Posttraumatische Belastungsstörung könnte kognitive Funktion verschlechtern

New York – Menschen, die an einer posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) leiden, zeigen im Langzeitverlauf häufiger Einschränkungen der kognitiven Funktion. Dies könnte eventuell ein Risikofaktor für die Entwicklung einer Demenz sein, berichten For­scher um Sean Clouston an der Stony Brook University in Alzheimer’s & Dementia: Diagnosis, Assessment & Disease Monitoring (dx.doi.org/10.1016/j.dadm.2016.08.001).

Die Studienkohorte bestand aus überlebenden Rettungskräften, die während und nach den Terrorangriffen vom 11. September 2001  in New York im Einsatz waren. Dies betraf bei­spiels­weise Feuerwehrmänner, Rettungssanitäter, Suchtrupps und Aufräumkräfte. Mehr als 33.000 Menschen, die von den Angriffen und den Rettungsaktionen betroffen waren, nehmen am World Trade Center Health Programm des Center for Disease Con­troll teil.

Das Programm bietet den Betroffenen eine medizinische und psychologische Be­treuung sowie regelmäßige Kontrolluntersuchungen an. Sinn des Programms ist es, psychische und andere Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu behandeln.

818 Teilnehmer dieses Programms konnten die Forscher in die vorliegende Studie ein­schließen. Die Teilnehmer wurden zwischen Januar 2014 und April 2015 während ihrer jährlichen Kontrolltermine von erfahrenen Ärzten untersucht. Die Ärzte führten mit den Teilnehmern das Montreal Cognitive Assessment durch. Dieser Screening-Test umfasst Aufgaben, die das Konzentrations-, Erinnerungs- und Problemlösungsvermögen der Teil­nehmer testen. Der Test kann auch leichte kognitive Einschränkungen erfassen.

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Von den Teilnehmern hatten 12,8 Prozent kognitive Einschränkungen und 1,2 Prozent wa­ren laut des Tests bereits dement. Die Forscher stellten hierbei fest, dass eine PTBS oder eine schwere depressive Episoden in den Jahren nach den Ereignissen das Risiko für kognitive Einschränkungen deutlich erhöhte. Das relative Risiko für kognitive Ein­schrän­­kungen war um den Faktor 2,88 größer, wenn die Teilnehmer unter sogenannten Flashbacks litten. Bei den Flashbacks durchleben Patienten mit einer PTBS wieder Ge­fühle und Situationen, die sie zum Zeitpunkt des Traumas erfahren mussten.

Eine PTBS könnte den Forschern zufolge das Risiko für kognitive Einschränkungen lang­fristig erhöhen. Behandelnde Ärzte sollten daher bei diesen Patienten auch die kognitiven Funk­tionen im Auge behalten, empfehlen die Autoren.