Neue App gegen Glücksspielsucht

München/Köln – Eine neue Smartphone-Applikation (App) „PlayOff“ zur Prävention von Glücksspielsucht hat Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) gemeinsam mit der Landesstelle Glücksspielsucht (LSG) vorgestellt. „Unsere kostenfreie App richtet sich an Nutzer von Glücksspielen. Das Angebot soll helfen, das eigene Spielverhalten zu kontrollieren – und so das Spielen zu reduzieren oder sogar ganz aufzugeben. Das Programm gibt zudem Tipps für eine abwechslungsreiche Freizeit ohne Glücksspiele“, sagte die Ministerin. Sie betonte, die App sei kein Therapieersatz für Menschen, die wegen ihrer Glücksspielsucht eine professionelle Behandlung benötigten, wohl aber eine hilfreiche Ergänzung.

Die App „PlayOff“ ist kostenfrei und für iOS- und Android-Geräte verfügbar. Laut Huml unterliegt die Nutzung strengen Datenschutzbestimmungen. Nach Schätzungen leiden in Bayern insgesamt rund 37.000 Menschen an pathologischer Spielsucht. Außerdem zeigen weitere 34.000 Menschen ein problematisches Spielverhalten.

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App „PlayOff“
Online-Hilfsangebote bei Spielsucht
Glücksspiel verliert an Attraktivität
Risiken von Glücksspielen weiter unterschätzt
Sportwetten haben großen Suchtfaktor

Vor dem hohen Suchtpotenzial von Live-Sportwetten warnt anlässlich der Fußball-Europameisterschaft die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Besonders kritisch seien sogenannte Ereignis-Wetten, bei denen Spieler noch während des laufenden Spiels hohe Geldeinsätze auf Geschehnisse abgeben könnten: Welche Mannschaft schießt zum Beispiel das erste Tor oder welcher Spieler sieht als erster eine gelbe Karte?

Die Ereignis-Wette verleitet Spieler laut der BZgA dazu, deutlich mehr Geld auf deutlich mehr Ereignisse zu setzen als ursprünglich geplant. „Live-Sportwetten bergen eine große Suchtgefahr“, warnt die Bundeszentrale. Eine Befragung habe gezeigt, dass in Deutschland Männer etwa sechsmal häufiger an Sportwetten teilnähmen als Frauen. Bei den Live-Wetten tippten Männer sogar achtmal häufiger als Frauen.

38 Gen-Loci liefern Hinweise zur Ursache der Migräne

Helsinki – Die bisher größte genomweite Assoziationsstudie zur Migräne hat Genvarianten in 38 Abschnitten des Erbguts entdeckt, die wichtige Hinweise zu den möglichen Ursachen der Erkrankung liefern. Viele Varianten befinden sich laut der Publikation in Nature Genetics (2016; doi: 10.1038/ng.3598) in Genen, die in Blutgefäßen und der glatten Muskulatur aktiviert werden, was für eine vaskuläre Genese spricht.

Nach Familien- und Zwillingsstudien sind 42 Prozent aller Migräne-Erkrankungen genetisch bedingt. Die verantwortlichen Gene sind bisher nicht bekannt. Eine Ausnahme bildete die seltene Familiäre hemiplegische Migräne (FHM), die durch Defekte im Ionentransport in Nervenzellen ausgelöst wird, was die sogenannte neurogene Hypothese der Migräne stützt. Danach ist eine Funktionsstörung von Nervenzellen Auslöser der Kopfschmerzattacken, die sich bei einigen Patienten durch visuelle oder sensorische Symptome ankündigen, die als Aura bezeichnet werden.

Die Migräne war bereits Gegenstand früherer genom-weiter Assoziationsstudien (GWAS). Dort wurden bereits Genvarianten an 13 Stellen des Erbguts entdeckt, darunter auch solche, die eher eine Entstehung in den Blutgefäßen des Gehirns vermuten lassen. Nach der vaskulären Hypothese werden die Kopfschmerzen durch eine Erweiterung der Blutgefäße ausgelöst. Sie ist derzeit die vorherrschende Ansicht, da einige Vasodilatoren wie Glyceroltrinitrat eine Migräne-Attacke auslösen können und die meisten Migränetherapeutika – von Mutterkornalkaloiden über die Triptane bis zu den in der Entwicklung befindlichen CGRP-Rezeptorantagonisten – ihre Wirkung über eine Kontraktion der Blutgefäße erzielen.

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Abstract der Studie
Pressemitteilung der Universität Helsinki
Migräne: Neue Risiko-Gene entdeckt

Auch die neue jetzt vom International Headache Genetics Consortium um Aarno Palotie, Universität Helsinki, vorgelegte GWAS stützt überwiegend die vaskuläre Hypothese. Die Forscher haben die Gene von 59.674 Migräne-Patienten und 36.078 gesunden Kontrollen verglichen. Sie stießen dabei auf 44 Genvarianten, sogenannte Einzel­nukleotid-Polymorphismen (SNP), die auf 38 Genorten lokalisiert waren.

Auf diesen Genorten befanden sich zahlreiche Gene (PHACTR1, TGFBR2, LRP1, PRDM16, RNF213, JAG1, HEY2, GJA1 und ARMS2), die die Kontraktilität von glatten Muskelzellen beeinflussen oder auf andere Weise in die Regulierung des Gefäß­durchmessers (MRVI1, GJA1, SLC24A3 und NRP1) eingreifen. Sechs weitere Gene (REST, GJA1, YAP1, PRDM16, LRP1 und MRVI1) stehen mit dem oxidativen Stress und NO-Signalwegen in Verbindung, die indirekt ebenfalls die Funktion von Blutgefäßen beeinflussen.

Palotie fand auch zwei SNP in Genen, die den Bauplan für Membrankanäle (KCNK5 und TRPM8) enthalten. Für die Forscher ist der Einfluss jedoch von untergeordneter Bedeutung. Die Untersuchung ist jedoch weit davon entfernt, das genetische Risiko der Migräne zu erklären, so dass ein neuerogener Einfluss auf die Migräne nicht ausgeschlossen werden kann. In der einen oder anderen Form könnte auch eine Kanalopathie, also eine Funktionsstörung der Ionenkanäle, die für die Weiterleitung von Signalen zuständig sind, eine Rolle spielen.

Ambulante Psychotherapie: G-BA beschließt Strukturreform

Berlin­ – Eine Sprechstunde soll den Patienten künftig auch von ärztlichen und Psycholo­gischen Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten ange­boten werden können. Damit sollen vor allem die langen Wartezeiten auf ein erstes Gespräch bei einem Psychotherapeuten reduziert werden. Die psychotherapeutische Sprechstunde ermöglicht zudem einen kurzfristigen Zugang zur Beratung und eine erste psychodiagnostische Abklärung. Die Sprechstunde ist das Kernstück der Strukturreform der ambulanten Psychotherapie, die der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) heute mit der Änderung der Psychotherapie-Richtlinie auf den Weg gebracht hat.

Mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz hatte der Gesetzgeber das Gremium beauf­tragt, bis zum 30. Juni Regelungen zur Flexibilisierung des Therapieangebots, zur Ein­richtung von Sprechstunden, zur Akutbehandlung, zur Förderung von Gruppentherapien und der Rezidivprophylaxe sowie zur Vereinfachung des Antrags- und Gutachterver­fahrens zu beschließen.

„Das waren mühselige und langwierige Diskussionen und Verhandlungen“, merkte der G-BA-Vorsitzende Josef Hecken bei der öffentlichen Sitzung an. „Wir betreten hier Neu­land und deshalb wollen wir die Psychotherapie-Richtlinie nach fünf Jahren evaluieren.“

Einrichtung der psychotherapeutischen Sprechstunden freiwillig
Die psychotherapeutische Sprechstunde dient der zeitnahen Abklärung, ob ein Verdacht auf eine krankheitswertige Störung vorliegt oder nicht. Dazu kann eine orientierende diagnostische Abklärung erfolgen und, wenn notwendig, auch eine differenzialdignos­tische. Ein erwachsener Patient kann bis zu sechsmal 25-minütige Termine erhalten, Kinder und Jugendliche und deren Eltern bis zu zehnmal.

Die Patientenvertreter im G-BA bemängelten in der Sitzung, dass die Sprechstunde nicht verpflichtend eingeführt wird. Psychotherapeuten können selbst entscheiden, ob sie künftig mindestens zwei Stunden pro Woche zu festen Zeiten eine Sprechstunde an­bieten. „Für die Patienten sind die Sprechstunden verpflichtend, für die Psycho­thera­peu­ten nicht – das wird ein Nadelöhr in der Versorgung, sagte PatientenvertreterJürgen Matzat.

„Das wird kein Nadelöhr, sondern ein neuer Korridor in der Versorgung“, betonte hin­gegen Timo Harfst von der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), die im G-BA Anhörungsrecht hat. „Hier werden sehr starke Anreize gesetzt, so dass die allermeisten die Sprechstunde anbieten werden – das ist motivationspsychologisch ein kluger Weg.“ Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband stimmten eindeutig für die Freiwilligkeit.

Psychotherapeutische Akutbehandlung künftig möglich
Unmittelbar nach der Sprechstunde kann künftig für Patienten in akuten psychischen Krisen- und Ausnahmezuständen eine psychotherapeutische Akutbehandlung beginnen. Diese kurzfristige Intervention zur Vermeidung von Fixierungen und Chronifizierungen psychischer Symptomatik besteht aus bis zu 24 Gesprächseinheiten á 25 Minuten, die nicht bei der Krankenkasse beantragt werden müssen. Diese Neuerung bezeichnen der Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten (bvvp), die Deutsche Psychothera­peu­tenvereinigung (DPtV) und die Vereinigung Analytischer Kinder- und Jugend­lichen­psycho­therapeuten (VAKJP) in einer gemeinsamen Pressemitteilung als wichtige Ergänzung des bisherigen Leistungsangebots.

Zweiteilung der Kurzeittherapie stark kritisiert
Darüber hinaus soll künftig die Kurzzeittherapie (KZT) in zwei Abschnitte á zwölf Stunden unterteilt werden, statt wie bisher bis zu 25 Stunden am Stück zu umfassen. Jeder Abschnitt ist antrags- aber nicht gutachterpflichtig. „Wir versuchen die Behandlung damit zu akzentuieren – das ist keine Willkür“, sagte Thomas Uhlemann vom GKV-Spitzenband bei der Sitzung, der für diese Zweiteilung schon im Vorfeld immer wieder kritisiert worden war. Durch die Befreiung von der Gutachterpflicht solle der Patient zudem schneller in die Behandlung gebracht werden, erklärte Uhlemann.

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Psychotherapie-Richtlinie im Wortlaut (Stand: 16.06.2016)

„Die Behandlung kann auf diese Weise nicht sinnvoll kürzer gemacht werden“, betonte hingegen BPtK-Vertreter Harfst. Zudem sei auch die sogenannte Genehmigungsfiktion „ein sinnfreier Vorgang“, kritisierte er. Danach haben die  Krankenkassen drei Wochen Zeit, einen Antrag auf KZT zu genehmigen. Wenn sie diese Frist verstreichen lassen, gilt der Antrag auch als genehmigt. Die drei Verbände (bvvp, DPtV, VAKJP) bezeichnen die künftige Zweiteilung der KZT darüber hinaus als „willkürlichen Eingriff in die Behand­lungs­planung von Psychotherapeuten“ und „unnötigen bürokratischen Aufwand“.

Rezidivprophylaxe nach Langzeittherapie
Nach Beendigung einer Langzeittherapie kann künftig eine Rezidivprophylaxe durch­geführt werden: Eine niederfrequente therapeutische Arbeit, die zur Stabilisierung der Patienten beitragen und Rückfällen vorbeugen soll. Die Stunden, die dafür genutzt werden sollen, sind kein eigenes Modul, sondern Teil des bewilligten Gesamtkontingents. Die Rezidivprophylaxe kann über einen Zeitraum von zwei Jahren nach Abschluss der Behandlung durchgeführt werden.

Nach Ansicht der Bundespsychotherapeutenkammer hatte der G-BA den Auftrag, für die Rezidivprophylaxe einen eigenen Leistungsbereich zu schaffen, um chronisch und schwer psychisch Kranken ein flexibles Behandlungsangebot nach Abschluss einer Psychotherapie zu bieten. „Diesen  Auftrag hat das Gremium nicht erfüllt“, kritisiert BPtK-Präsident Dietrich Munz. „Nicht nachvollziehbar“ sei zudem die Beschränkung auf Langzeittherapie als Voraussetzung für eine Rezidivprophylaxe. Auch nach einer Kurz­zeittherapie könne es notwendig sein, Rückfällen vorzubeugen. Auch die drei Berufs­verbände kritisieren diesen Teil des Beschlusses als „Mogelpackung“: Das letzte Therapie­kontingent einer Langzeittherapie auf bis zu zwei Jahre zu strecken, sei auch bisher schon möglich gewesen.

Weitere Änderungen der Psychotherapie-Richtlinie betreffen die probatorischen Sitzungen, die Gruppentherapie und die Standarddokumentation. Der vollständige Beschlusstext wird in Kürze auf der Internetseite des G-BA veröffentlicht.

Der Beschluss wird nun dem Bundesministerium für Gesundheit zur Prüfung vorgelegt. Die geänderte Psychotherapie-Richtlinie tritt geplant am 1. April 2017 in Kraft. Bis dahin müssen insbesondere die Vergütungsregelungen für die neuen Leistungen der Sprechstunde und der Akutbehandlung getroffen werden.

Opioide erhöhen Sterberisiko in der Schmerztherapie

Nashville/Tennessee – Überdosierungen sind nicht das einzige tödliche Risiko von lang-wirksamen Opioiden in der SSchmerzstörungenchmerztherapie. In einer Auswertung von Versicherten­daten im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2016; doi:10.1001/jama.2016.7789) war das Sterberisiko von Nicht-Krebs-Patienten höher als nach einer Behandlung mit anderen Schmerzmitteln. Zwei Drittel der Todesfälle standen nicht mit einer Überdosierung in Verbindung.

US-Ärzte verschreiben ihren Schmerzpatienten keineswegs immer Opioide. Antikonvulsiva wie Gabapentin oder Pregabalin sowie trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin werden bei chronischen Schmerzen weitaus häufiger eingesetzt. Von den etwa 150.000 nicht an Krebs leidenden Schmerzpatienten, deren Daten Wayne Ray von der Vanderbilt University School of Medicine in Nashville ausgewertet hat, hatten nur etwa 23.000 lang-wirksame Opioide erhalten.

Um die Wirkstoffe fair miteinander vergleichen zu können, stellte Ray 22.912 Patienten, die mit Opioiden behandelt wurden, einer gleichen Zahl von Patienten gegenüber, die andere Schmerzmittel erhalten hatten. Dabei achtete er darauf, dass Alter und Geschlecht der Patienten sowie die Krankheitsdiagnosen und die Begleitmedikation möglichst gleich verteilt waren.

Von den 22.912 Schmerzpatienten, die Opiode erhalten hatten, starben 185 in den ersten 176 Tagen nach Beginn der Behandlung. In der Vergleichsgruppe, wo andere Schmerzmittel verordnet wurden, waren es 87 Todesfälle in 128 Tagen. Ray ermittelt eine Hazard Ratio für die Gesamtmortalität von 1,64 (95-Prozent-Konfidenzintervall1,26-2,12). Auf 10.000 Personenjahre kamen 68,5 zusätzliche Todesfälle. Das entspricht einem Todesfall auf 145 behandelte Patienten.

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Abstract der Studie
Pressemitteilung des Vanderbilt University Medical Center
Pressemitteilung von JAMA

Opioiden: US-Behörde schränkt Verordnung in der Schmerztherapie ein
World Health Summit: 80 Prozent der Opioide weltweit werden in den USA verbraucht

Die Differenz wurde vor allem durch eine 1,9-mal höhere Zahl von Todesfällen erklärt, die außerhalb der Klinik auftraten. Diese zusätzlichen Todesfälle wurden zu weniger als einem Drittel auf eine Überdosierung des Opioids zurückgeführt. In mehr als der Hälfte wurden Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Todesursache angegeben, was Ray für glaubwürdig hält (auch wenn die Totenschau häufig fehlerhaft ist). Gegen die Vermutung, dass Überdosierungen übersehen wurden, spricht, dass das Sterberisiko auch bei niedrigen Opioid-Dosierungen erhöht war. Auffällig war, dass viele Todesfälle bereits in den ersten 30 Tagen nach Beginn der Therapie auftraten.

Für Ray sind die Ergebnisse ein weiteres Argument dafür, in der Schmerztherapie von nicht an Krebs erkrankten Patienten nach Möglichkeit auf Opioide zu verzichten. Antikonvulsiva und trizyklische Antidepressiva könnten vor allem bei neuropathischen Schmerzen häufig eine ebenso gute Wirkung erzielen, die mit geringeren Risiken verbunden seien.

Bipolare Störungen: Oft schon Symptome im jungen Erwachsenenalter

Bipolare Störungen (manisch-depressive Erkrankungen) betreffen circa zwei Prozent der Bevölkerung und sind von Phasen der Depression wie auch deren Gegenpol, der Manie, gekennzeichnet. Für die meisten Betroffenen die Erkrankung einen lebenslangen Kampf, der oftmals schon in der Pubertät oder im jungen Erwachsenenalter beginnt, ohne dass diese Menschen jedoch ausreichend diagnostiziert oder behandelt werden. Daher richten sich Wissenschaftler der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus mit einer speziellen Psychotherapie-Studie (mit der Fachbezeichnung „BipoLife A2“) gerade an junge Menschen (im Alter von 18 bis 35 Jahren) mit bipolarer Störung.

Auch viele berühmte Persönlichkeiten litten unter dieser Erkrankung, beispielsweise Ernest Hemingway, Robert Schumann oder Vincent van Gogh – bei denen sich kreative Höhenflüge mit tiefer, teils lebensgefährlicher Depression abwechselten.

Im Rahmen der Studie bieten die Therapeuten eine innovative Gruppenpsychotherapie an und sind überzeugt, damit Rückfälle in die Depression oder Manie verhindern zu können. Die Studie wird in ganz Deutschland in insgesamt neun universitären Zentren angeboten. Die Gesamtkoordination erfolgt durch Prof. Martin Hautzinger in Tübingen. Am Standort Dresden wird die Studie durch Dr. Jörn Conell und  durch Dr. Dirk Ritter geleitet. Das Therapieangebot findet einmal im Monat ganztägig an insgesamt vier Samstagen im Universitätsklinikum Dresden statt, so dass auch Patienten aus dem weiteren Umkreis Dresdens daran teilnehmen können.

Bei Interesse an der aktuellen Studie gibt es unter Telefon 458-3595 bzw.

per E-Mail an BipoLife@uniklinikum-dresden.de die Möglichkeit zur Terminkoordination für einen ersten Kontakt zur lokalen Studienleitung.

Mehr Informationen zur BipoLife A2-Studie und dem Wissenschaftler-Team gibt es online unter www.BipoLife.org.

Angststörungen verbreiteter als angenommen

Frauen weltweit doppelt so oft von Krankheit betroffen als Männer

Cambridge (pte/06.06.2016/11:30) Angst sollte bei der Erforschung der psychischen Gesundheit mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, da sie verbreiteter ist als angenommen. Denn Frauen, junge Menschen unter 35 Jahren und Personen mit Gesundheitsproblemen sind laut einer Studie der University of Cambridge http://cam.ac.uk besonders betroffen. Die Forscher gehen davon aus, dass vier von 100 Menschen unter Ängsten leiden. Weitere Studien sind laut Forschungsleiterin Olivia Remes aber erforderlich, um herauszufinden, welche anderen Personengruppen dem größten Risiko ausgesetzt sind.

60 Mio. Europäer betroffen

Die im Fachmagazin „Brain and Behavior“ publizierte Analyse von 48 Studien zeigt, dass jedes Jahr in der EU mehr als 60 Mio. Menschen von einer Angststörung betroffen sind. In Nordamerika sind die Werte mit acht von 100 Personen am höchsten, in Ostasien mit drei von 100 am niedrigsten. Obwohl der Anteil der Menschen mit einer Angststörung zwischen 1990 und 2010 konstant geblieben ist, wird die Krankheit laut den Forschern – anders als Depression – kaum erforscht.

Weltweit leiden Frauen doppelt so wahrscheinlich an einer Angststörung wie Männer. Laut Remes könnten dafür hormonelle Schwankungen verantwortlich sein – oder auch der Umstand, dass Frauen allgemein stressanfälliger sind, weil sie traditionell für Nachwuchs sorgen. Die Auswertung der Studien hat auch ergeben, dass Menschen mit chronischen Erkrankungen besonders gefährdet sind und so ihre Belastung verdoppelt wird.

Belastung Nebenerkrankung

So leiden zum Beispiel 32 Prozent der Patienten mit Multipler Sklerose auch an einer Angststörung. 15 bis 23 Prozent der Krebspatienten sind ebenfalls betroffen. Schwangere waren besonders vor und unmittelbar nach der Geburt von Zwangsstörungen betroffen. Daten zu Angststörungen fehlen jedoch besonders bei manchen Bevölkerungsgruppen wie indigenen Kulturen oder Gruppierungen wie Drogenabhängigen, Sexarbeitern, lesbischen, homosexuellen und bisexuellen Menschen.

Laut Remes können Angststörungen das Leben extrem erschweren. „Angst ist genauso wichtig und einschränkend wie Depressionen und kann zum Entstehen anderer Krankheiten und psychischer Störungen führen, das Selbstmordrisiko erhöhen und steht mit hohen Kosten in Zusammenhang.“ Es sei daher wichtig, dass die zuständigen Behörden wissen, wie verbreitet Angststörungen sind und welche Personengruppen am stärksten betroffen sind.