Adipositaschirurgie: Langanhaltender Gewichtsverlusst dank Magenbypass

Durham – Eine Langzeitstudie zeigt den anhaltender Effekt eines Roux-en-Y-Magenbypasses (RYGB). Diese führten Chirurgen bei adipösen Patienten durch. Den anschließend erzielten Gewichtsverlust konnten die operierten Probanden größtenteils auch zehn Jahre später noch halten. Im Vergleich zu anderen bariatrischen Eingriffen erzielte der RYGB den größten Erfolg. Die Ergebnisse der Studie wurden in JAMA Surgery (2016; doi: 10.1001/jamasurg.2016.2317) publiziert.

Erstautor Matthew L. Maciejewski von der Duke University in Durham hat mit seinen Kollegen 573 adipöse Veteranen über zehn Jahre untersucht, die einen RYGB erhalten hatten und mit einer nicht operierten Kontrollgruppe verglichen. Diese bestand aus 1.274 stark übergewichtigen Menschen mit einem Body Mass Index von etwa 47, die keine formale Therapie gegen Übergewicht erhielten. Fast jeder dritte der Studiengruppe hatte einen Diabetes Typ 2.

Nach zehn Jahren hatten die RYGB-Patienten 21 % mehr an Gewicht verloren. Nur 19 von 564 erlebten den Jojo-Effekt und fielen nach zehn Jahren wieder annähernd auf ihr Anfangsgewicht zurück. Die erfolgreichen Ergebnisse nach einer RYGB überwogen: Fast 40 % der operierten Probanden konnten nach zehn Jahren sogar einen Gewichtsverlust von 30 % aufweisen. In der Kontrollgruppe erreichten nur 4 % dieses Ziel. Dass auch ohne eine Therapie ein paar Pfunde purzelten, führen die Autoren auf altersbedingte Effekte zurück. Es sei auch nicht auszuschließen, dass einzelne an einem Bewegungsprogramm teilgenommen hätten.

zum Thema

Abstract JAMA Surgery 2016
Adipositas-Operation senkt Alkoholtoleranz
Adipositas: Zahl bariatrischer Eingriffe steigt
Adipositas-Chirurgie senkt Sterblichkeit
Adipositas-Operationen erhöhen Suizidrisiko
Bariatrische Operation senkt Blutzucker besser als Medikamente
Adipositas-Chirurgie verlängert das Leben
Schlauchmagen behebt Typ-2-Diabetes mellitus

Magenbypass, Schlauchmagen und Magenband im Vergleich
Die Forscher verglichen den Gewichtsverlust auch mit anderen Eingriffen der Adipositaschirurgie, vier Jahre nach der Operation: a) mit einem verstellbaren Magenband (n = 246) und b) mit einem Schlauchmagen (n = 379). Zu diesem früheren Zeitpunkt hatten die RYGB-Probanden noch 28 % ihres Ausgangsgewichts verloren. Damit war die RYGB den anderen Methoden deutlich überlegen. Hier konnten die Patienten mit einem Schlauchmagen ihr Gewicht um 18 % minimieren und diejenigen mit einem Magenband um 11 %.

Welche Maßnahme für welchen Patienten am geeignetsten ist, können die Autoren dennoch nicht pauschal sagen. Die Nebenwirkungen der Methoden müssten noch besser untersucht werden. Zudem sollten Ärzte ihre Patienten über die realistischen Ergebnisse der Adipositaschirurgie aufklären. Studien hatten gezeigt, dass Patienten oft unrealistische Vorstellungen haben.

Vor- und Nachteile der Studie: Komorbiditäten wurden nicht untersucht
Die Adipositaschirurgie zählt zu den effektivsten Mitteln, damit übergewichtige Menschen auch langfristig abnehmen. „Zwei von drei adipösen Menschen, die durch konservative Therapien Gewicht verloren haben, nehmen später wieder zu“, berichtete Matthias Blüher, Präsident der Deutschen Adipositas Gesellschaft vom Universitätsklinikum Leipzig auf einer Pressekonferenz im Juni 2016 in Berlin. Der bariatrische Eingriff sei derzeit der einzige evidenzbasierte Therapieansatz bei schwerer Adipositas.

Die Evidenz beruht aber derzeit vorrangig noch auf Studien mit einem 1- bis 3-jährigen Flollow-up. Zudem seien bisher vor allem Studien mit jüngeren und hauptsächlich weiblichen Patientinnen durchgeführt worden, berichten die Autoren. In der aktuellen retrospektiven Kohortenstudie betrüge der Männeranteil hingegen mehr als 70 % und das Durchschnittsalter lag bei 52 Jahren. Therapieziel sei aber nicht nur der Gewichts­verlust an sich, berichtete Blüher im Juni. Ob nach zehn Jahren die Komorbiditäten wie etwa Diabetes Typ 2 abgenommen haben oder die Lebensqualität besser wurde, haben die Autoren nicht untersucht.