Mikroglia im Gehirn beeinflusst die Entstehung neuropathischer Schmerzen

New Brunswick – Wenn nach einem peripheren Trauma frühzeitig im Gehirn die Bildung von Mikroglia unterbunden wird, könnte dies die Entwicklung chronischer Schmerzen ver­hindern oder dämpfen. Long-Jun Wu und Forscher der Rutgers University berichten in Nature Communications, dass die Proliferation der ungünstigen Mikroglia unter­brochen werden kann (2016; doi: 10.1038/ncomms12029).

Chronische Schmerzen entstehen durch ein komplexes Zusammenspiel peripherer und zentraler Sensibilisierungsprozesse. Diese Schmerzform beginnt jedoch meist mit einem akuten Schmerzereignis. Den Übergang vom akuten zum chronischen Schmerz zu ver­steh­en und zu blockieren, ist einer der Schwerpunkte in der Schmerzforschung. In der Peripherie lösen Makrophagen durch die Ausschüttung von Zytokinen eine Sensibilisie­rung der Nerven aus, während im zentralen Nervensystem die Mikroglia hierfür verant­wort­lich sein könnten. Mikroglia sind spezialisierte Makrophagen, welche Hirn und Rücken­mark immunologisch überwachen.

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Abstract zur Studie in Nature Communications
Long-Jun Wu
Gliazellen: Unterschätzte Gehirnzellen

Die Forscher nutzten genetisch modifizierte Mäuse und verabreichten ihnen eine Che­mo­therapie, sodass die Proliferation der zentralen Mikroglia unterdrückt wurde. Sie setz­ten bei den Mäusen periphere Nervenverletzungen und beobachteten bei den Tieren die Entwicklung einer posttraumatischen Hypersensitivität oder Schmerzen.

In der folgenden Beobachtungszeit stellten die Wissenschaftler fest, dass die Tiere durch die Unterdrückung der Mikrogliareaktion keine chronischen Schmerzen oder eine Hyper­algesie entwickelten. Auch nachdem sich die Mikroglia-Population wieder erholte, ent­wickel­ten die Tiere dennoch keine neuropathischen Schmerzen.

Aus den Ergebnissen schließen die Forscher, dass Mikroglia in einer kurzen kritischen Phase nach einem Trauma die Entstehung von chronischen neuropathischen Schmer­zen induziert. Bei der Entwicklung von Schmerzmitteln sollte daher künftig auch die spezielle Mikrogliareaktion im Gehirn berücksichtigt werden, meinen die Wissen­schaftler. Mög­lich­er­weise könne man durch eine Unterdrückung der Mikrogliareaktion die Ent­steh­ung von chronischen Schmerzen verhindern.