Depressionen nach Behandlung auf Intensivstation häufig

Baltimore – Jeder dritte Intensivpatient leidet nach der Entlassung unter Depressionen, die nach den Ergebnissen einer Meta-Analyse in Critical Care Medicine (2016; 44: 1744-1753) auch ein Jahr später noch bestanden.

Vielen Menschen fällt es nach der Behandlung auf einer Intensivstation schwer, im normalen Leben wieder Fuß zu fassen. Dies kann an den Folgen der Erkrankung liegen, die die intensivmedizinische Behandlung notwendig gemacht haben. Eine Rehabilitation der Patienten ist häufig nicht möglich. Es kann aber auch sein, dass die Behandlungen selbst die Psyche stark belastet haben.

Die Studien, deren Ergebnisse ein Team um Joseph Bienvenu von der Johns Hopkins University School of Medicine, Baltimore, in einer Meta-Analyse zusammengefasst hat, können die Ursache der Störungen nicht klären. Sie zeigen aber, dass Depressionen kein seltenes Phänomen sind.

Die Symptome wurden in den Studien meistens mit der Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS-D) bestimmt. Der Score reicht von 0 bis 21 Punkten, wobei ein Wert von 0 bis 7 Punkten ein Normalbefund ist. Von 8 bis 10 Punkten könne eine leichte, bei mehr als 11 Punkten eine mittelschwere bis schwere Depression vorliegen. Die Diagnose selbst erfordert eine fachärztliche Untersuchung.

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Abstract der Studie in in Critical Care Medicine
Pressemitteilung von Johns Hopkins Medicine

In den 42 Studien mit 4.113 Patienten, die Bienvenu in die Meta-Analyse einfließen ließ, hatten zwei bis drei Monate nach der Behandlung 29 Prozent der Patienten noch 8 oder mehr Punkte im HADS-D. Bei ihnen bestand somit Verdacht auf eine Depression. Wider Erwarten erholten sich nur wenige Patienten in den folgenden Monaten. Die Prävalenz der Depression betrug nach sechs Monaten 34 Prozent und nach 12 bis 24 Monaten noch 29 Prozent.

Auch mittelschwere bis schwere depressive Symptome (HADS-D größer oder gleich 11) waren keineswegs selten. Die Prävalenz lag zwei bis drei Monate nach der Entlassung bei 17 Prozent, nach sechs Monaten ebenfalls bei 17 Prozent und nach 12 bis 14 Monaten noch bei 13 Prozent.

Die wichtigsten Risikofaktoren für eine spätere Depression waren eine vorbestehende psychische Erkrankung sowie ein „Distress-Syndrom“ während der Behandlung mit Wut, Nervosität, akuten Stresssymptomen, emotionaler Distanzierung oder Flashbacks. Das Alter des Patienten, der Schweregrad der Krankheit, die Liegedauer auf Intensivstation oder im Krankenhaus sowie die Dauer der Sedierung hatten dagegen keinen Einfluss auf spätere Depressionen.