 und 20 Jahren sind spielsüchtig. Zu diesem Ergebnis kommt die repräsentative Studie „Glücksspielverhalten und Glücksspielsucht in Deutschland 2015“ des Deutschen Lotto- und Totoblocks und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Auch der Anteil der Sportwetter in Beratungsstellen hat deutlich zugenommen.

Im mittlerweile sehr großen unregulierten (illegalen) Sportwettenmarkt in Deutschland wird Suchtprävention immer wichtiger. Denn: In den Kommunen und im Internet ist eine Vielzahl von Sportwettanbietern tätig – ohne jegliche Regulierung und Kontrolle den Jugend- und Spielerschutz betreffend. Als Konsequenz gehen Überblick und Kontrolle verloren. Der steigenden Bedeutung von Suchtprävention trägt das nun genehmigte Projekt des Instituts für Kognitions- und Sportspielforschung (IKS) der Deutschen Sporthochschule Köln Rechnung, in dem Spielsucht in verschiedenen Bevölkerungspopulationen untersucht wird.

Im Fokus stehen bei der Untersuchung zum einen Sportstudierende und SportlerInnen in Sportvereinen, zum anderen junge, männliche Erwachsene (unter 25 Jahren) mit Migrationshintergrund. Diese sind gekennzeichnet durch eine geringe oder keine abgeschlossene Schulbildung, keine Ausbildungsabschlüsse sowie keine dauerhafte sozialversiche-rungspflichtige Tätigkeit. Als Ergebnis sollen für beide Zielgruppen Verhaltensindikatoren zur Früherkennung von problematischem Wettverhalten sowie die Validierung eines Screening-Instruments erarbeitet werden.

Das Projekt wird in Kooperation mit der Kölner Fachstelle Glücksspielsucht (Dr. Wolfgang Kursawe, Dr. Thomas Hambüchen) durchgeführt und soll über zwei Jahre laufen. „Wir freuen uns sehr, dass wir mit unserem Projektantrag im Rahmen der Initiative ‚Aktionsplan gegen Sucht NRW‘ erfolgreich waren und nun zusammen mit Dr. Kursawe von der Kölner Fachstelle Glücksspielsucht dieses ambitionierte Projekt umsetzen dürfen“, resümieren die Antragsteller Dr. Benjamin Noël und Prof. Daniel Memmert.

Kontakt:
Univ.-Prof. Dr. Daniel Memmert
Institut für Kognitions- und Sportspielforschung
E-Mail: d.memmert@dshs-koeln.de
Tel.: +49 (0)221 4982-4330
Dr. Benjamin Noël
E-Mail: b.noel@dshs-koeln.de
Tel.: +49 (0)221 4982-4312
Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.dshs-koeln.de/iks

Macht der Gewohnheiten: Vermeidungsverhalten lässt sich leichter ändern als Annäherungsverhalten

Jedes Jahr aufs Neue überlegen sich viele Menschen am Silvesterabend gute Vorsätze für das neue Jahr. Sie nehmen sich vor, mit ihren Gewohnheiten zu brechen, zum Beispiel sich endlich das Smartphone im Schlafzimmer abzugewöhnen oder die Routineuntersuchung beim Zahnarzt nicht wieder von Monat zu Monat aufzuschieben. Aber wie leicht lassen sich solche alten Gewohnheiten verändern? Fällt es uns leichter, ab sofort Dinge zu tun, die wir bisher vermieden haben oder ist es doch eher umgekehrt? Eine aktuell in der Fachzeitschrift „Journal of Experimental Psychology: General“ veröffentlichte Studie zeigt: Vermeidungsgewohnheiten sind leichter zu verändern als Annäherungsgewohnheiten!
Gewohnheiten sind schwierig zu ändern. Der automatische Griff nach dem Smartphone auf dem Nachttisch und das automatische Verschieben des Zahnarzttermins von Monat zu Monat sind solche alltäglichen Gewohnheiten. Allerdings besteht zwischen den Beispielen ein wichtiger Unterschied: das Smartphone zu nutzen ist eine Form des Annäherungsverhaltens, denn mit dem Griff zum Smartphone wird aktiv ein positiver Zustand aufgesucht. Den Zahnarzttermin zu verhindern hingegen ist eine Form des Vermeidungsverhaltens: indem man Monat für Monat wieder keinen Termin vereinbart, vermeidet man einen Zustand, den man sich als unangenehm vorstellt. Christof Kuhbandner, Professor für Pädagogische Psychologie an der Universität Regensburg, hat sich gemeinsam mit seiner Kollegin Julia Haager gefragt: Welche Gewohnheiten sind leichter zu durchbrechen, Annäherungs- oder Vermeidungsgewohnheiten?

Zwei Experimente: Erlernen und Umgewöhnen von Verhaltensreaktionen

Um diese Frage zu beantworten, untersuchten sie in zwei Experimenten das Entstehen und anschließende Verändern von Gewohnheiten bei Annäherungs- und Vermeidungsverhalten. Versuchspersonen sahen vor sich auf einem Bildschirm zum einen eine kleine Figur (die die Versuchspersonen selbst repräsentieren sollte) und zum anderen das Foto eines bestimmten Objekts. Ihre Aufgabe war, sich ‒ also die Figur ‒ über entsprechende Tasten auf der Computertastatur zu manchen Objekten hinzubewegen und von anderen Objekten wegzubewegen. Im ersten Experiment wurden dabei Fotos von Alltagsobjekten gezeigt (z.B. Möbelstücke oder Fortbewegungsmittel), im zweiten Experiment Fotos von Personen, die entweder freundlich oder wütend dreinschauten. Die Versuchspersonen trainierten nun zunächst in einer ersten Phase, sich wiederholt bestimmten Objekten bzw. Personen anzunähern oder aber diese zu vermeiden, bis eine starke Verhaltensgewohnheit geformt war. In einer zweiten Phase sollten sie dann genau diese Verhaltensgewohnheit verändern. Anstatt mit Annäherung mussten sie jetzt mit Vermeidung reagieren und umgekehrt.

Das Forscherteam analysierte die Leistung der Versuchspersonen in beiden Phasen des Experiments. Dabei zeigte sich, dass beim Verändern von Gewohnheiten deutlich mehr Fehler gemacht wurden, wenn Annäherungsreaktionen verändert werden sollten. Beim Wechsel von Vermeidungs- zu Annäherungsreaktionen hingegen unterliefen den Versuchspersonen insgesamt weniger Fehler. In der ersten Phase des Gewohnheitserwerbs zeigte sich außerdem, dass selbst nach sehr intensivem Training Annäherungsreaktionen deutlich schneller gezeigt wurden als Vermeidungsreaktionen. Das Forscherteam sieht hier eine mögliche Erklärung für die Unterschiede in der Leichtigkeit der Gewohnheitsveränderung: da Annäherungsverhalten offenbar sehr schnell ausgelöst wird, fällt es schwerer, entsprechende Impulse durch gezielte Kontrolle zurückzuhalten.

Christof Kuhbandner zieht insbesondere für soziale Gewohnheiten positive Schlüsse aus seiner Forschung: „Ein bekannter Bibelspruch lautet ja: ‚Liebt eure Feinde und tut denen Gutes, die euch hassen‘. Genau das wäre ja die Durchbrechung einer Vermeidungsgewohnheit. Unsere Befunde legen nahe, dass uns eine solche Art der Gewohnheitsveränderung doch leichter fällt als intuitiv vermutet.“ Übertragen auf die vorherigen Beispiele zeigen die Ergebnisse außerdem: es scheint tatsächlich schwerer zu sein, ab sofort nicht mehr aus Gewohnheit zum Smartphone zu greifen als endlich den Termin beim Zahnarzt zu vereinbaren.

Referenz der Originalstudie:
Kuhbandner, C. & Haager, J. S. (2016). Overcoming Approach and Withdrawal Habits: Approaching former enemies is easier than withdrawing from former friends. Journal of Experimental Psychology: General, 145, 1438–1447.

Kontakt bei Rückfragen:
Prof. Dr. Christof Kuhbandner
Institut für Experimentelle Psychologie
Lehrstuhl für Pädagogische Psychologie
Universität Regensburg
93040 Regensburg
Tel.: 0941 9433598
Email: christof.kuhbandner@ur.de

Pressestelle der DGPs:
Dr. Anne Klostermann
Pressereferentin
Email: pressestelle@dgps.de
Tel.: 030 28047718

Über die DGPs:
Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs e.V.) ist eine Vereinigung der in Forschung und Lehre tätigen Psychologinnen und Psychologen. Die über 4000 Mitglieder erforschen das Erleben und Verhalten des Menschen. Sie publizieren, lehren und beziehen Stellung in der Welt der Universitäten, in der Forschung, der Politik und im Alltag.
Die Pressestelle der DGPs informiert die Öffentlichkeit über Beiträge der Psychologie zu gesellschaftlich relevanten Themen. Darüber hinaus stellt die DGPs Journalisten eine Datenbank von Experten für unterschiedliche Fachgebiete zur Verfügung, die Auskunft zu spezifischen Fragestellungen geben können.
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Neuauflage der Patientenleitlinie Depression erschienen

Berlin – Eine Neuauflage der Patientenleitlinie „Unipolare Depression“ hat das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) vorgestellt. Die Patientenleitlinie basiert auf der kombinier­ten S3-Leitlinie/Nationalen VersorgungsLeitlinie „Unipolare Depression“.

Nach der Aktualisierung dieser wissenschaftlichen Leitlinie haben ÄZQ und Fachgesell­schaften jetzt auch die Patientenleitlinie überarbeitet. Sie übersetzt die aktuellen Empfeh­lungen der Expertengruppe in eine allgemeinverständliche Sprache. So bietet sie Men­schen mit Depressionen und deren Angehörige wichtige Informationen zum Umgang mit der Krankheit und Unterstützung beim Gespräch mit dem Arzt oder Psychotherapeuten.

„Die Patientenleitlinie kann Sie durch eine Erkrankungsphase begleiten oder ein erster Schritt sein, sich mit der Krankheit auseinanderzusetzen. Das ärztliche oder psycho­the­rapeu­tische Gespräch kann sie aber nicht ersetzen“, schreiben die Autoren in der Ein­führung. Die Patientenleitlinie gilt nicht für Kinder und Jugendliche und widmet sich auch nicht der bipolaren Erkrankung.

Depressionen gehören zu den häufigen Erkrankungen. Allein in Deutschland sind inner­halb eines Jahres rund 6,2 Millionen Menschen betroffen. Trotzdem werden depressive Erkrankungen oft nicht festgestellt, weil Betroffene keine fachliche Hilfe suchen oder die Krankheit nicht erkannt wird. Zu den Neuerungen der Patientenleitlinie gehört daher ein Kapitel über leicht zugängliche Behandlungsangebote.

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Patientenleitlinie
Kurzinformationen
Wissenschaftliche Leitlinie „Unipolare Depression“
Depressionen: IQWiG legt vorläufige Ergebnisse von Leitlinien-Recherche vor
Leitlinie „Unipolare Depression“ umfassend überarbeitet

Auf der Grundlage der ausführlichen Patientenleitlinie hat das ÄZQ zusätzlich eine Kurz­information für Patienten erarbeitet.

Die wissenschaftliche Leitlinie „Unipolare Depressi­on“ hat die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) als S3-Leitlinie initiiert und koordiniert. Sie wird gemeinsam von der Bundesärztekammer, der Kassenärztlichen Bundes­ver­ei­nigung und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftli­chen Medizinischen Fachgesell­schaften als kombinierte S3-Leitlinie/Nationale Versor­gungs­leit­linie herausgegeben.

Psychotherapeuten müssen künftig Sprechstunden anbieten

Berlin – Im Rahmen der Strukturreform der ambulanten Psychotherapie müssen Psycho­therapeuten ab dem 1. April grundsätzlich eine Sprechstunde anbieten. Der Gemeinsa­me Bundesausschuss (G-BA) hat am 24. November eine entsprechende Änderung der Psychotherapie-Richtlinie beschlossen.

Der G-BA setzte damit eine Auflage des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) um, nach dessen Auffassung die neue Sprechstunde ein wesentlicher Teil des Versorgungs­auftrags ist und deshalb zu den Pflichten jedes Vertragspsychotherapeuten gehört. Im Beschluss des G-BA vom 16. Juni war die Sprechstunde als freiwilliges Angebot vorge­sehen. Das BMG hatte diesen G-BA-Beschluss aber beanstandet.

Das BMG hatte argumentiert, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) nur dann in der Lage seien, ihrem Sicherstellungsauftrag nachkommen zu können, wenn jeder Psy­chotherapeut die Sprechstunde anbiete. Das BMG hatte deshalb im September die Genehmigung des G-BA-Beschlusses zur Änderung der Psychotherapie-Richtlinie davon abhängig gemacht, dass der G-BA seinen Beschluss bis zum 30. November 2016 korri­giert.

100 Minuten Sprechstunde pro Woche
Psychotherapeuten mit einem ganzen Praxissitz müssen zukünftig Sprechstunden­termine von in der Regel mindestens 100 Minuten pro Woche anbieten. Bei Psycho­therapeuten mit einem halben Praxissitz sind es mindestens 50 Minuten. Diese Ver­pflich­tung gilt für alle Psychologischen Psychotherapeuten, Kinder- und Jugendlichen­psychotherapeuten sowie Fachärzte, die über eine Abrechnungsgenehmigung für eine Richtlinienpsy­cho­the­rapie verfügen. Die KVen können jedoch mehr oder weniger Sprech­stundenzeiten vor­schrei­ben, wenn dies zur Erfüllung ihres Sicherstellungs­auftrags notwendig ist. Psycho­therapeuten können selbst entscheiden, ob sie die Sprech­stunde offen oder mit Ter­min­vergabe durchführen.

Der G-BA beschloss ferner, auf die Einführung einer Standarddokumentation für alle Pa­tienten in einer Richtlinienpsychotherapie zu verzichten. Neben dem BMG hatten vor all­em die die Bundespsychotherapeutenkammer und die Patientenvertreter im G-BA diese im ursprünglichen Beschluss vorgesehene Auflage kritisiert. Stattdessen wurde dem Un­terausschuss Qualitätssicherung des G-BA die Aufgabe übertragen, einen Auftrag an das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTiG) zur Entwicklung eines einrichtungsvergleichenden Qualitätssicherungs­ver­fahrens in der am­bulanten Psychotherapie vorzubereiten.

Übergangsregelung von einem Jahr
Schließlich hat der G-BA eine Übergangsregelung zur psychotherapeutischen Sprech­stunde beschlossen. Versicherte müssen erst ab dem 1. April 2018 in einer Sprech­stun­de gewesen sein, bevor sie weitere psychotherapeutische Behandlungen (Proba­torik, Akutsprechstunde, Richtlinienpsychotherapie) erhalten können.

Von dieser Pflicht sind allerdings grundsätzlich Patienten ausgenommen, die nach einer stationären Krankenhausbehandlung oder einer rehabilitativen Behandlung mit einer Di­ag­nose aus dem Indikationsspektrum der Psychotherapie-Richtlinie entlassen werden. Auch Patienten, bei denen zuvor bei einem anderen Psychotherapeuten oder Facharzt im Rahmen einer psychotherapeutischen Sprechstunde die Indikation für eine ambulante Psychotherapie gestellt worden ist, müssen von dem weiterbehandelnden Psychothera­peuten nicht erst erneut in der Sprechstunde gesehen werden.

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Schließlich hat der G-BA die Zeit einheitlich festgelegt, in der psychotherapeutische Praxen telefonisch erreichbar sein müssen. Psychotherapeuten mit einem ganzen Praxis­sitz müssen künftig persönlich oder über Praxispersonal mindestens 200 Minuten pro Woche telefonisch erreichbar sein. Bei einem halben Praxissitz sind es zukünftig 100 Mi­nuten. Die entsprechenden  Zeiten müssen den Kassenärztlichen Vereinigungen mit­ge­teilt werden, die sie dann Hilfesuchenden zugänglich machen.

Augmented Reality hilft Patienten mit Phantomschmerzen

Mölndal – Computergestütze erweiterte Realitätswahrnehmungen könnten Phantom­schmerzen von Menschen mit Amputationen lindern. Dafür bewegen Betroffene ihren amputierten Arm im virtuellen Raum, beispielsweise bei einem Autorennspiel. Forscher aus Schweden haben die Wirkung in einer kleinen Studie mit 14 armamputierten Patienten erprobt. Ihre Ergebnisse publizierten sie im Lancet (2016, doi: 10.1016/S0140-6736(16)31598-7).

Die Studienteilnehmer leben bereits zwei bis 36 Jahre mit einem amputierten Arm. Herkömmliche medikamentöse Therapien konnten ihre Phantomschmerzen bisher nicht lindern. Erfolgsversprechend scheint eine Spiegeltherapie, bei der die Betroffenen anstelle des fehlenden Körperteils das Spiegelbild des vorhandenen Arms oder Beins betrachten und bewegen. Aber auch dieser Ansatz hilft nicht jedem, vor allem nicht Doppelamputierten.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgten die Forscher um Max Ortiz Catalan von der Chalmers University of Technology in Mölndal mit der sogenannten „phantom motor execution“. Dafür befestigten sie Sensoren auf dem Armstumpf, um die verbliebene Muskelaktivität zu messen. Mithilfe dieser Info erstellte ein Computerprogramm einen virtuellen Arm auf dem Bildschirm. Die Probanden durchliefen dann drei Phasen, in denen sie den virtuellen Arm in zwölf zweistündigen Sitzungen trainierten, unter anderem mit einem Autorennspiel (siehe Video).

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Vor jeder Sitzung wurden die Teilnehmer aufgefordert, ihre Schmerzen einzuschätzen. Sechs und zwölf Monate nach Abschluss des letzten Trainings befragten die Autoren die Probanden erneut. Das Ergebnis fiel positiv aus: Sowohl die Intensität, als auch die Qualität und Häufigkeit der Phantomschmerzen hatte sich durchschnittlich fast halbiert (37 bis 51 %). Über einen unterbrochenen Schlaf klagten die Teilnehmer 61 % seltener. Tagsüber fiel die Bewertung nicht ganz so gut aus: Aktivitäten wurden 43 % weniger durch den Phantomschmerz gestört. Nur ein Patient konnte keine Besserung berichten. Bei einem anderen traten zumindest Krankheitsschübe seltener auf.

Ob Placeboeffekte die Besserung beeinflusst haben könnten, wurde in der Studie nicht erfasst. Einschränkend geben die Autoren zu Bedenken, dass sich dieser Therapie­ansatz nur für Menschen eignet, die den Armstumpf noch bewegen können. Verletzte Nerven seien zudem ein Ausschlusskriterium.

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Studie in Lancet

Auch im Rahmen des Projekts PACT (PAtient Centered Telerehabilitation) untersuchen Mediziner unterschiedliche kognitive Übungsprogramme. Enthalten sind zum Beispiel eine Videoanleitung für die Spiegeltherapie und ein „Augmented Reality“-Übungs­programm, bei dem die im Tablet-PC integrierte Kamera das intakte Bein filmt und als Bewegung des amputierten Beins darstellt.

Studie: Online-Therapie hilft gegen Schlaflosigkeit

Charlottesville – Eine neunwöchige Online-Beratung, die auf den Prinzipien der kognitiven Verhaltenstherapie basiert, hat in einer randomisierten klinischen Studie in JAMA Psychiatry (2016; doi:10.1001/jamapsychiatry.2016.3249) die Schlafeigenschaften von Patienten mit chronischer Insomnie signifikant verbessert. Eine Wirkung war auch ein Jahr nach dem Ende der Online-Beratung noch nachweisbar.

Ein Drittel bis die Hälfte aller Erwachsenen leidet unter Schlafstörungen, die bei 12 bis 20 Prozent die diagnostischen Kriterien einer Insomnie erfüllen. Die Behandlung erfolgt in der Regel medikamentös, da für eine kognitive Verhaltenstherapie, die anders als die Medikamente eine langfristige Wirkung erzielt, aufwendig ist und in der Regel nicht genügend Therapeuten zur Verfügung stehen.

Um die effektive Therapie möglichst vielen Patienten zur Verfügung zu stellen, haben Psychiater der University of Virginia School of Medicine in Charlottesville eine Online-Therapie entwickelt, die die gleichen Ziele verfolgt wie eine kognitive Verhaltenstherapie. Dabei lernen die Patienten bestimmte Techniken wie Schlafrestriktion und Stimulus­kontrolle, die nachweislich die Schlafqualität erhöhen. Die Schlafrestriktion legt regelmäßige Schlafzeiten fest, die die Patienten einhalten müssen. Bei der Stimulus­kontrolle sollen die Betroffenen schlafverhindernde Aktivitäten (etwa Handynutzung im Schlafzimmer) meiden und schlaffördernde Aktivitäten erlernen.

Dabei reicht es in der Regel nicht aus, die Patienten grundsätzlich auf die Fehler aufmerksam zu machen und eine bessere Schlafhygiene einzufordern. Die Effektivität der kognitiven Verhaltenstherapie beruht auf der individuellen Beratung, die mit der Erstellung eines Schlaftagebuchs beginnt und nach einer Analyse die einzelnen Probleme „abarbeitet“. Dies erfordert in der Regel den persönlichen Kontakt mit einem Therapeuten.

Das Programm SHUTi (für „Sleep Healthy Using the Internet“) versucht, den Thera­peuten durch ein Internetmodul zu ersetzen. Vor Beginn der Beratung beantwortet der Patient über zehn Tage Fragen zu seinem Schlafverhalten. Seine Angaben bilden die Grundlage für eine Beratung über einen Zeitraum von neun Wochen, die dem Patienten langfristig zu einem besseren Schlaf verhelfen soll.

Das Team um Lee Ritterband von der University of Virginia School of Medicine in Charlottesville hat SHUTi jetzt in einer randomisierten Studie mit einer einfachen Patienten-Schulung verglichen. Dort erhielten die Patienten im Prinzip dieselben Strategien für einen besseren Schlaf vermittelt. Es fehlt aber der persönliche Bezug und die individuelle Beratung.

An der Studie nahmen 303 Patienten im mittleren Alter von 43 Jahren teil, die seit mindestens sechs Monaten über Einschlaf- oder Durchschlafstörungen an mindestens drei Tagen in der Woche litten, deren nächtliche Schlafdauer weniger als 6,5 Stunden betrug und die sich in ihrer Tagesaktivität durch die Schlafstörung beeinträchtigt fühlten. Primäre Endpunkte waren die Einschlaflatenz, die Dauer der nächtlichen Wachphasen und ein Insomnia Severity Index (ISI).

Wie Ritterband berichtet, waren beide Therapien erfolgreich. Auch die Patienten­schulung erzielte einen gewissen Effekt. Am Ende der Intervention hatten hier 11,3 Prozent eine Remission erreicht, definiert als weniger als 8 Punkte im ISI-Score. Nach einem Jahr stieg der Anteil auf 27,3 Prozent. Die Online-Beratung war effektiver. Am Ende der Intervention waren 40,6 Prozent in Remission, nach einem Jahr war der Anteil auf 56,6 Prozent gestiegen.

Diese zusätzliche Wirkung lässt sich das Team gut bezahlen. Für einen 16-wöchigen Zugriff auf die Internetseite werden 135 US-Dollar verlangt, wer ein Jahr Hilfe in Anspruch nimmt, zahlt 156 US-Dollar. Ein guter Patientenratgeber aus dem Buchladen dürfte wesentlich günstiger sein. Er bietet aber keine individuelle Beratung. Dass die Entwickler des Programms die Studie leiteten, stellt natürlich einen Interessenkonflikt dar. Lee Ritterband versichert aber, dass die Daten von unabhängiger Seite ausgewertet wurden.

zum Thema

Abstract der Studie
Pressemitteilung von JAMA
Registrierung der Studie
SHUTi-Website
Insomnia Severity Index
Randomisierte Studie zu Sleepio

SHUTi ist nicht die einzige kostenpflichtige Schlafberatung im Internet. Eine weitere Online-Therapie, deren Effektivität in einer randomisierten Studie untersucht wurde, ist Sleepio. Das von einer Firma in London entwickelte Programm kostet umgerechnet 300 US-Dollar für eine einjährige Teilnahme. Ob die beiden Programme in der Realität halten, was die Studienergebnisse versprechen, ist nicht sicher.

In der Studie erhielten die Teilnehmer Geld, wenn sie das Programm beendeten. In der Realität müssen sie dafür zahlen. Der Anreiz, sich tatsächlich ernsthaft mit seinen Problemen auseinanderzusetzen, könnte geringer sein. Die Erfahrung zeigt, dass nicht alle Besitzer einer Jahreskarte für einen Sportverein oder ein Fitnessstudio auch regelmäßig trainieren. Wenn sie Geld für den Besuch bekämen, wäre die Adhärenz vermutlich besser.