Suizidrisiko: Potenzieller Biomarker entdeckt

Grand Rapids – Menschen, die versucht haben, sich das Leben zu nehmen, könnten eines Tages anhand eines Bluttests identifiziert werden. Forscher aus Australien, Schweden und den USA haben bei Betroffenen einen potenziellen Marker gefunden. Das Enzym mit reduzierter Aktivität spielt eine wichtige Rolle bei der Entzündungs­regulation: Amino-ß-Carboxymuconat Semialdehyd Decarboxylase (ACMSD). Die Ergebnisse wurden in Translational Psychiatry (doi:10.1038/tp.2016.133) publiziert.

Frühere Studien haben fortlaufende Entzündungsprozesse bei suizidgefährdeten und depressiven Menschen identifiziert. Die Autoren untersuchten daher das Blut und den Liquor von 137 Menschen, die sich das Leben nehmen wollten und 71 gesunden Probanden auf Komponenten des Immunsystems: Cytokine, den Kynurenin-Metabolit Quinolinsäure (QUIN) und dessen Kompetitor Picolinsäure (PIC). Die Suizid-Gruppe hatte reduzierte PIC-Level und ein höheres Verhältnis von PIC/QUIN. Daraus leiten die Forscher eine verminderte Aktivität des regulatorischen Enzyms ACMSD ab, das für ein Gleichgewicht der beiden Proteine sorgt.

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Infektionen könnten Suizid auslösen
Die Kynurenin-Metabolite könnten sich folglich nicht nur als Biomarker für das individuelle Suizidrisiko eignen. Sie stellen auch einen therapeutischen Angriffspunkt dar. Die Autoren sind sich sicher, dass Menschen mit einer reduzierten ACMSD-Aktivität besonders vulnerabel für Depressionen oder Suizidgedanken sind, wenn eine Infektion oder Entzündung vorliegt. Zudem könnten Entzündungen leichter chronifizieren. Genetische Varianten des ACMSD-Enzyms konnten kürzlich auch bei Parkinson-Patienten gefunden werden.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation nehmen sich weltweit jährlich mehr als 800.000 Menschen das Leben.