„Aufschieberitis“ betrifft vor allem junge Männer

Mainz – Die Verbreitung und Risikomerkmale für die sogenannte Prokrastination – also ein ausgeprägtes Aufschiebeverhalten von wichtigen Tätigkeiten – haben Wissen­schaftler der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz untersucht.

Die Studie bestätigt, dass die „Aufschieberitis“ mit Stress, Depression, Angst, Einsamkeit und Erschöpfung einhergeht sowie die Lebenszufriedenheit verringert. Menschen, die Tätigkeiten häufig aufschieben, leben seltener in Partnerschaften, sind häufiger arbeits­los und verfügen über ein geringes Einkommen. Betroffen sind offenbar vor allem männliche Schüler und Studierende.

Die Untersuchung ist in der Zeitschrift Plos One erschienen
(doi:10.1371/journal.pone.0148054). Ein Ziel der Mainzer Wissenschaftler war es, eine Antwort auf folgende Frage zu finden: Warum schieben Menschen Tätigkeiten auf, wenn dies absehbar zu Stress und negativen gesundheitlichen Folgen führt? Die Studien­kohorte umfasste 2.527 Personen im Alter von 14 bis 95 Jahren.

zum Thema

Prokrastination ist laut den Mainzer Wissenschaftlern ein erlerntes Verhalten, das unmittelbar durch Vermeidung unangenehmer Tätigkeiten verstärkt wird. Warum bestimmte Tätigkeiten negative Gefühle hervorrufen, wird von den Betroffenen zu wenig hinterfragt. Leistungsanforderungen sind häufig mit Versagensängsten verbunden, eigene Leistungsansprüche sind möglicherweise zu hoch gesteckt und Zielsetzungen unrealistisch. Ersatzhandlungen wie Medienkonsum haben überdies häufig vordergründig unmittelbar positive Konsequenzen. Nachteilige negative Konsequenzen wie Versagen, Depression oder Einsamkeit treten hingegen erst langfristig auf und sind damit weniger verhaltensbestimmend.

Für Studienleiter und Klinikdirektor Manfred Beutel sind die Studienergebnisse Anlass, um zu handeln: „Aufgrund der steigenden Häufigkeit derartiger Krankheitsverläufe haben wir ein spezielles Behandlungsangebot für junge Erwachsene mit Prokras­tinationsverhalten entwickelt“, erläutert er. © hil/aerzteblatt.de